Fahrbericht

Zurück

Komfort-Tourer. Interessenten für schnelle, bequeme Reisemotorräder sollten beim Kauf einer neuen Maschine unbedingt Hondas neue Honda Pan European ins Auge fassen. Komfort und Fahrdynamik müssen sich nicht ausschließen.
Sage und schreibe zwölf Jahre lang hat Honda seinen Tourer Pan European nahezu unverändert angeboten. Höchste Zeit mithin für eine Überarbeitung oder besser noch eine Totalerneuerung, zumal die Konkurrenz die bisherige ST 1100 hinter sich gelassen hat. Also machten die Ingenieure von Honda Nägel mit Köpfen und stellten eine komplett neue Pan European auf die Sechsspeichen-Gussräder.
Für den Antrieb zeichnet ein vollständig neuer Motor verantwortlich, der außer den in V-Form angeordneten vier Zylindern und der längs liegenden Kurbelwelle nichts mehr mit dem bisherigen Pan-European-Motor gemeinsam hat. Aus 1261 cm3 Hubraum holt der Vierventiler 126 PS und - für Reisende ein wichtigerer Wert - ein Maximaldrehmoment von 125 Newtonmetern. Das Triebwerk nimmt dank der Einspritzanlage bereits ab 1500 Umdrehungen ruckfrei Gas an und dreht willig und geschmeidig hoch. Bei 4000 Umdrehungen geht dann so richtig die Post ab. Aber der richtig dicke Schub unter dieser Marke, der das Überholen mit zwei Personen und Gepäck einfach macht, fehlt ein wenig. Vor flotten Überholmanövern sollte deshalb eine Gangstufe runter geschaltet werden.
Vibrationen sind bei der Pan European dank zweier Ausgleichswellen kein Thema, erst ab 6500 Umdrehungen kribbelt es ein wenig in den Fußrasten. Auf bekannt hohem Honda-Niveau befinden sich Kupplung und Getriebe. Die einzelnen Gänge sind perfekt auf die Motorcharakteristik abgestimmt und lassen sich butterweich schalten, die Kupplung verlangt nach nur wenig Handkraft. In Sachen Abgasemissionen fährt die neue Pan European voraus: Sie unterschreitet schon jetzt die erst ab 2006 gültige Euro-3-Norm.
Im Fahrbetrieb überzeugt die große Honda durch eine Leichtfüßigkeit, die man diesem fahrfertig 320 Kilo schweren Koloss eigentlich nicht zutraut. Spätestens wenn die Schrittgeschwindigkeit überschritten ist, geht es behände voran. Stadtverkehr, schnelle oder langsame Landstraßenkurven oder schnelles Kilometerfressen auf der Autobahn – die Pan European bietet unter allen Bedingungen hohen Fahrkomfort, ohne Einschränkungen in der Fahrstabilität. Kurven lassen sich zielgenau und ohne viel Körpereinsatz durchmessen, allein in engen Wechselkurven merkt der Fahrer die vielen Pfunde.
Gut, wenn sich die Bremsanlage dem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als einer halben Tonne gewachsen zeigt. Der Honda-Tourer verfügt über drei Scheibenbremsen, wobei durch das so genannte CBS (Combined Brake System) sowohl beim Tritt auf den Fuß- als auch beim Griff an den Handbremshebel alle drei Bremszangen aktiviert werden. Die Effektivität dieser Bremsanlage steht außer Zweifel, doch eine etwas defensivere Auslegung wäre gerade für ein solches Tourenbike wünschenswert. Überbremsen steht jedoch bei der Pan nicht auf der Tagesordnung, das verhindert das in Deutschland serienmäßige ABS.
Ein Blick auf die Serienausstattung beweist, dass die Honda-Entwickler ein offenes Ohr für Kundenwünsche haben. Zwei einfach bedienbare Koffer mit je 35 Litern Inhalt gehören ebenso zum guten Ton wie eine per Handrad verstellbare Federvorspannung hinten. Der Fahrersitz kann in drei verschiedenen Höhen und Neigungswinkeln individuell auf den Fahrer eingestellt werden, der Beifahrer findet einen überaus bequemen Platz vor. Lenker, Hebel, Schalter und Fußrasten befinden sich in ergonomisch richtiger Positur, ein Garant für ermüdungsfreies Fahren über einen langen Zeitraum. Hinter der großen Verkleidung genießt der Pilot einen ausgezeichneten Wetterschutz, zudem kann die Windschutzscheibe per Elektromotor in der Höhe um 18 Zentimeter variiert werden. Der leichte Sog, der sich bei voll ausgefahrener Scheibe einstellt, lässt sich gut ertragen. Fazit: Die neue Pan European ist ein schnelles und bequemes Reisemotorrad, auf dessen Sitzbank jeder Weg zum Ziel wird.

Zurück

Quelle: ADAC Motorradwelt 7/2002