Zur Errettung aus der Permanenten Katastrophe setzt Benjamin auf historische Augenblicke, Schocks und Ausnahmezustände ("kleine Sprünge"), die er monadisch und nicht strukturell denkt. Diese Ereignisse sind in keiner Weise mehr Teil der Geschichte oder eines technologischen Systems, sie sind unvorhersehbar und neu. In diesen intensiven Ereignissen kann sich revolutionäre Sprengkraft kristallisieren, die das Geschichtskontinuum unterbricht und Platz für Neues schafft.
Indem er die herrschende Normativität umgekehrt und die Katastrophe zur Norm der Geschichte (die also nichts weiter ist als eine Permanente Katastrophe) erklärt, gewinnt Benjamin für seine monadischen Ausnahmezustände das subversive Potential zurück, das auch im traditionellen Katastrophen-Begriff steckte, nämlich die Kraft, radikale Veränderung zu bewirken. Diese Punkte zeichnen sich gerade dadurch aus, daß sie sich durch keine Geschichtstheorie, durch kein übergeordnetes System vereinnahmen und dadurch entschärfen lassen. Durch sie kommt radikale Neuheit in die Welt.
Die in den Benjaminschen Ausnahmezuständen latente Sprengkraft kann nur zur Entfaltung kommen, wenn sie als radikale Momente von den Menschen auch erfahren werden. Für Benjamin ist es also letztendlich die individuelle Erfahrung (als "profane Erleuchtung", als Schock, 5), die handlungsfähig macht und somit Veränderung in die Welt (in das System) bringt. Durch sein Beharren auf das Inkommensurable der individuellen Erfahrung unterscheidet sich Benjamin von Kaiser und Baudrillard, die gerade die Ohnmacht der Subjekte betonen.
Die Aufgabe der Kunst ist es für Benjamin, die dem Individuum inhärente
Erlebnisfähigkeit zu steigern. Kunst hat die Intensivierung persönlichen
Erlebens zur Aufgabe, die Formulierung und Radikalisierung differenter,
heterogener und destruktiver Positionen.
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