Aus der Chronik des Kirchespiels Handewitt 1990

abgetippt von Melanie W.

 

 

Entstehung und Entwicklung

 

 

Das genaue Alter des Dorfes ist, wie auch bei den übrigen Dörfern des Kirchspiels Handewitt, heute nicht mehr feststellbar. Erwähnt wird unser Dorf erstmalig in einer Urkunde von 1457, des weiteren im Lehnsregister des Amtes Flensburg von 1472. Der Name >>Lehnsregister<< ist irreführend. Die wirkliche Bedeutung dieses Registers ist unklar. Wahrscheinlich ist es ein Strafregister für die Teilnehmer am Aufstand Herzog Gerhards gegen König Christian I. Das o.a. Register enthält die Namen der Bauern aus den Dörfern der Wies- und Uggelharde. Für Gottrupel  werden nur zwei Namen genannt, die von Oleff Kock und Jeppe Oleffsen, d.h. dass zu jener Zeit nur 2 Höfe in Gottrupel bestanden. Bei den Familiennamen handelt es sich im allgemeinen um die üblichen patronymischen, die im Herzogtum Schleswig erst im 18. Jahrhundert fest und unveränderliche Familiennamen geworden sind.

 

Die Deutung des Ortsnamens Gottrupel  kann immer nur ein Versuch sein. Auszuschließen ist wohl, dass er mit dem Schleswiger Schloss und Alt-Gottdorf nördlich von Schleswig in Beziehung gebracht werden kann. Eher wird vermutet, dass er auf ein früheres, nicht mehr bestehendes Dorf gleichen zurückzuführen ist. Der Name ist in den verschiedenen Urkunden über das Dorf in immer neu variierender Schreibweise aufgeführt: 1472 – Gottorpelle, 1496 – Gottorupelle, 1521 – Gottruppelle, 1601 – Gottrup Elle, 1637 – Gotterupelle. Ein Versuch der Deutung von Gottorppelle besagt: Gott, abgeleitet von dem Personennamen Gothi, trup = torp = Dorf, elle Erlengehölz, also Gothis Dorf im Erlengehölz.

 

 

Dorfverwaltung

 

 

Bis etwa 1840 lag die Verwaltung des Dorfes in den Händen von 2 Altmännern. Ihnen folgten die Bauernvögte. Nach Aufgehen von Schleswig-Holstein in Preußen als Provinz im Jahre 1867 leitete der Gemeindevorsteher die Geschicke des Dorfes. Er wurde von der Gemeindeversammlung gewählt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er vom Gemeinderat gewählt, der die Gemeindeversammlung ersetzte. Mit Beginn der Nationalsozialistischen Zeit erhielt der Gemeindevorsteher den Titel Bürgermeister.

1974 beschlossen die Gemeinden des Kirchspiels Handewitt, außer Weding, den Zusammenschluss  zur Großgemeinde Handewitt. Das bedeute das Ende der selbstständigen Gemeinde Gottrupel.

Nachstehend die Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister von 1864-1974:

 

Jahr                             Name                                      heutiger Besitz         

1864-1868                  Peter Jensen                            U. Asmussen, Go 71

1868-1871                  Asmus Petersen                       K.H. Fischer, Go 70

1871-1875                  Jens Lorenzen                          P. Schulz, Go 73

1875-1892                  Johann Lorenzen                      Anneliese Clausen, Go 73

1892-1917                  Gottburg Petersen                    U. Asmussen, Go 71

1917-1920                  Jürgen Ketelsen                       P. Schulz, Go 73

1920-1936                  Andreas Lorenzen                   A. Clausen, Go 69

1936-1947                  Matthias Fries                          N. Fries, Go 52

1947-1951                  Wilhelm Scholz                        W. Scholz, G. 26

1951-1959                  Matthias Fries                          N. Fries, Goe 52

1959-1962                  Asmus Wilhelm Boysen           Anneliese Clausen, Go 69

1962-1966                  Bruno Paulsen                         H. Paulsen, Go 56

1966-1971                  Wilhelm Scholz                        W. Scholz, Go 26

1971-1974                  Gustav Hansen            

1974                           Nicolaus Fries                         N. Fries, Go 52

 

 

Bis zum Jahre 1600 sind die Namen der Bauern nur in einzelnen Urkunden erwähnt,  so dass also nicht festgestellt werden kann, wie lange, d.h. in welchen  Zeiträumen die genannten Bauern Besitzer der Höfe waren. Alle drei Höfe waren Vollhufen. Die Hufengröße betrug  ca. 157 ha, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die gesamte Gemarkungsfläche gleichmäßig auf alle drei Höfe verteilt war.

Nur ein kleiner Teil war jedoch Acker- und Wiesenland, der überwiegende war Heide und Moor.

Um die Zeit des 30jährigen Krieges wurden alle drei Vollhufen geteilt, somit entstanden sechs halbe Hufen. Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude dieser Hufen lagen auf der Westseite des „Alten Kirchenweges“, der von Harrislee bzw. Fröslee nach Handewitt führte, der heutige

 Gottrupeler Weg.

Im 30jährigen Krieg wurde Gottrupel, wie auch alle anderen Dörfer des Kirchenspiels, von den durchziehenden Kriegstruppen stark verheert. In Gottrupel waren 2 Höfe „an den Bettelstab“ geraten. Noch schlimmer erging es den Bewohnern im „Polackenkrieg“ von 1667-1669. Danach war ein Hof „Wüst“, d.h. verlassen, einer verarmt.

Nur ganz allmählich erholte sich das Land von dieser furchtbaren Not.

Einen großen Fortschritt bedeutete die „Verkopplung“. Sie war eine Strukturmaßnahme von außerordentlicher Bedeutung. Sie dauerte in Gottrupel von 1797 bis 1828, also 31 Jahre.

Zur Zeit der Verkopplung (Landaufteilung) waren noch immer die bisherigen sechs halben Hufen und ein der Dorfgemeinschaft gehörendes Hirtenhaus vorhanden.

Nach der Verkopplung im neunzehnten Jahrhundert siedelten die einzelnen Höfe aus auf das

Feld, d.h. von dem eigentlichen Dorfkern zur Lecker Chaussee, Ihlseeweg und Stadtweg.

Eine Maßnahme von ähnlich hohem Rang war die Flurbereinigung in unserer Zeit. In einem Zeitraum von rd. 20 Jahren und zwar von 1957-1978 wurde die Flurbereinigung in Gottrupel durchgeführt.

Zur Zeit der Flurbereinigung gab es 7 Betriebe unter 20 ha und 10 zwischen 20 und 50 ha.

Im Zuge der allgemeinen landwirtschaftlichen Entwicklung in den letzen 10-20 Jahren sind z.Z. nur noch 2 Betriebe  unter 20 ha und 3 zwischen 20 und 50 ha vorhanden. Die restlichen Ländereien wurden teils an Bauern außerhalb der Gottrupeler Gemarkung verpachtet bzw. an Kiesunternehmer  zur Ausbeutung  verkauft. Einen weiteren Teil erwarb die Bundesvermögensverwaltung.

Das Gebiet Bodderweg - Ihlseeweg wurde zwischen 1960 und 1962 bebaut, hier entstanden 23 Einfamilienhäuser. Die Baulücken entlang der Lecker Chaussee, Meynautal, Gottrupler Weg und Stadtweg wurden zwischen 1940 und 1970 geschlossen. Hier entstanden 15 Einfamilienhäuser. Der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung des Wasserverbandes Nord erfolgte 1967.

1963 wurde die Flur 3 der Gemarkung dem Standortübungsplatz zugelegt. Dabei mussten einige Landwirte insgesamt 100 ha Ländereien an das Bundesvermögensamt abgegeben.

 

Mit dem Autobahnbau wurden der Gottrupeler Weg und der Bodderweg verlegt. Der Gottrupeler Weg (alter Kirchenweg) wurde südlich des Dorfkerns über die Bundesautobahn (BAB) geführt und an den Wiesenweg angeschlossen, der zur Landstraße 192 (Betonstraße) führt. Der Bodderweg wurde an den östlichen Böschungsfuß der BAB verlegt und im Brückenbereich an den Gottrupeler Weg angeschlossen.

 

Schule in Gottrupel

 

Fast 110 Jahre – von 1803 bis 1912 – hatten die Kinder von Gottrupel die Schulen von Nachbarorten besucht, zuletzt die von Ellund. Als dort im Jahre 1912 eine neue Schule gebaut wurde, nutzte Gottrupel die Gelegenheit und forderte eine eigene Schule für das Dorf. Der Antrag wurde von der Regierung genehmigt, der Bau vollzogen.

Am 6.10.1912 fand die Einweihung statt, bei der der Ortsschulinspektor, Pator Lindemann, Handewitt, den neu ernannten Lehrer Schuldt in sein Amt einführte. Schuldt stammte aus Hadersleben.

Die Schule war mit einem großen ausgestattet, der mit vielen Obstbäumen und Beerensträuchern bepflanzt wurde. 30 Fuder Mergel führten zu einer wesentlichen Verbesserung des kargen Bodens. Schutzpflanzungen von Feldahorn, Feldulme und Erle grenzten das Grundstück ein.

1913 herrschte ein für die Landwirtschaft sehr ungünstiges Wetter. Die Sommerferien wurden zu jener Zeit nach den Erntezeiten der Landwirtschaft festgesetzt, da die Kinder für die Erntearbeiten gebraucht wurden. Sie währten in diesem Jahr vom 4. bis 30. August. Da die Ernte bis dahin noch längst nicht eingebracht war, wurde angeordnet, dass der Unterricht im Anschluss an die Ferien nur von 7 bis 9 Uhr dauern sollte. Erst ab 14. September konnte wieder voller Unterricht erteilt werden. – Der Lehrer beklagte sich, dass die wiederholt geforderte Schulbibliothek noch immer auf sich warten ließ. Im Jahre 1914 erhielt die Schule als Anfang einen Band (Walter von Bremm: Düppel und Alsen). Mit Beginn des Ersten Weltkrieges war der Schulbesuch sehr unregelmäßig, da die Kinder die zum Kriegsdienst eingezogenen Männer ersetzen mussten. Ab Oktober 1914 schickten die die Schüler regelmäßig Feldpostpakete an die im Felde stehenden Männer der Gemeinde, zunächst hauptsächlich Schokolade und Zigarren, im Winter auch Fausthandschuhe. Auf eine Weihnachtsfeier mit Bescherung wurde verzichtet, das dafür vorgesehene Geld für Feldpostpakete verwendet.

Für das Jahr 1915 ist erstmals eine Schülerzahl angegeben. Sie betrug 23 (10 Jungen, 13 Mädchen). In den folgenden Kriegsjahren wurde der Schulbesuch immer unregelmäßiger. Beurlaubungen wegen Erntearbeiten waren an der Tagesordnung. Auch die Ferien wurden verlängert. 1915 dauerten sie vom 27.7 – 10.09. Lehrer Schuldt, bislang als unabkömmlich erklärt, erhielt am 1.08.1916 die Einberufung zum Heeresdienst. Der Unterricht wurde durch Vertretung aus den Nachbarschulen aufrechterhalten: an 2 Tagen in der Woche zu je 4 Stunden. Schon am 7.02.1917 wurde Schuldt aus dem Heeresdienst wegen Krankheit wieder entlassen. Wegen Kohlenmangels musste der Unterricht, wie auch in den meisten anderen Schulen, im Winter ausgesetzt werden. Dieser Zustand änderte sich auch im folgenden Winter nicht.

Inzwischen war die Schülerzahl auf 28 gestiegen. Die Schulchronik weist bei 25 Kindern plattdeutsch und hochdeutsch als Muttersprache aus, bei 3 Kindern dänisch. Zur Gewinnung von Laubheu pflückten die Kinder im Mai 1918 Blätter von den Bäumen. Im Juli erhielt die Schule für die Schulbücherei 20 Bände.

Nach Kriegsende bekannte sich Lehrer Schuldt, der bis dahin seine deutsche Gesinnung immer wieder in markigen Worten betont hatte, wie die auch die von ihm geführte Schulchronik ausweist, offen und demonstrativ zum Dänentum. Als er zudem an einer dänischen Versammlung in Ellund teilnahm, kam es zum Eklat. Die Gemeinde forderte mit Nachdruck seine Versetzung. Schuldt wurde vom Schulvisitatorium befragt, wobei er, wie in der Schulchronik schrieb, „ruhig und frei“ seine dänische Einstellung bestätigte. Am 23.05.1919 verfügte die Regierung daraufhin seine Versetzung nach Skuderup, Kreis Hadersleben. Dagegen legte Schuldt Widerspruch ein und reiste persönlich nach Schleswig; ohne Erfolg. Er erklärte dort: „ Ich räume meine Stellung nur, wenn brutale Gewalt angewendet wird.“ Am 26. Juni bestätigte die Regierung ihre Versetzungsanordnung und ordnete den Dienstantritt Schuldts für den 1.08.1919 an. Schuldt legte Berufung ein und weigerte sich, der Anordnung nachzukommen. Am 1.07.1919 wurde ihm durch Telegramm die weitere Unterrichtserteilung in Gottrupel verboten. Inzwischen hatten sich die meisten Eltern ohnehin geweigert, ihre Kinder weiterhin zu Schuldt in die Schule zu schicken. Die Gemeinde forderte Schuldt auf, die Wohnung bis zum 5. August um 9 Uhr zu räumen. Dieser weigerte sich weiterhin und legte Beschwerde beim Landrat und beim Amtsvorsteher ein, wurde jedoch abgewiesen. Trotz Androhung polizeilicher Räumung kam Schuldt der Aufforderung nicht nach, so dass die Wohnung dann tatsächlich gewaltsam für den Nachfolger freigemacht werden musste. Das war Lehrer Bukowski, geboren in Stralsund. Er hatte dort auch das Lehrerseminar besucht. 1919 legte er im Eckernförder Seminar die 1. Lehrerprüfung ab.

Im Herbst 1919 konnte endlich die dringend nötige Dachreparatur durchgeführt werden. Im Oktober feierte die Schule ihr erstes Kinderfest seit ihrem Bestehen. Wegen der Kohlenknappheit wurde der Unterricht in Zimmer der Lehrerwohnung verlegt. Am 13.01.1920 wurde in einer Schulvorstandssitzung das Gehalt des Lehrers auf 1120 Mark festgesetzt, wovon noch 100 Mark für freie Feuerung in Abzug kamen. Wegen der allgemeinen Teuerung wurde eine einmalige Beihilfe von 300 Mark gewährt. Am 19.01.1920 musste der Unterricht wegen Feuerungsmangel unterbrochen werden. Dreimal in der Woche kamen die Kinder zur Schule, um neue häusliche Arbeiten zu holen.

Lehrer B. beklagte die unfairen Mittel Dänemarks, die Hunger und Not leidende Bevölkerung des Landteils Schleswig bei der bevorstehenden Abstimmung für sich zu gewinnen durch Locken mit Lebensmittel. Die Erfolglosigkeit dieser Werbung zeigte sich allerdings, als kurz vor dem Abstimmungstage das Flaggenverbot aufgehoben wurde. Mit Ausnahme eines einzigen Hauses prangte das ganze Dorf im „Deutschen Flaggenschmuck“. Am 14.03.1920 stimmten bei 50 abgegebenen Stimmen nur 14 für Dänemark. Am 1.04.1920 wurde Lehrer Bukowski nach Itzestedt, Kreis Segeberg versetzt. An seine Stelle wurde Lehrer Max Lorentzen berufen. Er wurde in Scholderup, Kreis Schleswig, geboren und war vorher in Stenderup I, Kreis Hadersleben, tätig.

Im Jahre 1925 wurde ein Sportverein gegründet, Lehrer Lorentzen mit der Geschäftsführung betraut. Das Wohlfahrtsamt in Schleswig schenkte dem Verein einige Sportgeräte: 1 Faustball, 4 Trommelballschläger, einige Schlagbälle und Schlaghölzer.

Am 1.04.1927 wurde der Gesamtschulverband mit Ellund aufgelöst. Jede Gemeinde bildete fortan einen Eigenschulverband. Lehrer Lorentzen wurde zum Schulverbandsvorsteher in Gottrupel ernannt. Im selben Jahr erhielt die Schule ein neues Spannreck. Größere Instandsetzungsarbeiten am Schulgebäude wurden durchgeführt.

Nach der nationalistischen Machtergreifung im Jahre 1933 traten in vielen Orten an den Schulen personelle Veränderungen ein, von denen auch Gottrupel betroffen wurde. 1934 wurde Lehrer Lorentzen nach Langballigau versetzt; im Tausch mit Lehrer Thomas Schleif, der von dem „blendenden Schulhaus mit schöner geräumiger Lehrerwohnung mit einem großen, parkähnlichen Garten“ begeistert war.

Der Zweite Weltkrieg brachte natürlich auch in Gottrupel große Schwierigkeiten mit sich (Vertretungen, Unterrichtsausfall wegen Kohlemangels). Während der letzten Kriegsjahre wurde der Unterricht zusätzlich durch die Nähe des Flugplatzes stark beeinträchtigt. Bombenabwürfe und Tieffliegerangriffe machten einen geregelten Schulbetrieb unmöglich. Kurz vor Kriegsende wurde das Klassenzimmer mit deutschen Rückwanderern aus der Türkei belegt. Trotzdem war der Bestand der – sehr geringen – Lehrmittel fast ganz erhalten geblieben. Wie überall ruhte vom Kriegsende 1945 an der Unterricht auf Anordnung der Militärregierung. In Gottrupel wurde er erst am 27.02.1946 mit der Berufung des Lehrers Paul Schmurr vertretungsweise wieder aufgenommen, der vorher an der Schule in Harrislee tätig war. Der Unterricht beschränkte sich anordnungsgemäß auf Religion, Rechnen und Heimatkunde. Bereits am 27.03.1946 war die Vertretung wieder beendet. Am 28.03.1946 wurde Lehrer Walter Lange (Heimatvertriebener) an die Schule berufen, aber wegen „unliebsamer Vorkommnisse im Privatleben“ auf Antrag der Gemeindevertretung bald wieder beurlaubt. Erneut wurde Lehrer Schmurr die Vertretung übertragen. Kurz darauf wurde er endgültig mit der Lehrerstelle betraut.

Der Neuanfang war, wie überall, auch in Gottrupel sehr schwer: keine Hefte, keine Bücher, ein überfüllter Klassenraum durch die Aufnahme der Vertriebenenkinder, Unterrichtsausfall im Winter 1946/47 wegen Kohlenmangels. Bei Wiederaufnahme des Unterrichts am 27.02.1946 betrug die Schülerzahl 25, davon 12 Vertriebene. Da keine Schüler zu Ostern entlassen wurden, erhöhte sich die Schülerzahl bei 13 Schulneulingen (darunter 6 Vertriebene) auf  38. Durch weitere Aufnahme von Heimatvertriebenen im Dorf stieg diese Zahl im Laufe des Jahres auf 41. Die vorhandenen Bänke reichten gerade aus, um alle Schüler aufzunehmen.

Ab Juni 1947 lief auch in Gottrupel die Schulspeisung an (Spende aus den USA).

Nach dem Krieg setzte in dieser Grenzgemeinde, noch massiver als nach dem Ersten Weltkrieg eine starke Werbekampagne der dänisch orientierten SSV (Südschleswigsche Vereinigung) ein. Nach der Abstimmung von 1920 waren deren Mitglieder bis auf einen kleinen Kern zusammengeschmolzen. Nun, in einer schier ausweglosen Lage, ungeheurer Not und nagendem Hunger erlag ein Teil der Bevölkerung der dänisch materiellen Verlockung (Lebensmittelzuwendung, Kinderverschickungen nach Dänemark). Mit dem stetigen erfolgreichen Wiederaufbau und der damit verbundenen Beseitigung von Not und Arbeitslosigkeit sank der Stimmenanteil der neudänischen Partei (SSW) ebenso folgerichtig von zunächst 48% (Kreistagswahl am 1.10.1946) auf 20% 1962. Im Zuge der Umsiedlungsaktion verließen bis auf drei Familien die Heimatvertriebenen das Dorf, so dass die Einwohnerzahl 1956 nur geringfügig über der von 1939 lag. Damit sank auch die Schülerzahl von 41 (1946) auf 12(!) im Jahre 1960, um dann jedoch mit der 1961 einsetzenden regen Bautätigkeit wieder kräftig anzusteigen (1963 bereits 21). Am 1.10.1961 trat Lehrer Schmurr in den Ruhestand. Zum ersten Mal im Kreisgebiet übernahm nun einen Frau, Giseltraud Kornowski, als Nachfolgerin von Lehrer Schmurr in Gottrupel die Leitung einer einklassigen Schule. Die Eltern nahmen zunächst teilweise eine abwartende Haltung ein, weil sie, rein gefühlsmäßig, Vorbehalte gegenüber einer Frau in diesem Amt hatten, zumal durch Schwangerschaftsurlaub in den Jahren 1962 und 1963 der Unterricht verkürzt durch Vertretungen  aus den Nachbarschulen aufrechterhalten werden musste. Doch allmählich glätteten sich die Wogen, so dass Frau Kornowski am Ende ihrer Gottrupeler Zeit feststellen konnte, dass „diese eine sehr gute und prägende Zeit für meine Familie und mich gewesen sei.

Seit 1963 besuchten zunächst die letzten drei Jahrgänge die neu gegründete Dörfergemeinschaftsschule in Handewitt, denen vier Jahre später auch die restlichen Jahrgänge folgten, zwei Jahre früher als die der übrigen Schulen des Schulverbands. Damit endete im Jahre 1967 die 55jährige Geschichte der Schule in Gottrupel.

 

 

 

 
 

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