Vereinschronik

Unsere Lehr- und Wanderjahre

Im Gründungsjahr 1892 dachte noch niemand an den kleinen weißen Ball, denn Tischtennis wurde in Europa erst 1925 als anerkannte Sportart geboren. Kurz nach dem 2.Weltkrieg hob sodann eine Handvoll jüngerer Männer im TVL unsere Abteilung aus der Taufe, die nun auf 45 Jahre zurückblicken kann. Wir spielten 1947 im Milchkeller der damaligen Oberschule am Sootbörn, wo uns die viel zu niedrige Decke fast auf den Kopf fiel. Ein Jahr später fanden wir gemeinsam mit dem Niendorfer TSV eine etwas bessere Bleibe in den Baracken am Bindfeldweg, ehe wir schließlich in unsere engere Heimat Lokstedt einwandern konnten.

Die Bombenschäden waren soweit behoben, daß wir zunächst im Erdgeschoß der Langeloh`schen Villa am Behrmannplatz zwie Tische aufstellen und Ende 1949 in die notdürftig wiederaufgebaute Vereinshalle einziehen durften. Hier zeigte sich leider allzu bald, welche Gefahren unseren Fußgelenken durch den ein wenig welligen Lehmboden drohten. So mußte sich im Januar 1950 der Abteilungsleiter (er ist es noch heute) nach einem geeigneten Ersatzraum umsehen. Und siehe da: Im "Neuen Grenzhaus" an der Süderfeldstraße wurde er fündig. Fortan jagten wir dort die kleine Celluloidkugel dreimal wöchentlich übers Netz. Unvorstellbar heutzutage: Erst gegen zwei Uhr nachts "erklang" das Halali, was manche Spitzenkönner aus den Großvereinen anlockte und uns attraktive Lehrmeister bescherte.

Geselligkeit kam nicht zu kurz

Mittlerweile brachten wir's auf 3 Herren und 2 Damenmannschaften, die neben den Punkt- und Pokalspielen großen Wert auf Geselligkeit legten. Maskeraden und Stiftungsfeste, vorzugsweise im Lokstedter Gesellschaftshaus am Rütersbarg, sowie Kostümfeste oder Tanzabende mit dem Club Ceronne im Landhaus Grabbert gerhörten einfach dazu. Eine rauschende Gartenparty glückte der noch jungen Abteilung weiland im einstigen Reumanns Park, dort alos, wo das NDR-Fernsehen heute Wurzeln geschlagen hat.

Auch bei den freundschaftlichen Begegnungen mit anderen Vereinen wurde nicht nur der Schläger, sondern ebenso gern das Tanzbein geschwungen. Unvergessliche Stunden erlebten wwir u.a. mit unseren Gegnern - oder besser gesagt: Partnern - von SVG Blankenese, TSV Jork, VfL Pinneberg, Herta Hitzacker, Blau-Weiß Wittdorf, TTC Luttrum und (schon 1953!) Lokomotive Schwerin. Immer wieder gefeiert wurde, ebenfalls am Rande der beileibten Turniere bei Schwarz-Weiß Cuxhaven und später in Ratzeburg.

Aufwärts im Eppendorfer Exil

Zurück zum Sport: Ein denkwürdiges Match spielte sich im Februar 1954 bei 17 Grad Kälte in Schwarzenbek ab. Unsere erste Damen-Sechs betrat vorschriftsmäßig in Shorts die dortige Schützenhalle, wo - oh Schreck - eine Heizung und etliche Fensterscheiben fehlten. Gottlob hatten unsere Amazonen wenigstens Handschuhe dabei - und am Ende mit 9:6 die Nase vorn, was ihnen den Aufstieg in die Verbandsliga einbrachte.

Für dieses hohe Niveau reichte leider unser beengtes Zuhause an der Süderfeldstraße nicht mehr aus. Eine größere Halle mußte her... und so zog es uns nach Eppendorf hin, wo wir glücklicherweise in der Schule Erikastraße donnerstags die 6 Oberligatische des TTC Rot-Weiß gegen eine adäquaten Obolus nützen durften.

Im Frühjahr 1960 schaffte endlich auch unsere 1.Herrenmannschaft den Sprung in die Verbandsliga, allerdings denkbar knapp. Das Entscheidungsspiel gegen unsere Sportfreunde von Oberalster VfW endete unentschieden 8:8, doch hatte die TVL-Sechs einen Satz mehr gewonnen.

Nach 12 Jahren im Eppendorfer Exil klappte 1966 die ersehnte Heimkehr nach Lokstedt an die Döhrnstraße. Als dann 1971 der TVL92 die Wiedereinweihung seiner vereinseigenen Turnhalle an der Döhrntwiete feriern konnte, fand die Ära permanenter Raumnot ihr vorläufiges Ende.

Mit der Jugend zum Erfolg

Sogleich stürzte sich Dorle Müller (heute noch die einzige ehrenamtliche Lehrkraft des Vereins) auf eine systematische Nachwuchsförderung, die schließlich - dank lizensierter Übungsleiter wie Ralf Aßmann und Hans-Hermann Ostermeyer - nach 10 Jahren ihre Früchte trug.

Die Schülermannschaft des TV Lokstedt gewann im Mai 1981 durch ein 5:4 über unseren großen Nachbarn ETV den Hamburg-Pokal und die Schülerinnen schnappten sich die Bronzemedaille in der Mannschaftsmeisterschaft. Im Herbst erkämpfte sich das Trio Susi Frank, Nils Plathe und Joachim Christ unter der Flagge des Corvey-Gymnasiums auch noch den Pokal der Hamburger Schülermannschaften. Ein halbes Jahr später stand der TVL 92 im Finale des Jugendpokals, dort aber hatte Oberalster diesmal das bessere Ende für sich. Danach spielte unser 1.Herrenteam zwei Jahre lang in der damaligen Stadtliga, Hamburgs höchster Spielklasse.

Unsere Erfolge in den frühen achtziger Jahren haben gezeigt, wie eine beharrliche Breitenarbeit an die Schwelle zum Spitzensport heranzuführen vermag. Daß die äußerst positive Bilanz 1981 keine Eintagsfliege war, demonstrierte eine unserer nachfolgenden Schülergenerationen. Nach paxckenden Duellen mit dem Buxethuder TSV schmückte sich das TVL-Quartett im Frühjahr 1987 mit der Krone des Hamburger Mannschaftsmeisters.

Aber auch bei Einzelmeisterschaften des Verbandes gingen wir nicht leer aus. So holten Bernd Ebell im Gemischten Doppel der Senioren und Lasse Saulerland bei den Schülern der Altersklasse B jeweils einen Landestitel nach Lokstedt.

Wo stehen wir heute?

Gegenwärtig tummeln sich über 100 Mitglieder in beiden Hallen am Döhrn, um unserer schnellen und dynamischen Sportart viel Freude abzugewinnen. In der augefälligen Begeisterung bei den meisten unserer Youngster steckt der vierdiente Lohn für eine aufopfernde Jugendarbeit.

Beim Hamburger Tischtennisverband stehen wir in der laufenden Saison mit 5 Herren-, 2 Damen- sowie 2 Jugendmannschaften zu Buche und rangieren damit quantitativ im oberen Drittel der 140 Vereine. Qualitativ ist - bei allem Vorbehalt eines solchen Vergleichs - das erste Herrensextett in der 1.Landesliga am höchsten einzustufen. Wir machen aber keinen Hel daraus, daß uns der harmonische Zusammenhalt und das einwandfreie Auftreten aller Mannschaften genauso am Herzen liegen wie eine gute Platzierung. Unter diesem Motto sehen wir die aktuelle Perspektive unserer Abteilung.

Gerhard Müller

Letzte Aktualisierung am 30.08.1999 von Sigi Nachbaur