Leben um jeden Preis - oder:

Die ethische Menschenquälerei

Die Entdeckung der Kleinstlebewesen, somit der Bakterien, hat eine Wende in der Menschheitsgeschichte mit sich gebracht. Dem Segen der Bekämpfung von Seuchen und der Kinder-Krankheitssterblichkeit ist indes der Fluch der Bevölkerungsexplosion gefolgt. Über sechs Milliarden Menschen leben weltweit, Tendenz steigend. Die Lebenserwartung erreicht inhumane Höhen - Tendenz ebenfalls steigend.

Während in anderen Ländern offen über den Leidensfreitod geredet werden kann, sind die Deutschen erstarrt, seit im Dritten Reich unter dem Begriff Euthanasie damit Schindluder getrieben worden ist. Angeheizt auch von den Anthroposophen und den Kirchen (die einmal Jesus Sirach 41:2 lesen sollten!), ist jede Kontrolle der Bevölkerungsentwicklung hierzulande tabu. Geburten haben gefälligst selbst unter den hirnrissigsten Bedingungen als "freudige Ereignisse" deklariert zu werden, unheilbar Leidende jeder Art werden im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode gequält. Nackter Hohn sind Gratulationen für Geburten von Personalkindern in der Hauspresse größerer Firmen, denn nicht etwa zahlt das süße Baby von heute morgen seinen Eltern die Rente, sondern die zwischenzeitlich auf die Straße gesetzten Eltern dem arbeitslosen Schulabgänger den Unterhalt.
Nachwuchsverweigerung aus politischem oder weltökologischem Motiv führt immer noch zu Diskriminierung, wenngleich hier eine Entspannung der Lage erkennbar ist.

Im Grundgesetz stehen das Recht auf Leben und die Unantastbarkeit der Menschenwürde.
Ein Recht ist keine Pflicht, einer Legitimierung des Leidensfreitodes steht das GG folglich nicht im Wege. Dagegen sehe ich die Menschenwürde durch die gewaltsame Verlängerung des Lebens unheilbar Leidender und die Ächtung des Leidensfreitodes angesichts der damit verbundenen, an Folter grenzenden Qualen angetastet. "Wohin mit Oma? Pflegenotstand in Deutschland", war im Spiegel zu lesen. Die Pflegeversicherung sollte die Tortur finanziell absichern, doch die reicht nicht aus. Einzig die Pharma- und orthopädische Industrie profitieren davon, während die Angehörigen der Schwerkranken bis ins eigene materielle, physische und psychische Elend getrieben werden, von dem sie sich nie wieder erholen - schon gar nicht unter kapitalistischen Bedingungen. Ich hatte eine persönliche Bekannte, die für die mehrjährige Pflege ihrer Mutter ihre Erwerbsarbeit hatte aufgeben müssen, da ihr Gehalt und die Rente der Mutter trotz gemeinsamer Wohnung für die Finanzierung professioneller Hilfe nicht ausreichten. Für die Wiederaufnahme von Erwerbsarbeit nach dem Tod der Mutter war sie den Kapitalisten zu alt. Der Staat bestrafte sie für die Pflegefolter mit Hartz IV, woran sie Ende Mai 2006 mittels einer Magenblutung gestorben ist. Nicht die feine englische Art, Rentenleistungen zu sparen. Repression schlägt auf den Magen, das ist bekannt.

Die aggressiven Kampagnen gegen das Rauchen sind, bei allem Verständnis für die Klagen der Nichtraucher (ich bin selbst betroffen), in ihren Formulierungen ebenfalls ein Mittel zur Lebensverlängerung im Quälalter. Leidtragende sind aber auch die Belegschaften der Tabakwaren-Infrastruktur, denen weder Staat noch Wirtschaft eine Alternative als Hunger anzubieten bereit wären, wenn es keine Raucher mehr gäbe. Zwangsumsiedelung und -umschulung zur Existenzsicherung lehne ich im Zuge meiner
Arbeitnehmerschutzkampagne strikt ab.

Ich befürworte den Leidensfreitod und bin gegen gewaltsame Lebensverlängerung. Dies ist verbunden mit -

- einer klaren Distanzierung von den Machenschaften des Dritten Reiches in der Sache;

- einer klaren Distanzierung von jeder Selektion nach Rasse, Hautfarbe, Herkunft, Religion, politischer Ansicht udgl. (gilt sinngemäß auch für eine durch Zwangssterilisierung* erwirkte Geburtenkontrolle);

- einem klaren Nein zur Möglichkeit des Missbrauches zB zum Zweck der Beerbung;

- der Notwendigkeit einer belegbaren Befürwortung durch den Patienten selbst oder, so er dies nicht mehr kann, seiner nächsten Angehörigen. Notarielle Beglaubigung soll nicht nötig sein, solange nur sichergestellt ist, dass der Leidende die Entscheidung nicht voreilig unter einem vorübergehenden Leiden trifft.

Von Leiden soll erlöst werden dürfen, wer -

- körperlich entstellt geboren wird (zB fehlende oder verstümmelte Giledmaßen, Wasserkopf) oder infolge eines Geburtsfehlers lebenslänglich hilfs- oder bewachungsbedürftig wäre. Hier entscheiden Ärzte und Eltern, nicht aber potentielle Pfleger;

- von Unfall oder Krankheit unheilbaren körperlichen oder Gehirnschaden davonträgt;

- - - Unfall durch menschliches Versagen: Baby stirbt an Stromschlag, wird trotz Hirnschadens wiedererweckt - schwerstbehindert. Elektriker muss lebenslänglich Unterhalt zahlen - - -

- aufgrund psychisch zermürbender, nicht abwendbarer widriger Umstände des eigenen Lebens den Sterbewunsch äußert. Dies kann die Gewissensfrage nach der Zumutbarkeit des Weiterlebens für die eigene Umgebung beinhalten;

- infolge körperlicher oder geistiger Altersschwäche bevormundet, überwacht, gefüttert, geführt oder gar getragen werden muss sprich nach heutigem Fachjargon als altershalber pflegebedürftig gilt.

Geistig Behinderte im kapitalistischen System
Die Leistungsforderungen des kapitalistischen Systemes schließen viel mehr geistig Behinderte vom Leben aus als naturgegeben. Unter sozialistischen Bedingungen wären vielleicht zwei Drittel der derzeit in Erziehungs- und Betreuungsheimen Untergebrachten lebensfähig, viele davon sogar in selbständigen Haushalten bzw. ohne Sonderaufsicht am Arbeitsplatz. Religiös oder geisteswissenschaftlich geführte Heime missbrauchen zudem die Abhängigkeit ihrer Schützlinge zum Zweck des Missionierens bis hin zur Gehirnwäsche und halten sie mutwillig von der Außenwelt fern.

Ohne statistische Daten zur Verfügung zu haben, wage ich zu behaupten, dass das derzeit in die Pflegefolter investierte Geld mehr als nur reichen würde, um den im Pflege-/Erziehungsbereich und in der Pharma- und orthopädischen Industrie Beschäftigten die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Einkommensausgleich bis zum Erreichen ihres Rentenalters sicherzustellen.

Blatt letztmals aktualisiert am 7. Juni 2008

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Titelblatt

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* Die chinesische Praxis des bloßen Verbotes halte ich für inhuman, da sie das Liebesleben sinnlos zur Angstpartie macht. Eine Zwangssterilisierung muss aber sachgemäß durchgeführt werden und darf keine Nachleiden verursachen