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Kleine Bücherliste - von Jörg Tiemann

Who saidt: "Gott knows I meant somedings vhen
foorst dis buch I writ,
Boot Gott only wise vot das buch means now - for I
hafe fergotten it!"
  -- Breitmann

Download Charles G. Leland's Breitmann Ballads (.ZIP, 143k) at sailor.gutenberg.org.

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Deutschsprachiges Vergnügen
Mehr- oder Anderssprachliches

Bücher sind ne tolle Sache, darüber brauch ich wohl kein Wort zu verlieren.  So kommen denn hier nur Kurz- und Schmerzlosbesprechungen einiger der Bücher, die mir ans Herz gewachsen sind und die vielleicht nicht jede Leseratte auf ihrer Homepage "featured".

 

Deutschsprachiges Vergnügen  
  • Wilhelm Backhaus: Sind die Deutschen verrückt?
    Gustav Lübbe Verlag, ca. 1968

    Wilhelm Backhaus schafft es, in diesem kleinen unscheinbaren Buch mit bestechender Logik darzulegen, daß die Deutschen tatsächlich verrückt sind und immer bleiben werden. Das ist nichts neues - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hätte man nur einen beliebigen unserer Nachbarn befragen müssen - aber Backhaus Ansatz ist neu. Anhand der Vitae von Herbert Wehner, Willy Brandt, Hans-Joachim Vogel, Helmut Schmidt und Oliver Cromwell <sic!> legt er (in der Manier eines politischen Nostradamus) eindrucksvoll dar, warum es völlig unmöglich ist, daß in der Bundesrepublik Deutschland jemals ein Sozialdemokrat Kanzler werden kann. Seine wissenschaftliche Untersuchungsmethode bei diesem Unterfangen ist die Abschweifung: "Wie die immer neue Abschweifung, erfordert es der Sinn unserer Methode auch, von Zeit zu Zeit zu den deutschen Sozialdemokraten zurückzukehren, deren verborgene Schizophrenie und unaufhörliche Vergeblichkeiten den Ausgangspunkt dieser Untersuchung über einige Tiefenprobleme der deutschen Psyche bilden."

    Denjenigen, die einen Sinn für unorthodoxe Argumentationsketten, unerwartet aufgedeckte Zusammenhänge und uneingängige Gedankengänge haben, sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

  • Werner Koczwara: Es gibt Jahrhunderte, da bleibt man besser im Bett
    Fliegen-Verlach (Eichborn?), 1998

    Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist die Geschichte der unfreiwilligen Komik. Werner Koczwara hat aus den Pressemeldungen dieser Zeit ein ganz freiwillig komisches Buch zusammengestellt. Die Frage, worum es in dem Buch so geht, lasse ich den Autor selbst beantworten: "[...] es geht unter anderem darum, daß ein athiopischer Mann und eine indische Frau, die sich beide gänzlich unbekannt sind, bei der Einreise nach England einen Beamten in gebrochenem Englisch um Rat bitten, zwei Formulare unterzeichnen und hinterher feststellen, daß sie geheiratet haben. So geschehen am 29.10.1926, und wer gegen diese Verbindung Einwände vorzubringen vermag, der möge jetzt sprechen oder für immer Schweigen."

    Und das ist nur ein kleines Beispiel. Das 20. Jahrhundert hat soviel Eigentümliches hergegeben, daß gar nicht alles eingegliedert werden konnte, und so findet man im Anhang auch noch jede Menge Kurzmeldungen, wie die, daß ein gewisser James Cruck, seines Zeichens ein Überlebender des Titanic-Untergangs, am 9.4.1934 in seiner Badewanne ertrinkt oder ein ebenso gewisser Otto Witte, Löwenbändiger von Beruf, aufgrund einer Verwechslung 1918 fünf Tage lang der König von Albanien war.

    Daß alle diese Begebenheiten aus Meldungen und Berichten von ernstzunehmenden und seriösen Presseagenturen stammen, macht den ganz besonderen Reiz dieses Buches aus. Man lacht nicht über ausgedachte Witzchen sondern über die Ironie des Schicksals selbst, mit Pointen, wie sie nur das Leben schreiben kann.

  • Friederike Kempner: Gedichte
    Friederike Kempner: An der Tugend nur genippet ...
    (Auswahl und Geleitworte Percy Eichbaum)
    Verlag Sanssouci, 1961
    Gerhart H. Mostar: Friederike Kempner, der schlesische Schwan
    dtv, 1965 Fliegen-Verlach, 1998

    Friederike Kempner, Tochter einer Rittergutbesitzerin, ist bekannt geworden als Genie der unfreiwilligen Komik. Sie dichtete, fand keinen Verleger, brachte ihre Gedichte im Selbstverlag heraus und landete einen Riesenerfolg, weil ein Literaturpapst der damaligen Zeit ihre Gedichte empfahl. Diesem Kritiker war aufgefallen, daß ihre Gedichte aus der Masse der gedruckten Poesie klar herausragten. Nicht etwa, weil sie besonders gut oder besonders schlecht gewesen wären, sondern, weil Friederike in irgendeinem Vers immer der Lapsus unterlief, der ein ganzes Gedicht fernab ihre Absicht sehr komisch machte.

    Ihr Lesepublikum liebte Friederike, ihre Dichter-Kollegen ermunterten sie noch, nannten sie den "schlesischen Schwan" und ihre Familie schämte sich zu Tode und versuchte heimlich, die Auflagen aufzukaufen. Ein Wettlauf zwischen den zugeneigten Lesern, der Familie und Friederikes poetischer Potenz begann, ein Wettlauf, in dem die nun nur allzu bereiten Verleger sich die Hände rieben, waren sie doch die sicheren Gewinner.

    Heute wie damals sind aber die Leser der wunderbaren Gedichte und sonstigen Schriften des Schlesischen Schwans die eigentlichen Gewinner. Wer in der Bibliothek oder im Antiquariat ein Exemplar der obigen Bücher findet, hat ein paar vergnügliche Stunden vor sich.

 
Mehr- oder Anderssprachliches  
  • Douglas Adams: Hitchhikers Guide to the Galaxy
    Douglas Adams: Het Transgalaktisch Liftershandboek
    Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis
    Douglas Adams: Guida Galattica Per Gli Autostoppisti

    Dieses Buch ist wahrlich kein Geheimtip. Aber vielleicht interessiert ja den einen oder anderen Adams-Fan meine kleine Gegenüberstellung meines Lieblingszitates aus dem Anhalter in 4 Sprachen (Englisch, Niederländisch, Deutsch, Italienisch).

  • Herman Brusselmans: Bloemen op mijn graf
    Ooievaar Amsterdam, 2000

    Het was op Radio 3FM dat ik het eerst een column van Herman Brusselmans hoorde. Hij klank heerlijk depressief en toch net niet neergeslagen. Zijn boodschap was zeker niet voor iedereen makkelijk te beluisteren. Later heb ik hem dan eens in het Nederlandse TV gezien, in een talk show (IIRC), waar hij van de mening was dat mannen 35-plus hun potentie beter met de lettergreep "im" voorop zullen schrijven. Zijn troost was dat ook de mannelijke tong wonder kan doen voor de bevrediging van de partner - of moet ik zeggen van het Mythische Meisje, dat met de dromen, de borstjes en het kutje, van zijn Eeuwige Vrouw wie bloemen zal zetten op zijn graf?

    Jaren later heb ik me herinnert en dus de "Bloemen" gekocht. In verhalen, columns, farcen, polemieken en zelfs gedichten (die "schwer bedienbare Armbrust Gedicht" (Volker Braun)[1]) cultiveert Brusselmans zijn depressief-cynische, meestal overtuigend overdreven wereldbeeld.

    Godverdomme! Deze zinnetjes klinken alsof ik een van deze hersenloze feuilletonisten was. :-(

    OK, dan in gewonere worden: Herman Brusselmans leeft, heeft levende denkbeelden[2]; het is fun zijn in dit boek gezamelde misantropie te durven lezen.

    Voetnoten (in het Duits):

    [1] die Formulierung stammt aus Brauns Gedicht "Adonis der Atomzeit" und beschreibt imho treffend, warum es heute soviel als Gedicht daherherkommenden Sprachmüll gibt. Es reicht eben nicht aus, frech (ned: brutaal) und frei die gefühlsschwangere eigene Gedankenlosigkeit nach außen zu kehren (die niemanden interessiert) oder sich chiffrenhaftigst möglichst auch noch in Betroffenheits"lyrik" zu ergießen. Ich verzichte hier ausdrücklich darauf, Links auf Seiten mit unbeholfener Hausfrauen- bzw. Schulmädchenlyrik[3] oder hochtrabender Wichtigtuerlyrik zu setzen.

    [2] "Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch."
    -- Friederich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Zarathustras Vorrede

    [3] Ja genau: ist dieselbe Personengruppe wie bei den nach ihnen benannten "Reports" der 70er-Jahre; der Unterschied ist der, daß sie mit einer Rolle in Softpornos etwas weniger überfordert waren als beim Zusammensetzen von Wörten zu Gedichten.


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Copyright © 2001 - Jörg Tiemann Last modified: Sat, 29 Dec 2001

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