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Juni / Juli 2005
 
 
Tag 8: Sävsjö - Mariannelund (125,36 Km)
Durch das småländische Hochland

Gleich nach dem Aufstehen zeigte sich ein trübes und windiges Wetter und ich entschied mich ein erstes Mal für die langbeinige Hose. Gegen 9.30 Uhr verließ ich den gemütlichen Campingplatz in Sävsjö. Kurz darauf überholte mich ein Fahrzeug. Am Steuer saß der freundliche Betreiber und brachte mir meine Campingcard nach, die ich an der Rezeption liegen gelassen hatte.

Der Pausentag hatte sich gut auf meine körperliche Verfassung ausgewirkt und die Fahrt über die Fernstraße 127 nach Vetlanda verging fast wie im Flug. Der starke Wind blies mir teilweise sogar in den Rücken - eine eher seltene Gunst! Vetlanda wird von der 127 weiträumig umfahren, so dass ich so gut wie nichts von der Stadt sehen konnte. Weiter gings auf der Hauptstraße durch zuweilen gemütliche Dörfer hindurch bis nach Adelsfors, einem kleinen Goldgräberstädtchen. Hier verließ ich die wegen eines breiten Seitenstreifens und neuem Straßenbelag recht bequem zu befahrene Fernstraße und bog in Richtung Pauliström ab.

Sofort zeigte sich der strategische Nachteil schwedischer Nebenstrecken: es ging auf direktem Kurs quer durchs Gebirge. Fortan galt es, kilometerlange Anstiege zu bewältigen, teilweise im kleinstmöglichen Gang. Dann quälte ich mich mit Tempo 8 schwitzend die Berge hinauf. Entsprechend kamen auch lange Abfahrten vor. Allerdings musste hier ständig gebremst werden, weil die Straßenqualität ein hohes "Downhill"-Tempo nicht zuließ. All das wurde von eher langweiligen Landschaften eingerahmt, in denen triste Fichtenwälder den dunklen Himmel erdwärts ergänzten.

So ging es dann mühsam bis nach Pauliström, einem kleinen Ort mitten in den weiten Wäldern, wo der Wind durch die Bäume pfiff. Über kleine Nebenwege und winzige Weiler (Boda, Antsebo, Hammersebo) erreichte ich schließlich Hultsfred, wo ich nach knapp 100 Kilometern Fahrtstrecke mein verdientes Nachtquartier beziehen wollte. Eine Attraktion dieser ansonsten gesichtslosen Stadt ist ein alljährlich stattfindendes Rockfestival, das 5-stellige Besucherzahlen anziehen soll. Als ich den Campingplatz unterhalb der Stadt erreichte, musste ich feststellen, dass dieses kulturelle Highlight nicht nur vor Kurzem, sondern auch auf dem CP-Gelände stattgefunden hat. Die Aufräumarbeiten waren noch in vollem Gange, jedoch noch nicht so weit fortgeschritten, als dass man in einer sauberen Umgebung hätte campen können. So kehrte ich den Bierdosen-Bergen den Rücken und machte mich über die 129 auf den Weg nach Mariannelund.



Nebenstraße in der Nähe von Hultsfred

Im Astrid Lindgren - Land

Die Entscheidung, von Hultsfred aus nach Mariannelund zu fahren, war eine navigatorische Fehlentscheidung, da ich so von meiner Idealroute abwich und mir einige Zusatzkilometer und -berge einhandelte. Grund dafür war das Ende der Landkarte und meine Unlust, die Anschlusskarte auszubreiten. Dafür bekam ich die Gelegenheit, das Michelort Lönneberga zu sehen. Lönneberga liegt an der 127 zwischen Hultsfred und Mariannelund und besteht im wesentlichen aus einigen tristen Häusern längs der Hauptstraße. Nichts deutete auf Lindgrens Romanheld hin. Und nicht einmal eine besondere Idylle oder Beschaulichkeit könnte man diesem öden Kaff bescheinigen. Positiv muss daher festgestellt werden, dass hier kein blindwütiger Vermarktungswahn ausgebrochen ist, wie er anderorts nur allzu oft seine Blüten treibt.

Zwanzig Kilometer später erreichte ich schließlich Mariannelund und quartierte mich im etwas abseits gelegenen Campingplatz ein. Dieser liegt in der Nähe der Fernstraße 33 an einem See unterhalb der Stadt und fiel vor allem dadurch auf, dass man fast alle der schäbigen Serviceeinrichtungen nur gegen Münzeinwurf benutzen konnte. So kochte ich mein Süppchen auf dem mitgebrachten Spiritusbrenner und schaute dem Treiben der vielen deutschen Touristen zu, die sich hier wohl wegen Astrid Lindgrens Erbe versammelt hatten.

Wetter: wolkig, windig und kühl; gegen Abend aufgeklart
Übernachtung: CP Mariannelund. Zwar schön gelegen, aber schäbige Serviceeinrichtungen mit Münzautomaten
Gesamtkilometer: 750,51




 
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