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Juni / Juli 2005
 
 
Tag 6: Ljungby - Sävsjö (93,02 Km)
Fahrt im Dauerregen

Gleich nach dem Aufwachen vernahm ich im Zelt die einem Radreisenden wohl am meisten verhassten Geräusche: Regenprasseln auf der Zeltplane. Was noch im gestrigen Hochsommerwetter ausgeschlossen erschien, war eingetreten - ein Wettersturz. Regen ist besonders am Morgen lästig, weil zum einen das Zelt beim Abbau nass werden kann und zum anderen die Aussicht auf einen verregneten Reisetag auf dem Rad keine besonders gute Motivationsquelle darstellt. Ich blieb zunächst liegen und wartete eine Regenpause ab. Bei dem Zelt handelte es sich um ein Kuppelzelt, bei dessen Abbau zuerst das Aussenzelt entfernt werden muss und das Innenzelt vorübergehend ungeschützt den klimatischen Unbilden ausgesetzt ist. Im Gegensatz zu einem Tunnelzelt kann also der Auf- und Abbau bei Regen ein nasses Innenzelt zur Folge haben. Und wer will schon in einer feuchten Wohnung schlafen?

Irgendwann kam schließlich die erhoffte Regenpause. Ich hatte bereits alles für den schnellen Abbau vorbereitet, schlüpfte ins Freie und entfernte das Aussenzelt. Ehe ich mich versah, begann es wieder zu regnen. Binnen Sekunden entwickelte sich ein heftiger Sturzregen und das Innenzelt wurde durchtränkt. Verärgert verzurrte ich den Kram auf dem Rad und machte mich auf den Weg in den Regen. Zum Frühstück besorgte ich mir in einem Supermarkt in Lagan ein Stück Briekäse. Dann machte ich mich auf den Weg über die E4-N nach Värnamo.

Nach einigen Kilometern stellte sich heraus, dass ich die falsche Bekleidungsstrategie gewählt hatte. Über meine kurze Sporthose hatte ich eine Regen-Überhose gezogen und am Oberkörper trug ich eine Regenjacke mit Kapuze. Die Kapuze wurde mir bei höherem Tempo regelmäßig vom Kopf geweht, weil ich sie nicht richtig verschnüren konnte. Zog ich die Schnur fester zu, rutschte das blöde Ding über meine Augen. Natürlich war mir klar, dass man eine solche Kapuze nur in Verbindung mit einer darunterliegenden Kappe gut zuziehen kann. Aber meine schöne Kappe war mir nördlich von Kopenhagen von einer Windböe in die Ostsee geweht worden. Also nahm ich irgendwann die Kapuze ab und zog nasse Haare dem ständigen Kapuzenärger vor.

Die billige Regenhose lies zwar keinen Regen an meine Beine, dafür aber auch keinen Schweiss in die Luft. Das Ergebnis war wiederum Nässe, so dass ich die Überhose auch hätte weglassen können. Mein Fazit: bei Regen und einigermaßen warmen Temperaturen fährt man besser ohne Regenhose. Haut trocknet immer noch am schnellsten und solange man nicht auskühlt, hat man nichts zu befürchten.

Auf der Straße nach Värnamo traf ich schließlich meine ersten Radreise-Kollegen. Das holländische Pärchen war auf dem Weg zu einer Umrundung der kompletten Ostsee inklusive des Bottnischen Meerbusens. Um auf ihre angestrebten 140 bis 160 täglichen Streckenkilometer zu kommen, mussten sie ein hohes Durchschnittstempo einhalten. Nach einem kurzen Plausch lies ich sie davonfahren. Ein wenig später durchquerte ich das luftig wirkende Värnamo, die schwedische Design-Hauptstadt.

Auf der zunächst beängstigend großen 137 verließ ich Värnamo in Richtung Vrigstad und Sävsjö. Die restlichen Kilometer gingen durch das beständige Auf und Ab des småländischen Berglandes. Langen Anstiegen folgten ausgedehnte Abfahrten, zwischendurch ging es auch mal durch langweilige Ebenen. Dafür aber hatte es aufgehört zu regnen. Der Himmel klarte auf und die Wolken verschwanden immer mehr. Als ich gegen Nachmittag in Sävsjö eintraf, machte ich zunächst Station an einem größeren Supermarkt und versorgte mich mit Lebensmitteln und schwedischem Dünnbier. Dann quartierte ich mich im CP Sävsjö ein, der südlich der Stadt an einem kleinen See liegt, sehr ruhig, sauber und gemütlich ist. Am Abend staunte ich nicht schlecht, als der sehr freundliche Betreiber eine (kostenlose) Isokanne voller Kaffee für den nächsten Morgen und Infomaterial ans Zelt brachte. In der Nacht sank die Temperatur bis runter auf 5C und ich musste meine zwei Schlafsäcke (einen leichten Sommerschlafsack sowie einen Fleece-Schlafsack) ineinander stecken, um nicht zu erfrieren.




Nach dem Regen: schönes Campen in Sävsjö

Wetter: Dauerregen bis zum Nachmittag, dann sonnig und mäßig warm. Nachts sehr kalt.
Übernachtung: CP Sävsjö, sehr empfehlenswerter Platz, sehr netter Betreiber
Gesamtkilometer: 620,62




 
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