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Juni / Juli 2005
 
 
Tag 5: Ängelholm - Ljungby (123,40 Km)
Ein gefundenes Fressen für die Mücken

Als ich mein Zelt abbaute und das Rad bepackte, lagen die jungen schwedischen Krachmacher noch in ihren Schlafsäcken. Andere, die sich später dazu gesellt hatten, waren schon wach und tranken zu diesmal leiserer Discomusik Energydrinks. Froh, diesen lauten und nervig Platz verlassen zu können, radelte ich los. Das Wetter zeigte sich von seiner allerbesten Seite, was einzig meine sonnenverbrannten Arme bedauerten. Bis Munka-Ljungby kreuzte ich auf kleinen Nebenwegen durch weite Felder und nahm dann die 114 in Richtung Örkeljunga. Um entspannter radeln zu können, bog ich in Lärkeröd auf eine Nebenstraße ab und bekam prompt die Rechnung dafür präsentiert. Für die nächsten Kilometer galt es, einige Ausläufer des Hallandsåsen (ein Höhenzug) zu überqueren. Nach dieser sportlichen Einlage mündete die Straße in die Fernstraße 24, die ich kurz darauf in Richtung Hishult verließ.

Ab dort wurde das Reiseradeln zum wahren Vergnügen. Die kaum befahrene und schnurgerade Nebenstraße führte durch weitgehend flache schwedische Bilderbuchlandschaften. Ausgedehnte Waldgebiete und hineingestreute falunrote Gehöfte verbreiteten eine anheimelnde Stimmung, das Sommerwetter tat sein Übriges. Weiter ging es über Knäred, Vivlunga nach Hinneryd, wobei die Straßenqualität ab der Grenze zur Provinz Kronoberg deutlich schlechter wurde. Die Ortschaften, die eher weit zerstreuten Siedlungen glichen, waren wie ausgestorben. Kein Mensch war zu sehen, was wohl am Midsommarfest lag.

Langsam ging mir das Trinkwasser aus. Ich stand vor einem Versorgungsproblem, denn die wenigen Geschäfte in dieser ländlichen Gegend hatten wegen des schwedischen Hauptfestes geschlossen. Ich erwog, Trinkwasser mit Hilfe meines Wasserfilters aus einem Gewässer zu gewinnen. Allerdings fand ich keinen passenden Bach oder See, bzw. war zu faul, vom Rad zu steigen. Also fuhr ich durstig weiter.

Hinter Nöttja unterquerte ich die E4 und radelte über die sehr gut ausgebaute E4-Parallelstrecke (E4-N, mit Radweg) nach Ljungby (14.000 EW). An einer Raststätte kaufte ich dann endlich Mineralwasser und radelte anschließend durch die wie ausgestorben wirkende Stadt, die in der späten Nachmittagssonne vor sich hin döste.



Schnurgerade Straße in Bilderbuch-Schweden

Ein gefundenes Fressen für die Mücken

Ljungby ist eine höchstens mäßig interessante Stadt mit ausgedehnten Industriegebieten. Das änderte sich auch nicht dadurch, dass an Midsommar kein Mensch auf den Straßen war. Angesichts der lärmigen Erfahrungen in Ängelholm hatte ich keine Lust, eine weitere Nacht zwischen trinkenden Schweden zu verbringen und machte mich auf die Suche nach einem lauschigen Plätzchen zum wilden Campen. Etwas nördlich der Stadt wurde ich fündig. In einer kleinen Waldlichtung, die nur durch einige kaum mehr benutzte Forstwege zugänglich war, baute ich mein Heim für diese Nacht auf. Erst unbemerkt, dann mit zunehmender Penetranz attackierten mich dabei unzählige Mücken. Die letzten Handgriffe vollführte ich in fortgeschrittener Hektik, bevor ich mich ins Zelt flüchtete und den rettenden Reißverschluss zuzog. Dafür verbrachte ich eine ruhige Nacht. Einzig einige Gewehrschüsse in der weiteren Umgebung sorgten ab und zu für ein wenig Besorgnis.

Wetter: kaum bewölkt und sommerlich warm bis heiß
Übernachtung: wildes Campen im Wald
Gesamtkilometer: 527,61




wilder Zeltplatz im Wald bei Ljungby




 
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