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Juni / Juli 2005
 
 
Tag 3: Tappernøje - Kopenhagen - Naerum (111,13 Km)
Bei heftigem Wind nach Kopenhagen

Ich schlief bis 8.00 Uhr und kam nach der morgendlichen Abbauprozedur eine knappe Stunde später los. Das Wetter zeigte sich von seiner ungemütlicheren, man möchte fast sagen nordischen Seite. Unter einem stark bewölkten Himmel fegten unschöne Windböen durch die Gegend und versüßten das Radfahren durch eine verstärkte Luftbremsung. Ich folgte der 151 durch hügeliges Terrain. Bei jeder waldlosen Fläche galt es, dem von der Seite heranblasenden Wind zu begegnen und die Spur zu halten. Der Seitenstreifen war auf Minimalbreite geschrumpft und der so starke wie auch rücksichtslose Verkehr würzte die Situation mit einer gehörigen Portion Lebensgefahr. Hierbei tat sich vor allem der Schwerlastverkehr besonders eifrig hervor.

Bei Dalby hatte ich schließlich Schnauze und Hosen voll. Ich bog in die nächste Nebenstraße ein und fand schnell den ausgeschilderten Rad-Fernweg Nr. 56 in Richtung Køge. Fortan ging es durch winzige Dörfer in die seeländische Provinz - zwar nicht auf direktem Wege, dafür ohne Lebensgefahr. Zum Glück war die Beschilderung vollständig. Nicht auszudenken, wenn ein Wegweiser gefehlt hätte... Die Landschaft wirkte zuweilen heideartig und erinnerte manchmal schwach an lappländisches Fjell. Bei allem blieb mir der starke Wind ein treuer Begleiter.

In Køge durchquerte ich das schöne Stadtzentrum mitsamt der hübsch hergerichteten Einkaufsmeile und verließ die Stadt auf der 151 in Richtung Kopenhagen - diesmal wieder auf einem begleitenden Radweg. Ich radelte durch die end- und gesichtslosen Vororte der dänischen Hauptstadt, die sich wie an einer Perlenschnur lückenlos aneinanderreihen und irgendwann einmal, ohne das man es merkt, in Kopenhagen übergehen. Jedenfalls befand ich mich am frühen Nachmittag plötzlich in Frederiksberg und gleich darauf am Kopenhagener Zoo, also fast mitten in der Stadt



Rathausplatz in Kopenhagen



Kopenhagens Tivoli



Könnte auch in Hamburg sein...

Per Intuition durch die dänische Hauptstadt

Es ist, untertrieben ausgedrückt, ein strategischer Nachteil, sich in einer Stadt wie Kopenhagen ohne Stadtplan zurechtfinden zu wollen. Man kann es aber auch als Herausforderung an Intuition und Orientierungssinn auffassen, die zudem noch durch die Tatsache gesteigert wird, dass es in Kopenhagen so gut wie keine Wegweiser für Fernziele gibt. Weder für Autos noch für Radfahrer. Also ließ ich mich treiben, folgte ab dem Zoo willkürlich einem passend erscheinenden Radweg. Es ging bergab und ich hielt es für wahrscheinlich, dass mich der Weg in Richtung Meer führen würde. Dort, so nahm ich an, würde ich die Fortsetzung der 151 finden. Diese fand ich zwar nicht, dafür kam ich ins Stadtzentrum zu Tivoli und Hauptbahnhof. Nebenbei entdeckte ich einen winzigen Wegweiser in Richtung Helsingør und folgte ihm dankbar. Leider bestätigte sich schnell mein Verdacht, dass er den Verkehr zur zuständigen Autobahn leitete. Aber immerhin war ich wieder ein Stück weiter gekommen. Zufällig fand ich in der Nähe der Auffahrt einen weiteren Puzzlestein für das erfolgreiche Verlassen der Stadt und gelangte schwer gestresst, vorbei an der schmucken Tuborg-Zentrale, zur rettenden 152.

Der Norden Kopenhagens unterscheidet sich stark vom Süden. Hier wohnen vermehrt wohlhabende Leute, und anstelle gesichtsloser Vororte findet man hier luftige Villengebiete. Über den Øresund bieten sich überall tolle Ausblicke hinüber nach Schweden. Wohl damit genug Platz für die dicken Limousinen der reichen Dänen bleibt, löst sich der Radweg kurz hinter Klampenberg in Wohlgefallen auf. Der Wind blies hier wieder unerbittlich von vorn und die Strecke wurde zunehmend hügeliger.

Ab Skodsberg folgte ich dem Wegweiser zum CP in Naerum, was mich noch eine abschließende Bergüberfahrt kostete. Naerum ist ein gesichtsloser Vorort Kopenhagens und der CP liegt an der Autobahn unter Hochspannungsleitungen. Dafür ist er mit 14 Euro sehr teuer, was sich allenfalls durch die sehr guten Serviceeinrichtungen halbwegs rechtfertigt. Zwischen einer dänischen Jugendgruppe und einem einsamen Deutschen verbrachte ich eine feinstaubgeschwängerte und elektrosmoggeladene Nacht.

Wetter: mäßig warm, sehr windig, bewölkt, später aufgelockert
Übernachtung: CP Naerum; teuer und in exponierter Autobahnlage. Gute Einrichtungen.
Gesamtkilometer: 316,28


 
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