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Juni / Juli 2005
 
 
Tag 23: Stockholm (Nynäshamn)- Visby (74,43 Km)
Ab nach Gotland Nach dem Abbau unserer Schlafstatt stand uns die wenig erbaulich Aufgabe bevor, aus Stockholm in Richtung Nynäshamn herauszufinden. Nicht, dass es keine Radwege gäbe. Vielmehr hakte es an der Beschilderung, die zwar prinzipiell existierte, allerdings unvollständig und inkonsistent war. Ganz in diesem Sinne ließ es sich schon am Beginn der Route nicht vermeiden, Einheimische nach dem Weg zu fragen. Die Beschilderung folgte dabei immer einem bestimmten Muster: erst wiesen eindeutige Wegweiser den Weg, um dann an der nächsten Kreuzung, wo sie also dringend nötig wären, nicht mehr fortgesetzt zu werden.

Bei Falsta, einem hässlichen Vorort Stockholms, stießen wir schließlich auf den Nynäsleden, einen offiziellen Fern-Radweg nach Nynäshamn. Entgegen unserer Hoffnung zog dies keine bessere Beschilderung nach sich. Oft mehr im Ungewissen als auf eindeutigen Wegen radelten wir durch immer hässlichere Städte wie etwa Handen oder Hanninge. Hanninge etwa sah aus wie eine Kreuzung aus ostdeutschen Plattenbau-Siedlungen und der Berliner Gropiusstadt - eine Schlaftstadt aus Beton. Ab Vesterhaninge führte der Nynäsleden auf die Fernstraße 73, die ab dort keine Autobahn mehr ist und durch leicht hügeliges Gelände verläuft. Diese Führung des offiziellen Radweges erstaunte uns ein wenig, da das Radeln auf dieser Landstraße wegen der altbewährten Kombination aus starkem Verkehr und minimalem Seitenstreifen weder angenehm noch sicher war - aber so ist das nun mal in Gesellschaften, die mit Vorliebe stinkende Blechkisten fetischisieren.

Am Nachmittag erreichten wir Nynäshamn, von dem wir jedoch kaum etwas sahen, weil wir direkt zu den Fährhäfen am Ortseingang radelten. Es gibt deren zwei in der Stadt, wobei der erste für Fähren ins Ausland (insb. Baltikum und Polen) zuständig war, der zweite dann für die innerschwedische Strecke nach Gotland. Dort schafften wir es noch, ohne Reservierung auf die nächste überfüllte Fähre nach Visby gelassen zu werden. Nach zweieinhalb Stunden Überfahrt landeten wir bei bestem Wetter in Visby an. Die Hauptstadt der Insel Gotland, übrigens der größten der Ostsee, ist Partnerstadt Lübecks und wegen ihres mittelalterlichen Stadtbildes weit über die schwedischen Grenzen hinaus bekannt. Da es schon spät war, hoben wir uns die Stadtbesichtigung für den nächsten Tag auf und quartierten uns auf dem Campingplatz Norderstrand, einen halben Kilometer außerhalb der Stadt gelegen, ein. Die Nähe zu Visby bezahlten wir teuer: Der CP war bevölkert von trink- und feierwütigen Jugendlichen des Typs "Ballermann-Anwärter", in Duschen und Klos sollte man tunlichst nichts außer Wasser an die Haut kriegen und der Preis bewegte sich dafür am oberen Ende der Skala. Nach einem Glas Wein gingen wir zu Bett und lauschten bis spät in die Nacht dem geselligen Treiben.



Im Laderaum der Fähre nach Visby




Küste bei Visby




Blick vom Visbyer Hafen auf die Altstadt



Wetter: sehr warm
Übernachtung: CP Norderstrand, ca. 1 Km nördlich der Stadt. Lärmig, teuer und schmutzig. Nicht empfehlenswert.
Gesamtkilometer: 1611,37




 
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