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Juni / Juli 2005
 
 
Tag 2: Sütel - Puttgarden - Tappernøje (DK) (119,39 Km)
Rüber nach Dänemark

Weil Claudia zur Arbeit musste, brach sie früh auf. Ohne zu frühstücken baute ich das Zelt ab und verstaute all die vielen Dinge, von denen möglichst keines verloren gehen sollte, wieder in den Packtaschen. Auf die Morgentoilette musste ich verzichten, da ja mein Magnetschlüssel keine entsprechende Tür öffnete und die Rezeption noch nicht geöffnet hatte. Kaum zu glauben, dass man einen solchen High-Tech Campingplatz ungewaschen verlassen muss. Fazit: Nie wieder Sütel.

Um 7.30 Uhr war ich bereits unterwegs in Richtung Fehmarn. Der Radweg, der über die Fehmarnsund-Brücke führt, lässt sich ohne Detailkenntnisse nur schwer finden. Will man sein Leben nicht auf der B 207 riskieren, muss man bei Großenbrode die Bundesstraße auf einer Brücke überqueren und einen Radweg durch die Felder nehmen. Durch ein Gatter kommt man dann auf den beradelbaren Fussweg über die Brücke.

Anschließend durchquerte ich die trostlos wirkende Insel und kaufte mir in der Hauptstadt Burg eine (KFZ-)Straßenkarte für Dänemark. Das Wetter hatte sich verschlechtert und die Wolken sowie der Wind unterstrichen die eigenwillige Atmosphäre Fehmarns. Am Nachmittag erreichte ich den Fährhafen in Puttgarden, der - passend zur Insel - ebenfalls mit atmosphärischer Eintönigkeit glänzte. Ich reihte mich in die Schlange ein, kaufte für stolze 10 Euro ein Ticket und war wenig später auf der Fähre. Das Rad konnte hier praktisch nicht verzurrt werden.



Blick von der Fähre auf Fehmarn

Dänisches Inselhopping

Rødbyhavn besteht eigentlich nur aus dem Fährhafen und ein paar zusätzlichen Häusern. Es wirkte ähnlich karg wie Puttgarden. Über vorbildliche Radwege ging es entlang der 153 nach Maribo, einem wenig attraktiven Industriestädtchen, und von dort weiter nach Skakskøbing, das auch nicht viel mehr hermachte. Über die zuweilen schnurgerade 173 radelte ich in das schäbig wirkende Guldborg und erreichte über die ebenso schäbige Guldborgsund-Brücke die Insel Falster. Es galt nun, die nördliche Ecke dieser Insel auf der schnurgeraden 153 zu durchmessen. Die Straße führte durch eintöniges Agrarland, war aber mit einem separaten Radweg ausgestattet und stieg im letzten Drittel merklich an. Kurz vor der Storstrømsbroen füllte ich meine Wasserflaschen an einem gut ausgestatteten Rastplatz auf (übrigens dem einzigen mit Trinkwasser auf der gesamten Reise) und überquerte etwas später die mehrere Kilometer lange Brücke, der man ihr fortgeschrittenes Alter ansah. Das Wasser der Ostsee roch übel.

Vordingborg, die erste Stadt auf der Insel Sjaelland, empfing mich mit hässlichen Industriegebieten. In der gemütlich wirkenden Innenstadt verlor ich aufgrund der unstimmigen Radwegführung die Orientierung und folgte erfolgreich meinem Instinkt. Hier kann auch mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, Dänemark sei ein flaches Land. Zuweilen gab es kurze Steigungen von an die 13%, die selbst im kleinsten Gang noch schwer zu bewältigen waren.

Nach kurzer Suche fand ich die Fernstraße 151, über die ich weiter nach Norden fahren wollte. Leider hörten ab hier die so vorbildlichen straßenbegleitenden Radwege auf. Über Nebenstrecken wurden Fernrouten für Radfahrer ausgewiesen, wobei mir jedoch unklar war, welche Umwege in Kauf zu nehmen wären. Also blieb ich auf der 151, wo ich mich bei lebensgefährlichem Verkehr durch hügeliges Auf und Ab quälte. Die Kollegen von der Kraftfahrer-Fraktion fielen hier durch eine besonders ausgeprägte Rücksichtslosigkeit auf. Zur Fahrausbildung jedes KFZ-Führers sollte eine obligatorische Radfahrt entlang einer solchen Straße gehören!

Kurz bevor ich nach wenigen Kilometern in Erwägung zog, auf ruhigere Nebenstrecken auszuweichen, begann wieder ein rettender Radweg. Wie zum Hohn für den Radler endete er nach wenigen Metern und entließ mich wieder in den ungesunden Ernst des Verkehrslebens. Zum Glück blieb mir ein etwas breiterer Seitenstreifen, auf dem ich unversehrt nach Tappernøje kam, dem Ort mit dem Campingplatz. Dieser war fast leer und angenehm zum Übernachten.

Wetter: mäßig warm, sonnig bis bewölkt, abends ein kurzer Regenschauer
Übernachtung: CP Tappernøje; angenehmer Platz, gute Serviceeinrichtungen
Gesamtkilometer: 205,15




Auf der Storstrømbroen, Blick nach Vordingborg



Auf der Storstrømbroen, Blick zurück nach Falster


 
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