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Besinnliche Jahreszeit à la RRV
oder "das erste Mal Ergo"

"So! Das hätten wir!" denke ich, als das Abrudern beendet ist. Nun hält endlich die besinnliche Jahreszeit Einzug - auch in den RRV. Man redet von Punschabend und Förtchenessen. Das haben wir uns auch verdient nach diesem sportlichen Sommer und Herbst!
Doch Achim, frisch motiviert durch den gerade durchlaufenen Trainerlehrgang und sicher kreativ unterstützt durch Karin, hat andere Pläne und sich darum Folgendes für uns ausgedacht:
Erstens: ein schwungvoller Start in die Woche mit "Achims Hallentraining" am Montag! Erst richtig wirkungsvoll in Zusammenspiel mit einigen erfrischenden Bahnen im Eider-Schwimmzentrum jeden Dienstag. Und damit auch der Rest der Woche nicht zu eintönig wird, wird ein Ergometer - Wettbewerb für den 4. Dezember angesetzt. Dafür muss natürlich regelmäßig was getan werden!
Mal sehen - ich habe 6 Wochen, um mich ergomäßig in Form zu bringen. Also starte ich sofort mein individuelles Trainingsprogramm.
Mir als Anfänger ist so ein Ergometer im Übrigen noch nicht wirklich vertraut. Bis vor kurzem dachte ich, ein Ergometer gibt es nur als Fahrrad, zur Prüfung der Leistungsfähigkeit herzkranker Patienten strikt unter ärztlicher Aufsicht. Doch nun lerne ich die Rudervariante kennen:
Dass ich mit dem Ding nicht umkippen kann, macht die Sache etwas einfacher, hilft mir allerdings wenig bei technischen Fragen. Gut - sobald ich beginne, springt das Display an! Und zeigt mir so Sachen wie die Zeit, die Schlagzahl pro Minute und die Strecke, die ich zurücklege, wenn ich eine halbe Stunde durchhalte und - ganz wichtig! - die "abge-ergote" Kalorienzahl, die auch nach einer halben Stunde harter Arbeit kaum reicht, um mich mit einem Schokoriegel zu belohnen. Soviel zum Thema Punschtrinken und Förtchenessen!
Doch mein Ergo, denn inzwischen habe ich bereits mein Stamm- und Lieblingsergo, kann noch mehr: Ich könnte, wenn ich mir denn merken könnte, wie das geht, ein gegnerisches Boot einprogrammieren, mit dem ich mir dann ein spannendes Rennen liefere. Motivationshalber! Aber Vorsicht: Lieber das Gegnerboot mit einer moderaten Zeit einprogrammieren, da ein davonziehender Gegner keine große Motivation ist!
Apropos Motivationshemmer: Niemals auf dem Ergo neben Leute setzen, die durch wenige kraftvolle Züge an der Kette ihr Ergo fast zum Abheben bringen und von 1000 Meter Zeiten knapp über 3 Minuten reden. Und dann sind da ja noch die, die auch nach einer halben Stunde Ergo noch so viel Puste haben, mit kraftvoller Stimme über die wichtigsten Neuigkeiten aus dem Vereinsalltag zu berichten. - Vielleicht sollte ich das mit der Anmeldung zum Ergo-Cup nochmal überdenken. Es reicht ja vielleicht, wenn ich einen Kuchen backe!
Doch keine Chance: Mein Mann übernimmt das mit der Anmeldung. Und schließlich kommt der Tag der Wahrheit!
Im Wettkampfraum stehen vier Ergometer nebeneinander. Neueste Computertechnik soll sie verbinden. Dabei gibt es zunächst Probleme! Ob das Ganze doch noch abgesagt wird?! Doch schließlich läuft die Software. Zwar werden die Ergos nicht vernetzt und Urkunden gibt es auch keine, aber wer legt darauf schon Wert?!
Zuerst müssen die Jugendlichen ran! Während für die "nicht mehr ganz so Jugendlichen" 1000 Meter völlig ausreichen, müssen die Jungs 2000 Meter hinter sich bringen. "Die sollen sich mal gleich an echte Wettkampfstrecken gewöhnen!" meint Achim. Ach, bei uns rechnet wohl niemand mehr damit, dass wir mal einen Wettkampf rudern!? Egal! 1000 Meter reichen mir wirklich!
Unter den Anfeuerungen aufgeregter Eltern ziehen die Jungs, was das Zeug hält. Die Köpfe nehmen die Farbe vollreifer Tomaten an und herauskommt eine 2000er Zeit von 7 Komma irgendwas! "Na, strengt ihr euch gleich auch so an?" fragt mich ein zu recht stolzer Vater. - Ich glaub', jetzt ist der Moment zu gehen. Mir ist sowieso irgendwie unpässlich!
Die vier Damen, also auch ich, müssen vor den Herren aufs Ergometer. Die Herren hat man sich als Königsdisziplin sozusagen aufgeschont (kleiner Scherz!!!). Auch warm gerudert wird vor "aller Augen". "Immer richtig reißen!" höre ich Gunther gerade noch rufen, als das Startsignal fällt.
Man, das geht ja richtig gut! Es lebe das Adrenalin! So flott war ich im Training nie! Besser, ich mach etwas langsamer, habe schließlich noch ein bisschen was vor mir! Was war jetzt das? Ein Blitz! Jemand fotografiert! Och, nee! Wie seh ich bloß aus?! Nicht ablenken lassen! Auf gar keinen Fall ablenken lassen! Immer schön pullen! Und nun noch einen Endspurt, dann ist auch schon alles vorbei!
Als das Husten etwas nachlässt, erfahre ich, dass ich meine Trainingszeit um 15 Sekunden überholt und damit den zweiten Damenplatz errudert habe. Zur Belohnung gehe ich erstmal ans Buffet und schmiere mir ein Nutellabrötchen. Das esse ich dann genüsslich, während Arne, Gunnar, Jan und Achim sich abmühen. Natürlich finde ich beim Kauen genügend Zeit, um ab und zu was Aufmunterndes wie "nu macht mal los, Jungs!" zu rufen.
Es soll ja Leute geben, die meinen, wenn man nach einem Ergowettkampf gleich ein Nutellabrötchen essen kann, hätte man auch noch schneller rudern können. Aber mal ehrlich: wir woll'n das beim ersten Mal nun nicht gleich übertreiben!

KE.

Jan Gehrmann gewinnt den Ergo-Cup

Nachdem die Ursel so anschaulich ihre Eindrücke vom Ergometercup schilderte, müssen nun auch nackte Ergebnisse folgen.
Die beste Zeit erzielte unser Ruderkamerad Jan Gehrmann, der dafür extra aus seiner neuen Heimat Eutin anreiste. Jan, der mehrere Jahre lang die Weltbestleistung bei den Leichtgewichten hielt, ist immer noch gut in Form. Mit 3:06,8 Minuten war er auf der 1000-Meter-Distanz nicht zu schlagen. Aber dicht darauf lag schon Achim Czesnat mit 3:08,4 Min. Arne Knuth und Gunther Rath folgten dahinter. Alle diese Ruderer sind vom Alter schon längst in der Masters-Klasse (alte Herren) startberechtigt.
Bei den Frauen erzielte Gudrun Ahlers mit 3:52 Min. eine tolle Zeit, auf die so mancher Mann neidvoll blicken kann. Schon deutlich danach folgten Ursel, Karin und Bianka. Auch unsere Damen - man glaubt es kaum - gehören ebenfalls altersmäßig zu den Masters.
Alle hatten ihren Spaß bei diesem ersten Ergo-Cup. Das Entscheidende war aber die Teilnahme. Diese Ruderinnen und Ruderer haben sich nicht vor einem Leistungsvergleich gedrückt!

 

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