Zwei Wörter über das Essen in Georgien:

                                  

Ein Essen ist in Georgien nicht einfach ein Essen, es ist ein Zeremoniell, sobald mehrere Leute anwesend sind... Nicht Repetition, sondern Vielfalt und Neuheit finden bei uns [in Deutschland] Beifall. Bei uns wäre es unmöglich, Gäste mehrmals zum gleichen Essen einzuladen, in Georgien gehört es zur Traditionsorientierung des Zeremoniells. Je wichtiger der Gast, um so traditioneller die Gerichte. Und es ist dabei nicht ungewöhnlich, daß dem wichtigen Gast mehrmals in der Woche die gleichen Gerichte serviert werden...

Die zwecklose Überfülle macht den sozialen Sinn aus. Die Sache wird so zum bedeutungsvollen Zeichen. Die Gastgeber/Innen wären todunglücklich, wenn am Ende des Abends tatsächlich fast alles aufgegessen wäre. Bei uns freut man sich darüber ... In Georgien präsentiert man sehr viel mehr Überfluss als bei uns. Wenn nur noch kleine Reste übrig sind, hat die/der Deutsche das Gefühl, daß es allen geschmeckt hat und es auch genug gab. Die Georgierin wäre unglücklich, weil es nicht großzügig genug aussähe.

 

Nach einem größeren Mahl ist es üblich, Freunden und Anverwandten noch Essen mit nach Hause zu geben. Man verabschiedet sich dadurch mit einem kleinen Geschenk. Generell spielt das Schenken in Georgien eine wichtigere Rolle als bei uns... Man verlängert auf diese Weise indirekt den Kontakt mit dem Gast. Außerdem wird dem Besucher in Georgien auch bei kurzen Spontanbesuchen immer etwas zum Essen angeboten. Größere Essen werden häufig von mehreren Frauen zusammen zubereitet...

Verhalten als Gast und gegenüber Gästen

Ungelegenheit der Gäste scheint es gar nicht zu geben. Der Gast ist immer ein Geschenk des Himmels, wie ein georgisches Sprichwort sagt. Jeder Gast wird immer zu Tisch gebeten... Jede Tafel ist im Prinzip um so viele Personen erweiterbar, wie noch in den Raum passen...

Man sagt selten schon beim ersten Angebot "ja". Die Verweigerungsstrategie ist außerdem eine andere als bei uns... Wenn man nichts trinken will, lässt man sich das Glas voll gießen und rührt es dann nicht an... Es wird als unhöflicher empfunden, das Nachfüllen abzuwehren... .

Zum Annehmen der Gastfreundschaft gehört es in Georgien auch, sich wirklich frei zu bedienen. In Georgien kann man sich viel eher als bei uns einfach etwas Essbares nehmen... Die Betonung liegt auf der völligen Wortlosigkeit...

Trinkbräuche

Zu einem georgischen Mahl mit Gästen gehören in Georgien unbedingt der georgische Wein und häufig auch georgischer Sekt und georgischer Cognac... Man trinkt nicht einfach so. Der Tafel steht ein Tisch- und Zeremonienmeister vor, der Tamada [häufig der Hausherr, ein Freund des Hauses oder eine andere Person mit besonderem Status]...Horizontaler Bildlauf: Nächste Seite

Das alltagspoetische Genre wurde nur mündlich überliefern. Jede Generation wächst mit den Trinksprüchen auf... [Der] Tisch [galt als] der Ort eines besonderen geistigen Wettkampfs für die Männer... der in Toasts ausgetragen wurde...

Die vornehmste Aufgabe des Tamada besteht im Aussprechen elaborierter Trinksprüche. Der Trinkspruch kann sogar in Gedichtform geäußert werden. Danach wird auf etwas, was im Trinkspruch thematisiert wurde, getrunken. Die Männer leeren dann das Glas bis auf den Boden... Zwischen den Toasts trinkt man nicht... Die Toasts sind thematisch weitgehend kanonisiert. Immer wird auf den Frieden getrunken, auf die Gäste und ihr Wohl, auf die Eltern, die Toten, die Kinder, die Freundschaft und die Liebe, die "den Tisch verschönernden" Frauen, die Mütter, wichtige Ereignisse im Leben Anwesender. Bei der Ausgestaltung des Toasts kann der Tamada seiner Phantasie freien Lauf lassen; je origineller und witziger, um so besser. Für einen Georgier ist es ein großes Kompliment, ein guter Tamada zu sein...

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