«DER WEIBLICHE MENSCH» ALS LOHNARBEITER


«Da sind fast ausschließlich Arbeiterinnen in dieser Werkstatt. Dies liegt daran, dass die Arbeit so monoton, so eintönig ist, und dass die Maschinen so ungemein rationell und hochproduktiv sind – ihr müsst fantastisch schnell sein, um mithalten zu können.
   Von daher haben die im Büro ausgerechnet, dass ein Mann es hier unten nicht aushalten würde.
   Ein Mann will einen höheren Lohn haben, wenn er so hart arbeiten soll, außerdem wird er von der eintönigen Arbeit nur verrückt werden.
   Frauen können sowas besser aushalten, sie sind technisch so gering begabt, dass sie keine besondere Abwechslung in der Arbeit benötigen.
   Frauen passen zu eintöniger Arbeit. Und wie geschickt sie mit ihren Händen sind, heißt es.
   Eine Frauenhand ist ganz fantastisch, um exakt die gleiche Bewegung in hochgetriebenem Tempo auszuführen - jahrein, jahraus.
   Weil sie Geduldige sind, eben Frauen.»

Dieser Absatz stammt aus der Schilderung von Marit Paulsen über das Leben als doppelt arbeitende Industriearbeiterin, «Du, ein Mensch?» (1972). Sie enthält vieles, was typisch ist für «Frauenberufe»: Niedriglohn, harte, eintönige Arbeit in hohem Tempo, die Vorstellung, dass die Qualifikationen, die die Frauen für den Job besitzen, den sie ausführen, «natürliche» Eigenschaften der Frauen als Geschlecht sind. Und damit nicht wirkliche Qualifikationen.

Was geschieht, wenn «der weibliche Mensch» als Lohnarbeiter auf den Arbeitsmarkt kommt? Siri Jensen (1986) hat eine Darstellung der Besonderheiten der Situation von Arbeiterinnen vorgelegt, und was dies für die Rolle bedeutet, die sie im Klassenkampf spielen. Arbeiterinnen stehen in der «Zwickmühle zwischen Job und Familie». Auf allen Gebieten wird ihr Leben dadurch geprägt, dass sie nicht lediglich Arbeiter sind, sondern auch einem unterdrückten Geschlecht angehören.

Warum landen Arbeiterinnen so oft in der von Marit Paulsen beschriebenen Situation? Meine Behauptung ist folgende: Das Besondere «des weiblichen Menschen» (die soziale Rolle in die die Frauen platziert werden) wird auf bestimmte Weisen in der Jagd des Kapitals nach größtmöglichem Profit ausgenutzt. Dies bedeutet nicht notwendigerweise, dass es bewusst und planmäßig geschieht (selbst wenn es sich auch so verhalten kann). Aber es dreht sich in der Hauptsache darum, dass die sozialen Eigenschaften «des weiblichen Menschen», sie auf andere Weisen ausnutzbar macht als den Mann.

Ich werde mir insbesondere drei Sachen vornehmen:
- den Wert der weiblichen Arbeitskraft,
- das weibliche Lebensmuster (bestimmt durch «die Zwickmühle zwischen Job und Hausarbeit»), und wie es ausgenutzt werden kann,
- den speziellen Disziplinierungsmechanismus, der gegenüber Frauen in der Produktion angewendet wird.

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