Von Frauen wird gefordert, dass sie sich Männern unterordnen sollen. Gleichzeitig ist es ein zentraler Bestandteil der Identität von Männern, dass man sich seine diesbezüglichen Gefühle nicht verletzen lassen soll. Der Pantoffelheld wird nicht lediglich verachtet, weil er keine Macht über Frauen hat, sondern auch, weil er sich seine Gefühle verletzen lässt. In der Männeridentität liegt ein Element des Aufständischen, und auf jeden Fall von demjenigen, der seine Rechte mit allen Mitteln verteidigt. Wenn Jungen und Männer von ihrer Schulzeit erzählen, ist das meistens um vorzuzeigen, wie unmöglich und undiszipliniert sie sind oder waren: sie ordneten sich wirklich nicht unter! Und die Normen dafür, was von Schülern toleriert wird, sind da auch völlig anders als was von Schülerinnen toleriert wird - ein Zugeständnis an die aufdämmernde Männeridentität.
Diese Seite der Männeridentität fungiert in sehr vielen Zusammenhängen positiv. Für die Mehrzahl der Männer in dieser Gesellschaft gibt es genug gute Gründe, sich aufrührerisch zu verhalten. Aber sie führt auch dazu, dass diejenigen, die sich unterordnen, verachtet werden. Das Geschlechtersystem schreibt für Frauen Unterordnung vor, und tut sie das nicht, wird sie dafür bestraft. Aber es rettet sie nicht davor, verachtet und bestraft zu werden, weil sie sich so verhält wie vorgeschrieben und sich ihre Gefühle verletzen lässt.
Gerade dies scheint die schauerliche Dynamik in einem Teil der übelsten Vorfälle von Frauenmisshandlung zu sein: Je untertäniger, ärmer, als Person vernichteter das misshandelte Opfer wird, desto «provozierender» wird sie, desto mehr weitere Verachtung und Gewalt verdient sie.
Aber selbst unter mehr nomalen Umständen gibt diese Verachtung für Schwäche und Untertänigkeit den Ursprung zu einem grausamen Spiel: Der Mann kann seine Macht über die Frau nicht loslassen, ohne eine wichtige Stütze für seine Identiät als Mann loszulassen. Gleichzeitig kann er es nicht sein lassen, sie zu verachten, weil sie sich unterordnet. Er ist dazu verurteilt, zu verachten was er liebt, und zu lieben, was er verachtet. Die Frau ihrerseits, kann die Liebe und das Interesse des Mannes nur auf Kosten dessen gewinnen, indem sie sich unterordnet. Aber indem sie das tut, bekommt sie auch seine Verachtung. Unter solchen Umständen kann die Liebe zwischen Mann und Frau ein ziemlich bitteres Gebräu werden.