Sowohl im Kampf gegen den heutigen Angriff des Kapitals auf die Arbeiterklasse als auch im Kampf für eine neue Gesellschaft besteht die Notwendigkeit einer Allianz zwischen den beiden Spitzen in der Arbeiterklasse. Es besteht auch die Notwendigkeit einer Allianz zwischen der Arbeiterklassen und der arbeitenden Bevölkerung, u.a. den untersten kleinbürgerlichen Schichten (z. B. Lehrer), wo wir sehr viele Frauen vorfinden.
Eine solche Allianz ist schwierig, aus vielen Ursachen heraus. Eine von ihnen ist die sozialdemokratische Hegemonie in der Gewerkschaftsbewegung. Die sozialdemokratische Leitung in der Gewerkschaftsbewegung hat als Linie, so viel wie möglich zu spalten: zwischen der LO und den «gelben» Verbänden, zwischen privatem Sektor und öffentlichem Sektor, zwischen denen, die den 6-Stunden-Tag haben wollen und jenen, die ein früheres Rentenalter haben wollen. Und der männliche Chauvinismus ist ein untrennbarer Bestandteil ihrer Politik, wie ich zuvor beschrieben habe.
Eine Allianz zwischen dem Kernproletariat und der neuen «Spitze» - dem weiblichen Teil der Arbeiterklasse, muss daher gegen die Spitze der Gewerkschaftsbewegung, besonders gegen die Spitze in den männerdominierten Gewerkschaften durchgerungen werden.
Aber den männlichen Chauvinismus gibt es selbstverständlich auch an der Basis. Wer für die Allianz zwischen den beiden Spitzen kämpfen will, steht daher der Aufgabe gegenüber, zuerst die Basis zu gewinnen.
Viele sind der Auffassung, dass es künstlich und schwierig ist, typische Frauenfragen auf Männerarbeitsstätten und in Männergewerkschaften aufzugreifen, oder Dingen einen «Frauendreh» zu geben (z.B. damit zu argumentieren, dass der 6-Stunden-Tag besonders wichtig für Frauen ist). Das zündet nicht, weckt keine Resonanz. Wenn man etwas aufgreift, das einen direkten Anknüpfungspunkt zum eigenen Leben und den Problemen männlicher Arbeiter aufweist, ist es leichter.
Dies stimmt sicherlich. Aber es drückt gleichzeitig eine beschränkte und kurzsichtige Auffassung der Arbeit in der Gewerkschaftsbewegung aus. Frauenfragen in männerdominierten Gewerkschaften aufzugreifen, ist ein Glied in der Arbeit, um die Allianz zwischen «den beiden Spitzen» zu errichten. Es trägt dazu bei, den Arbeitern bewusst zu machen, dass die Arbeiterklasse in zwei Geschlechter geteilt ist, und dass die Arbeiterinnen ihre speziellen Kämpfe und Probleme haben, dass sie Klassengefährtinnen sind, die Unterstützung benötigen und verdienen, und dass die Solidarität beiden Teilen dient.
Wer soll dafür innerhalb des traditionellen Kernproletariates an die Spitze gehen? Hier spielen selbstverständlich die Frauen im Kernproletariat eine große Rolle. Sie stehen mit einem Bein in jedem Lager und können ein Bindeglied werden. Es ist von großer Bedeutung, dass die Frauen im Kernproletariat eine frauenbewusste gewerkschaftliche Politik betreiben. Dies gilt auch für die Frauen, die in ausgeprägten Männerberufen im Kernproletariat jobben. Solche Frauen sind einem enormen Druck ausgesetzt, einer der «Jungs» zu werden, den Blickwinkel, die Haltungen, den rauhen Umgangston und die dreiste Sprache zu übernehmen. Oft ist dies die einzige Weise, mit der sich überleben lässt. Die Frauenorganisierung unter Frauen in Männerberufen ist daher notwendig als eine Hilfe, um für Frauenfragen und Frauenperspektive zu kämpfen.
Um die Allianz zu errichten, werden unterdessen auch «frauenbewusste» Männer im traditionellen Kernproletariat benötigt, die systematisch für Unterstützung des Frauenkampfes und gegen männlichen Chauvinismus in den Reihen ihrer Arbeitskollegen kämpfen. Unterstützung für den Frauenkampf sollte ein ebenso selbstverständlicher Teil einer Linie des Klassenkampfes in der Gewerkschaftsbewegung sein, wie der männliche Chauvinismus ein selbstverständlicher Teil der Klassenzusammenarbeitspolitik der LO-Leitung ist. «Frauenbewusste» Männer sind außerdem wichtig als Vorbilder für ihre Arbeitskollegen.
Eines der Hindernisse für eine solche Allianz ist die mangelnde Kenntnis der Situation von Arbeiterinnen. Niedriger Lohn und schlechte Arbeitsbedingungen werden als Resultat der eigenen Schwächen der Frauen angesehen. Marion Palmers Beschreibung der Art und Weise, wie weiblichen Vertrauensleuten in Sørmarka mit der unterschwelligen Botschaft begegnet wird, dass sie «schlechte Verhandlerinnen» sind, und daher ihre Anliegen nicht durchbekommen, ist ein Beispiel. Aber die Stellung der Frauen im Arbeitsleben hat objektive Ursachen, die mit der speziellen, ökonomischen Rolle zusammenhängen, die sie zu spielen den Auftrag erhalten haben.
Die Allianz zwischen den «beiden Spitzen» aufzubauen, erfordert systematische Arbeit von «frauenbewussten» Mitgliedern des Kernproletariats, sowohl Frauen als auch Männern, um die Sperre niederzubrechen, die der männliche Chauvinismus bildet. Und es erfordert auch Kenntnisse über die Situation von Frauen und deren Ursachen. Aber es sind auch andere Dinge, die wichtig sind. Eines von ihnen ist die gegenseitige Unterstützung der Kämpfe der jeweiligen anderen: Proteste von Eisen und Metall-Gliederungen, wenn die Regierung die Zwangsschlichtung gegenüber den niedrig entlohnten Frauen im öffentlichen Sektor anwendet. Unterstützung von Frauengewerkschaften für den Kampf von Håkon Høst und die Gewerkschaft beim Weinmonopol. Eine andere wichtige Sache können gemeinsame Aktionen der Basis quer zu den Gewerkschaftsgrenzen sein. Eine Aktion wie «Ja zur Arbeit» im Jahre 1982 hatte ihren Ausgangspunkt in den gewerkschaftlichen Eisen und Metall-Gliederungen auf den Werften Westnorwegens. Aber sie griff weiter. An der Demonstration in Bergen beteiligten sich u.a. die Arbeiterinnen des von Stillegung bedrohten Betriebes «Nordisk Fjer». Gleichwohl hatte die Aktion keine bewusste Linie, Allianzen quer zu den Geschlechtergrenzen aufzubauen. Eine vergleichbare Aktion heute, müsste sowohl den Kampf gegen das Hillesland-Urteil als auch den Kampf gegen die Haushaltskürzungen in sich aufnehmen, die Frauenarbeitsplätze im öffentlichen Sektor bedrohen. Eine andere quergewerkschaftliche Aktion, die 1985 startete, heißt «Für eine freie und unabhängige Gewerkschaftsbewegung». Die Zielsetzung der Aktion ist es, die Ehe zwischen der LO und der DNA aufzuheben. Unter den Initiatoren der Aktion waren wenige Frauen. Auch später ist nur wenig bewusste Arbeit geleistet worden, um die Allianz zwischen dem traditionellen Kernproletariat und den Arbeiterinnen innerhalb dieser Aktion zu entwickeln. Nicht zuletzt die Tarifrunde 1986 (mit der Zwangsschlichtung der «Frauenregierung» gegen die Kommunalgewerkschaft, die Lehrer/innen und die Krankenpfleger/innen) sollte hinreichend gute Argumente dafür geben, warum der Kampf für eine freie und unabhängige Gewerkschaftsbewegung auch eine Frauenfrage ist.
Ob es eine Allianz oder eine Spaltung gibt, hängt auch davon ab, welche Linien in der täglichen Gewerkschaftsarbeit verfolgt werden. Wenn z.B. Eisen und Metall niedrige generelle Zulagen bei den Tarifrunden annimmt, ausgehend von einer bechränkten Argumentation, dass sie «in den lokalen Verhandlungen erneut aufgegriffen werden», trägt dies dazu bei, eine Spaltung in Bezug auf die Arbeiterinnen zu schaffen. Denn die niedrigen generellen Zulagen werden richtungweisend auch für die gewerkschaftlichen Frauenverbände, die nicht die Möglichkeit haben, etwas Nennenswertes durch lokale Lohnverhandlungen zu erzielen. Ein anderes Beispiel ist, wie die Arbeitszeitverkürzung aus der Tarifrunde 1986 ausgelegt wird, als kürzere tägliche Arbeitszeit, oder gesammelt, z.B. als ein verkürzter Freitag. Lediglich kürzere tägliche Arbeitszeit ist ein Schritt auf dem Weg zum 6-Stunden-Tag, der für die Frauen so wichtig ist. Um die Allianz zu errichten, müssen als Ausgangspunkt die Interessen der ganzen Arbeiterklasse dienen, wenn man einen Standpunkt in solchen Fragen bezieht.
Die wichtigste Voraussetzung, damit es eine Allianz gibt, ist mittlerweile, dass die neue «Spitze», die Arbeiterinnen, ihre Stärke zeigen und sich aus der Unsichtbarmachung herauskämpfen. Damit sind sie jetzt beschäftigt, und es ist gerade deshalb, dass die ganze Frage einer «Allianz» auf die Tagesordnunng gesetzt worden ist. Durch den Kampf, den sie führen, fordern die Arbeiterinnen alte Bilder heraus und zwingen neue Problemstellungen in der ganzen Arbeiterklasse hervor. Hier findet sich vieles von Bedeutung für die Frauen in Frauenberufen.
Etwas von dem, was als Erstes geschehen muss, ist die Formulierung des «die Allianz zwischen den beiden Spitzen in der Arbeiterklasse bauen» als eine bewusste Zielsetzung für die gewerkschaftliche Arbeit des kampfbereitesten Teils der gewerkschaftlich organisierten. Dann wird eine Zusammenfassung und der Austausch von Erfahrungen, Diskussionen und praktischen Versuchen benötigt, um zu einer haltbaren, durchgearbeiteten Linie zu gelangen.