Wie Aker Brygge organisieren?

Die Arbeiterinnen (und deren nächste Alliierte, die Frauen in den untersten kleinbürgerlichen Schichten) haben deutlich gezeigt, dass sie eine Kraft sind, mit der im Klassenkampf gerechnet werden muss. Trotzdem sind sie, wie Siri Jensen darauf hinweist, eine Klasse in Entwicklung. Viele Frauen arbeiten auf großen Arbeitsstätten, wo sie konzentriert und relativ leicht zu organiseren sind. Die großen Krankenhäuser sind ein gutes Beispiel. Aber viele Frauen arbeiten auch in kleinen Betrieben und Geschäften, unter unregulierten Arbeitsbedingungen, zu unregelmäßigen Zeiten und ohne tariflich festgesetzten Lohn. Dort, wo die Nyland Werft lag, eine traditionsreiche Arbeitsstätte des Kernproletariats in Oslo, haben wir jetzt «Aker Brygge», mit ihrem Wirrwarr von Geschäften und Cafés. Weiterhin jobbt hier ein großes Proletariat. Aber der Charakter dieses Proletariats hat sich verändert: Von Männern mit Helm, die das größte Gewicht in der mächtigen «Abteilung 1», Oslo Eisen und Metall bildeten, hin zu Verkäuferinnen und Serviererinnen, oft junge Mädchen, ohne jegliche organisatorische Anbindung.

Wenn die Tendenz, die Arbeiterklasse in zwei Gruppen aufzuteilen: «Stammarbeitskraft» und «Randarbeitskraft», sich entwickelt, werden wir weitere «Aker Brygge»-Probleme bekommen. Es werden noch mehr werden, die in Kleinbetrieben, Sub-Bau- und Sublieferantenunternehmen jobben, in privaten Kleinfirmen, die Dienste, z. B. Reinigungsarbeiten, für große Arbeitsstätten liefern. Die Privatisierung des öffentlichen Sektors geht in die gleiche Richtung. Dies wird unregulierte Arbeitsverhältnisse, unregelmäßige Arbeitszeiten, Teilzeit und schwachen Kündigungsschutz nach sich ziehen.

Wer organisiert die Mädchen auf Aker Brygge? Wer sieht es als seine Aufgabe an, sie als Klasse zu «konstituieren»? Die traditionelle Gewerschaftsbewegung hat geringes Interesse gezeigt. Als die Gewerkschaft Handel und Büro darauf aufmerksam gemacht wurde, dass auf Aker Brygge die Vorschriften für Öffnungszeiten kaum Beachtung finden, taten sie nicht viel mehr als mit den Schultern zu zucken. Die vier Frauen in dem kleinen Hillesland-Betrieb waren auch nicht gewerkschaftlich organisiert als sie den Tritt bekamen. Damit sah die LO es nicht als «ihre Sache» an. Das, was geschah, ist mittlerweile ziemlich lehrreich: Obgleich sie im Ausgangspunkt nicht einmal Gewerkschafterinnen waren, besaßen die vier Frauen Kraft und Bewusstsein genug, um ihre Sache ganz bis vor die oberste Gerichtsinstanz durchzufechten. Ihre Verwünschungen entsprangen zuallererst dem Umstand, dass sie gekündigt wurden, weil sie Frauen waren. Und während die Gewerkschaftsbewegung sie abwies, organisierte die Frauenbewegung Unterstützungsarbeit. Durch die Unterstützungsarbeit der Frauenbewegung erhielten sie nach und nach auch einige Unterstützung von der Gewerkschaftsbewegung, speziell von örtlichen Clubs und Einzelgewerkschaften.

Vielleicht muss man völlig neu denken, wenn man die Mädchen auf Aker Brygge organisieren will. Vielleicht muss man gerade den Ausgangspunkt darin nehmen, dass sie Mädchen sind? Und vielleicht sind es Fragen, die abseits der traditionellen «fachlichen» liegen, die bei ihnen in der ersten Ansprache zünden? Es kann passieren, dass die traditionelle Gewerkschaftsbewegung so erstarrt in ihrem Blickwinkel und ihrer Arbeitsweise ist, dass sie außer Stande ist, der Herausforderung von Aker Brygge und ähnlichen Phänomenen zu begegnen. Für alle, die die Fähigkeit der Arbeiterklasse zu kämpfen, zu stärken wünschen, muss es nichtsdestoweniger als eine wichtige Aufgabe angesehen werden, auch diesen Teil der weiblichen Arbeiterklasse in den Kampf hineinzuziehen.

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