Der Kampf gegen Porno und das Frauenbewusstsein

Der Kampf gegen Porno ist vielleicht diejenige Einzelsache im ganzen Spektrum von Frauenfragen, die in den letzten Jahren breiteste Unterstützung erhalten hat. Ein wichtiger Grund dafür, glaube ich, besteht darin, dass Frauen ihn nicht als «Einzelsache» erleben. Es handelt sich ganz einfach um die Menschenwürde von Frauen. Unni Rustad beschreibt die Botschaft des Porno so (1986, S. 82):

«Hier ist das Mädchen, von dem alle Männer träumen, alle Männer wollen gerne das gleiche Mädel haben. Und wen wollen sie haben? Ja, diejenige, die sagt: «Ich bedeute nichts, ich bin nichts. DU bist es, der bestimmt, was ich machen soll. Du kannst mit mir machen, was du willst. Ich bin für dich da. Ich wünsche das, was du willst. Du hast die Macht.»»

Der Porno ist geballte Propaganda für das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern. Lediglich durch Macht kann der Mann Lust erleben, und lediglich durch Unterwerfung kann die Frau sie erleben. Dem Inhalt nach ist die Botschaft genau die gleiche wie diejenige, die von den reaktionärsten christlichen Gruppen verbreitet wird: Die Frau soll dem Manne untertan sein, und ohne, dass es sich so verhält, ist Liebe zwischen ihnen unmöglich. Der Porno hat inzwischen eine Form, die dazu führt, dass er in unserer verweltlichten Zeit ein breiteres Publikum erreicht.

Der Porno ist auch geballte Propaganda dafür, dass Frauen etwas anderes als Menschen sind. So wird zwischen Frau und Mann sozialer Abstand geschaffen, etwas, das weiterhin Unterdrückung und Übergriff erleichtert. Hier ist eines der Beispiele Unni Rustads dafür, wie Frauen zu etwas anderem als Menschen gemacht werden (S. 89):

«Kriminalmagazin heißt ein Wochenblatt. Viele sehen es als ein gutes und durchaus schickliches Blatt an, dass sie Zuhause auf ihrem Wohnzimmertisch liegen haben, im Bus oder im Zug lesen können. Das Blatt wird, zusammen mit Benzin, an der Tankstelle verkauft, zusammen mit Waren des täglichen Bedarfs. Es wird dem sogenannten Softporno zugeordnet.
   Die Mitarbeiter sind auf einer Reportagereise in Jugoslawien gewesen und haben jugoslawische Frauen getroffen. Was sind jugoslawische Frauen? Ja, das sind «staatseigene Brüste und Schenkel». «Hier gab es vollen Strip», mit guten Möglichkeiten, «ordentliche jugoslawische Mäuschenpastete» zu testen. Hat eine «Mäuschenpastete» etwas mit einem Menschen gemein?»

Der Kampf gegen Porno hat Frauen viel von der Auffassung der Gesellschaft über uns gelehrt. Sie hat uns gefühlsmäßig berührt und empört, sodass sie uns durch Mark und Bein geht. Sie hat eine Wut erzeugt, nicht lediglich über eine Einzelsache, sondern über die erniedrigende Identität selbst, die uns angeboten wird. In dieselbe Richtung zog es auch, dass Frauenmisshandlung, Vergewaltigung und Prostitution von der Frauenbewegung zu politischen Fragen gemacht wurden. Es handelt sich um die Menschenwürde von Frauen.

Diese Kämpfe, und das Bewusstsein, dass sie erschaffen haben, haben anderen Seiten des Frauenkampfes Impulse gegeben. Sie erleichtern es, den Frauenlohn, den Mangel an Tagesheimen, die Forderung nach dem 6-Stunden-Tag in einem Zusammenhang zu sehen. Sie erleichtern es, den Platz der Frauen in der Gesellschaft zu sehen, der auf unzählige Weisen zum Ausdruck kommt. Der Kampf gegen Porno hat daher große Bedeutung gehabt, zum Beispiel für die Frauen, die in der Gewerkschaftsbewegung kämpfen, auch wenn der Kampf gegen Porno hauptsächlich in anderen Arenen geführt worden ist. Dies ist noch ein Grund mehr, dass eine enge, «gewerkschaftliche» Frauenorganisierung nicht ausreichend ist, nicht einmal um den gewerkschaftlichen Kampf der Frauen zu stärken.

Starke Frauenorganisationen mit einem ganzheitlichen Programm müssen her, um die Kämpfe miteinander zu verknüpfen, sodass sie sich gegenseitig befruchten, und ein ganzheitliches Frauenbewusstsein aufbauen können. Das bedeutet etwas für die Möglichkeit, heute Fortschritte zu erzielen. Aber, wie Elson & Pearson darauf hinweisen: Wichtiger ist es vielleicht, dass Frauen sich ihrer eigenen Situation als unterdrücktes Geschlecht bewusst werden, dass sie sich organisieren, dass sie eine Gemeinschaft bilden, dass sie ihre eigenen Stärken kennenlernen. So tragen sie dazu bei, die Kraft aufzubauen, die den Kapitalismus aus dem Weg räumen soll. Und sie sichern, dass die Arbeiterklasse, die eine neue, sozialistische Gesellschaft bauen soll, nicht «geschlechtsblind» ist. Eine starke Frauenorganisation, mit Kampferfahrung und solidem Frauenbewusstsein, ist außerdem ein Werkzeug, das von Nutzen sein wird, wenn der Kampf um die Ausgestaltung der sozialistischen Gesellschaft geführt werden soll.

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