Antiimperialismus nach den Prämissen von Frauen

Dies ist selbstverständlich nicht die ganze Geschichte über die Ausbeutung und Unterdrückung der Frauen durch den Imperialismus. Wie in dem reichen Teil der Welt, nimmt die Unterdrückung unendlich viele Formen an. Eine besonders groteske Form ist die Entwicklung einer Reihe von südostasiatischen Ländern zu reinen Zuhälterstaaten. Eine wichtige Quelle für Währungseinnahmen ist nämlich der Tourismus. Und eine Hauptattraktion für die Touristen ist ein reichlich vorhandener Zugang zu jungen Prostituierten, die orientalische Süße und Mystik ausstrahlen. Wenn der Internationale Währungsfonds Druck auf die Regierungen ausübt, um sie dazu zu bekommen, eine ökonomische Politik auszuführen, die sowohl die Mehrzahl der Bevölkerung ärmer macht als auch größere Währungseinnahmen zur Bezahlung der Darlehenszinsen sichert, wird der Währungsfonds in der Praxis zu einer Art Chefzuhälter. Agnete Strøm beschreibt die Auswirkungen der Prostitution in diesem Gebiet so (1986b, S. 62):

«96% der Prostituierten in Bangkok kommen aus den ärmsten Provinzen im Land. Von Thailands 700.000 Prostituierten werden 200.000 im Sextourismus ausgenutzt. Die Regierung tut wenig oder gar nichts, um diese Entwicklung zu stoppen, sondern macht sich im Gegenteil abhängig von Währungseinnahmen und betreibt den Ausbau für einen zunehmenden Sextourismus.
   Die Sex-Industrie ist ein echtes Kind des Imperialismus. Sie hat über 20-30 Jahre existiert, aber erst jetzt sind uns die Augen dafür geöffnet worden, was sie bedeutet. Tausende von Dörfern bauen ihre ökonomische Existenz darauf auf, dass die jungen Frauen sich in den Großstädten prostituieren und Geld nach Hause schicken.
   Wenn die Prostitution der Töchter die ökonomische Grundlage der Eltern - der Familie bildet, und die Behörden das als nationalökonomisch wichtig ansehen, dann ist der Imperialismus weit damit gekommen, den Frauen den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Was für eine neue Gesellschaft können sie erschaffen, wenn sie nicht eine Auseinandersetzung mit der Auffassung über Frauen führen, die sich entwickelt hat?»

Was ich in diesem Kapitel vorgebracht habe, sollte indessen genug sein um zu zeigen, dass der Imperialismus nicht geschlechtsneutral fungiert. Deshalb kann der Kampf gegen den Imperialismus auch nicht geschlechtsneutral sein. Frauen befinden sich nicht in der gleichen objektiven Situation wie Männer, auch nicht in der Dritten Welt. Damit spielen sie auch nicht die gleiche Rolle im Klassenkampf und im antiimperialistischen Kampf.

Es ist z.B. wichtig zu wissen, dass es die Frauen sind, die am härtesten vom imperialistischen «Entwicklungsmodell» und den Angriffen auf den Selbstversorgungssektor gepeinigt werden. Vielleicht sind es sie, die die Haupttriebkraft in einer eventuellen afrikanischen Bauernrevolution der Armen nach Amins und Myrdals Muster sein müssen, einer Revolution, die darauf abzielt, mit dem Weltmarkt zu brechen und die Selbstversorgung zu einem Hauptelement in der Strategie zu machen? Denn Mannsleute haben oft andere Auswege, wie erbärmlich sie auch sein mögen. Für die Frauen wird es mehr und mehr unmöglich, «auf die alte Weise zu leben». Dies bedeutet gegebenenfalls, dass eine Befreiungsstrategie in vielen Dritte-Welt-Ländern eine klare Frauenperspektive haben muss, wenn sie erfolgreich sein soll.

Sicher ist es, dass Frauenaufruhr in der Dritten Welt eine tödliche Bedrohung des Imperialismus sein wird. Ein solcher Aufstand kann vieles von der Grundlage treffen, auf die der Imperialismus seine Extraausbeutung der Massen in der Dritten Welt baut. Die Vorstellung, dass «die Frauen hinter der Entwicklung hängen geblieben sind», worauf viel mehr oder minder wohlmeinende Beistandsarbeit aufbaut, ist nämlich grundlegend falsch. Ich bin von ganzem Herzen mit Elson & Pearson einig, wenn sie sagen (S.19):

«Wir akzeptieren nicht, dass das Problem darin besteht, dass Frauen vom Entwicklungsprozess ausgeschloseen worden sind. Es ist im Gegenteil die Weise, in der Frauen in den Entwicklungsprozess «integriert» sind, die problematisiert und untersucht werden muss. Denn diese «Integrierung» kann gut ein Teil des Problemes sein, eher als ein Teil der Lösung.»

Die Weise, wie die Frauen in die imperialistische Entwicklung integriert sind, ist klar «ein Teil des Problems» für die Frauen, und «ein Teil der Lösung» für den Imperialismus. Wenn die Frauen sich zum Kampf gegen diese «Integrierung» organisieren, werden sie eine mächtige antiimperialistische Kraft ausmachen (und an vielen Orten in der Dritten Welt hat eine solche Organisierung begonnen, auf unterschiedlichen Niveaus und auf ungleichen Grundlagen). Und wie in unserem Teil der Welt, wird ihr Kampf radikalere Lösungen erfordern als der Kampf der Männer. Wer dies nicht sieht, und nicht die Konsequenzen daraus zieht, wird Probleme damit haben, in der Praxis ein wirklich revolutionärer Antiimperialist zu sein.

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