In der Bibel heißt es, dass Gott der Kopf des Mannes ist, aber der Mann ist der Kopf der Frau. Die Frau hat also die Pflicht, sich der geistigen Autorität des Mannes unterzuordnen.
Aber es ist nicht lediglich die geistige Autorität des Mannes, der sich die Frau unterordnen soll. Die Familie ist auch ein Glied in der weltlichen Gesellschaftshierarchie. Früher kam dies dadurch zum Ausdruck, dass unverheiratete Frauen unter der Vormundschaft des Vaters standen, verheiratete unter der des Ehemannes. In das Trauungsritual ging ein Gebot ein, wonach die Frau dem Ehemann gehorchen sollte. Es ist nicht so lange her, seit öffentliche Frageschemata eine Rubrik für die «Hauptperson» der Familie aufwiesen. Nach außen hin, gegenüber Behörden und anderer Öffentlichkeit, war es, und ist es weithin fortgesetzt, der Mann, der die Familie repräsentiert, als «Oberhaupt» der Familie.
Der Mann hatte, und hat, physische Machtmittel zur Verfügung. Früher war physische Gewalt des «Oberhauptes der Familie» als «Hauszucht» legalisiert und institutionalisiert. Heutzutage wird solch´ physische Gewaltanwendung mehr und mehr als illegitim angesehen, jedenfalls in Gesellschaften vom Typ Norwegens. Aber die Frauenmisshandlung innerhalb des Rahmens der Familie ist nicht mehr illegitim, als dass sie nicht auf eine Linie mit anderen auf Gewaltanwendung bezogenen Gesetzesverletzungen gesetzt wird, sondern als «häuslicher Streit» klassifiziert und vom «Recht auf Privatsphäre» geschützt wird. Es ist schwierig gewesen, Polizei und Sozialbehörden zum Eingreifen zu bekommen. Olafsdottir und Peltoniemi fassen die Resultate der nordischen Forschung auf diesem Gebiete so zusammen (1983, S. 224):
«Die Frauenmisshandlung konnte als ein «nicht-existierendes Problem» verbleiben. Die passive Haltung der Sozialbehörden hängt zusammen mit der Auffassung der Familie als eine Einheit, die das Recht besitzt nach eigenen Prämissen zu leben. Gleichzeitig war eine nicht-interventionistische Linie mit der Idee der Bewahrung der Kernfamilie verbunden gewesen.»
Der Besitz der Kontrolle über die ökonomischen Ressourcen ist auch ein wichtiges Machtmittel. Moxnes zeigt, was dies in Familien bedeuten kann, wo die Ehefrau Hausfrau ist, wenn sie Interview-Ausschnitte widergibt, wo geschiedene Frauen von ihrer Ehe erzählen (1981, S. 94 f.):
«Er ging zum Kaufmann und erzählte, dass ich völlig unmöglich mit Geld umginge, so müssten wir künftig gleichwohl die Möglichkeit des Einkaufens durch Anschreiben bekommen. Und die bekamen wir. Jeden Samstag stellte er einen Scheck auf den genauen Betrag aus, für den ich eingekauft hatte, jedoch erst nachdem ich erklärt hatte, was jeder einzelne Posten auf der Rechnung gewesen war.»
«Menschen, die es noch nie selbst erlebt haben, können niemals verstehen, was es bedeutet, nie eine einzige Krone zu haben, die du für dich selbst verwenden kannst. Als meine Tochter zur Musikschule ging, bekamen wir Geld für den Bus, aber 1,50 Kronen für Kaffee, während ich saß und auf sie wartete, das konnte ich nicht bekommen. Die Kinder kamen auch nie, um mich um Geld anzubetteln, da sie genau wussten, dass ich nie einen Øre hatte. Sollte es sich um etwas handeln, das Geld kostet, mussten sie dies so rechtzeitig planen, dass sie den Vater um Geld bitten konnten.»
Auch wenn die Ehefrau in Lohnarbeit steht, ist es gewöhnlicherweise der Mann, der über den größten Teil der ökonomischen Ressourcen bestimmt, da er zumeist sowohl in Vollzeit arbeitet als auch einen höheren Lohn als die Ehefrau hat. Aber unabhängig davon, wie das ökonomische Muster aussieht, zeigen die vorliegenden Untersuchungen, dass der Mann einen größeren Teil der gesamten Ressourcen der Familie zur persönlichen Disposition und zum Verbrauch nimmt, als die Frau. Dies ist z. T. ein Ausdruck dessen, dass der Mann eine größere ökonomische Macht in der Familie besitzt, und für die Ideologie, dass die Frau sich für die anderen Familienmitglieder opfern, und damit an den letzten Platz der Reihe stellen soll, wenn die Ressourcen verteilt werden (s. Whitehead, 1984).
Die Position des Mannes als das «Oberhaupt der Familie» ist also in den ökonomischen Verhältnissen, im (teilweise akzeptierten) Zugang zur Verwendung physischer Gewalt, in weltlichen und religiösen Normen solide verankert. Die Familie ist die Institution, wo gewöhnliche Männer den größten Teil der Belohnung dafür erhalten, ein Werkzeug zur Frauenunterdrückung in der Gesellschaft zu sein. Die Familie wird damit besonders wichtig, um Männer in der arbeitenden Bevölkerung zu «korrumpieren», und sie zu einer stützenden Mannschaft der bestehenden Gesellschaft zu machen. Es ist nicht ohne Grund, dass autoritäre und gesellschaftsbewahrende politische Bewegungen ständig die Bedeutung der Familie für die Stabilität und das Wohlergehen der Gesellschaft unterstreichen. Die Familie ist auch entscheidend dafür, neue Menschen in eine «selbstverständliche» und «naturgegebene» Hierarchie hinein zu sozialisieren, und damit im Ganzen genommen, die Existenz solcher Über- und Unterordnungsverhältnisse zu etwas «Selbstverständlichem» und «Naturgegebenen» zu machen.
Heute wird mittlerweile von Gleichstellung in der Familie geredet. «Die Bourgeosisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt,» schrieben Marx und Engels im «Manifest der kommunistischen Partei», in einem Abschnitt, wo sie behaupten, dass der Kapitalismus alle traditionellen, gefühlsmäßigen Bande mit dem nackten, kalten Kauf und Verkauf erstattet. Da irrten sich Marx und Engels. Der Kapitalismus hat keine geringere Verwendung für eine schönfärberische Ideologie über Ausbeutungs- und Machtverhältnisse als andere Klassengesellschaften. Die Familie stellt heute am wenigsten von allem so etwas wie ein «reines Geldverhältnis» dar, die ökonomischen Funktionen sind gut getarnt hinter der freiwilligen Liebesgemeinschaft. Heute ist es auch notwendig, die Funktion der Familie als Institution zu tarnen, wo der Mann, zum Besten für die bestehende Gesellschaft, Macht über die Frau ausübt. Es sind lediglich halb-gare Randgruppen, wie die christlich-charismatische Bewegung, die jetzt offen, in voller und ganzer Breite, für diese Ideologie eintreten.
Offene Machtausübung von Seiten des Mannes ist in vielen sozialen Milieus nicht mehr akzeptiert. Was geschieht? In einem Artikel über Veränderungen im Verhältnis zwischen Frauen und Männern schreibt Hanne Haavind (1985, S. 38):
«Daher trifft es zu, dass eine moderne Frau alles machen kann, aber lediglich so lange sie dies im Verhältnis zu den Männern, mit denen sie zu tun hat, untergeordnet tut. Die Chancen, dass sie positiv als weiblich bekräftigt wird, d.h., dass Wert auf sie gelegt wird, sind am größten, wenn sie selbst dazu beiträgt, dass diese relative Unterordnung als etwas anderes als eine Unterordnung erscheint. Sie trägt die Verantwortung dafür, dies als Wille und Erstrebenswertes in Übereinstimmung mit ihren persönlichen Eigenschaften zu erleben und darzustellen. Auf diese Weise wird seine Überordnung nicht als illegitime Dominanz erscheinen, sondern als die Eigenschaften seiner Person, auf die sie besonders Wert legt. Es ist also völlig in Ordnung, dass eine Frau intellektuell und selbstbehauptend ist, wenn sie dies nur nicht über den Mann hinaus gehen lässt, sondern sich z.B. Partner wählt, die sie in dieser Weise übertreffen. / ... / Dass sich zwei Menschen gegenseitig lieben, ist selbstverständlich das, was am besten Überordnung und Unterordnung als etwas anderes erscheinen lässt. Aber auch in allen anderen Zusammenhängen, in denen Männer und Frauen miteinander umgehen, ist das gegenseitige Wertschätzen als Mann beziehungsweise Frau ein grundlegender Punkt. Das Liebesverhältnis wird eine Art Prototyp des Zusammenseins, auch wenn das Ziel des Zusammenseins nicht darin besteht, einander als Partner zu finden oder Partner füreinander zu sein.»
Selbstverständlich hat es auch wirkliche Änderungen im Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern in der Familie gegeben. Aber die Hauptstruktur, mit dem Mann als «Oberhaupt», hat sich nicht verändert, auch wenn sie mehr verschleiert worden ist. Ein Grund dafür ist, dass der einzelne Mann bei einer radikalen Veränderung der Machtverhältnisse viel zu verlieren hat. Aber gleich wichtig ist es, dass die Machtverhältnisse in der Familie ein nicht unwesentliches Glied zur Aufrechterhaltung der Machtverhältnisse in der Gesellschaft sind, mit der Bourgeoisie ganz oben und der Arbeiterklasse zu unterst.