DER KNOTEN, WO DIE FÄDEN ZUSAMMENLAUFEN


Die Institution der Familie ist der Knoten, wo viele der Fäden zusammenlaufen. Die Familie spielt eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der Frauenunterdrückung. Dies bedeutet nicht, dass wir lediglich die Familie «abschaffen» brauchen, und wir sind so das ganze Elend los. Aber die Familie «organisiert» die frauenunterdrückenden Mechanismen in der Gesellschaft und verbirgt sie hinter der Ideologie von einer freiwilligen Liebesgemeinschaft.

In der Familie erfolgt ein Teil der Arbeit, die zur Reproduktion der Arbeistkraft notwendig ist. Und gerade weil sie in der Familie stattfindet, erscheint sie als etwas, das die Frauen ausschließlich für sich selbst und ihre Nächsten machen. Dadurch arbeiten sie hart und opferwillig, ohne materielle Belohnungen.

In der Familie werden Alte und Kranke gepflegt, Menschen, die in den Augen des Kapitalismus «sozialer Abfall» sind, ein reiner Ausgabenposten, der in keiner Form eine Rendite abwirft. Indem die Familie (die Frauen) sich ihrer annehmen, braucht das Kapital nicht zu bezahlen, während man gleichzeitig dem empörenden Anblick von hilflosen Menschen entgeht, die auf den Straßen liegen und sterben. Auch dies wird durch die Mobilisierung der Opferbereitschaft, Verpflichtung und Fürsorge gegenüber den Ihrigen erzielt. Die Arbeit, die sie ausführt, wird damit etwas jenseits jeglicher ökonomischer Kalkulation.

In der Familie wird die «Puffer-Funktion» wargenommen: Wenn öffentliche Dienste eingeschränkt oder zu teuer werden, kann die Frau sie mit ihrer eigenen Arbeit erstatten. Sinkt das Einkommen der Familie, entweder durch Lohneinbuße oder Arbeitslosigkeit, kann die Frau, auf jeden Fall teilweise, den Einnahmenverlust durch eigene, unbezahlte Arbeit erstatten. Auf die Weise treten die Auswirkungen der kapitalistischen Krise nicht so grell in Erscheinung, wie es andernfalls gewesen wäre.

Die Familie macht die Frau auch zu einer «Zusatzarbeitskraft», die einen Hauptversorger voraussetzt. Dadurch wird sie eine extra billige Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt. Es sind nicht lediglich Frauen, die faktisch einen Hauptversorger haben, die extra billig werden. Alle Frauen werden es, unabhängig davon, ob sie alleine, zusammen mit einem Mann oder zusammen mit einer Frau leben, ob sie jemanden zu versorgen haben oder nicht.

Dies erlegt Frauen auch einen ökonomischen Druck auf, in Familienverhältnissen zu leben, weil es annäherend unmöglich ist, sich selbst und eventuelle Kinder von einem Frauenlohn zu ernähren. Damit wird gesichert, dass so viele Frauen wie möglich innerhalb der Institution leben, in der der Mann die klarsten und direktesten Vorteile aus der Frauenunterdrückung zieht. In der Familie ist selbst der erbärmlichste Mann «Oberhaupt». Er kann in der Gesellschaft ansonsten eine Null sein, aber in der Familie erhält er seine Belohnung. Und wird damit etwas weniger darauf eingestellt, das System zu verändern.

In der Familie geht auch ein zentraler Teil der Sozialisierung neuer Generationen «weiblicher» und «männlicher» Menschen vor sich. Alles wird durch einen ideologischen Schleier zugedeckt, der die Familie zu etwas Heiligem und Erhöhtem macht: Zum Resultat der gegenseitigen Liebe zweier Menschen, und des freiwilligen Beschlusses, das Leben miteinander zu teilen, weil dies das höchste menschliche Glück ist. Auf diese Weise dargestellt, wirkt das wie eine boshafte Konspiration. Das ist es selbstverständlich nicht. Die Institution Familie, wie wir sie heute kennen, ist das Resultat eines langen, historischen Entwicklungsprozesses, wo sowohl ökonomische, soziale als auch ideologische Verhältnisse Einfluss genommen haben. Auf diese Geschichte werde ich hier nicht besonders eingehen, sondern mich auf die heutige Funktion der Familie konzentrieren.

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