Lenin schuf den Begriff «nützliche Idioten». Damit meinte er Leute, die sich von anderen vor ihren Karren spannen ließen, im Widerstreit zu ihren wirklichen Interessen. Unter dem Kapitalismus werden gewöhnliche Männer dazu erzogen, nützliche Idioten für die Herrscher zu sein, in dem Sinne, dass sie sich dazu gebrauchen lassen, ihre weiblichen Klassengefährten niederzuhalten.
Dies geschieht, indem die Frauenunterdrückung gewöhnlichen Männern eine Reihe objektiver Vorteile gibt. Aber diese Vorteile werden teuer erkauft. Sie müssen mit der Spaltung in der Arbeiterklasse bezahlt werden. Sie müssen damit bezahlt werden, dass männliche Arbeiter, durch den männlichen Chauvinismus in der Gewerkschaftsbewegung, der Bourgeoisie helfen, die Führung in ihrer eigenen Kampforganisation zu behalten. Sie müssen mit sozialem Abstand zwischen Frauen und Männern in der arbeitenden Bevölkerung bezahlt werden. Und sie müssen damit bezahlt werden, dass Männer in dem Menschenbild und der Freiheitsauffassung der Bourgeoisie festhängen bleiben, sie bekommen einen «Trollsplint» ins Auge, der es ihnen schwierig macht zu erkennen, dass eine befreiende Gesellschaft auf ganz anderen Prämissen aufbauen muss, als die derzeitige. Durch all´ dies untergraben Männer in der arbeitenden Bevölkerung ihre eigenen Klasseninteressen.
Es sind selbstverständlich Frauen, die den größten Preis für die Frauenunterdrückung bezahlen. Aber die Mannsleute bezahlen auch. Bell Hooks hat es so gesagt:
«Unterdrücker zu sein, ist gleich erniedrigend und entmenschlichend wie Opfer zu sein. Das Patriarchat zwingt Väter dazu, sich wie Monster aufzuführen, ermuntert Ehemänner und Freunde dazu, getarnte Vergewaltigungsverbrecher zu werden, bringt unseren Brüdern bei, sich dafür zu schämen, wenn sie sich um uns kümmern, und verweigert allen Männern das Gefühlsleben, das eine selbstbestätigende Kraft in ihrem Leben sein könnte. Die alte Auffassung vom Patriarchen, als jemand der Respekt und Ehre verdient, hat sich in der entwickelten, kapitalistischen Welt längst selbst überlebt. Das Patriarchat ist nicht mehr etwas anderes, als ein Untertitel unter dem imperialistischen Kapitalismus, der das dominierende System bildet. Als Patriarchen dienen Männer nicht den Interessen ihrer Familien und ihrer örtlichen Gemeinschaft, sie dienen ganz schlicht den Interessen des Staates.»
Vor diesem Hintergrund wird das Plakat von «M» zur Männerrollenveranstaltung in Elverum doppelt traurig, unbesehen davon, wie humoristisch es ist. Das Bild vom Mann, der sich angesichts des Vormarsches der Frauenbewegung krümmt, zeigt, wie das Geschlechtersystem unserer Gesellschaft die Aussicht verbaut und es schwierig macht sich eine neue Art und Weise des Mann-Seins vorzustellen, die befreiend für beide Geschlechter ist. Viele Männer erleben es so, dass sie die wenig erfreuliche Wahl haben, zwischen ein Unterdrücker zu sein, oder eine Null zu sein. In Experimenten mit solchen «avoidance-avoidance»-Konflikten, wie Psychologen dies nennen (die Wahl zwischen zwei negativen Alternativen), bleiben Versuchstiere gerne auf der Stelle rastend stehen, bis der unbarmherzige Experimentator ihnen einen elektrischen Schock gibt, der noch schmerzvoller als die beiden unbehaglichen Alternativen ist. Vielleicht fühlt sich für einen Teil der Männer die Frauenbewegung wie ein solcher elektrischer Schock an. Es ist eine Herausforderung, sowohl für Frauen als auch für Männer, die das derzeitige Geschlechtersystem zu bekämpfen wünschen, den Mann aus dieser zwangsmäßigen «Wahl»-Situation zu befreien. Dies kann nur durch praktischen Kampf geschehen, der es Männern ermöglicht zu erfahren, dass sie nicht lediglich Privilegien, sondern auch verschiedene schwere Ketten zu verlieren haben.