Die Hausarbeit - widerspruchsvoll fürs Kapital?

«Der Bedarf des Kapitals den Mehrwert zu erhöhen, schafft einen Gegensatz zwischen Hausarbeit und Lohnarbeit. Als Teil der notwendigen Arbeit, schwächt die Hausarbeit potentiell die Möglichkeit der Arbeiter, durch die Teilnahme an der Lohnarbeit Mehrarbeit auszuführen. Objektiv gesehen, konkurriert die Hausarbeit daher mit dem Akkumulationstrieb des Kapitals,»

sagt Lise Vogel (1983, S. 154). Sie schlussfolgert daher, dass der Druck der kapitalistischen Akkumulation eine Tendenz zur Reduzierung der Hausarbeit, die in jedem Haushalt ausgeführt wird, erzeugt.

Der Umfang der Hausarbeit ist selbstverständlich seit dem Durchbruch des industriellen Kapitalismus reduziert worden. Aber, wie ich bereits zuvor argumentiert habe, kann man sich genauso gerne fragen: Warum ist sie nicht stärker reduziert worden? Die notwendige Arbeitszeit in der kapitalistischen Produktion ist so dramatisch zurückgegangen, dass die Ausbeutung vervielfacht ist, trotz des insgesamt kürzeren Arbeitstages. Eine entsprechende Entwicklung hat mit der Arbeit, die im zu Hause vorgeht nicht stattgefunden.

Ein wichtiger Grund dafür muss eben sein, dass die Hausarbeit außerhalb der kapitalistischen Warenproduktion stattfindet, und damit nicht dem «Druck der kapitalistischen Akkumulation» auf die gleiche Weise ausgesetzt ist, wie die Arbeit, die in den Fabriken stattfindet. Für den Kapitalisten ist es im Prinzip uninteressant, ob die Hausfrau vier oder acht Stunden täglich für die Hausarbeit verwendet, da sie eh´ nicht Mehrwert für den Kapitalisten in der Zeit erschafft, die sie übrig hat, wenn sie die denn nicht dazu verwendet um Lohnarbeit auszuführen.

Dieses Letztgenannte ist ja Vogels Argument: Die Hausarbeit ist eine Bürde für das Kapital, weil sie Zeit nimmt, die ansonsten für Lohnarbeit verwendet werden könnte, und damit die Produktion von Mehrwert. Aber auch dieses Verhältnis ist komplizierter als Vogel es darstellt. Zum einen ist es lediglich in sehr wenigen und speziellen Situationen so, dass das Kapital Verwendung für die gesamte weibliche Arbeitsstärke gehabt hat, Vollzeit eingeschlossen. England und die USA während des 2. Weltkrieges sind vielleicht das Beispiel, bei dem wir einer solchen Situation am nächsten gekommen sind. Wenn auch die Theorie von den Frauen als industrielle Reservearmee keine vollkommen gute Erklärung der Frauenunterdückung unter dem Kapitalismus abgibt (wie es in der ML-Bewegung der frühen 70er-Jahre Tendenzen gab, dies zu behaupten), so soll man auch nicht ignorieren, dass die Frauen einer solchen Funktion dienen. Die Frauen sind auch eine flexiblere Reservearmee als die Männer, weil sie stärker an Abbrüche in der Berufskarriere gewöhnt sind, und weil sie auch als Teilzeitarbeiter verwendet werden können.

Zum anderen legt Vogel geringes Gewicht darauf, dass die Hausarbeit zur Niedrighaltung der Reproduktionskosten beiträgt. Die Hausarbeit ist ein gratis Zuschuss, den die Frauen dem Kapital gewähren. Als Doppelarbeitende ist die moderne Frau für das Kapital ein sehr nützliches ökonomisches Tier. Sie wird in der kapitalistischen Produktion ausgebeutet, und sie führt unbezahlte Arbeit in der «Freizeit» aus. Wie Marx darauf hinweist, sinkt der Wert der Arbeitskraft während gleichzeitig die Ausbeutung zunimmt, wenn sowohl der Mann als auch die Ehefrau Lohnarbeit haben müssen, um die Familie zu versorgen. Und weil die Hausarbeit der Ehefrau lediglich zum Teil mit dem Kauf von Waren und Diensten auf dem Markt erstattet wird, trägt sie durch ihre Gratisarbeit weiterhin dazu bei, die Reproduktionskosten des Kapitals niedrig zu halten.

Ein gewöhnliches Anpassungsmuster für moderne Frauen ist die Teilzeitarbeit, die mit der Hauptverantwortung für die Familie kombiniert werden kann. Auf einer Ebene ist dies die individuelle Lösung individueller Frauen des Konfliktes zwischen Job und Hausarbeit. Aber es kann ebenso gerne als das Anpassungsmuster des Kapitals angesehen werden, ein Muster, das bewirkt, dass das Kapital «in Hülle und Fülle» in die Tasche bekommt. Das Kapital zieht Mehrarbeit aus den Frauen raus, ohne damit auf die unbezahlte Arbeit verzichten zu müssen. Zusätzlich erhalten sie eine «flexible» Arbeitsstärke, die als Teilzeitarbeitende verwendet werden kann, wenn der Einsatzbedarf am größten ist, und die oft bereit ist, zu nicht gängigen Arbeitszeiten zu jobben. In vielen Zusammenhängen sieht es danach aus, dass es genau dieser Typ von Arbeitskraft ist, den das Kapital vorzieht.

Die Schlussfolgerung muss sein, dass der Gegensatz zwischen Hausarbeit und Lohnarbeit für das Kapital weitaus geringer ist, als Lise Vogel dies behauptet, und der «Druck der kapitalistischen Akkumulation» zur Reduzierung der Hausarbeit ist auch nicht so groß. Der moderne Kapitalismus hat es geschafft einen günstigen Kompromiss zu finden, bei dem die Frau sowohl als Lohnarbeiter, als Lieferant von Gratishausarbeit als auch als flexible Arbeitskraftreserve ausgenutzt wird.

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