Die Hausarbeit ist in unserer Gesellschaft Teil derjenigen Arbeit, die erforderlich ist, damit die Arbeitskraft in der Lage ist, sich von Tag zu Tag dem Job stellen zu können, und damit neue Generationen von Arbeitern heranwachsen, und auf eine Weise heranwachsen, die es ihnen ermöglicht, in der kapitalistischen Gesellschaft zu funktionieren. (Soweit ich im Folgenden von Hausarbeit rede, meine ich damit jegliche nicht entlohnte Arbeit, die im Haushalt stattfindet, auch die Fürsorge für, und das Großziehen von Kindern.)
Ausgehend von einem solchen Blickwinkel, ist es vielleicht nicht so ungewöhnlich, dass der Umfang der Hausarbeit nicht weiter abgenommen hat, als er es tatsächlich hat. Die Anforderungen an die Arbeitskraft sind gewachsen (denk daran, wie viel länger der heutige Schulbesuch im Vergleich mit der Zeit vor 100 Jahren ist), was auch die Fürsorge- und Sozialisierungsarbeit in der Familie beeinflusst. Das «historische und moralische Element» des Wertes der Arbeitskraft, das dazu geführt hat, dass wir jetzt ganz andere Standards für das haben, was früher als «Lebensnotwendigkeiten» angesehen wurde, hat auch Einfluss auf die «Lebensnotwendigkeiten» für die die Hausarbeit verantwortlich ist. Aus einem großen Grützetopf zu essen, mit einem Grützelöffel, der von Mahlzeit zu Mahlzeit in einer Wandspalte platziert wird, würde die heutigen Menschen kaum zufriedenstellen. Es sollen verschiedene Gerichte zu jeder Mahlzeit sein, es soll sowohl Kartoffeln, Gemüse als auch Fisch geben, es soll jedes Mal sauberes Essbesteck geben. Die erforderlich Zeit, um für all´ dieses zu sorgen, ist vielleicht nicht so viel kürzer als die Zeit, die zum Aufkochen des Breitopfes benötigt wurde. Es kann sich auch um andere, eher ideologische Elemete handeln, die zur Aufrechterhaltung des Umfanges der Hausarbeit beitragen. Darauf werde ich später zurückkommen.
Dass die Hausarbeit notwendig ist, damit sich die Arbeitskraft Tag für Tag dem Job stellen kann, und um neue Generationen von Arbeitern hervorzubringen, ist gemeinsamer Ausgangspunkt der meisten marxistischen «Hausarbeitsdebatten» gewesen. Aber wie sollte die Hausarbeit eigentlich aufgefasst werden? Sie nimmt ja nicht die Form kapitalistischer Lohnarbeit an und ist damit schwer in das «Schema» hineinzupressen.
Ein Standpunkt, der bei uns zu Hause von Øystein Holter (1982) verfochten worden ist, hob - in aller Kürze - auf Folgendes ab: Die unbezahlte Haus- und Fürsorgearbeit, die Frauen in der Familie ausführen, erhöht den Wert der männlichen Arbeitskraft. Die Haus- und Fürsorgearbeit der Frau ist nämlich ein Glied in der Produktion der Arbeitskraft des Mannes, sie ist ein Teil der Arbeit, die in der Ware niedergelegt ist, die der Mann zum Arbeitsmarkt bringt. Die Arbeit, die die Frau durch die Pflege/Versorgung des Mannes im Haushalt ausübt, erhöht damit den Wert der Arbeitskraft des Mannes. Wenn der Mann das bezahlt bekommt, was seine Arbeitskraft wert ist, ist es also die Frau, die im Haushalt einen Teil dieses Wertes erschaffen hat. Aber es ist der Mann, der darüber verfügt, als sein Lohn. Er eignet sich («)widerrechtlich(») Werte an, die andere (die Frau) erschaffen haben. Das Verhältnis zwischen dem Mann und der Frau in der Familie ist demnach eine Variante des kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisses. International wurde ein vergleichbarer Standpunkt u.a. von Mariarosa Dalla Costa (1972) verfochten.
Ein verführerischer Gedanke. Die beschwerliche Hausarbeit bekam einen scheinbar logischen Platz innerhalb eines marxistischen Begriffsapparates, und der Widerspruch zwischen Frauen und Männern in der Familie bekam eine klare materielle Grundlage. Aber er wurde gleichzeitig zu einem antagonistischen12 Widerspruch. Und es musste als eine relativ offene Frage stehen bleiben, ob der männliche Teil der Arbeiterklasse ein strategisches Interesse daran hatte, sich zusammen mit den Frauen gegen die Bourgeoisie, oder zusammen mit der Bourgeoisie gegen die Frauen zu stellen.
Dalla Costa und Holter «lösten» also das Problem des Platzes der Hausarbeit indem sie sagen, dass die Arbeit im Haushalt in die kapitalistische Warenproduktion eingehe, und dass die Hausarbeit warenproduzierende Arbeit ist - sie produziert die Ware Arbeitskraft.
Demgegenüber behaupten andere (s. Heen 1982), dass die unbezahlte Arbeit der Frau im Haushalt keine warenproduzierende Arbeit ist, und dass die Hausarbeit nicht in die kapitalistischen Warenproduktion - als Teil von ihr - eingeht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das, was in der «häuslichen Sphäre» vor sich geht, ohne ökonomische Bedeutung ist. Die Arbeit in der «häuslichen Sphäre» bestimmt die Bedingungen der kapitalistischen Warenproduktion mit, u.a. dadurch, dass sie darauf Einfluss nimmt, wie teuer oder billig die Arbeitskraft gekauft werden muss. Heens Auffassung war, dass die unbezahlte Hausarbeit der Frau nicht dazu beitrage, den Wert der Arbeitskraft des Mannes zu erhöhen, sondern, ganz im Gegenteil, ihn niedrig zu halten. Heen verwendet u.a. folgendes Beispiel (S. 94):
«Ein Teil der afrikanischen Arbeiterklasse gehört Haushalten an, in denen die Produktion von Nahrungsmitteln Teil der reproduktiven Funktionen ist, die im Haushalt stattfinden. Die Frauen betreiben mit anderen Worten Landwirtschaft. Diese landwirtschaftliche Tätigkeit kann vom Umfang her variieren. Sie kann so hinreichend umfassend sein, dass die Frau sich vollständig selbst, und den Mann teilweise durch diese Reproduktion versorgt. Das bedeutet in dem Falle, dass die Lohnkosten, die der Kapitalist rausgeben muss, geringer sind, als wenn die Frau nicht beigtragen hätte. Die Frau führt unbezahlte Arbeit aus, die dazu führt, dass der Lohn des Mannes (= die Reproduktionskosten für das Kapital) niedriger wird, als er sonst geworden wäre. Der Wert der Arbeitskraft des Mannes wird geringer, als er sonst geworden wäre.»
Heens Argumentation ist einfach und logisch, und sie hat eine Grundlage in konkreten Erfahrungen, die auch die norwegische Arbeiterklasse gemacht hat. Es liegt nicht so sehr viele Generationen zurück, als norwegische Industriestätten noch von Gegensätzen zwischen den «wirklichen» Proletariern und den Bauernjungen geprägt waren, die Nahrungsmittel aus ländlicher Kleinwirtschaft mit sich führten, und daher die anderen Arbeiter im Lohn unterbieten konnten. Sie konnten mit geringerer Bezahlung klarkommen, weil sie durch die unbezahlte Arbeit in der Bauernwirtschaft, von der sie kamen, Vorteile hatten. Dies ergibt das gleiche Verhältnis wie im Beispiel Heens. In Edvard Bulls Buch zum Arbeitermilieu Ende des vorherigen Jahrhunderts, das auf der Grundlage niedergeschriebener Arbeitererinnerungen fußt, finden sich Beispiele eines Musters, das signifikant dem ähnelt, das Heen aus Afrika beschrieben hat. So wird von der Situation unter den Sägewerk-Arbeitern in Tistedalen erzählt (1958, S.45):
«Die Sägewerker produzierten auch einen Teil ihrer eigenen Nahrung selbst. Alle unsere fünf Erzähler, die im Sägewerkerheim in Tistedalen aufgewachsen sind, berichteten davon, dass sie selbst die erforderliche Menge an Kartoffeln anbauten, und dass sie i.d.R. ein oder zwei Schweine hatten, durch die sie im Winter mit Fleischnahrung versorgt waren. «Es kam vor, dass ein Stück Kartoffelacker zur Wohnung gehörte, aber es war wohl gebräuchlicher, dass die Leute sich das erforderliche Stück Erde auf eigene Initiative beschafften.» Die meisten Arbeiter setzten gerne eine Reihe mit Kartoffeln beim einen oder anderen Bauern in der Nähe Tistedalens, und damit beschäftigten sie sich in ihren freien Stunden nach 10- und 12-stündiger Arbeit, und auf diese Weise hatte man auch eine Winterversorgung mit Kartoffeln, so gut wie in jedem anderen Zuhause.»
Die Schweinehaltung fand vielleicht nicht ganz so kontinuierlich statt. «Es waren nicht alle, die so (gut) gestellt waren», sagt einer von denen, der erzählt, dass seine Eltern Schweine hielten. Und ein anderer macht darauf aufmerksam, dass sie nicht jedes Jahr Schweine hatten, da es «schwierig war, sich Geld für den Kauf eines Ferkels abzuzweigen, obwohl der Preis nicht mehr als 4-5 Kronen betrug». Auch konnte es einige Mühe kosten, wie aus diesem Bericht über die Mutter des Erzählers hervorgeht: «Zwei Schweine sollten es gerne sein. So transportierte sie Maische von der Brauerei (aus dem regionalen Hauptort) in zwei schweren Holztönnchen, mit einem Joch über den Schultern». Es ist jedenfalls eindeutig, dass die Schweinehaltung ihren Stempel in Tistedalen hinterlassen hat. Die Gesundheitskommission erteilte 1891 eine Reihe von Auflagen, u.a. bezüglich «fünf betroffenen Schweineställen, von denen sich namentlich in Tistedalen eine bedeutende Anzahl vorfindet.»
Der kleine Kartoffelacker, und z.T. das Schwein, waren vermutlich eine Notwendigkeit für die Sägewerker in Tistedalen, wenn sie die Not außen vor lassen wollten. Sie mussten den Geldlohn mit Kartoffelanbau und Schweineaufzucht ergänzen, um die Familie versorgen zu können. Die Alternative wäre die Forderung nach höherem Geldlohn gewesen, um die Nahrungsmittel kaufen zu können, die sie seinerzeit selbst produzierten. Das hätte bedeutet, dass die Kapitalisten mehr für ihre Arbeitskräfte hätten bezahlen müssen. Der Kartoffelanbau und die Schweineaufzucht trugen dazu bei, den Wert der Arbeitskraft niedrig zu halten.
Verheiratete Frauen im Norwegen von heute betreiben gewöhnlicherweise nicht eine umfassende Produktion, so wie die afrikanische Frau, von der Heen spricht, und wie die Sägerwerkerfrauen in Tistedalen vor 100 Jahren. Gleichwohl lässt sich dafür argumentieren, dass die unbezahlte Arbeit, die sie ausführt, zum Niedrighalten des Wertes der Arbeitskraft des Mannes beiträgt. Müsste die ganze Arbeit, die die Frauen im Haushalt gratis ausführen - die Zubereitung des Essens, das Reinemachen, die Kinderfürsorge, die Kleidungsreparatur - auf dem Markt gekauft werden (so, wie wir die Arbeit des Bäckers beim Kauf eines Brotes kaufen und die Näharbeit des Textilarbeiters, wenn wir Kleidung kaufen), würde die Erhaltung des täglichen Lebens des Arbeiters und die Gewährleistung des Aufwachsens neuer viel mehr kosten. Stell dir vor, er sollte im Restaurant essen, den Kleiderreinigungsladen beanspruchen, mit Bekleidungsteilen zum Schneider gehen, die in Stücke gegangen sind. Da müsste die Zeit, die der Koch für die Essenszubereitung benötigte, der Kellner, um es zu servieren, die Küchenhilfe, um abzuwaschen, der Schneider zum Flicken, mit in die gesellschaftlich notwendige Zeit einberechnet werden, die in die Erstellung des Lebens des Arbeiters mit einging. Dafür, dass das teuer werden würde, gibt es auch praktische Erfahrungen:
Die bolivianische Arbeiterfrau Domitila, weltbekannte Arbeiterführerin, erzählt in einem Artikel über den Kampf, ihren Mann zu der Anerkennung zu bewegen, dass sie politische Arbeit betreibt. Sie führte genaue Rechenschaft über jede Hausarbeit, die sie in einem ganzen Monat ausgeführt hatte, und am letzten Tag des Monats sagte sie zu ihrem Mann: «Gut, Don Rene, jetzt müssen wir das Geld verteilen. Ich habe soundso viele Kleider gewaschen und gebügelt, und Essen an soundso vielen Tagen zubereitet, und insgesamt habe ich soundso viel getan.» Es zeigte sich, dass Domitila im Laufe eines Monats Hausarbeit für 240 Pesos ausgeführt hatte. «Zu der Zeit verdiente mein Mann rund 80 Pesos, so entsprach das, was ich gemacht hatte, drei Mal seinem Lohn,» merkt Domitila an.
Ein anderes Beispiel ist die norwegische Inger Prebensen, die in einem Zeitungsinterview erklärt, wie Frauen es schaffen können, leitende Stellungen zu haben: «Frauen in leitenden Stellungen können es sich leisten, Kinderpflegerinnen [-pleierske, leicht abfällig]13 oder Praktikanten zu haben, sodass die Freizeit dazu verwendet werden kann, sich mit den Kindern zu vergnügen. Inger Prebensen hat selbst so viele Dienstleistungen gekauft, dass der Steuerbehördenchef glaubte, sie hätte einen kleinen Betrieb mit mehreren Menschen zu ihren Diensten. Aber dies half ihr, Topstellungen zu bewältigen, auch während die Kinder klein waren.» Wir dürfen wohl annehmen, dass Prebensen mit einer Frau billiger weggekommen wäre als mit «einem ganzen kleinen Betrieb».
Ein letzter Umstand, der für die Sichtweise Heens spricht, ist, dass die Hausarbeit ab und zu als Argument verwendet wird, um Frauen einen niedrigeren Lohn auszuzahlen als Männern. Die Fähigkeit, Hausarbeit auszuführen, wird als eine weibliche Eigenschaft betrachtet, und diese Eigenschaft kann dazu beitragen, den Wert ihrer eigenen Arbeitskraft zu senken. Als die Lehrerinnen im vorigen Jahrhundert ihren Einzug in das Schulwerk hielten, geschah dies u.a. deshalb, weil sie billige Arbeitskräfte ausmachten. «Es wurde im Übrigen damit argumentiert, dass die Frau mit einem guten Teil weniger als der Mann auskam, weil sie selbst im Stande war, ihr eigenes Haus in Ordnung zu halten, Kleider zu reparieren und Essen zuzubereiten. Ein Mann musste immer Hilfe zu jeglicher Hausarbeit haben,» referieren Brock-Utne & Haukaa (1979). Edvard Bull ist an etwas Ähnlichem dran, wenn er den Lohnunterschied zwischen männlichen und weiblichen Borregårdsarbeitern um 1900 erwähnt. Die männlichen Arbeiter verdienten bedeutend mehr als die weiblichen. «Aber es ist gut möglich, dass die Frauen sich zum Ausgleich in vielen Fällen billiger mit Nahrung versorgten als die Männer - sie kauften vermutlich weniger fertiges Essen,» kommentiert Bull (S. 313). Die Frauen konnten mit weniger Lohn überleben, weil sie weniger Lohn mit eigener Arbeit kompensierten, u.a. durch die Essenszubereitung.
Nicht alle, die Dalla Costas Art der Analyse der Hausarbeit zurückweisen, wollen sich damit Heens anschließen. Lise Vogel weist in ihrem Durchgang der «Hausarbeitsdebatte» zurück, dass eine (verheiratete) Hausfrau den Wert der Arbeitskraft des Mannes reduziert (Vogel 1983, S. 158). Ganz im Gegenteil sagt sie, dass der Kapitalist da einen Lohn bezahlen muss, der groß genug ist, damit auch die Ehefrau durch ihn versorgt werden kann. Dies trifft ja schon zu. Aber Vogel vermischt zwei Dinge miteinander: Eine zu Hause bleibende Ehefrau (Hausfrau) und die Hausarbeit. Die Hausarbeit wird sowohl durch die zu Hause arbeitende als auch durch die außer Haus arbeitende Ehefrau verrichtet. Die außer Haus arbeitende Ehefrau versorgt sich selbst, zumindest teilweise, während sie gleichzeitig gratis Arbeit verrichtet, die den Wert der Arbeitskraft ihres Mannes und ihrer eigenen niedrig hält. Was die Hausfrau betrifft, muss das, was der Kapitalist bezahlen muss, damit der Arbeiter dazu im Stande sein soll, sie zu versorgen, mit dem Marktpreis der von ihr verrichteten Dienstleistungen verglichen werden. Sollte der Kapitalist diesen Marktpreis dem Arbeiter bezahlen, an Stelle der «Versorgerzulage» für die (Ehe-) Frau, müsste er schon tiefer in den Geldbeutel greifen.
Diese letztgenannte Sichtweise befindet sich am weitestgehendsten in Übereinstimming mit Marx´ eigener Behandlung im Kapital. Marx verweist darauf, dass, wenn mehr Familienmitglieder als der Mann (Ehefrau und Kinder) in die Lohnarbeit gezogen werden, dies zu zwei gegensätzlichen Tendenzen führt. Die wichtigste ist, dass der Wert der Arbeitskraft jedes einzelnen (dieser Menschen) fällt. Anstatt dass die Arbeitskraft des Mannes ausreicht, um die ganze Familie zu versorgen, ist die Arbeitskraft weiterer Familienmitglieder erforderlich. Das bedeutet eine höhere Ausbeutung. Die andere Tendenz ist, dass es - wenn mehrere Familienmitglieder arbeiten - schwieriger wird so viel Hausarbeit zu erledigen wie zuvor. Daher müssen vielleicht mehr Waren eingekauft werden. Aber um mehr Waren einkaufen zu können, wird mehr Geld, also mehr (Geld-) Lohn benötigt. Dies bedeutet, dass der Wert der gesammelten Arbeitskraft des ganzen Haushaltes etwas steigen kann (Marx, norw. Ausg. 1983, S. 34):
«Da gewisse Funktionen der Familie, z.B. Warten und Säugen der Kinder usw., nicht ganz unterdrückt werden können, müssen die vom Kapital konfiszierten Familienmütter mehr oder minder Stellvertreter dingen. Die Arbeiten, welche der Familienkonsum erheischt, wie Nähen, Flicken usw., müssen durch Kauf fertiger Waren ersetzt werden. Der verminderten Ausgabe von häuslicher Arbeit entspricht also vermehrte Geldausgabe. Die Produktionskosten der Arbeiterfamilie wachsen daher und gleichen die Mehreinnahme aus.»
Wenn die Hausarbeit durch auf dem Markt gekaufte Waren und Dienstleistungen erstattet wird, steigen also «die Produktionskosten einer Arbeiterfamilie». Da ist an der entgegengesetzten Schlussfolgerung schwerlich vorbeizukommen: dass die Hausarbeit dazu beiträgt, den Wert der Arbeitskraft niedrig zu halten.
Die Hausarbeit, isoliert betrachtet, trägt zur Niedrighaltung des Wertes der Arbeitskraft bei. Das ist der Hauptpunkt in diesem Zusammenhang. Aber das Nettoresultat der beiden gegensätzlichen Tendenzen, das auftritt, wenn die Hausfrau in Lohnarbeit geht, ist dennoch nicht, dass der Wert der Arbeitskraft steigt. Die Haupttendenz ist wie gesagt, dass der Wert jeder einzelnen Arbeitskraft sinkt, wenn mehr Mitglieder des Haushaltes in die Lohnarbeit rausgehen. Dass der Kapitalist ein wenig mehr Geldlohn als zuvor für die Familie insgesamt bezahlen muss, um einen Ausgleich für diejenige Hausarbeit zu schaffen, die von der (Ehe-) Frau aufgrund ihrer Lohnarbeit nicht mehr zu schaffen ist, ist eine untergeordnete Tendenz, die nicht die Haupttendenz aufwiegt. Für die Frauen ergibt sich als «Lösung» dieses Dilemmas die Doppelarbeit: obgleich sie Lohnarbeiter sind, sind sie weiterhin auch Hausfrauen. (Was ich hier geschrieben habe, gilt selbstverständlich für die Gesellschaft als Ganzes, nicht für die Einzelfamilie. Wenn es gewöhnlich wird, dass mehrere Familienmitglieder Lohnarbeit haben, sinkt das generelle Niveau des Wertes der Arbeitskraft in der Gesellschaft. Es sinkt auch für diejenigen Arbeiter, die Familien angehören, wo lediglich ein Mitglied Lohnarbeit ausübt. Auf gleiche Weise mit der Hausarbeit: Es verhält sich nicht so, dass ein Mann, der eine Ehefrau hat, die viel Hausarbeit ausführt, weniger Lohn erhält als ein Mann ohne Ehefrau. Der Standard dessen, was gewöhnlicherweise als unbezahlte Hausarbeit in einer Gesellschaft ausgeführt wird, beeinflusst das generelle Niveau des Wertes der Arbeitskraft.)
(12) in einem nicht auszugleichenden Widerspruch stehend