FrauenRaum
beim Sozialforum in Deutschland
Für Geschlechtergerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Natur
Erfurt, in der Schillerschule, Fr. 22. – Sa. 23. 07. 2005
Auch in Deutschland sind Frauen besonders betroffen von der neoliberalen Politik und ihren Auswirkungen. Sie leiden deshalb und verstärkt, wenn sie für Kinder verantwortlich sind, unter dem Sozialabbau und unter hohen Kosten von Waren und Dienstleistungen. Immer neue Lebensbereiche werden dem «freien» Markt zugeschlagen, und damit für Frauen schwerer zugänglicher als für Männer. Ein deregulierter Arbeitsmarkt, Arbeitszeitverlängerung und Lohndumping trifft die Schwächsten in diesem Arbeitsmarkt am heftigsten, und das sind die Frauen. Ihnen droht durch die neoliberale Politik von Sozialabbau und Deregulierung eine neue Ära der zunehmenden Abhängigkeit von männlichen Partnern und der existenziellen Armut.
Mit dem FrauenRaum soll ein interaktiver Raum für Frauen, Frauengruppen und Frauenorganisationen integriert in das SfiD geschaffen werden. Der FrauenRaum dient der Begegnung und dem Austausch von Frauen beim SfiD genauso wie der Erarbeitung gemeinsamer Kommunikations- und Handlungsmöglichkeiten von Frauen beim SfiD. Frauen können innerhalb des FrauenRaum agieren, aber auch aus dem FrauenRaum heraus mit den übrigen TeilnehmerInnen des SfiD in Interaktion treten. In seiner inneren Struktur verwirklicht der FrauenRaum dabei die Prinzipien des Sozialforums entsprechend der internationalen Tradition der Sozialforen seit Porto Alegre, d.h. er versteht sich als ein Raum der gleichberechtigten und solidarischen Begegnung und des gleichwertigen Austauschs auf Basis weltanschaulicher Offenheit.
Im Rahmen des FrauenRaums finden Foren, Workshops und eine Kulturveranstaltung auf der Basis von Selbstorganisation statt.
Der Veranstaltungsort für den FrauenRaum ist die Schillerschule, Schillerstr. 33, Eingang von der Goethestraße. Die Schule ist hell und geräumig, von einen ausgedehnten Hof umgeben, wo auch das eine oder andere Zelt stehen könnte. Weite Schlafplätze für Frauen werden in Klassenzimmern bzw. der Turnhalle sein.
Kalte und warme Getränke können im Eingangsbereich erworben werden, am Freitag wird von 17.30 bis 20.00 zum Preis von 8,00 Euro für 100 Frauen ein Vollwertmenü aus der Beginenküche bereit stehen, wozu sich frau besser frühstmöglich unter 0361 56 56 510 anmeldet sollte.
Um 20.00 Uhr am Freitag beginnt die Veranstaltung «Frauen Ungeheuer im kommen» mit der Kabarettistin Gisela E. Marx, anschließend Disko mit der Erfurter DJane Katrin.
Kinderbetreuung wird am Freitag von 13.00 bis 20.00 und am Samstag von 9.00 bis 13 Uhr angeboten, auch dazu wären Anmeldungen unter 0361 56 56 510 hilfreich.
Auf dem Schulhof wird das Shin Tai - Heilungszelt zur Erholung, Energieausgleich und Ruhe der Erfurter Heilpraktikerin Elke Räuber und Kolleginnen einladen.
Zum Abschluss des Frauenraums findet am Samstag ab 11.30 die Tücheraktion des Landesfrauenrats Thüringen statt.
Programm des FrauenRaums beim SfiD
Freitag, 22.7.05, ab 13.00 Uhr:
Forum 1: Neubewertung der Arbeit aus Frauensicht
Mit Gisela Notz (Frauenforscherin, FES), Karin Gerlich (Ver.di NRW), Ralf Welter (KAB),
Moderation: Salome Spiegel
Forum 2: Anders leben, anders wohnen
Mit Ursula Häusler, Beginenhof, Inga König, Kommune Kaufungen,
Moderation: Edith Bartelmus-Scholich
Freitag, 22.7.05, ab 20.00 Uhr:
Frauenkabarett: «Frauen Ungeheuer im kommen» mit Gisela Elisabeth Marx
Danach: Disco mit DJane Katrin aus Erfurt
Eintritt zur Kulturveranstaltung gegen Spende
Samstag, 23.7.05, 9.00 – 11.30 Uhr:
Workshops:
01. Tarifpolitische Lösungen für Frauen, mit Karin Gerlich (Ver.di NRW)
02. Lage der MigrantInnen in Deutschland, mit Eva Ferrara (IIRE), Sidar Demirdögen (Bund der MigrantInnen)
03. Tätigkeitsgesellschaft, ein Zukunftsentwurf, mit Salome Spiegel (KAB)
04. Feministisch-Sozialistische Dialoge – Ausbeutung, Produktion und Reproduktion aus sozialistisch-feministischer Sicht, mit Margot Müller, Edith Bartelmus-Scholich (Sozialistisch-feministischer Arbeitskreis)
05. Das Projekt der Reise zu den Frauen der Welt beim 6. Frauenpolitischen Ratschlag, Anne Wilhelm (Kämpferischer Frauenrat des Frauenpolitischen Ratschlags)
06. Blick zurück nach Vorn – Frauenfriedensbewegung vor großen Herausforderungen, mit Ute Scheub (Frauen für den Frieden, Frauenweltsicherheitsrat)
07. Nonverbale Kommunikation für Frauen, mit Gisela Elisabeth Marx (Künstlerin)
08. Methode der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rodenberg, mit Ina König, Monika Flörchinger
09. Hartz IV im Frauenhaus – Folgen und Auswege für die Arbeit im Frauenhaus mit Uta Kühnholt (Frauenhaus Gera)
10. Intersexualität – wenn das Geschlecht nicht eindeutig erscheint, mit Angelika Neumann (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität)
11. Ein Schritt vor und zwei zurück – Autonome Frauenhäuser zwischen Gewaltschutzgesetz, Qualitätsmanagement und Sozialabbau, mit Eva-K. Hack (Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser, Kassel)
12. Krieg und Frieden, Gewalt gegen Frauen (Kurdisches Frauen-Friedensbüro)
13. Grundeinkommen als sozialpolitische Forderung, mit Katrin Mohr (Netzwerk Grundeinkommen)
14. Aids aus Frauensicht mit Astrid Berner-Rodoreda (Aktionsbündnis gegen AIDS)
15. Bejing + 10, mit Ursula Häusler (Teilnehmerin in Bejing 1995, «Brennessel» Zentrum gegen Gewalt an Frauen, Erfurt)
16. Beginnenhof Tännich – ein fast perfektes, alternatives Lebensmodell, mit Gertrud Geldermann (Beginenbewegung)
17. Von der Individualität in die Gruppe - in Öl auf Leinwand, mit Amato Holle (Heilkundliche Künstlerin)
V.i.S.P.: Edith Bartelmus-Scholich, Dampfmühlenweg 37, 47799 Krefeld, 02151-800854, SoFo-FrauenRaum@web.de
Initiative
für einen sozialistisch-feministischen Arbeitskreis
Kein Sozialismus ohne Befreiung der Frau - Keine Befreiung der Frau ohne Sozialismus
Das Forum 'Begegnung zwischen Feminismus und Sozialismus' war ein Höhepunkt des 6. Frauenpolitischen Ratschlags. Damit die Begegnung zwischen Feminismus und Sozialismus nicht einmalig bleibt, schlage ich vor, den kritisch-solidarischen Dialog über Zukunftsentwürfe, die gesellschaftliche Realität und unsere Handlungsmöglichkeiten in lockerer Form fortzusetzen. Wie wir das machen, entscheiden wir gemeinsam. Möglichkeiten sind z.B. eine Mailingliste, ein Diskussionsforum oder auch persönliche Treffen. Wer dazu Lust hat, kann sich unter Sozialismus-und-Feminismus@web.de oder direkt bei Edith Bartelmus-Scholich, Dampfmühlenweg 37, 47799 Krefeld, 02151-800851 melden.
Initiative FrauenRaum
beim Sozialforum in Deutschland
Für Geschlechtergerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Natur
Erfurt, Do. 21. - So. 24. Juli 2005
Einladung zur gemeinsamen Vorbereitung
In Erfurt findet unter dem Motto 'Für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Natur' im Juli 05 das 1. Sozialforum in Deutschland statt. Es thematisiert die neoliberale Politik und ihre Auswirkungen wie z.B. den Sozialabbau und will Alternativen dazu entwickeln. Es versteht sich dabei als ein Raum, in dem die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Akteure gleichberechtigt in Dialog treten und folgt der Tradition der weltweiten Sozialforumsbewegung.
Damit Gerechtigkeit auf diesem Sozialforum auch als Geschlechtergerechtigkeit verstanden wird, und die Stimmen der unterschiedlichen Strömungen der Frauenbewegung zu den Problemen in Politik und Gesellschaft gehört werden, wollen wir gemeinsam die Initiative zu einem FrauenRaum auf dem Sozialforum in Deutschland ergreifen. Formen und Inhalte dieses FrauenRaums wollen wir als Frauen selbst bestimmen und gestalten. Zu diesem Vorbereitungsprozess laden wir alle Frauen und Frauenorganisationen herzlich ein. In Kürze möchten wir ein erstes Treffen durchführen. Frauen und Frauengruppen, die daran teilnehmen möchten, bitten wir um kurze Rückmeldung unter SoFo-FrauenRaum@web.de bzw. direkt bei Jutta Ried, Tel. 06042-979359 oder Edith Bartelmus-Scholich, Tel. 02151-800854.
Lieber Per Losch, liebe Genossinnen und Genossen der AKP,
im Zuge meiner Recherchen über die Linke in Europa bin ich auf die AKP gestoßen, und dabei fiel meine Aufmerksamkeit natürlich auf Kjersti Ericsson, von der ich trotz meines sicher überdurchschnittlichen Kenntnisstandes in Bezug auf linke Diskussionszusammenhänge zuvor noch nie etwas gehört hatte. Und ich musste feststellen, dass das wirklich eine schwere Bildungslücke war. Nach einer ersten Durchsicht ihrer beiden Bücher «Die vielstimmige Revolution» und «Schwestern, Genossinnen!» - ersteres von der AKP dankenswerterweise in englischer Sprache ins Netz gestellt - war mein Eindruck sehr positiv. So finde ich es erfreulich, dass «Schwestern, Genossinnen!» jetzt auf Deutsch zugänglich gemacht wird - und ich hoffe, dass auch «Die vielstimmige Revolution» bald folgt. Denn ich bin überzeugt davon, dass Kjersti Wesentliches zu einer Reflexion grundlegender Probleme antikapitalistischer Theorie und Praxis beiträgt.
Die AKP ist sicher ein ungewöhnliches Phänomen, als sie zu den wenigen Organisationen mit maoistischen «ML»-Wurzeln gehört, die heute noch Bedeutung haben, indem sie ihre Tradition nicht dogmatisch verhärten, sondern einer offenen Reflexion unterziehen - ungefährt vergleichbar vielleicht der Freedom Road Socialist Organization in den USA. Mir war bekannt, dass in den skandinavischen Ländern in den 70er Jahren (ähnlich wie in Frankreich) der Maoismus starken Einfluss hatte. Ich selbst bin nie ein «richtiger» Maoist gewesen aus dem einfachen Grund, weil ich dafür zu jung bin - als Mao starb, war ich zehn Jahre alt, und in der Zeit meiner politischen Bewusstwerdung galt der Maoismus bereits weithin als «toter Hund». In meinem Bildungsprozess haben allerdings «maoistische» oder in der Nähe des Maoismus angesiedelte Theoretiker eine wichtige Rolle gespielt: ich nenne nur Louis Althusser - einer der wenigen männlichen Marxisten, die den Feminismus sehr ernst genommen haben, dafür ist Althusser auch von Feministinnen mit großem Interesse rezipiert worden - oder Charles Bettelheim, dem wir die meines Erachtens beste Analyse der Fehlentwicklung der Sowjetunion verdanken. Sie waren in den 80er Jahren hinter einer Mauer des Schweigens verschwunden - Althusser natürlich vor allem auch aus persönlichen Gründen, er wurde erst nach seinem Tode wieder entdeckt, Bettelheim lebt noch, aber kaum jemand hat sich letztes Jahr seines neunzigsten Geburtstags erinnert. Sie stehen für den Ansatz eines nicht ökonomistischen, nicht reduktionistischen Marxismus, den sie aus der kritischen Reflexion eines maoistisch inspirierten Marxismus-Leninismus gewonnen haben. Ich glaube, Kjersti Ericsson ist, freilich mit einem sehr «bodenständigen» Praxisbezug, in einer Reihe mit ihnen zu nennen. Das positive Erbe von Maos «Eins teilt sich in zwei», das ich für verteidigenswert halte, besteht in einem komplexeren Verständnis gesellschaftlicher Widersprüche jenseits der produktivkraftfetistischistischen, evolutionistischen Orthodoxie, das einen umfassenderen Zugang zu den mannigfachen Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnissen ermöglicht.
«Schwestern, Genossinnen!» stammt aus den 80er Jahren. Ich hoffe wirklich, dass das Buch in Deutschland erscheinen kann, und ich bin sehr gespannt auf das Echo. In der Zwischenzeit hat die Welt sich erheblich verändert. Ich nehme an, dass die «ML»-Bezüge des Buchs für eine jüngere Generation zunächst einmal schwer verständlich sein werden. Umso bedeutender erscheint mir, dass Kjersti damals schon sehr klar herausgearbeitet hat, dass eine klassenkämpferische Position nicht einfach von einer Homogenität oder zumindest wachsenden Homogenisierung der ArbeiterInnenklasse ausgehen kann, sondern dass die Klassenfrage, deren Wiederkehr wir heute in dramatischen Ausmaßen erleben, sich stets in komplexer Weise stellt - die Sichtweise, die den männlichen weißen Fabrikarbeiter zum Prototyp des «Proletariers» machte, beruhte immer schon auf einer Verkennung der tatsächlichen Differenziertheit, in der das Geschlechterverhältnis eine bedeutende Rolle spielt und die Teile der Lohnabhängigen, die traditionell als industrielle «Kernschichten» angesehen wurden, in Wirklichkeit immer nur eines von viele Segmenten der Klasse waren. Das ist eine höchst aktuelle Frage, und davon, wie die Linke praktisch mit ihr umgeht, hängt die Zukunft der revolutionären Bewegung ab.
Auch die Frauenbewegung hat sich in der Zwischenzeit verändert. Ich finde es bemerkenswert, dass Kjersti eine klassenmäßige, antikapitalistische Position nicht über eine schematische Entgegensetzung von «bürgerlicher» und «proletarischer» Frauenbewegung entwickelt, sondern die Widersprüche diskutiert, die in beiden «Lagern» wirksam sind. Es wäre interessant, diese Diskussion zu aktualisieren. Sicher wird manches kontrovers beurteilt werden; ihre Stärke liegt darin, dass sie kontroverse Positionen jenseits eines oberflächlichen «Lagerdenkens» mit Bezug auf die in den Kontroversen wirksamen realen Widersprüche erörtert.
Schließlich hoffe ich, dass in Zukunft auch Kjerstis Buch «Die vielstimmige Revolution» in Deutschland zugänglich gemacht werden kann. Dessen zweites Kapitel gehört zum Besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Ihre Gegenüberstellung der «zwei Modelle» revolutionärer Konzeptionen impliziert immerhin eine sehr tief greifende Kritik der Grundannahmen des Marxismus der Zweiten Internationale, die trotz aller Kritiken Lenins an Kautsky auch noch die Vorstellungswelt der Dritten Internationale prägten: nämlich die Kritik einer großindustrialistischen, auf eine Tendenz der Zentralisierung und Homogenisierung zielenden Konzeption zugunsten der Einsicht, dass die Antagonismen kapitalistischer Vergesellschaftung unhintergehbar vielschichtig sind - woraus folgt, dass die Entwicklung des Kapitalismus nicht von sich aus ein einheitliches, monolithisches, in sich homogenes «revolutionäres Subjekt» hervorbringt, das als «große Welle» an der Spitze des Fortschritts schließlich das System hinwegfegt, indem es die vom Kapitalismus eingeleitete Zentralisierung der Produktionsmittel auf die Spitze treibt, sondern dass die Bewegung zur Überwindung des Kapitalismus aus vielen kleinen Wellen besteht, die gemeinsam das Schiff zum Sinken bringen. Ich finde es beeindruckend, wie Kjersti diesen Sachverhalt in klare, einfache Worte fasst. Ich glaube, dass das ein wesentlicher Beitrag zur Diskussion der heutigen Problemlage ist.
Sicher trennen mich von der AKP auch einige Meinungsverschiedenheiten, deren wichtigste wohl charakteristisch für die generell zwischen der skandinavischen und der mitteleuropäischen Linken ist. Generell hat die nordeuropäische Linke ein schärfer ablehnendes Verhältnis zur europäischen Integration als die «kerneuropäische». Dabei verstehe und respektiere ich, dass die AKP im noch nicht der EU angehörenden Norwegen gegen die EU Front macht - das würde ich in Norwegen sicher auch so sehen. Abgesehen davon scheint mir die AKP noch einen arg affirmativen Begriff von nationaler Souveränität und «nationaler Befreiung» zu haben, während ich ein weitaus kritischeres Verhältnis dazu für angezeigt halte. Aber das ist ein recht kompliziertes Problem, das frei von schematischen Vereinfachungen erörtert werden muss. An dieser Stelle möchte ich nur anmerken, dass ich die AKP als ein Beispiel für den Reichtum an politischen Erfahrungen der Linken in Europa ansehe, die zur Kenntnis zu nehmen sich lohnt - das bestätigt meine Einschätzung, dass wir eine Intensivierung der europaweiten Zusammenarbeit der antikapitalistischen Kräfte brauchen. Eine Veröffentlichung von Kjersti Ericssons Büchern im deutschen Sprachraum kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten.
Mit solidarischen Grüßen
Henning Böke