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"Sonderbehandlung" auf dem Dorfe Hinrichtungen polnischer Kriegsgefangener
veröffentlicht: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Oktober 1999, Heft 36, S. 39 -70 ©1999 Claus Olsen "Im
Zweiten Weltkrieg hat es eine Hinrichtung eines polnischen Kriegsgefangenen in der näheren Umgebung gegeben. Wissen Sie davon?" Das Gespräch wird plötzlich einsilbig und stockt: "Ja – aber ich werde Ihnen
nichts sagen," meint der Pastor eines Dorfes im Landkreis Flensburg, "können Sie die Vergangenheit nicht einfach ruhen lassen, nach so vielen Jahren?" Auch manche Zeitzeugen erinnern sich nicht gern:
"Ach das wird immer hochgespielt! Die Polen wußten, was sie durften und was nicht. Wer sich dran hielt, dem ist nichts passiert. Über die Sache weiß ich nichts, ich war zu der Zeit Soldat und gar nicht zu Hause.
Ich kenne auch niemanden, der etwas sagen kann!" Ein anderer gibt Hilfestellung: "Wenden Sie sich an Herrn W. Der hat sich vor einigen Jahren für die Sache interessiert. Aber der hat auch kein Licht in die
Sache bringen können." Herr W. möchte gerne weiterhelfen, doch er hat kaum etwas in Erfahrung bringen können. Allerdings kennt er Zeitzeugen, die vielleicht etwas sagen wollen. Hinter vorgehaltener Hand hat man ihm
zu verstehen geben, daß die fraglichen Akten im Gemeindearchiv in den Siebzigern vernichtet wurden, als man die Ämter zusammenfaßte. Die entscheidenden Schriftstücke sind schon viel früher von denen vernichtet worden,
die die Gerichtsbarkeit der britischen Besatzungsmacht fürchten mußten. Tagelang brannten im Mai 1945 auf dem Hof des Polizeipräsidiums die Akten der Gestapo-Stelle Flensburg. Nichts blieb, als die Engländer endlich
nach Flensburg einrückten. Fast sechzig Jahre nach den Ereignissen ist die geschichtliche Aufarbeitung nur bruchstückhaft. Viele Zeitzeugen sind verstorben; Akten wurden geschreddert und viele, die reden könnten,
schweigen lieber. Nur die damals Jugendlichen erinnern sich und in den Archiven finden sich bruchstückhaft Akten der Gerichtsverhandlungen und über Spruchurteile gegen die Täter. Im Auftrag der Flensburger
Staatsanwaltschaft ermittelte die Kripo lustlos. Die entscheidenden Fragen wurden nicht gestellt, denn in den Vernehmungen herrschte eine Kumpanei des Verdrängens. Die Rolle der Gestapo-Dienststelle und der örtlichen
Parteistellen der NSDAP wurden nicht untersucht. Niemand wurde je zur Rechenschaft gezogen. weiter
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