|
"Verkommenes Mädchen" Der Polizist von Tolkwalde Göttsch, der des öfteren bei Hinrichtungen eingesetzt wurde, wollte seine kriminalistischen Fähigkeiten unter
Beweis stellen und ermittelte gegen ein "diebisches und verkommenes Polenmädchen"; "Tatort": Moldenit, Kreis Schleswig. Er schrieb seinen umfangreichen Bericht an "den Herren Landrat in
Schleswig in einfacher Ausfertigung" und an die Staatspolizeistelle in Kiel in zweifacher Ausfertigung. Man spürt förmlich, wie er erbost die Schreibmaschine malträtiert haben muß, als er in seinem armseligen
Amtsdeutsch schrieb: "Am 30. Juni wurde mir von der Ehefrau Anita A. aus Moldenit fernmündlich angezeigt, dass das Polenmädchen einen Beutel mit Grütze im Bett hätte. Ich begab mich dorthin, fand das Mädchen aber
nicht mehr vor, es war flüchtig geworden. Am 1. Juli 42 meldete die Kriminalpolizei Schleswig, dass dort ein Polenmädchen aufgegriffen sei. Ich holte das Mädchen nach hier und brachte es im Polizeigefängnis Tolk unter.
Im Verlaufe der Ermittlungen ergab sich dann, dass das Mädchen nicht nur einen Beutel mit Grütze, sondern auch Wurst und Brot und vor allen Dingen schätzungsweise 150 Eier entwendet und letztere teilweise selbst
verzehrt, zum grössten Teil aber an ihre polnischen Liebhaber verschenkt hatte." Mit der Zeit hatte Michalina begonnen, als Hure zu arbeiten. Sie kam mit den ungefähr 60 polnischen Landarbeitern der Umgegend
regelmäßig zusammen und erhielt von ihnen Lebensmittel und Geld, manchmal mußten ihre Liebhaber aber auch anschreiben lassen. Von Kasimir dem Müller bekam sie ein Pfund Bonbon, von Felix, der beim Bäcker arbeitete,
Kuchen und Jurek aus Winning wollte ihr einen Ring schenken. Der Tscheche Jurek versprach ihr 5 Reichsmark, bezahlte aber nicht. Anton Czella wollte ihr für oralen Verkehr 10 RM geben, zahlte aber ebenfalls nicht. Zur
Empfängnisverhütung benutzte sie anschließend Salz und Seifenpulver. "Einmal habe ich auch die Spritze der Frida genommen und damit gespritzt." Ihr Verschwinden nach Schleswig klärte der eifrige Polizist
auch auf: "Ich wollte nach Hamburg zu Paula Palkowska, die wohnt in Hamburg, Petersstrasse 6 (Bordell) die sollte ich einige Tage vertreten, weil sie mal nach Hause wollte."
Tödliche Spielereien und grundlose Denunziationen Oft waren es persönliche Reibereien, die zur Katastrophe führten, so zum Beispiel im Amtsbezirk Nordhackstedt. Weit abgelegen wohnte die 29jährige Bäuerin R.
allein mit ihren drei Kindern und dem Schwiegervater unter einem Dach, während ihr Mann zur Wehrmacht eingezogen war. Josef Kowalczyk wurde ihr als Knecht zugewiesen. Er war in der Gegend sehr beliebt und galt als
ordentlicher, redlicher Arbeiter. Beide freundeten sich beide rasch an. Einmal sagte sie im Scherz zu Josef: "Du verlierst deinen Kopf." "Nicht Kopf ab," antwortete er und deutete mit einer
beschwingten Bewegung an seinen Hals. Die Erotik zwischen Kuhstall und Futterkiste wurde beiden tatsächlich zum Verhängnis, als der Schwiegervater die beiden beim Amtsvorsteher von Nordhackstedt wegen des
"liederlichen Lebenswandels" anzeigte. Der Amtsvorsteher Jacobsen, ein strammer Nationalsozialist meldete die Sache weiter. Die Bäuerin erhielt eine langjährige Zuchthausstrafe, ihre Kinder wurden vom
Flensburger Jugendamt anderweitig untergebracht und Josef Kowalczyk wurde am 9. September 1942 in der Nähe des Bauernhofes von der Flensburger Gestapo ermordet. In das Einäscherungsverzeichnis des Flensburger
Krematoriums ist richtig vermerkt: "Tod durch Ersticken." Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedenshügel in Flensburg. Noch heute möchte im Dorf niemand über die Geschichte sprechen. Das Dorf
Dollrottfeld liegt nicht weit von Süderbrarup an der Straße nach Kappeln. Es ist ein sehr langgezogenes Dorf mit einem Gutshof am einen Ende der Siedlung. Ungefähr 20 Kriegsgefangene waren in Dollrottfeld im Abnahmehaus
des Ortsbauernführers H. untergebracht. Beim Nachbarn Johannes H war ein Mädchen "in Stellung", daß sich mit einem Kriegsgefangenen aus der Umgebung angefreundet hatte. Das paßte genau in das Schema der
reichsweit verordneten Exzesse gegen den Umgang mit Kriegsgefangenen, wie sie von der Reichsleitung der NSDAP angeordnet worden waren. Als die Liebschaft denunziert wurde, schaltete sich die Kieler Gestapo ein und
beantragte die "Sonderbehandlung" gegen den Kriegsgefangenen. Am 23.04.41 schrieb die Stapo-Stelle Kiel an die Wehrmacht und bat um die Bereitstellung von Lastwagen zum Transport von 100 Personen wegen einer
"polizeilichen" Maßnahme am 30.04.1941. Als Hinrichtungsort wurde wiederum das Lagergelände ausgewählt, diesmal allerdings wollte man den Unglücklichen nicht an einem Baum erhängen sondern an einem
Telegraphenmast, der direkt in der Auffahrt des Anwesens an der Straße von Kappeln nach Schleswig (heute Bundesstraße) stand. Ein letztes "Verhör" fand im Beisein der Gestapo-Beamten und von Leitern der NSDAP
statt. "Ja, ich habe eine deutsche Frau!" gab der Delinquent zu, als er noch einmal in der Wohnstube von Ortsbauernführer H. bedrängt wurde.
Persönlich verfaßter Notizzettel des Schleswiger Landrats Kolbe (nach einem Telefonat mit der Gestapo in Kiel) Anordnung der Stapo. 23.4.41
- Am Mittwoch den 30.4. um 9 Uhr sollen rund 100 Zivilpolen in Dollrottfeld bei dem Ortsbauernführer H. sein.
- Zwei Gendarmen sollen am gleichen Ort von 7.45 – 10 Uhr zur Beaufsichtigung des Verurteilten zur Stelle sein.
- Genügend Gendarmen sind zur Vorführung der Zivilpolen vorzusehen.
- Es ist darauf zu achten, daß alle Zivilpolen das P angenäht haben. Es darf nicht wieder vorkommen, daß der Pole im letzten Augenblick das "P" mit Stecknadeln anpickst. Dieses ist ein Beweis, daß die
Kontrolle mangelhaft ist.
K(olbe, Landrat) 23.4. Seine Henker hatten das "Urteil" des Reichssicherheitshauptamtes aus Berlin längst in der Tasche. Nun wurde es ihm vorgelesen und er durfte einen Abschiedsbrief schreiben.
Währenddessen marschierten die Kriegsgefangenen aus Süderbrarup unter Bewachung die Landstraße herunter. Ungefähr 100 Landsleute wurden mit Lastwagen gebracht. Alle mußten am offenen Sarg vorbeimarschieren und sich vor
der Toreinfahrt zum Abnahmehaus direkt an der Landstraße von Kappeln nach Süderbrarup aufstellen. Die Beamten der Kieler Gestapo liefen mit dem Strick über die Straße und ließen den Verurteilten heraufziehen. Er soll
dort eine ganze Weile für alle sichtbar gehangen haben. Der Dorfbevölkerung wurde während dieser Hinrichtung der Zutritt nicht verwehrt, sie nahm daran allerdings nicht teil. Dem Mädchen wurden die Haare abgeschnitten,
ob sie auch gerichtlich bestraft wurde, ist nicht bekannt. Besonders brutal und menschenverachtend ging der Gendarm von Havetoftloit vor. Er nahm am 30. Juli 1942 gleich zwei Polen fest. Das "Verbrechen" des
27jährigen Stanislaus Nowak aus Dankowice (Kreis Biala) bestand darin, daß er eine Bauersfrau angeblich dreimal geküßt haben sollte. Ein "Geständnis" gab es nicht, nur die Anzeige des Hausmädchens Dora M. Eine
besondere Rolle spielte wohl auch, daß der Ehemann in der Sowjetunion an der Front kämpfte. Stanislaus Pietrczik, geb. am 2.12.1922 in Lopartno, Kreis Lopato, war der zweite Festgenommene. Als er in der
Schusterwerkstatt in Havetoftloit arbeitete, hatten Kinder zu Hause berichtet, er habe "Kindern die Hosen geöffnet" und sie angefaßt. Die Eltern hatten diese Geschichte an den Dorfpolizisten gemeldet.
Der Gendarm kümmerte sich nicht um den Wahrheitsgehalt der Behauptungen. Sie waren nämlich nachweislich falsch, vielleicht hatte der Angeschuldigte Kindern nur in die reparierten Schuhe geholfen. Die Bauersfrau
kam in Schutzhaft und wurde in ein Konzentrationslager gebracht. Während ihrer Haft wurden die fünf kleinen Kinder von der NS-Frauenschaft versorgt. Die beiden völlig unschuldigen Kriegsgefangene wurden am 23.
September 1942 im Wald von Dammholm ermordet. Nicht nur alle Polen aus der Umgegend mußten antreten, sondern auch eine größere Anzahl von Parteigrößen waren als Zeugen gekommen. Diese Hinrichtung fotografierte ein
polnischer Zwangsarbeiter heimlich. Nach dem Krieg haben angeblich einige Dorfbewohner dieses Foto gesehen und sogar einige der Täter darauf erkannt. Das Foto wurde vermutlich mit nach Polen genommen. In allen Fällen
wurden von den Frauen Geständnisse erpreßt, wohl auch unter der Anwendung von Foltermethoden und Schlägen. Nur in einem einzigen Fall blieb eine Frau standhaft und entwischte ihren mörderischen Häschern. Der Bauer
Otto F. aus B. denunzierte 1942 seinen polnischen Zivilarbeiter Johann L. beim Dorfpolizisten, weil er oftmals nachts nach Hause käme. Der Bauer vermutete, daß er bei der Nachbarin solange blieb. Wachtmeister Lenz von
Schleswig-Dannewerk holte sich Verstärkung und ging gemeinsam mit dem Gendarmen von Taarstedt zum Haus der Frau. Um kurz nach 11 Uhr abends klopften die Gendarmen an das unbeleuchtete Stubenfenster der Frau. Energisch
verlangten die Polizisten Einlaß und polterten an der Tür. Schon nach kurzer Zeit lief die Hausfrau an die Tür und öffnete. Die beiden Polizisten drangen ins Haus ein und durchsuchten die Wohnung. Schließlich fanden sie
Johann auf dem Dachboden, er hatte in der Eile keine Strümpfe und Schuhe anziehen können. Für die Polizisten schien alles klar zu sein. "In der Schlafstube standen 2 Betten, von denen nur das eine mit Bettzeug
versehen war, in dem beide gelegen hatten. Dringender Verdacht den Geschlechtsverkehr ausgeübt zu haben liegt hier vor." In der späteren Vernehmung bemühten sie sich, der Frau Formulieren nahezulegen, die sie
belasten konnten. Eine weitere Hinrichtung konnte ins Auge gefaßt werden. Doch es kam anders. Sie hatten nicht mit der Klugheit der Frau gerechnet, die letztlich alles abstritt und auch in den Verhören der Gestapo alles
abstritt. "Wie mein Mann dann am 1. Juni 1940 eingezogen wurde, sagte er zu mir, ich solle den Polen weiterhin hier in Arbeit behalten. Das tat ich denn auch und so wurde ich im Laufe der Zeit mit dem Polen immer
näher bekannt. Das muss ich sagen, der Pole war immer ein sehr fleissiger und aufmerksamer Mann, auch war er zu meinem Kinde und meinem Pflegekinde sehr nett, die Kinder haben sehr an ihm gehangen. Als mein Mann noch
hier war, hat der Pole schon immer fleissig bei uns gearbeitet. Wie mein Mann dann am 1. Juni 1940 eingezogen wurde, sagte er zu mir, ich solle den Polen weiterhin hier in Arbeit behalten. Das tat ich denn auch und so
wurde ich im Laufe der Zeit mit dem Polen immer näher bekannt. Das muss ich sagen, der Pole war immer ein sehr fleissiger und aufmerksamer Mann, auch war er zu meinem Kinde und meinem Pflegekinde sehr nett, die Kinder
haben sehr an ihm gehangen. Seit Juni 40 trug L. auch nicht mehr das für die Polen vorgeschriebene "P". Er fuhr nach Schleswig, Steinfeld und auch nach Neumünster, bekam mehr als 70 Rmk. Lohn von dem Bauern F.
und ich habe ihn aus diesem Grunde nie für einen Polen gehalten. Auch die Leute aus meiner Nachbarschaft hielten ihn nie für einen Polen und haben, gleichwie ich, mit ihm verkehrt und sich mit ihm unterhalten, wie mit
jedem Deutschen. Auch wenn ich an meinen Mann schreib, fügte Johann oftmals noch einen Gruss mit bei. Auch mein Mann ließ ihn grüssen. So kam es im Laufe der Zeit, dass es bei uns total in Vergessenheit geraten war,
dass Johann ehemals ein Kriegsgefangener war. Dazu kam noch, dass der Johann ein fehlerfreies Deutsch sprach und sich somit auch in dieser Hinsicht von den Polen unterschied. Nun will ich den Verlauf des letzten
Sonntages mal schildern... Am Sonntag nachm. hat der Johann Bohnen gelegt und auf der Wiese das Kälberkraut herausgerissen. Zu Mittag, zu Kaffee und zum Abendbrot hatte ich den Johann, wie immer, mit am Tisch. Wir assen
schon seit Jahren immer mit ihm zusammen am Tisch. Gegen 20 oder 20 ½ Uhr assen unser Abendbrot, dann brachte ich gegen 21 Uhr die Kinder zu Bett. Johann sass während dieser Zeit in meiner Wohnstube und besah sich die
Lesemappe. Seine Schuhe hatte er ausgezogen und dafür die Latschen meines Mannes angezogen. Seit langer Zeit wasche ich dem Johann schon die Wäsche und zwar tu ich dies, nachdem Frau F. mich darum gebeten hatte. Es
wurde dann langsam dunkel, Licht machten wir nicht an. Ich hatte noch die Absicht, seine Wäsche einzupacken und seine Fusslappen herzusuchen, kam aber nicht mehr dazu, denn in dem Augenblick klopfte jemand ans Fenster.
Es war nicht gerade hell aber doch so schummerig, dass man bestimmt nicht mehr lesen konnte. Wie angeklopft wurde, sah ich nach dem Fenster und sah einen Tschako. Ich rief: "Ja" und wollte die Tür aufmachen.
Da erschrak der Johann sehr und schrie: "Oh, Oh, meine Hosen, meine Hosen, ich muss meine Hose haben" und dann lief er in seiner Angst nach dem Boden. Ich ging an die Tür und liess den Gendarmen herein, und
sagte auf dessen Frage nach dem Polen, dass ich nicht wisse, wo er sei. In Wirklichkeit wusste ich ja genau, dass der auf den Boden geflüchtet war. Ich war aber im ersten Augenblick so verwirrt und verängstigt, dass ich
log. Da kam mir auch zu Bewußtsein, dass ich zur Nachtzeit einen Polen in meinem Hause hatte. Der Wachtmeister ging dann auf den Boden und rief: "Johann." und der kam barfuss, bekleidet nur mit einer Hose,
einem Hemd und einer Weste vom Boden herunter. Johann ging dann in die Küche und hat sich hier angezogen. Ich musste dem Wachtmeister gegenüber doch zugeben, dass –ich wohl wusste, wo der Pole war. Dass ich log, ist
darauf zurückzuführen, dass ich sehr erregt war. Ich sehe heute wohl ein, dass es sehr ungeschickt war von dem Johann, auf den Boden zu flüchten und von mir, die Unwahrheit zu sagen. Wenn mir vorgehalten wird, dass
nach Lage der Sache mit der Möglichkeit zu rechnen ist oder anzunehmen ist, dass ich den Polen mit ins Bett benommen habe, so will ich dazu folgendes sagen: Ins Bett genommen habe ich den Polen noch niemals. Ich habe
auch nicht an anderen Stellen mit ihm geschlechtlich verkehrt. Ich habe auf geschlechtlichem Gebiet mit dem Polen auch nicht das geringste vorgehabt. Er hat noch niemals hier eine ganze Nacht verweilt, wohl ist es
öfters recht spät geworden, ehe der Johann heim kam, Aber dann hatte er hier gearbeitet und zwar tüchtig, vielleicht habe ich ihm ab und zu etwas zu essen und zu trinken gegeben und so kam es, dass er spät nach Hause
kam. Not leiden wir hier im Hause ´nicht... Ich sehe ein, dass ich durch mein Verhalten und vor allen Dingen, dass der Pole durch seine Flucht auf den Boden mich in einen gewissen Verdacht gebracht hat. Aber ich kann
frei sagen, dass ich auch noch nicht das geringste mit dem Mann zu tun hatte. Er hat sich mir niemals genähert, so dass ich manchmal mich selbst wunderte und ich zu Nachbarn schon sagte: "Der Mann hat nur seine
Arbeit und sonst nichts im Kopf." Ich hätte ihn zweifelsohne abgewiesen, wenn er sich mir genähert hätte genau so, wie ich andere Männer zurückwies, die sich Bemerkungen erlaubten. Das ist alles, was ich zur Sache
sagen kann. Auf Anraten meiner Nachbarin ging ich am Montag vorm. zu Dr. L., um mich untersuchen zu lassen. Ich habe dem Arzt gesagt, dass ich im Verdacht stände, mit einem Polen geschlechtlich verkehrt zu haben, Dr. L
verwies mich daraufhin an den Kreisarzt. Da ging ich am Dienstag zum Kreisarzt Dr. Rockstroh. Dr. Rockstroh sagte mir, es wäre an der Gebärmutter nichts zu finden." Frau W. überstand auch die späteren
Verhöre der Gestapo und scheint mit einer Verwarnung davongekommen zu sein. Nicht alle waren allerdings so standhaft und beherzt wie Frau W. Sehr viele Menschen, die noch nie mit der Polizei zu tun hatten,
hielten dem psychischen Druck der Vernehmungen nicht stand. Einer der besonders brutalen Beamten war Wilhelm Woinke, der von einem Kollegen der Kripo später als ein "außerordentlich gehässiger Mensch"
geschildert wurde, der vielen Leuten nachgestellt und sie äußerst ungerecht behandelt habe. In mindestens einem Fall endete der Terror dieses Mannes, der als Henker "mustergültige" Erdrosselungen selbst
durchführte, mit einem Selbstmord. Der Bauer Peter F. aus einem Dorf auf der Geest bewirtete auf seinem einsamen Gehöft Petr Tschurajewski mit Kaffee, Kuchen, Fruchtsaft und einem Löffel Honig zum Süßen des Kaffees.
Dann schenkte er dem russischen Kriegsgefangenen ein Bild seiner Familie. Petr Tschurajewski nahm das Bild mit zu sich in seine Kammer beim Bauern H., bei dem er arbeiten mußte. Der Bauer H. war weniger freundlich. Er
zeigte den Kriegsgefangenen an, weil der angeblich seiner besten Kuh "den linken Strich" aus Bosheit aufgeschnitten habe. Wilhelm Woinke von der Gestapo-Stelle Niebüll übernahm die Ermittlungen und fand
in der Kammer von Petr Tschurajewski das Foto der Familie F. Peter F. gab zu Protokoll: "Weil meine Frau und ich ihn als Mensch
so schätzten, gaben wir ihm aus Dankbarkeit eine Aufnahme, auf der meine Tochter, meine Frau und ich abgebildet waren." Nun verfolgte Wilhelm Woinke den Bauern unbarmherzig, der im Familienkreis immer öfter über Rückenbeschwerden und Unwohlsein klagte.
Überall bei den Nachbarn fragte Woinke nach, ob es noch mehr Verdachtsmomente gebe. Besonders interessierte ihn, welches Verhältnis Peter F. zu einer Polin gehabt habe, die bei ihm beschäftigt gewesen war. Er
sprach von dem Verdacht, Peter F. könnte sich mit ihr eingelassen haben. Am Abend des 5. Dezember 1943 ging der Verleumdete zum Dorfpolizisten und erfuhr von den Verdächtigungen. Am nächsten Morgen stand Frau F. wie
gewohnt um sieben Uhr mit ihrem Mann auf und melkte wie jeden Morgen die Kühe. Gegen Acht kam sie wieder in die Stube und fand einen Zettel ihres Mannes: "Nimm E. und die Kinder heraus, nimm Dich in Acht für C.
& E. Euer kranker Vater Sei tapfer." Sie fand ihn in der Torfscheune. Dort hatte sich Peter F. erhängt. Sogar in einem tragischen Fall gab es letztlich ein Happy-End. Die zwanzigjährige M. hatte im Mai
1941 den polnischen Kriegsgefangenen M. kennengelernt. Als im Mai 1942 ein Kind der beiden geboren wurde, übernahm der gefürchtete Flensburger Gestapo-Mann und Henker Ebeling die Ermittlungen. Der Kriegsgefangene
tauchte sofort unter und M. wurde im August 1942 vom Sondergericht Kiel zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Säugling sollte zunächst zu Bekannten in Pflege gebracht werden, die ihn adoptieren wollten. Als sie jedoch
hörten, wer der Vater war, hatten sie plötzlich kein Interesse mehr. Die junge Mutter wurde erst im Februar 1944 aus dem Zuchthaus auf Bewährung entlassen, nachdem der Bauer, der die beiden beschäftigt hatte, immer
wieder an das Zuchthaus und die Behörden geschrieben hatte und sie darin als fleißig, zuverlässig und bescheiden schilderte: "Sie hat unserer Vertrauen und unsere Zuneigung in einem Maße erworben, dass wir sie als
Kind im Hause betrachteten." Die junge Familie konnte erst nach dem Krieg zusammenkommen. Die Eltern heirateten und zogen nach Eckernförde. Auch Kasimir A., der bei einem Bauern in Husby gearbeitet hatte,
blieb. Er lernte nach dem Krieg eine junge Flüchtlingsfrau aus Ostpreußen kennen, die auf dem gleichen Hof lebte, und heiratete sie. Heute wohnt das Ehepaar in der Nähe von Sörup. Eine Liebe zwischen einem deutschen
Mädchen und einem polnischen Kriegsgefangenen konnte auch glücklich ausgehen, wie eine Geschichte aus der Nähe von Kappeln zeigt. Auch dort war die Liebschaft des Mädchens ein offenes Geheimnis. Doch alle vertuschten
das Verhältnis. Sogar als sie von ihrem Freund schwanger wurde, schwieg sich die Nachbarschaft aus und die junge Frau sagte verständlicherweise nichts über den Vater. Nach der Kapitulation zog sie dann nach Polen und
heiratete dort ihren Geliebten. Ihre Eltern erhielten immer eine Besuchserlaubnis für einige Tage, um die Verwandtschaft in Polen zu besuchen. Der Umgang mit Kriegsgefangenen
Ein offenes Wort an unsere Bauern Der Krieg hat andere Verhältnisse geschaffen auch bei uns im Gau Schleswig-Holstein. Eines Tages kamen auf unsere Höfe Polen, Männer und Frauen. "Gott sei
dank", sagte die Bauersfrau, denn Mann und Knecht stehen als Soldaten unter den Waffen. Lange genug hatte sie allein gearbeitet und war endlich froh, Hilfe zu bekommen. Schwere Sorgen hatte sich der Bauer gemacht,
Manchmal mag ihm der Gedanke gekommen sein: du schaffst es nicht Nun kam endlich die Hilfe, und in seiner Freude darüber vergaß er, daß diese Hilfe eine ganz andere war als die frühere. Nein, unter diesen Umständen kam
ihm einfach nicht der Gedanke, daß dieselben Männer und Frauen, die jetzt seinem Vieh das Futter vorwarfen und die Erntewagen beluden, noch vor gar nicht langer Zeit als Todfeinde unserem Volke im Kampf
gegenüberstanden. In weiter Ferne hatte sich das furchtbare Drama polnischer Grausamkeit vollzogen. Bestes deutsches Bauernblut war von diesen haßerfüllten Menschen vergossen worden. Das wußte der Bauer ganz gut, aber
er dachte gar nicht mehr daran, als er plötzlich Menschen auf dem Hof hatte, die anpacken konnten. Nun waren Menschen in der bäuerlichen ‚Gemeinschaft, die in Wirklichkeit gar nicht dazu gehörten. Etwas ganz Neues trat
dem Bauern entgegen, eine völlig neue Aufgabe der Führung. Die Beziehung Führen und Dienen. Die Dienenden sind Angehörige eines Volkes, daß mit unserem Volke nicht zu tun hat, sind Menschen, die wir gerecht und ohne
Schikane behandeln wollen, die wir aber niemals in unser Volk aufnehmen werden. Noch immer gilt das Wort: "Feind bleibt Feind... Gar nicht bewußt wurde ihm, daß der Abstand zwischen den Seinen und den Polen gewahrt
werden muß, daß die Mahlzeiten nicht aus einer Schüssel eingenommen werden können und die Schlafräume getrennt werden müssen. Die Familie hat sich streng gegen die Fremden abzuschließen. Flensburger Nachrichten, 22.02.1941 aus; Hohnsbehn, Harald, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Flensburg. In: Flensburger Beiträge zur Zeitgeschichte, Bd. 3, S. 115.
Bezirkstagungen der NSDAP des Landkreises Flensburg Wie auch im Frühjahr so fanden auch in der zweiten Hälfte des November in fünf verschiedene Orten des Kreises Bezirksbesprechungen mit den
Amtsleitern der Ortsgruppen, den Frauenschaftsleiterinnen, den SA, SS, NSAA und den HJ-Führern sowie den Vertretern des Reichsnährstandes, der Gemeinde- und Polizeibehörden statt. Im Mittelpunkt der
Tagungen standen die Ausführungen des Kreisleiters Pg. Hans und besonders darauf hinwies, wie die Heimat heute grundlegend anders dasteht als im Weltkriege. Ein 9. November 1918 kann nicht wiederkommen, weil die Heimat
alles daran setzt, sich der Front würdig zu erweisen. Alle Propaganda der Gegner, die mit z. T. astronomischen Zahlen über deutsche Verluste arbeitet, vermag an dieser Haltung nichts zu ändern, um so weniger als wir
heute klar erkennen, daß die Entscheidung im Osten bereits gefallen ist. Dadurch ist aber Deutschland in Europa militärisch unangreifbar und wirtschaftlich von Übersee völlig unabhängig geworden, während England auf dem
Kontinent keinen Bundesgenossen mehr besitzt, der es entlasten könnte. Was für ein Elend und eine Not das "Sowjetparadies" dem russischen Volk gebracht hat und durch den 22. Juni von uns abgewendet wurde,
zeigte der Kreisleiter wirksam durch Verlesung eines Briefes von einem Frontkämpfer aus der Ortsgruppe Stenderupau, der mit eigenen Augen die fürchterlichen Zustände im Osten geschaut hat. Besonders eingehend
beschäftigte sich der Kreisleiter mit der Frage der Kriegsgefangenen und betonte aus gegebener Veranlassung nachdrücklich, daß Feind immer Feind bleibt. Das gilt in ganz besonderem Maße für die sowjetrussischen
Gefangenen, die bald stärker als bisher in unserem Gau untergebracht werden und nach den bisher gemachten Erfahrungen in den allermeisten Fällen niedrigstes Untermenschentum verkörpern. Das geringste Entgegenkommen
ihnen gegenüber ist in keiner Weise zu rechtfertigen. Als Stellvertreter des Landrates gab Pg. Rademacher Erläuterungen zu den einzelnen Punkten der Polizeiverordnung betr. die Pflichten der Zivilarbeiter polnischen
Volkstums, die strikt innezuhalten sind, sowie zum Jugendschutz. Flensburger Nachrichten vom 01.12.1941 Übersicht über die Hinrichtungen im Landkreis Schleswig-Flensburg
weiter |