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Sommertour 2008 - Nach Pyhra im Weinviertel

Gleich nach dem Aufwachen richtete sich der erste Blick wie immer nach oben. Ich musste leider viele dunkle Wolken sehen. Dann der Blick nach unten, die Straße war klatschnass. Ich machte den Fernseher auf meinem Zimmer an und studierte den Wetterbericht auf Videotext. Da stand genau das was ich draußen sah. Aber auch, dass es keinen neuen Regen geben und im Laufe des Vormittags immer schöner werden würde. Das galt für alle Regionen in denen ich unterwegs sein würde. Deutlich optimistischer ging ich zum Frühstück und fuhr dann los.

Vom Erlaufsee über Mariazell und den Lahnsattel bis nach Mürzzuschlag war die Straße mehr oder weniger nass. Zuletzt immer weniger, dann war sie ganz trocken. Die Wolken waren immer weniger geworden bis nur ein paar kleine weiße Schönwetterwolken übrig geblieben waren. Hoch Lorenz hatte sich wieder durchgesetzt, die Sonne versuchte mich wieder mal nieder zu brennen. Ich hielt mit Fahrtwind, der Strecke im Bergwald und der Höhe entgegen. In Spital am Semmering hielt ich kurz Ausschau nach meinem Freund aus dem Forum. Vielleicht war er doch gekommen? . . . Bei dem Wetter am Morgen? . . . Er war nicht gekommen. . . . Die Vernunft sagte mir, dass er natürlich nicht kommen konnte, aber ich hatte doch irgendwie ein bisschen Hoffnung gehabt.

Ich bog rechts ab um über den Pfaffensattel zu fahren. Der erbarmungswürdige Straßenzustand vom letzten Jahr hatte sich nicht geändert. Er war bestimmt noch schlechter geworden. Wer hier freiwillig mit einer Straßenmaschine über 40 Km/h fährt riskiert sein Leben. Was war ich froh in Rettenegg wieder normalen Asphalt in ebenem Gelände vor mir zu haben und nicht einen Steilhang nach dem Anderen vor den Reifen zu haben. Dabei konnte ich nie sicher sein, dass ich oben noch auf den Reifen sein würde. In Rettenegg bog ich links ab und steuerte den Feistritzsattel an. Ich kam vom Regen sagen wir mal in den Nieselregen. Bei der Auffahrt war die Straße auf vielen Kilometern Länge aufgefräst. Die CS lässt sich darauf wesentlich besser dirigieren als die CB500 von Honda. Das liegt wohl an den wesentlich breiteren Reifen der BMW. Eine schöne Passauffahrt sieht trotzdem anders aus. Die Abfahrt wiederum ist lange und schön flüssig zu fahren. Diese langen Abfahrten sind verantwortlich für den niedrigen Spritverbrauch von knapp 3,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Ab Kirchberg am Wechsel scarvte ich wieder bergauf, diesmal den Wechsel hinauf nach St. Corona am Wechsel. Hier war ich mit der Schule mal auf Schikurs gewesen. Lange ist es her. Auch im Sommer hat die Landschaft der Buckligen Welt ihre Reize. Vor allem wenn man sie von oben betrachtet wie vom Wechsel aus. Es folgte wieder eine lange Abfahrt. Es sollte meine letzte sein in den Alpen für die nächsten Tage. Die Abfahrt brachte mich hinaus aus der Buckligen Welt, hinaus aus Niederösterreich, hinein in die Ebenen des Burgenlandes das ich bei einem Dorf namens ‚Karl' erreichte.

Fortan bestimmten Sonnenblumenfelder und später der Weinbau die Landschaft. Bevor ich an den Neusiedlersee kam machte ich noch die Bekanntschaft mit einem österreichischen Polizisten. Er winkte mich raus und sagte mir, ich wäre eben gemessene 69 Km/h schnell gewesen. Es wären aber nur 50 erlaubt an der Stelle, es wäre noch im Ortsgebiet gewesen. Dabei standen wir unter dem 70 Km/h Schild. Ja, ich gab ihm sofort Recht. Ich wäre an der Tankstelle hinter dem Hügel gewesen, hätte dort noch eine Salzstange gegessen und eine Flasche Pfirsicheistee getrunken. Nach dem Kreisverkehr auf dem Hügel wäre ja nur noch lockere Gewerbegebietbebauung und es ginge sanft bergab. Ich hätte das im Moment nicht mehr als Ortsgebiet empfunden. Als ich merkte, dass ich zu schnell war wäre ich vom Gas gegangen. Aber da war es schon zu spät gewesen. Ich bekam eine Belehrung " . . . in Zukunft besser aufpassen . . ." und " . . . wie viele PS hat den die BMW . . .". Ich gab bereitwillig Auskunft und durfte weiterfahren und brauchte dabei keinen Beitrag zur Verringerung des österreichischen Staatsdefizites zu leisten.

Am Neusiedlersee zeigte ich meiner CS die Wein- und Urlaubsorte St. Margarethen, Rust, Oggau und Donnerskirchen. Vom See selbst bekommt man auf meiner Route leider recht wenig zu sehen. In Mörbisch am Bootshafen machte ich eine kleine Pause bevor ich weiterfuhr nach Rohrau zum Geburtshaus von Josef Haydn. Dieser Freund und Zeitgenosse von Mozart und Beethoven hat nicht nur 108 Sinfonien und 24 Opern komponiert, von denen ich keine benennen könnte, sondern auch 1797 die Kaiserhymne. Sie ist heute mit einem anderen Text die deutsche Nationalhymne. Für 2 € Eintritt konnte ich unter anderem etliche originale Handschriften und Partituren von ihm sehen.

Mein nächster kultureller Pausenpunkt brachte mich noch viel weiter in die Vergangenheit. Bei Petronell-Carnuntum steht das Heidentor, ein römischer Triumphbogen. Trotz aller Ausgrabungen rundherum und dem Studium aller Aufzeichnungen aus der Zeit ist sich die Geschichtsforschung nicht einig wer diesen Triumphbogen wann und warum gebaut hat. Obwohl die römische Garnison daneben an der Donau sehr gut belegt ist. Die Donau ist hier am Eingang zur panonischen (ungarischen) Tiefebene ein mächtiger Strom geworden. Kein Vergleich mehr mit dem Gebirgsflüsschen wenige 100 Kilometer stromaufwärts auf der schwäbischen Alb. In Bad Deutsch-Altenburg überquerte ich die Donau und anschließend das Marchfeld in einem Zuge. Am nördlichen Teil des Marchfeldes und im südlichen Teil des Weinviertels stehen Ölfördertürme und Windkraftanlagen einträchtig nebeneinander. Warum auch nicht, beide liefern schließlich Energie.

Ich näherte mich meinem letzten Pausenpunkt. In Wilfersdorf bei Mistelbach traf ich eine Schulfreundin von früher. Sie organisiert alle 5 Jahre ein Klassentreffen. Ich kam noch nie, von Flensburg bis Mistelbach sind es ja ca. 1500 Kilometer - mindestens. Bei mir mit dem Scarver 7 Tage. Ich hatte ihr eine Kleinigkeit mitgebracht welche ich aus meinem Topcase holte. Dann saßen wir eine knappe Stunde zusammen und plauderten von früher und ich stillte ihre Neugierde über meinen Lebensweg der letzten 30 Jahre. Auf dem letzten Stücken Weg nach Pyhra, meinem Heimatdorf, kam ich durch ein Dorf in dem ich noch nie war. Es heißt Schletz und ist nur 11 Kilometer von Pyhra entfernt. Ich hatte einfach nie etwas zu tun in Schletz. Nachdem ich also Schletz besichtigt hatte scarvte ich noch einmal eine Waldstraße hoch auf den Buschberg und drüben über drei Serpentinen und einige Kurven mehr hinunter nach Pyhra. Mein Bruder und meine Schwägerin begrüßten mich recht herzlich.

Als ich den Koffer von der Maschine nehmen wollte suchte ich vergeblich den Schlüssel vom Topcase. Ich hatte ihn zuletzt bei meiner Schulkameradin in Wilfersdorf, das wusste ich ganz genau. Mir blieb also nichts anderes übrig als nochmals dahin zurück zu fahren. Wahrscheinlich würde er auf dem Schränkchen liegen neben der Hauseingangstür, auf das ich den Helm legte. Ich war mir ganz sicher. So kam ich nach 30 Kilometer in Wilfersdorf an. Der Schlüssel lag nicht auf dem Schränkchen. Meine Schulfreundin suchte im ganzen Haus danach, überall wo wir eben waren. Während ich hinter ihr herlief fand ich den Schlüssel in einer meiner Jackentaschen. In diese Tasche hatte ich noch nie etwas gesteckt. Warum ich ausgerechnet dieses Mal den Schlüssel da reintat - ich weiß es nicht. Ist auch egal. Ich fuhr die 30 Kilometer zurück nach Pyhra. Die Sonne stand schon recht tief und schien mir oft von vorne genau ins Gesicht. Das war sehr schlecht für meine Sicherheit beim Fahren aber ich hatte ein hervorragendes Licht für ein Foto vom Buschberg. So kam ich an diesem Freitagabend ein zweites Mal in Pyhra an. Diesmal blieb ich aber einige Tage da.

In Pyhra wurde es mir nicht langweilig. Auch ohne Motorradfahren verging die Zeit schnell. Am Samstagvormittag lief die Waschmaschine mit meinen Sachen. Ich hätte sonst am Sonntag kein frisches Hemd oder Paar Socken mehr gehabt. Die Sachen sind bei mir immer durchgezählt und ich nehme kein Stück zuviel mit. Am Samstagabend war Grillparty auf dem ehemaligen Bauernhof. Die gesamte Verwandtschaft und Freunde aus Wien und den umliegenden Orten rückten an um mich willkommen zu heißen und einen auf mein Kommen zu trinken. Wir hatten prächtige Stimmung bis in die Nacht hinein. Zu Mittag hatte es noch ein kleines Gewitter gegeben. Am Nachmittag war die etwas abgekühlte Luft umso klarer und schöner. Allerbestes Grillpartywetter eben. Am Sonntag, als der ganze Besuch wieder weg war, war die Zeit des Aufräumens gekommen. Ein Besuch des Feuerwehrheurigen in einem Nachbardorf stand auch auf dem Programm. Hier traf ich auch noch viele Freunde und Bekannte von früher. Es war die Stunde des Erzählens. Ich bin schließlich genau 30 Jahre in der Fremde. Am Montag kam endlich mein Scarver zu seinem Recht. Er wurde ordentlich gewaschen und gereinigt und für die Rückreise, die am Dienstagmorgen begann, gerüstet. Dabei stellte ich fest, dass die Rücklicht- und die Kennzeichenbeleuchtungsbirne kaputt waren. Beide wurden erneuert. Dabei war ich überrascht über den Preis des kleinen Kennzeichenbeleuchtungsbirnchens. Es kostete 7,99 €. Vergeblich suchte ich die goldenen Kontakte am Sockel des Lämpchens, die den Preis gerechtfertigt hätten.

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Sommertour 2008 - Nach Zwiesel im Bayrischen Wald

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