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Sommertour 2008 - Nach Mitterbach am Erlaufsee

Morgens um 8:30 Uhr startete ich den Motor meiner kleinen BMW. Gewohnt ruhig trat er seinen Dienst an und brachte mich zunächst nach Norden, nach Bernau am Chiemsee. Hier bog ich nach rechts ab auf die B 305, die deutsche Alpenstraße. Ich genoss sie in ihrer vollen Länge von 150 Kilometern bis Berchtesgaden. Auch wenn sie Alpenstraße heißt, alpenfahrerisches Können setzt sie nicht voraus. Fahrschulkönnen ist ausreichend um die sanften Steigungen und Abfahrten zu bewältigen. Dabei reiht sich eine mäßige Kurve an die andere, selten wird es mal enger oder steiler. So rollt man mit 60 - 90 Km/h dahin und hat immer noch ein Auge über für die gewaltige Kulisse der Chiemgauer Alpen. Die wenigen Orte an ihr sind auch schnell durcheilt. Auch wenn sie große, bekannte Namen haben, sie sind recht klein, schnell ist man hindurch und kann wieder die würzige, kühle Luft des alpinen Hochwaldes genießen. So kam ich also am Vormittag nach Marquardstein, Unterwössen, Reit im Winkel, vorbei an einigen kleinen Bergseen und streifte Inzell in der Ramsau.

Kurz verließ ich die B 305 um dem Hintersee einen Besuch abzustatten. Dieser sonnenverwöhnte kleine See im Wald lohnt wirklich einen Boxenstopp. Die Anfahrt von Norden ist für Busse gesperrt. Die Straße ist recht schmal, hat viele enge Kurven und ist an einigen Stellen recht steil. Dann taucht der See links unter einem aus dem Wald auf. Ich weiß nicht warum, genau so stelle ich mir einen See im Märchen vor. Jeden Moment könnte eine gute Fee daherkommen. So genug geträumt, es geht weiter. Der Rückweg zur Deutschen Alpenstraße führt durch einen dunklen Wald. Direkt am rechten Straßenrand ragen steile Felswände in den Himmel. Sie sind von dunkelgrünem Moos bedeckt und werden ständig von Wasser berieselt, das sich seinen Weg über die Felsen in die Tiefe bis an den Straßenrand sucht und weiter in unterirdischen Kanälen verschwindet. Die Sonne findet doch immer wieder einen Weg durch das dichte Laub bis zu den Felsen und verleiht dem feuchten Moos einen märchenhaften Glanz. Vor all dieser Schönheit der Natur mochten die Straßenbauer nicht zurückstehen. Sie spielten mit dem Gelände, heraus kamen viele Kurven auf sanften Hängen. So erreichte ich in Hochstimmung nach 5 Kilometern wieder die breitere Bundesstraße und auf ihr nach 12 Kilometern die Rossfeldstraße bei Berchtesgaden. Es war mein dritter Anlauf um diese ehemals berühmte Bergrennstrecke zu ‚erfahren'. Der erste Versuch im strömenden Regen und Herumgestochere in den Wolken machte überhaupt keinen Spaß. Im letzten Jahr verzichtete ich freiwillig - wegen Regen. Aber diesmal schien die Sonne, es war warm, vielleicht sogar zu warm. Ich kam trotzdem leider nur bis zur Mautstelle. Die Höhenstraße war gesperrt. Die Straße war unpassierbar wegen Murenabgängen die durch einige Gewitter in den letzten Tagen ausgelöst wurden. So musste ich vom Obersalzberg direkt nach Oberau weiterfahren. Dieses Stück, das ich normalerweise nicht gefahren wäre, gefiel mir ganz gut.

Von Unterau führt eine kleine, sehr steile Straße zu einem kleinen Grenzübergang nach Österreich. Man erreicht zwischen Dürnberg und Hallein das österreichische Staatsgebiet. In Hallein war der übliche unangenehme Stadtverkehr. Langsam ergoss sich eine Blechlawine längs der Salzach nach Süden. In Vigaun standen wir vor der geschlossenen Bahnschranke. Die Sonne brannte mir auf den Helm und versuchte den Inhalt zum Kochen zu bringen. Endlich kam ein Zug. Es war ein unendlich langer Güterzug mit vielen Autos darauf. Als er durch war blieb die Schranke geschlossen. Dann kam ein Personenzug aus der anderen Richtung. Die Schranke ging hoch - und senkte sich unmittelbar vor mir wieder. Zwei Autos hatten es geschafft. Wieder warteten wir auf den Zug. Endlich kam er vorbei, die Schranke öffnete sich zum zweiten Male. Ich gab sofort Gas und brauste davon. Ja, 5 Minuten in der Sonne sind eine Ewigkeit.

Endlich erreichte ich Golling, bog links ab und sofort begann die Kurvenhatz im Tennengebirge. In Abtenau bei einer Pause an der Tankstelle versenkte ich meine Handschuhe in der Eistruhe. Wenn genug Platz gewesen wäre hätte ich Helm und Jacke dazugelegt. Die Flasche Pfirsicheistee war schnell geleert. Mein Scarver bekam für 1 € eine Schaumwäsche mit Dusche, dann glänzte er wieder in der Sonne. Als ich weiterfuhr waren die Handschuhe leicht gefroren - herrlich. In Eben im Pongau lenkte ich meine BMW in die Dachsteinregion. Die Straße von Eben über Filzmoos und Ramsau am Dachstein bis Schladming ist eine alpine Hochgebirgsstraße. Sie setzt doch einige Erfahrung im Bergfahren voraus um hier richtig Spaß zu haben. Außerdem umfährt man so den Hauptverkehrsstrom auf der Bundesstraße von Eben über Radstadt nach Schladming. Von Schladming nach Liezen musste ich mich doch in die LKW-Kolonne einreihen und mitschwimmen. Durch ständige Überholverbote geht überholen so gut wie gar nicht. An zwei Stellen konnte ich für einige Kilometer die Bundesstraße verlassen und auf der parallel dazu verlaufenden Landstraße meinen Weg fortsetzen. Das Ennstal ist breit genug für die Bundesstraße, diese Magistrale von Deutschland via Salzburg bis zum Balkan ohne mautpflichtige Autobahn und den Tauerntunnel, die Bahnlinie und die Landstraße zwischen den Dörfern längs der Enns.

In Liezen begann die Kurvenhatz von neuem. Ich jagte den Pyhrnpass hoch und bog in Windischgarsten ab zum Hengstpass. Längst hatte ich die LKWs und den übrigen Verkehr hinter mir gelassen. Schnell fand ich meinen Rhythmus und schwang von links nach rechts in den Kurven und genoss dabei den Blick auf die vorbeigleitenden Felswände, den dunklen Bergwald und die Almen mit den Weidetieren. Der Hengstpass von Windischgarsten nach Altenmarkt bei St. Gallen gehört ab sofort zu meinen Lieblingsstrecken. Ebenso die weitere Strecke nach Großreifling, dann nach Nordosten über Lassing nach Göstling an der Ybbs und weiter nach Lunz am See. Was für ein Motorradrevier! Übrigens, bei der Pause in Altenmarkt verschwanden meine Handschuhe wieder in der Eistruhe. Sie vertragen sich gut mit den Cornettos und Noggers. Vom Lunzer See zum Erlaufsee führt eine schön beschwingte Nebenstrecke die nochmals alles bietet was den Tag so schön machte. Sanfte Hänge und steile Berge, schnelle, weite Kurvenstrecken und viele, engere Kurven, die man zügig fahren kann. Gelb und rötlich schimmernde Felsen neben der Straße wechseln mit Bergwald, der von einigen Weiden unterbrochen wird. Ein kleiner Gebirgsfluss tobt sich aus in seinem felsigen Bett. Das alles auf etwas über 30 Kilometern Länge. Schöner und abwechslungsreicher kann Motorradurlaub nicht sein.

Am Ufer des Erlaufsees machte ich eine letzte Pause und bestellte mir ein Paar Berner Würstchen mit Pommes und gem. Salat. Ich fing gerade an zu Essen als es in der Ferne vom Himmel her grollte. An so einem heißen Sommertag kann es am Abend schon mal ein Gewitter geben. Im Gebirge kann das ganz schnell gehen. Ich schlang mein Essen runter so schnell ich konnte. Bevor ich den Teller ganz leer hatte fing es an zu tröpfeln. Schnell zog ich Jacke und Handschuhe an, startete die Maschine, setzte den Helm auf und fuhr los. Die 3,5 Kilometer nach Mitterbach am Erlaufsee trieb ich meinen Scarver etwas über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Das blieb aber ohne Folgen. Noch bevor ich und die Maschine richtig nass wurden erreichten wir die Pension, die uns für die Nacht beherbergen sollte. Am Abend rief ich noch einen Motorradkollegen aus der Region an, mit dem ich mich am nächsten Vormittag am Semmering treffen wollte. Er musste mir leider absagen, das Einbringen der Ernte war wichtiger. Dazu muss man im Sommer jeden Sonnentag nutzen. Als Bauernsohn hatte ich dafür vollstes Verständnis. Das war zwar schade, trotzdem war der Tag vom ersten Kilometer im Chiemgau an ein ganz toller Urlaubstag gewesen.

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Sommertour 2008 - Nach Pyhra im Weinviertel

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