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Sommertour 2008 - Nach Sachrang im Chiemgau

Gestärkt durch ein gutes Frühstück machte ich mich bei bestem Sommerwetter auf den Weg. Auf mich warteten die Landstraßen des Allgäus. Schnell fand ich meine Sitzposition und schwang mich rhythmisch auf den sich windenden Landstraßen über Tettnang und Wangen nach Sigmarszell zur B 308. So umfuhr ich den dichten Verkehr am Bodenseeufer. Die B 308 brachte mich über Scheidegg, Oberstaufen und Immenstadt bis nach Sonthofen. Die ersten hohen Alpengipfel kamen immer näher. Aber zunächst traf ich mich in Sonthofen mit einem Bikerkollegen, den ich aus einem Motorradforum kenne. Fast auf die Minute genau kamen wir beide am vereinbarten Treffpunkt an. Nach der Begrüßung und dem persönlichen Kennenlernen quatschten wir eine halbe Stunde zusammen und fuhren dann gemeinsam weiter. Wir nahmen gemeinsam den Oberjochpass unter unsere Räder. Auf der Aussichtsplattform kurz vor der Passhöhe genossen wir die Sonne und die gute Fernsicht. Nach einigen Fotos lenkten wir unsere Maschinen über die österreichische Grenze in das Tannheimer Tal. Von hier ging es recht beschwingt weiter die Berge hinunter bis nach Weißenbach am Lech. Hier trennten sich unsere Wege.

Ich fuhr weiter das Lechtal hinauf und mein Kollege wieder zurück nach Sonthofen. In Stanzach bog ich links ab, hinein in ein wahres Bikerparadies, das Namloser Tal. Es heißt zwar Tal, in Wirklichkeit überquert man aber einen Berg. Viele Kilometer geht es Kurve um Kurve bergauf und drüben wieder bergab. Die Berglandschaft ist wunderschön und der Schwierigkeitsgrad nicht allzu hoch sodass man doch zügig vorankommt. Einige 20%-Steigungen sind aber schon dabei und die Straße ist für Wohnwagen gesperrt. Da die Berge rundum noch viel höher sind ist das Wort ‚Tal' dann doch berechtigt. Sattel oder Pass wäre aber vielleicht passender. In Bichlbach ist das Tal zu Ende und ich lenkte meinen Scarver nach Norden in Richtung Zugspitze. Bei Reute bog ich rechts ab zum Plansee. An seinem Nordufer längs steuerte ich den Ammersattel an und gelangte so wieder nach Bayern. Vorbei an Schloss Lindenhof und dem Kloster Ettal erreichte ich Oberau. Auf der B 2 und einigen schön zu fahrenden Landstraßen kam ich nach Kochel am See.

Hier beginnt und endet die Kesselberg-Rennstrecke. Sie ist an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt, durchweg auf 60 Km/h beschränkt und viele Schilder kündigen von Radarkontrollen. Viele Bikerkollegen haben es hier eben übertrieben und sind zu Schaden gekommen. Büßen müssen es jetzt alle. Die Strecke selbst ist ohne Zweifel ein Highlight auf jeder Motorradtour. Ich stellte mich auf halber Höhe in eine der Applauskurven und lauerte mit dem Fotoapparat auf die Kollegen. Auf einmal blitze es über mir. Ich sah hoch zum Himmel, da kam auch schon ein gewaltiger Donnerschlag hinterher. Über den Berggipfeln war es ganz schwarz geworden. Wieder blitzte es und der nächste Donnerschlag krachte hinunter ins Tal. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott eben sofort, dachte ich. Schnell verstaute ich den Fotoapparat, zog die Jacke an und fuhr weiter. Schön mit 60 um nur ja nicht geblitzt zu werden. Im Genick hatte ich einen Sprinter der unbedingt vorbei wollte. Erst als ich stehen blieb um ein Foto vom Walchensee zu machen schaffte er es.

Vom Walchensee fuhr ich zur Isar und folgte ihr bis zum Sylvenstein-Stausee. Die Strecke ist so schön zu fahren dass es mir die 3,50 € Maut für die Benutzung der Privatstraße wert war. Umso weniger schön war das folgende Stück. Spätestens ab Lengries quälte ich mich in einer Autoschlange dahin. Ich versuchte schon wegen schlechter Erfahrungen in den letzten Jahren den Tegernsee und den Schliersee so gut es ging zu umfahren. Aber die Strecke von Lengries über Bad Tölz, Gmund am Tegernsee, Hausham und Miesbach ist genau so schlimm. In den Städten und Orten ist Verkehr wie in einem Bienenschwarm und auf den Zwischenstücken hatte unsere Kolonne ihren persönlichen Stauführer. Es ist fast durchgehend Überholverbot und die erlaubte Geschwindigkeit begrenzt auf 60, 70, oder 80 Km/h. Unser Stauführer fuhr aber immer nur 45 bis 48 Km/h. Endlich, nach Miesbach, fuhr das kleine, blaue Auto auf einen Parkplatz neben der Straße. Im vorbeifahren sah ich darin zwei alte Männer, nicht ältere Männer. Das war gut, dass die beiden zur Seite fuhren und uns vorbeiließen. Es reichte ja schon, dass wir uns in den Orten von Ampel zu Ampel quälten. Ich wollte schließlich zu Hause sein bevor zu Weihnachten die Gäste kommen. Also die gesamte Region sieht mich jedenfalls nie wieder. Bilder machte ich auch keine von der Region. Ich weiß nur noch nicht wie ich künftig vom Walchensee nach Bayrischzell kommen soll.

Von hier wählte ich den Weg über den Ursprungpass nach Kufstein in Tirol. Tatzelwurm und Sudelfeld sind zwar sehr schön zu fahren aber ich wollte einfach mal etwas Neues ausprobieren. Ab der österreichischen Grenze begann es ganz leicht zu regnen. Es kühlte dabei auch merklich auf recht angenehme Temperaturen ab. Das war schön so, nur auf die Feuchtigkeit hätte ich gerne verzichtet. Mein Navi bekam rechtzeitig mit den ersten Tropfen die Regenhaube übergezogen, ich schlüpfte in die Regenjacke und weiter ging es. Ich finde die Strecke Bayrischzell - Ursprungpass - Kufstein ist eine gute Alternative zur berühmten Tatzelwurm-Sudelfeld-Motorradstrecke. Von Kufstein sind es nur noch 17 Kilometer bis nach Sachrang im Chiemgau, wo ich meine nächste Übernachtung auf einem Bauernhof gebucht hatte. Der nächste Tag würde mein letzter Tag in den Alpen sein und ich freute mich schon darauf.

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Sommertour 2008 - Nach Mitterbach am Erlaufsee

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