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Sommertour 2004 - Nach Pevestorf

Der Tag begann wieder mit einem ganz schlechten Wetterbericht. Stürmisches Schauerwetter sollte es geben. Genau wie am Tag zuvor, aber da war ich den ganzen Tag trocken geblieben. So startete ich mit den gleichen Vorbereitungen. Das Regenzeug kam ganz nach oben in den Tankrucksack und der Rucksack selbst bekam schon mal vorsorglich die Regenhaube übergezogen. Noch war es trotz vieler dunkler Wolken trocken. Über Waltershausen verließ ich den Thüringer Wald und steuerte Bad Langensalza an. Über Sondershausen und Bad Frankenhausen wollte ich den Kyffhäuser erreichen. Die Bundesstraße von Bad Langensalza nach Sondershausen war wegen einer Baustelle gesperrt, sodass ich einen weiten Umweg fahren musste.

Kurz vor Mittag war es dann endlich soweit. Die vielen schönen Kurven von Bad Frankenhausen nach Kelbra auf der B85 über den Kyffhäuser lockten mich. Ich hatte richtig Lust auf dieses Sahnestück des Tages und gab ordentlich Gas auf dem Weg nach oben. Dabei fing es an zu nieseln. Je höher ich kam umso mehr wurde mein Visier nass. Die 36 Spitzkehren hintereinander auf der Nordseite fuhr ich dann schon etwas vorsichtiger hinunter. Kurz nach Berga konnte ich den Fortschritt des Baues einer riesigen langen Brücke sehen. Im Vorjahr standen die vielen Pfeiler frei in der Gegend herum. Jetzt werden diese gerade mit der Fahrbahn verbunden. In Rottleberode, am Fuße des Harzes, zog ich mein Regenzeug an. Je weiter ich in den Harz hinein und je höher ich die Berge hinauffuhr, umso nasser wurde die Straße, umso stärker regnete es. Über Neustadt gelangte ich nach Ilfeld zur B4. Ich wollte auf ihr und der B81 hinauf nach Hasselfelde fahren. Das ist eine meiner Lieblingsstrecken im Harz.

In Ilfeld war eine Baustelle an der B4. Der Verkehr wurde per Ampel einseitig an der Baustelle vorbeigeleitet. Ich reihte mich in der Schlange auf der doch recht schmalen Straße vor der Ampel hinten an. Vor mir war ein PKW und davor ein breiterer LKW. Die ersten Fahrzeuge kamen uns bereits entgegen, als von hinten das Martinshorn eines Polizeiautos ertönte. Das erste entgegenkommende Auto mit zwei älteren Herrschaften fuhr langsam ganz rechts ran und hielt an. Soweit richtig, nur es hielt genau auf der Höhe des LKW's an. Es gab absolut kein Durchkommen für die Polizei. Die beiden Autos standen sich Stoßstange an Stoßstange gegenüber und keiner bewegte sich. Die beiden älteren Herrschaften schauten starr nach oben zu den Polizisten in dem VW-Bus, die Polizeisirene heulte, das Blaulicht lief vorne und hinten am Polizeiauto, dazu regnete es auch noch, ein Bild für die Götter. So standen sie dann erstmal beide da. Wäre das erste Auto bis zu mir durchgefahren und wäre nicht beim breiten LKW stehen geblieben, hätte die Polizei locker zwischen mir und dem entgegenkommenden Auto durchfahren können. Ich schätze das wäre sich ausgegangen. Die Autos nach dem ersten entgegenkommenden Auto waren schon ein Stück vor dem LKW rechts rangefahren und stehen geblieben. Das Polizeiauto setzte dann ein Stück zurück, fuhr mit Schwung über den Bordstein auf den Bürgersteig und umrundete auf dem Bürgersteig das Auto neben dem LKW und setzte auf der Straße seine Einsatzfahrt fort. Glücklicherweise hatte genau das Haus an der Stelle keinen kleinen Vorgarten wie all die Nachbarhäuser, sodass der Bürgersteig hier breit genug war für den VW-Bus der Polizei. Das Martinshorn wurde rasch leiser und nachdem dann aller Gegenverkehr an der Baustelle vorbei war, bekamen wir grün und konnten unsere Fahrt fortsetzen. Das heißt, ich musste mich jetzt langsam durch die Autoschlange nach vorne kämpfen. Durch den Regen und die vielen Bergaufkurven im Wald behindert, dauerte es mehrere Kilometer, bis ich an der ersten Stelle der Schlange angekommen war und frei vorne weg fahren konnte. Es kam ja auch noch ab und zu Gegenverkehr den Wald herunter, der mich zusätzlich beim Überholen behinderte. Na ja, ich hatte wenigstens die halbe Lieblingsstrecke freie Fahrt für mich, wenn auch bei nasser Fahrbahn. Nach Hasselfelde fuhr ich über die Rapbodetalsperre nach Rübeland. Im letzten September war der Tunnel direkt neben der Staumauer noch nicht fertig, sodass ich damals, wie in den letzten Jahren zuvor auch, eine weiten aber schönen Umweg über Blankenburg nach Rübeland und Elbingerode nehmen musste. Zwischen Elbingerode und Wernigerode verließ ich die B244 um über Heimburg und einige Dörfer mehr nach Norden zu fahren.

Kaum war der Harz hinter mir, hörte es auf zu regnen. Wie schon am 2. Tag der Tour war es wieder nichts mit ein paar schönen Fotos vom Harz. Nach kurzer Zeit war mein Regenzeug trocken vom Fahrtwind und ich packte es wieder in den Tankrucksack. Bei Dedeleben kam ich wieder auf die B244. Auf ihr fuhr ich über Schöningen, Helmstedt und Velpke bis Brome. Dort wollte ich auf die B248 nach Salzwedel wechseln. Wieder einmal verhinderte eine Baustelle diesen Plan. So fuhr ich über Klötze zur B71 und auf ihr nach Salzwedel. Kurz vor Salzwedel passierte es dann. Rechts tauchte ein Wegweiser auf, der einen Kreisverkehr ankündigte. Ich wurde langsamer und las mir die vielen Möglichkeiten des Abbiegens über den Kreisverkehr durch. Als ich wieder nach vorne blickte, war das rote Heck des VW's fast vor mir. Das Auto stand in einer kurzen Schlange, die auf die Einfahrt in den Kreisverkehr wartete. Ich leitete eine Vollbremsung ein. Der Hinterreifen wimmerte zunächst, die Gabelfedern machten éklack' und gingen auf Block. Ca. 40 cm vor der Stoßstange des Autos kam ich zum Stehen. Danke Honda, für diese Brembo-Bremsanlage an meiner CB500!

Nach Salzwedel bei Lübow fing es wieder an zu nieseln. Der Himmel sah nicht gut aus. Ich blieb daher an einer Bushaltestelle stehen, verzog mich in das Wartehäuschen und zog dort mein Regenzeug an. Mittlerweile hatte es aber trotz vieler schwarzer Wolken wieder aufgehört zu nieseln. Ein paar Minuten später wurde der Himmel wieder heller. Als dann die Sonne kurz durch die hellen Wolken schaute, zog ich mein Regenzeug wieder aus. Auch gut, ich hatte nichts dagegen nicht schon wieder nass zu werden. Aber dann, kurz nach Lüchow, ein heftiger Schauer kam schlagartig herunter. Noch bevor ich eine Stelle gefunden hatte, an der ich stehen bleiben konnte um das Regenzeug überzuziehen, war ich klatschnass. Meine Stiefel, Hose, Jacke und die Handschuhe sind mit einer Klimamembrane ausgestattet. Persönlich werde ich dadurch sowieso nicht nass. Ich ziehe trotzdem gerne mein Regenzeug darüber, damit die Jacke und die Hose nicht nass werden und so verschmutzen. Bloß diesmal hatte ich keine Chance das zu tun. So fuhr ich weiter wie ich war. Die Schauer kamen und gingen dabei hier in der Nähe der Elbe. Nach Dannenberg wollte ich rechts abbiegen in Richtung Gorleben. Bloß die Ortsnamen, die ich mir für mein MAN-Navigationssystem notiert hatte, standen auf keinem Wegweiser. Daher fuhr ich über einige Dörfer nach Gefühl weiter. Immer auf der Suche nach einem Wegweiser mit der Aufschrift Gorleben oder einem der Orte, die ich notiert hatte. Was kam war ein Wegweiser nach Lüchow! Ich war in die völlig falsche Richtung unterwegs! Also nochmals über Lüchow die 18 Kilometer nach Dannenberg, wieder regnete es, oder immer noch? Wieder bog ich nach Gefühl ab, aber diesmal fand ich den Weg nach Gorleben. Das war aber gar nicht mein Ziel sondern Pevestorf, ein ganz kleines Dorf in der Nähe an der Elbe. Mein Blick wanderte immer öfter zum Tageskilometerzähler. Ich benutze ihn als Tankanzeige. Seit dem letzten Tankstopp war ich schon über 350 Kilometer gefahren. Bald würde ich den Benzinhahn auf Reserve umstellen müssen. Wo war hier eine Tankstelle? In den vielen kleinen Dörfern seit Dannenberg im ehemaligen Grenzgebiet BRD/DDR hatte ich keine gesehen. Musste ich vielleicht sogar zurück nach Dannenberg? Ich fragte einen Mann, der mit zwei Kindern auf Rollerblades unterwegs war. In Gartow sollte eine sein. Aha, und wo ist Gartow? Gartow ist auf meiner Karte, die ich dabei hatte, eingezeichnet. Aber wo war ich jetzt? Das Dorf, in dem ich nach der Tankstelle fragte, war nicht eingezeichnet. Auch diese Frage klärten wir zusammen und so machte ich mich auf den ca. 9 Kilometer langen Weg nach Gartow zur Tankstelle. Mein Kilometerzähler zeigte genau 380 an, als ich voll tankte. An der Tankstelle war der Sprit am Billigsten, seit ich wieder in Deutschland unterwegs war. Die Reserve brauchte ich nicht, 380 Kilometer mit einer Tankfüllung ohne Reserve ist eine ganz normale Reichweite, die man mit der CB500 fahren kann. Pevestorf hatte ich dann recht schnell gefunden. Im dortigen Landgasthof bezog ich mein letztes Nachtquartier vor meiner Heimkehr. Die Straßen nördlich des Harzes bis zur Elbe? Über Hügel meist geradeaus bis zum Horizont. Dann kommt vielleicht ein Dorf oder ein größerer Ort mit vielleicht ein paar kleinen Kurven. Es sind schöne Straßen für die Autos.

Und meine kleine Honda? Im 6. Gang bei mittlerer Drehzahl schnurrte sie der Elbe entgegen. In dem Bereich fühlt sich der Motor am Wohlsten. Es gibt kaum Vibrationen und man hat genug Reserve nach oben für den schnellen Antritt.

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Sommertour 2004 - Nach Jarplund-Weding

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