zurück zur Startseite

Sommertour 2004 - Nach Lohberg-Sommerau

Die 5 Tage bei meinen Eltern waren wie im Fluge vergangen. Die gesamte Verwandtschaft und viele Bekannte waren so nach und nach über das Wochenende angereist. Ein Besuch löste den anderen ab. Der Grill lief und meine Mutter hatte Gugelhupf und anderes Gebäck gebacken. Alle waren neugierig auf mich. So ist das eben, wenn man höchstens ein Mal im Jahr nach Hause kommt. Aber es kam die Stunde des Abschieds und an einem warmen sonnigen Mittwochmorgen um 8:30 Uhr war ich wieder unterwegs mit meiner Honda in Richtung Norddeutschland, nach Jarplund-Weding bei Flensburg.

Die ersten 1,5 Stunden der Fahrt waren wenig aufregend. Ich kannte die Dörfer, durch die ich fuhr, zumindest beim Namen. Diese Dörfer auf dem Weg nach Hollabrunn und weiter nach Retz liegen in einer leicht hügeligen Landschaft, sie sind umgeben von Feldern und gelegentlich von Wäldern. Weiden gibt es hier im Weinviertel sehr selten. Rund um Retz nehmen die Weinberge stark zu. Das erlaubte Landstraßentempo von 100 km/h konnte ich trotz vieler sanft geschwungener Kurven meist fahren. Lange gerade Straßenstücke sind sehr selten. Neben den Straßen stehen viele Kirschbäume. Das nimmt manchmal sogar alleeartigen Charakter an. Immer wieder waren Verkaufsschilder zu sehen, auf denen frische Kirschen, Erdbeeren, neue Kartoffeln oder auch noch frischer Spargel angeboten wurden. Die Erdbeeren gab es auch in ganz Deutschland frisch vom Feld. So bekam ich meine tägliche Ration Vitamine in süßer, roter, köstlicher Form direkt von der Natur. Der Juni ist eben Erdbeer- und Kirschenzeit. Eine kleine Kirschenallee sah ich zu meiner Überraschung auch etwas nördlich des Harzes drei Tage später. Allmählich kamen Ortsnamen, die mir fremd waren, ich musste mich schon mehr auf mein Navigationssystem konzentrieren um den richtigen geplanten Weg zu finden. Mein Weg führte mich im Norden von Österreich ganz dicht an die tschechische Grenze heran. Diesen Kurs, ein klein wenig südlich der Grenze immer nach Westen, behielt ich bis zum Nachmittag bei, bis ich in Bayern war.

Über einen längeren Zeitraum war die Thaya, der Grenzfluss im Norden von Österreich zur tschechischen Republik, mein Begleiter. Schönes klares Wasser führte sie nicht mit sich, eher braunes Schmutzwasser. In der Nacht zum Sonntag waren in der Region so heftige Gewitter heruntergekommen, dass die Feuerwehren in mehreren Orten einige Keller leerpumpen musste. Die Farbe des Thayawassers war bestimmt eine Nachwirkung davon. Westlich vom Weinviertel ist das Waldviertel. Der Name ist Programm, wie es so schön heißt. Die Waldstraßenstücke werden immer mehr. Die Berge sind höher wie im Weinviertel, die Kurven daher nicht mehr so sanft sondern schon etwas anspruchsvoller. Bald tauchte das erste Schild "Gefährliche Steigung / Gefälle" auf. 8% waren angegeben. Gemerkt habe ich nichts davon. Auch einige Felshänge waren ab und zu neben der Straße im Wald zu sehen. Die ganze Gegend ist recht dünn besiedelt, dazu noch die nahe Grenze, die ja jahrzehntelang ziemlich dicht war. Tiefstes Hinterland also mit sehr wenig Verkehr. Ich konnte in Ruhe mein Tempo fahren. Weiden sind im Waldviertel schon recht häufig zu sehen. Die dazugehörenden Schilder, die vor großen Weidetieren warnen, säumten immer wieder meinen Weg. Ich dachte bei deren Anblick weniger an Kühe, sondern eher an Fuchs und Hase, die sich gute Nacht sagen in dieser Gegend. Einmal bekam ich sogar einen Hasen zu Gesicht. Auf einmal tauchten rechts vor mir im hohen Gras am Straßenrand zwei lange Ohren auf, dann der Kopf des Hasen. Als er mich ankommen sah, duckte er sich sofort und machte sich unsichtbar. Sein Gegenstück aus dem Sprichwort bekam ich nicht zu Gesicht. Ach ja, ein paar nennenswerte größere Orte auf dem Weg nach Westen ins Mühlviertel nach Oberösterreich waren: Riegersburg, Drosendorf, Raabs, Karlstein, Heidenreichstein, Schrems, Gmünd und Weitra. Ab Schrems wurde der Verkehr dann doch wieder etwas dichter. Aber auch nur ein klein wenig.

Die Landschaft und die Straßen im Mühlviertel in Oberösterreich unterscheiden sich kaum von denen des Waldviertels in Niederösterreich. Ich behielt meinen Kurs nach Westen knapp südlich der Grenze zur tschechischen Republik bei und erreichte so über Sandl, Freistadt und Bad Leonfelden bei Haslach und Aigen die südlichen Ausläufer des Böhmerwaldes. Die Berge und die Straßen erinnerten mich ein wenig an einige Straßen im Harz. Einfach schön zu fahren. Kurz vor der österreichisch/bayrischen Grenze machte ich bei Schwarzenberg noch einmal den Tank meiner Honda voll. Bei dem Preisunterschied nahm ich keine Luft im Tank mit nach Deutschland. Die österreichischen Ortschilder und Wegweiser sind weiß, die deutschen sind gelb. Sehr zu schätzen weiß ich, dass auf den deutschen Ortsende-Schildern der folgende Ort angegeben wird. Zu beiden Seiten der Grenze begrüßen einen die Orte meist mit einem in Holz geschnitzten und mit Blumen verzierten "Grüß Gott". In Österreich sind zusätzlich ausnahmslos an jedem Ortseingang die Tafeln der beiden großen nationalen Tageszeitungen, die besagen, wie gern gerade dieser Ort die Zeitung liest. Diese Schilder fehlten mir nicht wirklich in Bayern. Auch auf die örtliche Kultur wird hingewiesen. Fast jedes Dorf hat mindestens ein Heimatmuseum. Viele auch ein kleineres oder größeres Jagdschloss oder ähnliches, dass aus den vorigen Jahrhunderten übrig geblieben ist. Wer möchte, für den wird in diesem Teil nördlich der Donau kulturell viel geboten. Ich mochte lieber Motorradfahren. Landschaftlich gab es keine Veränderung. Der Böhmerwald geht fließend über in den Bayrischen Wald. Ich blieb neben der tschechischen Grenze und folgte ihr nach Nordwesten. Die Straße nach Freyung über Alt- und Neureichenau, Jandelsbrunn und Waldkirchen hat mir besonders gut gefallen. Aber auch das letzte Stück weiter über Grafenau und Spiegelau nach Zwiesel durch den Nationalpark Bayrischer Wald ist ein sahnemäßiges Stück Motorradstraße. Kurz danach erreichte ich nach der Fahrt über den großen Arber meine Pension für die Nacht in Lohberg-Sommerau. Im Nationalpark hatte es etwas zu schauern begonnen. Das Wetter blieb den ganzen Abend über wechselhaft schaurig.

Und meine kleine Honda? Sie macht einfach nur Spaß, es gab überhaupt keine Probleme. Obwohl sie eigentlich kein ausgesprochener Tourer ist, kann man Tagesetappen von 500 Kilometer Landstraße ohne Anstrengung mit ihr fahren.

zurück zur Sommertour 2004

Sommertour 2004 - Nach Struth-Helmershof

zurück zu den Touren