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Sommertour 2004 - Nach Admont

Leider bewahrheiteten sich die schlechten Wetterprognosen für diesen Tag. Vom Norden, also von Bayern, von Deutschland sollten viele Regenwolken kommen. Mit kräftigen Winden und ordentlicher Abkühlung. Genauso sah es morgens um sieben von meinem Zimmerfenster aus auch aus. Der Himmel war tiefdunkelgrau, alles war nass. Von den vielen Bergwäldern, den Felswänden und den Gletschern rund um die Zugspitze war nichts zu sehen. Der Himmel reichte bis an die Dächer der Häuser heran. Ich besprach das zu erwartende Wetter mit meiner Pensionswirtin und besah den Wetterbericht auf Videotext. Dann fasste ich den Entschluss, die Tour über die Pässe Tirols und Südtirols nicht anzutreten. Zunächst rief ich in Admont in der Pension an, die mich am nächsten Abend erwartete, und fragte, ob ich schon einen Tag früher, also heute, kommen könne. Ich konnte. Dann rief ich in Südtirol in der Pension in St. Christina in Gröden an um mein Zimmer für die kommende Nacht abzusagen. Auch das klappte. Nun musste ich erst noch mein MAN-System umprogrammieren. Statt mit Winword und Drucker schrieb ich die neue Route mit dem Kugelschreiber auf ein aus meinem DIN A5 Block herausgerissenes Blatt Papier, faltete es zur richtigen Größe und steckte es in die Hülle mit den beiden Gegenstücken zu den Magnetbefestigungen in meinem Cockpit. Vorbei mit der Tour über das Namlosertal, Hahntennjoch, Kaunertal, Ötztal, Timmelsjoch, Jaufenpass. Auch die Sellarunde würde ich auslassen und den Großglockner würde ich vielleicht aus der Ferne sehen. Aber auch nur, wenn sich das Wetter bis zum Nachmittag besserte. Trotzdem war ich nicht wirklich traurig darüber. Wenn ich daran dachte, die vielen Spitzkehren bergab auf klatschnasser Straße mit Regen von oben und kaum Sicht in den Wolken anzubremsen und die Honda scharf umzulegen, wurde mir ganz mulmig. Auf meiner zweiten Alpentour traute ich mir das einfach nicht zu. Es würde mir auch keinen Spaß machen. Ich war aber in die Alpen gekommen um Spaß zu haben beim Motorradfahren, wie ich ihn zu Hause in Schleswig-Holstein nicht haben konnte.

Also zog ich mein Regenzeug über, fuhr zur Tankstelle um mir eine Autobahn-Vignette zu kaufen und machte mich über den Fernpass auf den Weg zur Autobahn in Richtung Innsbruck. Ich fand auf dem Fernpass war relativ wenig Verkehr. Das hatte ich anders in Erinnerung. Ich war sehr froh darüber, dass ich nicht hinter der Stoßstange eines holländischen Wohnwagens her fahren oder ihn überholen musste, um nach wenigen Metern Fahrt auf den nächsten zu treffen. Ich konnte weitgehend mein Tempo fahren, das ich mir zutraute. Bis Innsbruck hatte es ständig geregnet. Danach war Schauerwetter angesagt. Alle 10 Minuten ein kurzer oder längerer Regenguss. Trockene Straßen gab es ganz selten. Dieses Wetter begleitete mich bis weit in den Nachmittag hinein.

Ab Wörgl-West nahm ich die Bundesstraßen. Über Kitzbühel nach Mittersil in südlicher Richtung und dann nur noch nach Osten. Zell am See, Bruck, Lend, St. Johann im Pongau, Wagrain, Radstadt, Schladming, Liezen waren die größeren, bedeutenderen Fremdenverkehrsorte auf meinem Weg nach Admont in der Steiermark. Nach dem Fernpass musste ich noch im Jochbergwald und dem Pass Thurn kurz vor Mittersil doch noch einige heftige Steigungen und Bergabfahrten mit Spitzkehren hinter mich bringen. Hier musste ich auch über ein ca. 2 Kilometer langes Stück erdige Baustellenstraße fahren, das größtenteils unter Wasser stand. Wie meine Honda und meine Beine dann aussahen, kann ich gar nicht beschreiben. Als ob ich drinnen gelegen hätte. Vom Großglockner habe ich natürlich nichts gesehen vor lauter tiefhängenden Wolken und Regen. Die Bundesstraßen waren teilweise doch recht verkehrsreich, immer so ein LKW oder Bus vorneweg mit einer Schlange aus Autos und einigen weiteren LKW's hintenan. Da musste ich mich regelrecht durchkämpfen, wobei mir auffiel, dass ständig Überholverbotsschilder aufgestellt waren. Trotzdem ist es eine schön zu fahrende Strecke durch den Pinzgau und Pongau im Salzburger Land. Besonders das Ennstal ab Radstadt hat mir gut gefallen. Ab Liezen war ich fast alleine auf der Straße. Bis dahin stand auf jedem Wegweiser "Graz Slowenien". Diese Route von München / Salzburg zum Balkan wird wohl von allen genutzt, die keine Maut auf den Autobahnen und dem Tauerntunnel bezahlen wollen. Das Wetter war am späten Nachmittag doch noch besser geworden.

Der Abend war dann recht sonnig und warm. Ich unternahm noch einen ausgiebigen Spaziergang durch den Ort mit dem berühmten Stift Admont, dass ich schon bei der Anfahrt aus der Ferne von einem Berg herunter über dem Wald leuchten sah. Die Enns, die ich bei Radstadt das erste Mal ganz klein sah, ist in Admont schon ein ganz schön kräftiger Gebirgsfluss. Es war schön am Ufer zu stehen und an einer ruhigeren Stelle eine Wildentenfamilie mit ihrem Nachwuchs zu beobachten, während der Rest der Enns über die Felsen rauschte.

Und meine kleine Honda? Sie bekam wieder an einer Tankstelle ihre wohlverdiente Dusche. Auch nach 5 Tagen Fahrt mit täglich über 400 Kilometern Tagesstrecke macht es immer noch Spaß mit ihr auf Fahrt zu gehen. Sogar bei Regen, wenn es nicht zu gefährlich wird.

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