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Sommertour 2004 - Nach Bichlbach

Der Tag empfing mich mit bedecktem Himmel. Dabei sollte es den ganzen Tag bleiben. Keine Sonne - aber mit etwas über 20° C optimal zum Motorradfahren. Die erste Stunde des Tages fuhr ich auf den nun schon bekannt sehr guten Schwarzwaldstraßen. Zunächst über Nagold nach Horb, von hier den Neckar aufwärts bis kurz vor Rottenburg am Neckar. Dann weiter nach Süden auf den Landstraßen über Haigerloch, Rosenfeld, Schömberg nach Beuron an der noch jungen Donau. Die Landschaft auf diesem Stück zwischen Neckar und Donau ist recht abwechslungsreich. Auf vielen größeren und kleineren Hügeln wechseln sich Wald, Wiesen und Felder ab. Die Straßen schlängeln sich dazwischen in vielen Kurven von Dorf zu Dorf. Von Beuron bis Sigmaringen gibt es viele steile Hänge mit senkrechten Felswänden neben der Straße. Die Donau ist hier ein Gebirgsflüsschen, das sich in vielen Windungen seinen Weg durch die Felsen in Richtung Osten sucht. In Sigmaringen verließ ich die Donau um über Krauchenwies, Pfullendorf und Denkingen zum Höchsten zu fahren. Vom Aussichtsturm an der Spitze dieses Berges hat man normalerweise einen schönen weiten Blick über Oberschwaben und den Bodensee in der Ferne. Vom See war an diesem Tag leider nicht sehr viel zu sehen. Die Abfahrt vom Höchsten nach Hasenweiler ist ähnlich steil und mit Spitzkehren gespickt wie so einige Pässe in den Alpen. Meine Ohren waren ganz schön am Knacken, ich hatte das Gefühl, ich war schon viel weiter unten und die Ohren waren immer noch auf dem Berg.

Weiter ging's nach Ravensburg und von hier über viele Dörfer wie Bodnegg, Neukirch und Oberreitnau nach Sigmarszell. Mit der Route im Hinterland wollte ich dem zu erwartenden starken Verkehr in der Region Lindau - Bregenz ausweichen. So kam ich auch in den Genuss einige Hopfenfelder zu sehen. Zu sehen bekam ich auch den Zimmerschlüssel der Pension aus Berneck, in der ich übernachtet hatte. Ich fand ihn bei einer Pause in meiner Hosentasche. Beim Auschecken und bezahlen hatte ich mich mit der Wirtin über die noch sehr schwache Saison unterhalten. Ich war wieder mal der einzigste Gast gewesen. Dabei hatte keiner von uns beiden an den Zimmerschlüssel gedacht. Der hatte aber auch nur einen kleinen Schlüsselanhänger und nicht den gewohnt großen Anhänger anderer Hotels oder Pensionen. Mit dem Handy erreichte ich den Gastwirt und schilderte mein Missgeschick. Ich versprach ihm, den Schlüssel bei nächster Gelegenheit zurückzusenden. Von nun an hielt ich in allen Dörfern Ausschau nach einem Postamt. Für lange Zeit vergebens. Auf der B308 bei Scheidegg fand ich dann die erste richtige Passstraße vor. Zunächst kilometerlang steil bergauf und anschließend windet sich die Straße steil bergab. In Bad Oberstaufen bog ich ab nach Krumbach in Vorarlberg / Österreich. Von Hittisau fuhr ich weiter nach Balderschwang, dass bereits wieder in Deutschland in den Allgäuer Alpen liegt. Hier fand ich dann auch endlich ein Postamt. Es hatte leider geschlossen. Gleich neben dem Postamt war die örtliche Touristinformation. Die freundliche junge Dame dort konnte mir helfen. Ich bekam zwei Briefumschläge und eine Ansichtskarte. In den einen Umschlag wickelte ich den Schlüssel und steckte ihn zusammen mit der Ansichtskarte, die ich noch mit lieben Grüßen und einer Entschuldigung für mein Versehen beschrieben hatte, in den zweiten Umschlag. Nun noch die Adresse draufgeschrieben und so übergab ich mein Päckchen der jungen Dame am Schalter. Sie hatte zwar keine Briefmarke für mich, versah aber den Brief mit so einer Art aufgestempelter Briefmarke. Nachdem ich bezahlt hatte schickte sie mich damit zum Briefkasten. Der war auf der anderen Seite des Hauses neben dem Postamt.

So, nun konnte ich wieder mit einem reinen Gewissen weiterfahren. Ich war nun in den Alpen mit den so schönen Alpenstraßen angekommen. Entweder geht es steil bergauf oder heftig bergab. Flache, ebene Straßenstücke sind die Ausnahme. Solche gibt es auf dem Riedbergpass nicht. Dieser Pass verbindet das Balderschwanger Tal mit dem Allgäu in Bayern. Er ist mit 16% Steigung / Gefälle ausgezeichnet. Auf der Passhöhe traf ich drei andere Biker, die aus der Schweiz kamen. Sie erzählten mir, dass sie auf ihrer bisher kurzen Reise durch Österreich schon kräftig bluten mussten bei der Polizei. Wegen der fehlenden Autobahnvignette durften sie 65 € bezahlen. Wir setzten unseren Weg gemeinsam fort. Zunächst im Allgäu über Fischen nach Sonthofen. Weiter nach Tirol über den Oberjochpass, das Tanheimertal, den Gaichpass nach Weißenbach und weiter nach Reute. Hier trennten sich unsere Wege. Ich fuhr weiter nach Bichlbach am Fuße der Zugspitze. Meine drei Begleiter fuhren über Füssen zurück nach Deutschland.

In Bichlbach bezog ich zunächst mein bestelltes Zimmer in einer Pension und machte mich dann auf den Weg um ein Restaurant für mein Abendbrot zu suchen. Bei 5 Restaurants stand ich vergeblich vor der Tür. Sie waren wegen des wöchentlichen Ruhetages geschlossen oder hatten zwischen den Saisonen Betriebsruhe. Daher fragte ich eine junge, einheimische Frau nach einem Tipp für ein Lokal. Sie war auch etwas ratlos, bot mir dann an mich in ihrem Auto auf der Restaurantsuche zu begleiten. Zunächst lud sie noch den Einkauf aus dem Kofferraum mit Hilfe ihres Töchterleins aus, dann setzten wir uns alle drei in den Wagen und fuhren los. Sie kannte noch ein Lokal etwas außerhalb des Ortes, von dem sie meinte, dass es offen hätte. Hatte es aber nicht. Erst das nächste, zu dem wir fuhren, hatte auf. Ich bedankte und verabschiedete mich von der netten Frau. Nach einem guten Essen trat ich zu Fuß den Rückweg an. Das war kein Problem für mich, gut zu Fuß war ich schon immer. So nahm auch dieser 4. Tag der Reise doch noch ein gutes Ende.

Und meine kleine Honda? Ruhig und unauffällig zieht sie ihre Bahn mit mir. Sie wirkt auch in den Bergen nicht angestrengt, ich bin bequem untergebracht, es macht einfach Spaß mit ihr auf Tour zu gehen.

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Sommertour 2004 - Nach Admont

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