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Sommertour 2004 - Nach Altensteig-Berneck

Es war der perfekte Tag. Kurz das Wetter: Sonne von morgens bis abends. Und die Strecke? Wovon soll ich mehr schwärmen? Von den ca. 100 Kilometer Anfahrt zum Spessart rund um den Vogelsberg - einfach traumhafte Kurven in einer bergigen, sehr abwechslungsreichen Landschaft. Oder der Spessart selbst. Zwei Stunden nur Wald, Berge, Kurven, leere Straßen. Von Bad Orb über Flörsbach, Wiesen, Heigenbrücken, Lichtenau, Hafenlohr bis Wertheim am Main. Der Elm, Deutschlands größter Buchenwald, ist ein kleiner Vorgarten gegen den Spessart. Die Berge im Spessart haben die richtige Größe. Die max. Steigung beträgt 14%. Gerade Straßenstücke gab es über Stunden nicht.

Eine brenzlige Situation überstand ich ohne Schaden an mir und meiner kleinen Honda. Ich machte gerade eine kleine Pause auf einem Rastplatz, der außen an einer ca. 90 Linkskurve dran war. Die Kurve ist im Wald und natürlich geht es kräftig bergauf. Links in Fahrtrichtung bergauf sind Felsen und Bäume. Rechts in Fahrtrichtung bergauf ist die Kurve erweitert um den kleinen Rastplatz. Zur Straße hin ist er abgetrennt mit niedrigen Büschen. Die Kurve ist vom Rastplatz nach oben und nach unten einsehbar. Rechts neben dem Rastplatz geht es bergab. Ich parkte meine kleine Honda ganz am Ende des Rastplatzes auf der rechten Seite. Hier war etwas Schatten unter einem Baum. Dann kam ein LKW mit Anhänger die Straße hoch. Er bog mit quietschenden Bremsen in die Kurve ein - und merkte, dass er die Kurve nicht mehr packen würde! Er zog nach außen auf den Rastplatz und gewann so ein paar Meter Platz für sein Kurvenmanöver. Mit immer noch quietschenden Bremsen - oder waren es die Reifen - bog er wieder knapp an meinem Motorrad und mir vorbei zurück auf die Straße. Der LKW hatte leere rote Schuttcontainer geladen. Immer zwei übereinander auf der Ladefläche und dem Hänger. Wie er so knapp an mir vorbeizog, sah die ganze Ladung sehr hoch aus. Gut dass er die Kurve dank des Rastplatzes doch noch kriegte. Gut dass kein Container herunterfiel. Gut, dass ich der einzigste auf dem Rastplatz war. An einem Auto wäre er sicher nicht vorbeigekommen. In Zukunft werde ich auf solchen Rastplätzen immer innen parken.

Das Stück von Wertheim bis Miltenberg Main abwärts verdient ebenfalls ein extra Prädikat. Der Main windet sich hier in vielen Schleifen durch die Berge. Die Straße direkt am Ufer macht alle Windungen mit. So viele lang gezogene Kurven habe ich noch nie gesehen. Man kann sie mit knapp 100 km/h durchziehen. Nach so 30 bis 60 Sekunden Schräglage richtet man sich langsam auf und fällt ansatzlos langsam zur anderen Seite in Schräglage. Es müssen nicht immer Bergstraßen sein, die uns Motorradfahrern so großen Spaß machen.

Oder das Stück von Miltenberg über Kirchzell bis Eberbach am Neckar. Diese ca. 50 Kilometer durch den Odenwald zwischen Main und Neckar sind ähnlich sahnemäßig zu fahren wie die Straßen im Spessart. Ab Eberbach folgte ich dem Neckar flussaufwärts auf der B37 und B27 bis Bad Wimpfen. Wie am Main, so sind auch längs des Neckars viele schnelle Kurven. Der 6. Gang kam auch hier mal zu seinem Recht. Je dichter es auf Heilbronn zuging, je mehr Verkehr war auf der Bundesstraße. Meine Fahrt wurde doch etwas gebremst dadurch. Bei Bad Wimpfen überquerte ich dann den Neckar. Nach einer kurzen Stauphase in dem Kurort ging es hinaus in den Kraichgau. Ich gelangte über Schwaigern, Eppingen und Bretten nach Pforzheim. Diese ca. 60 Kilometer Bundesstraße fallen doch gegenüber dem Rest des Tages etwas ab. Gut, die Straßen im Spessart, Odenwald, an Main und Neckar sind unvergleichlich schön, die Stunde Fahrzeit von Bad Wimpfen bis Pforzheim war keineswegs langweilig. Pforzheim war die größte Stadt auf meiner Tour mit 115.000 Einwohnern. Ich glaube, an diesem frühen Montagabend waren alle mit ihren Fahrzeugen auf der Straße. Da musste ich durch und kam auch irgendwie durch.

Im Süden davon - der Schwarzwald. Was soll ich viel Schwärmen davon? Die Straße über Calw nach Nagold und weiter nach Westen auf den Landstraßen hat von allem reichlich. Berge mit viel Wald wie im Spessart und dem Odenwald, lang gezogene, schnelle Kurven wie an Main und Neckar. Einfach ruhig und flüssig zu fahren, Kurve um Kurve, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde - ein Traum. Nach 486 Kilometern um ca. 20:00 Uhr war der Traum des Tages zu Ende. Ich war in Berneck bei Altensteig angekommen, wo ich mein nächstes Nachtquartier bezog. Wenn ich am nächsten Tag nicht weitergewollt hätte, weiter durch den Schwarzwald zum Bodensee, zu den ersten großen Pässen Tirols, ich wäre noch einmal zurück gefahren bis Willingshausen. So schön kann Motorradfahren sein, so schön kann Urlaub sein. Urlaub? Gab es da noch was anderes? Arbeiten? Ich wusste gar nicht mehr, was das war, so weit weg war das.

Und meine kleine Honda? Beim Tankstopp in Freudenberg sah ich bei der Essotankstelle einen Münzdampfstrahler. Ich nutzte die Chance und gönnte ihr eine kleine Wäsche für 1 . Von da an sah sie wieder aus wie meine CB500. Tja, und in Pforzheim ging die Kühlwassertemperaturanzeige bis knapp vor den roten Bereich. Bei dem langsamen Stadtverkehr an diesem warmen Sommertag war das auch kein Wunder.

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