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Sommertour 2004 - Nach Willingshausen

Der Tag begann mit Regen. Aus grauem Himmel nieselte es ganz fein. Während ich frühstückte hörte es auf zu nieseln und das Einheitsgrau des Himmels war Wolken mit verschiedenen Grautönen gewichen, die immer heller wurden. So startete ich guter Hoffnung ohne mein Regenzeug überzuziehen. Zunächst ging es durch den Elm nach Schöppenstedt. Der Elm ist Deutschlands größter Buchenwald. In ihm stehen aber auch viele Eichen, von denen mir meine Wirtsleute beim Frühstück erzählten, dass die Eichen nach Frankreich verkauft und dort zu Cognacfässern verarbeitet werden. Die Buchen hingegen werden hauptsächlich nach Russland verkauft. Mein nächstes größeres Ziel war Goslar. Die alte Kaiserstadt liegt ganz im Norden des Harzes. Normalerweise kann man schon aus weiter Ferne von den Hügelspitzen, über die die B82 führt, die Berge des Harzes hinter Goslar und Bad Harzburg sehen. Diesmal sah ich nur ganz dunkle Wolken und keine Berge. Da wusste ich, es würde viel Regen geben im Harz. Unter einer Brücke kurz vor Goslar schlüpfte ich in mein Regenzeug. Es hatte mittlerweile wieder angefangen zu nieseln. Ab Goslar regnete es dann richtig. Ich wechselte auf die B241 und fuhr über Clausthal-Zellerfeld nach Osterode im Süden des Harzes. In den Hochlagen des Harzes hatte ich doppelt schlechte Sicht. Zum ständigen Regen kam dazu, dass ich mitten durch die tiefhängenden dunklen Wolken fuhr. Da half auch die Gummiwischkante am Zeigefinger des linken Handschuhes von Held nicht wirklich viel. Ich wünschte mir zum ersten Mal, endlich den Harz hinter mir zu haben. War ich noch normal? Der Harz, das Motorradparadies für mich, und nun wollte ich schnell weg von hier! Ich war normal, Sicherheit ging vor. Vorsichtig fuhr ich weiter in der Hoffnung ab Osterode den Harz und den Regen hinter mich gebracht zu haben.

Das mit dem Harz stimmte schon, das mit dem Regen leider nicht. Von Osterode fuhr ich über Wulften nach Ebergötzen zur B446. Auf ihr gelangte ich über Nörten-Hardenberg und Uslar nach Beverungen. Die hohen Berge des Harzes fehlen hier etwas, die Kurven sind aber genauso zahlreich und genau so schön. An einigen Stellen stehen besonders große Warnschilder nur für Motorradfahrer, die uns zu vorsichtiger Fahrweise mahnen sollen. Da wusste ich, jetzt würde wieder ein besonders sahnemäßiger Streckenabschnitt kommen. Der Regen hatte etwas nachgelassen, kurz vor Beverungen hörte er dann ganz auf. Es machte wieder richtig Spaß die kleineren Berge im Süden des Weserberglandes in wechselnder Schräglage durch viele Kurven zu durcheilen. Nach Beverungen verließ ich die Bundesstraße und fuhr auf den Landstraßen meinem nächsten Ziel entgegen - dem Edersee. Während der Verlauf der Bundesstraßen gut ausgeschildert ist, verließ ich mich auf den Landstraßen auf mein MAN-Navigationssystem. Nach einem Zwischenstopp am sehr schönen, idyllisch gelegenen Twistestausee bei Arolsen und einem Tankstopp in Korbach gab ich mir die nördliche Uferstraße des Edersees. Die Straße, meist am Seeufer, von Vöhl über Waldeck bis Affoldern ist so schön zu fahren, dass ich in Affoldern wendete und nochmals zurückfuhr, um sie ein zweites Mal zu genießen. Auf der neuerlichen Rückfahrt nach Affoldern legte ich bei der Staumauer eine Pause ein und genoss die Ruhe des Sees, den Anblick der vielen kleinen und größeren Schiffe auf ihm und die herrliche Landschaft am Seeufer zusammen mit vielen anderen Touristen. Darunter viele, viele Motorradfahrer. Die Uferstraße darf nur mit 50 km/h befahren werden. Wenn man in einer Woche reich werden wollte, bräuchte man nur ein Blitzgerät für die Motorradfahrer aufstellen und alle abkassieren. Die vielen schönen flüssigen Kurven locken einfach zu sehr. Streckenweise kam ich mir vor wie beim Hütchenslalomfahren beim Sicherheitstraining. Nur sind die Schwünge etwas weitergezogen und werden mit höherem Tempo gefahren.

Die Bundesstraße nach Bad Wildungen beruhigte meinen Adrenalinspiegel wieder etwas bevor im Wald nach Bad Zwesten wieder viele erstklassige Kurven auf mich warteten. Kurz nach Bad Zwesten versagte plötzlich mein MAN-System. Die Orte, die ich mir notiert hatte, weil ich sie auf den Wegweisern erwartete, standen nicht auf diesen. Dafür kam ich durch Dörfer, die ich nicht auf der Karte fand und auch nicht aufgeschrieben hatte. So fuhr ich nach Gefühl in Richtung Schwalmstadt und Treysa um nach Willingshausen zu meinem nächsten Nachtquartier zu kommen. Ich fuhr etwas kreuz und quer durch die Gegend, aber mit einem Mal nach dem richtigen Weg fragen in einem Dorf habe ich Willingshausen dann doch gefunden. Mein Umweg war sicher nicht die schlechteste Motorradstrecke auf meiner Tour 2004 bis jetzt. Zu Abend gegessen habe ich in der einzigen Gaststätte in Willingshausen. Ich saß auf der Terrasse in der Sonne während drinnen im Festsaal eine Goldene Hochzeit gefeiert wurde.

Und meine kleine Honda? Ich dachte, morgen früh werde ich sie erst mal suchen müssen. Ich werde sie nicht wieder erkennen, so schmutzig war sie noch nie. Ihr selbst machte das nichts aus. Sie schnurrt den ganzen Tag so vor sich hin und liefert sofort Schub wenn man mal kräftiger Gas gibt.

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Sommertour 2004 - Nach Altensteig-Berneck

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