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Sommertour 2004 - Nach Königslutter

Es war 8:10 Uhr, am Samstag den 12. Juni 2004. Ich fuhr mit meiner Honda CB500 die Taruper Hauptstraße in Flensburg stadtauswärts. Vor mir fuhr mein Schwager Walter. Da kam das Ortsende-Schild in Sicht. Beim Anblick dieses Schildes fragte ich mich spontan: "Was machst du eigentlich hier? Bist du noch zu retten?" Ja, was hatte ich vor? Vor mir auf dem Tank war mein voll gepackter Tankrucksack, hinter mir mein 45 Liter Topcase, voll mit Wäsche, Kulturbeutel und Sandalen. Ich war seit 15 min. unterwegs auf meiner Sommertour 2004 in den Süden. Die Tour sollte in 4 Tagen nur auf Landstraßen von Flensburg bis zum Bodensee gehen. Weiter in 3 Tagen über Tirol , Südtirol, Kärnten, Salzburg und der Steiermark bis in die Nähe von Wien zu meinen Eltern. 4 Tage lang wollte ich meine ganze österreichische Verwandtschaft besuchen. Die Rückreise nach Flensburg sollte auch 4 Tage dauern. Das also hatte ich vor. Die Strecke hatte ich lange und sorgfältig geplant, alle Quartiere bestellt, hatte mit meiner Krankenversicherung, der Motorradversicherung und dem ADAC alles besprochen. Ich freute mich schon lange auf diesen Tag, auf diesen Morgen, wo es endlich, endlich losgehen sollte. Nun hatte ich auf einmal nach wenigen Kilometern Zweifel, ob meine CB500 pannenfrei durchkommen würde, ob ich den Strapazen gewachsen sein würde, hoffentlich habe ich keinen Unfall etc. Nach dem Ortsende-Schild kam die erste schöne Kurvenkombination. Ich gab Gas und zog links, rechts, links durch die Kurven. Alle Zweifel waren weg. Es war herrlich, endlich Urlaub, die Tour - sie wartete auf mich - aufi geht's!

Bei ca. 15 C, trockener Straße, leicht bewölktem Himmel und kaum Verkehr an diesem Morgen machten wir uns auf den Weg. Wir kamen flott voran, schnell war Satrup erreicht, dann Ulzby, Böklund, Tolk, in Missunde mussten wir ein wenig auf die Fähre warten, die uns über die Schlei bringen würde. Die vielen Kurven auf Angeln's Straßen machen immer wieder Spaß. Auch beim 1001. Mal. An der Schlei fing es leicht an zu nieseln. Der Wetterbericht hatte auch Schauerwetter vorhergesagt. Wenige Kilometer nach Missunde war die Straße wieder trocken. Durch die Hüttener Berge steuerten wir auf Sehestedt zu. Hier überquerten wir wieder mit der Fähre den Nord-Ostseekanal. Am Wasser fing es wieder an zu regnen. Diesmal schon etwas stärker. Da Wasser unten Wasser von oben anzieht, ahnte ich schon, dass wir noch öfters nass werden würden. Schließlich umfuhren wir nach der Kanalüberquerung über Rumohr und Flintbek den Westensee und damit auch Kiel. Nach einem kurzen Stück auf der B404 ging's nach Osten zum Plöner See. Immer wieder schauerte es auf diesem Streckenabschnitt. Am Plöner See machten wir eine Pause, aßen die mitgebrachten Brote und gönnten uns einen Kaffee dazu. Gegen 11:00 Uhr verließen wir den See in Richtung Süden. Schon wenige Minuten später hatten wir trockene, kurvenreiche Landstraßen vor uns. Die Sonne setzte sich mehr und mehr durch, das Sonnenvisier von meinem Schuberth Concept trat erstmals seinen Dienst an. Über viele Dörfer auf der Landstraße erreichten wir gegen 12:45 Uhr unser erstes Ziel. Ein ehemaliger Nachbar von Walter war vor einigen Jahren nach Todendorf gezogen. Den wollten wir besuchen. Er wartete bereits auf uns mit selbstgemachtem Erdbeerkuchen. Frisch gestärkt und ausgeruht fuhr ich um 12:30 Uhr weiter nach Süden. Walter wollte noch bei seinem Freund bleiben und dann die Rückreise nach Flensburg antreten.

Ich wollte auf den nahen Bundesstraßen 404 und 209 schnell Lauenburg erreichen. Der Verkehr auf diesen Straßen war leider ziemlich stark, sodass ich trotz ständigem Überholen nicht wirklich schnell vorankam. Immer wieder war die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h beschränkt. Dazu gesellten sich fast immer Überholverbotsschilder und die durchgezogene weiße Mittellinie fehlte auch nicht. Dann kam eine Kreuzung und danach wurde alles wieder aufgehoben. An so einer Stelle wurde ich von einem Smart überholt. Der Blick auf meinen Tacho sagte mir, dass ich mit ca. 75 km/h unterwegs war. Vielleicht wollte der Smartfahrer schnell zu seiner Freundin ins Wochenende. Es sei ihm gegönnt. Von Lauenburg fuhr ich weiter auf der B5 nach Boizenburg. Hier wollte ich in die B195 einbiegen und auf ihr 50 Kilometer bis Dömitz zurücklegen. Die B195 ist auf diesen 50 Kilometern eine bekannte Motorradstrecke mit kurzen Geraden und vielen, vielen Kurven. Aus dem Einbiegen wurde nichts. Eine Baustelle versperrte mir den Weg zum zweiten Highlight des Tages nach den Kurven Angeln's und rund um den Plöner See. Also fuhr ich weiter auf der B5 und bog im nächsten Dorf nach Gefühl zur B195 ab. Ich fragte noch ein paar Bauarbeiter, ob ich noch auf dem richtigen Weg wäre. Sie bestätigten das und wiesen mir den kürzesten Weg zur B195 - ein Stück über einen Feldweg ohne Asphalt! Lauenburg liegt an der Elbe, Boizenburg auch. An diesem Tag hieß das, Wasser kommt zu Wasser. Nur das Wasser von oben, sprich Regenschauer, war schon da gewesen. Die Straßen waren nass aber es kam im Moment kein Regen nach. Die 2 bis 3 Kilometer Feldweg bestand aus nassem, matschigem sehr rutschigem Lehmboden. Ganz vorsichtig und ohne Umfaller erreichte ich die B195. Knapp 50 Kilometer Spaß lagen vor mir. Anscheinend hatten es einige Biker hier übertrieben. An einigen Stellen stand eine Gruppe von weißen Holzkreuzen. An einigen Kreuzen in jeder Gruppe war ein Motorradhelm befestigt. Auch große schwarze Tafeln mit verschiedenen nachdenklichen Aufschriften mahnten zur vorsichtigen Fahrweise. Die Kreuze und die Mahntafeln standen immer unmittelbar vor besonders schönen Kurvenkombinationen. Ich habe auch einige echte Kreuze mit Blumen gesehen, die an Unfallopfer erinnerten.

In Dömitz überquerte ich die Elbe. Über Dannenberg, Lüchow, Salzwedel, Brome und Velpke fuhr ich nach Königslutter wo ich ein Zimmer für 12,00 in einer Privatpension bestellt hatte. Zu diesem Streckenabschnitt gibt es nicht viel zu sagen. Lange endlose Gerade bis zum Horizont mit wenigen Kurven, für die ich schon sehr dankbar war. Auf den letzten 20 Kilometern fing es wieder leicht zu regnen an. Diesmal ohne Wasser von unten. Kurz nach 18:00 Uhr erreichte ich nach 486 Kilometern Fahrt mein erstes Tagesziel. Mit mir kam dann die Sonne nach Königslutter. Ich bummelte noch etwas durch die Stadt, besichtigte den Kaiserdom, aß etwas in einem Restaurant zu Abend. Dann schrieb ich diesen Bericht vom ersten Tour-Tag und machte mir schließlich den Fernseher auf meinem Zimmer an. Es war der erste Tag der Fußballeuropameisterschaft in Portugal.

Und meine kleine Honda? Am Freitag hatte ich sie noch recht ordentlich geputzt. Nun sah sie aus, als ob sie eine Jahreswäsche vertragen könnte.

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