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Melting Pot

Teil VI: Kapitel 29 - ??

Teil I: Kapitel 1 - 11
Teil II: Kapitel 12 - 16
Teil III: Kapitel 17- 22
Teil IV: Kapitel 23- 24
Teil V: Kapitel 25 - 28


Inhalt

Kapitel 29.1: The Princess's Groom I: The Great Tournament
Kapitel 30: The Mummy From Outer Space


29. The Princess's Groom I: The Great Tournament

in einem Umbral Realm (sagt Alex)

Ankunft

Wir erschienen unter unbekannten Sternen in einem Land, das nach Grün roch. Im Tal vor uns war oranges Fackellicht, das schwach die Umrisse einer Stadt oder eines großen Dorfs abzeichnete. In der Ferne verdunkelten die Silhouetten fliegender Drachen die Sterne. Eine große Stille umgab uns, in der das Rascheln von Nachtgetier und das Gurgeln eines kleinen Baches überdeutlich waren.

Alex, plötzlich in Tigergestalt, hob den Kopf und knurrte etwas von "Beute!", ehe er mit ein paar Sprüngen im Dickicht verschwand. Malcolm, als Wolf, heulte sein "hier bin ich", und ferne Wolfstimmen antworteten, "das ist schon OK".

Unsere Motorräder waren Pferde, und unsere Ausrüstung war bemerkenswert. George war in eine silbrige Vollrüstung in vage Hollywood-Stil gekleidet, mit einem dezenten Sonnensymbol drauf. Ich trug eine leichte Lederrüstung, eine lange Robe und einen supercoolen spitzen Hut. Esmes Reitpferd war ein Mustang, sie selber wie eine Kriegerin aufgemacht, doch längst nicht so schnieke wie George. Moiras Ethno-Klamotten hatten sich in ein farbenfrohes Zigeuner-Gewand verwandelt, ihr Motorrad in ein kräftiges, hochbeiniges Pony. Shawn trug Lederhosen, Stiefel, ein grob gewebtes Hemd, einzelne Rüstungsteile und einen dicken Umhang. Sally war in feierlichem Blau und Silber, plus ein silbernes Krönchen, das keinerlei Bezug zu irgend etwas hatte, was wir an ihr kannten. Malcolm, nachdem er menschliche Gestalt angenommen hatte, sah aus wie ein Hongkongfilm-Chinese, aber wer wirklich den Vogel abschoß (ich wälzte mich vor Lachen im Gras, nicht, daß ich das nicht schon vorher getan hatte, ich fühlte mich, als hätte ich einen Champagnerschwips) war Alex, der aussah -- und angezogen war -- wie Erik der Wikinger, begleitet von einem Falken. (Keine Ahnung, wo der herkam.)

Unsere Fellwechsler, stellte sich heraus, konnten nur noch zwei Gestalten annehmen: Neben ihrer menschlichen Malcolm den Wolf, Alex den Tiger, Shawn den Drachen (vermutlich gab es hier keine Warane). Moira kriegte überhaupt keine andere Gestalt mehr hin, aber alle Spinnen sagten Du zu ihr.

Cat, natürlich, blieb Cat.

***

Moira, Sally und Shawn waren hundemüde und Cat wollte noch Eichhörnchen jagen, also hauten sie sich hin, wo sie standen, wärend der Rest vom Fest (und Moiras Aeroflot-Ausweis, der sich praktischerweise in einen herzoglichen Passierschein verwandelt hatte) in die Stadt hinuntergingen "um mal zu gucken". (Irgendwie bezweifelte ich, daß es hier eine Goth-Disco gab.)

Die Stadt war von einer leichten Befestigung umgeben und das Tor geschlossen, doch der Wächter ließ uns rein ("Was ist euer Begehr?" "Futter, Bier und Bett!") und empfahl uns eine Kneipe, die "von Abenteurern wie euch gerne besucht" würde. Mir schwante was, und aus der Vermutung wurde Gewißheit (und mehr albernes Champagnerkichern), als wir die Kneipe betraten.

***

1993 war ich für ein paar Wochen in New York gewesen. Dort lernte ich einige Leute aus der Hollowers-Szene kennen, und die Nerds und Geeks in ihrem Orbit. Ich war zu der Zeit vage angeätzt von allem, von Pine Cottage, Juniper, Erdmagie, mir selber -- und stürzte mich in das mir so fremde Leben, das sie führten. So kam ich dazu, gelegentlich Rollenspiele zu machen. Die meisten Leute spielten Black Dog Games, weil die als cool galten, aber die erschienen mir wie eine zynische Parodie meines Lebens, und ich brachte den nötigen Galgenhumor nicht auf. So landete ich bei Pete, den manche der Hollowers "Pete the Pathetic" nannten, der aussah wie ein in die Jahre gekommener Hippie und, wie er sagte, schon Dungeons and Dragons geleitet hatte, als ich noch in den Windeln lag. Mir imponierten weder seine Erfahrung noch seine Anmache, und doch hatte ich eine Menge Spaß mit Sionia, meiner Kung-Fu Nonne vom Orden der fliegenden Fäuste.

***

In der Kneipe saßen Leute, und Elfen mit spitzen Ohren, und betrunkene Zwerge mit ihren Bierkrügen, und in ihre Pasteten vertiefte Hobbits. Einer der Elfen sang (schlecht), und die dralle Schankmaid erzählte uns was davon, daß in wenigen Tagen der Sohn des lokalen Herzogs eine Drachenreiterprinzessin heiraten wollte, und alle Welt in die Hauptstadt zu der Hochzeit reiste.

Adelshochzeiten interessierten uns weit weniger als die Speisekarte. ("Wir nehmen alles! Ja, auch den Salat! Wir wissen, daß wir keine Elfen sind!! Alles! Auch den Salat, verdammte Hacke!!!") Nur George machte ein trübsinniges Gesicht und Anstalten, sich an einem Glas Wasser festzuhalten, während Alex nach Kräften versuchte, eine Schlägerei anzufangen, indem er Leute beleidigte. ("Ach neee, Alex... Jetzt nich, ja? Morgen?") George, skeptischen Gesichts, ging zu Wein über. Alex verschwand. Die Zwerge fingen eine Schlägerei an. (Ich weiß, daß Alex dahintersteckt. Ich weiß bloß nicht, wie.) George bestellte Brandy und fraß sich durch den Schweinebraten. Alex kam wieder. George schmiß mit Bierkrügen nach den Raufbolden. Ich kicherte immer noch.

Wie immer das passiert war, George war wieder unter den Lebenden. Diese Welt schien keine Grautöne zu erlauben, und hatte unsere Kampfkraft erheblich geschwächt, unsere Laune allerdings erheblich gebessert.

***

Der erste Tag:

Am Morgen litt George unter Kopfschmerzen, und Esme hatte spitze Ohren bekommen. Nach einem Besuch im Badehaus, bei dem George verdächtig schnell in das Kaltwasserbecken abtauchte, ließen wir uns einen Picknickkorb machen und verzogen uns auf einen Hügel im Schatten von ein paar Bäumen, wo wir den Ort und die Straße überblicken konnten. Da fanden uns die anderen. Cat war offenbar bei seiner Verwandlung in einen Menschen auf halbem Weg hängengeblieben, so daß ihm nur die Stiefel zum Gestiefelten Kater fehlten. Sallys Laptop hatte sich in eine Kristallkugel verwandelt.

Wir spielten ein bißchen, um herauszubekommen was ging und was nicht. Moira stellte fest, daß sie Insekten rumscheuchen konnte und eine gute Spider-Man-Imitatorin abgab. Ich kämpfte gegen den Drang an, Leute in Kröten zu verwandeln. Sally redete mit ihrer Kristallkugel, und George versuchte, in Kontakt mit seiner Gottheit zu treten. Er machte ein selten dämliches Gesicht, als eine Frau antwortete. Die hiesige Sonnengöttin hieß Solana, und sie wollte, daß wir in die Hauptstadt reisten, einen wahren Helden aufsammelten, und ihn am Leben erhielten, damit er sein Schicksal erfüllen konnte.

Wir besorgten ein Pferd für Cat, der ja als fünf Fuß fünf großer ungestiefelter Kater nicht mehr in meiner Packtasche reisen konnte, und machten uns auf den Weg der Hauptstadt zu. Immerhin gab's da eine Party.

***

Der zweite Tag:

Unser Held begegnete uns am zweiten Tag unserer Reise auf einer hohen Brücke über einen reißenden Fluß und war im Begriff, sich hinunterzustürzen. Er hieß Jalvo, war, sagte er, Abenteurer, und gab als Grund für seine prekäre Lage an, daß er sich a) bei einem Job als Karawanenwache in der Wüste hoffnungslos in die Tochter des Kalifen verliebt hätte, und b) dann auch noch sein Schwert beim Würfelspiel verloren. Er sah aus wie Schmendrick im "Letzten Einhorn", und muß sich ganz schön im falschen Film gefühlt haben, als ein bunter Haufen Fremder ihn mit einem, "Ach was, das wird sich schon finden!" von der Brücke auf ein Pferd zerrte, ihm ein Schwert in die Hand drückte, und fragte, in welchen der Turniere zur Feier der herzöglichen Hochzeit er denn antreten wolle? Er sagte, "Bogenschießen, Lanzenstechen und Schwertkampf", wir sagten "Das ist OK." "Aber meine Ausrüstung...?" "Da finden wir schon was."

Die Stadt war nicht klein, und zur Feier des Tages so voll wie Disneyland am Unabhängigkeitstag. Alex fand ein Zelt in seiner Packtasche, das aufgebaut einen hübschen Pavillon ergab und innen größer war als außen, und wir bauten es auf dem Zeltplatz vor der Stadt auf. George schnappte sich Jalvo und ging zum Solana-Tempel, um den Paladinen eine Turnierausrüstung für "seinen Protegé" zu schnorren. Esme wollte ebenfalls beim Lanzenstechen antreten und suchte, in Ermangelung von Turnierausrüstung und Tempel, nach einem Sponsor. Alex ging Chaos stiften, der Rest der Bande trieb sich rum.

Einige Zeit nach Sonnenuntergang kam Esme triumphierend wieder: Nicht nur hatte ein städtischer Baron sich bereit erklärt, sie zu sponsern, nein, er hatte auch all ihre Freunde in sein Stadthaus eingeladen!

Das Abendessen beim Baron war gut und aufschlußreich. Der Baron hatte vor 20 Jahren den "rechtmäßigen Herzog" gegen einen Usurpator unterstützt und seine Frau und seine Ländereien verloren, als der Usurpator - der jetzige Herzog, und nicht nur nach Aussage des Barons ein Stinkstiefel - gewann. Die Tochter des Barons, die in einer fernen Stadt studierte, traf zum zweiten Gang ein. Sie studierte, sagte sie, Staatsphilosophie und unterrichtete Mathematik, und trieb den armen Malcolm fast ins Koma. Ich spitzte die Ohren darauf, wie sie redete, anstatt was sie redete, stellte fest, daß sie genausowenig Ahnung hatte von dem, was sie da erzählte, wie ich, und brachte das Gespräch sanft (hoffe ich) auf Tischniveau zurück. Trotzdem mußte ich nach dem Abendessen erst mal Malcolm wiederbeleben.

***

Der dritte Tag: Erster Tag des großen Turniers

Die Anmeldung für das Turnier war früh am Morgen, und die Spaßwettkämpfe und Pferderennen fanden bereits am Vormittag statt, also standen wir früh auf. Nach dem Eintragen, und nachdem Cat das Spaßturnier gewonnen hatte indem er eine Herde Schafe über den Platz jagte, und Sally das Pferderennen, weil die beiden Erstplatzierten (Ein Gnom auf einem Einhorn, und ich auf Phönix) sich dezent disqualifizierten (mangels Pferden), zogen wir zum Mittagessen in das Haus des Barons zurück um zu sehen, wie Esme und George mit unserem Helden vorankamen.

Sagen wir so: Jalvo mag ja ein wahrer Held sein. Aber als Abenteurer war er so überzeugend wie eine Schlange mit einem Holzbein. Er konnte nichts, und hatte für nichts Talent. Schließlich rückte er damit raus, daß er Schneidergeselle war und sich von der Brücke hatte stürzen wollen, weil die großen Jungs gemein zu ihm waren. OMFG.

Sally und George versuchten, herauszufinden, ob es Jalvos Heldentum abträglich wäre, wenn er nicht an diesem Turnier teilnähme, sondern an einem anderen -- vielleicht an dem zur Hochzeit des *Enkels* des Herzogs? Als Resultat des Gespräches schlug George mit dem Kopf auf den Boden und hätte beinahe gelobt, Säulenheiliger zu werden ("Teilnehmen? Er soll das Turnier *gewinnen*, sonst wird das nix!") und Sally nahm eine Reihe interessanter Farben an ehe sie, Kristallkugel in der Hand, die Wand hinunterrutschte und jammerte, "Sie sagt, ich bin ihr *Paladin*!". ("Sie", fanden wir heraus, war die Wintergöttin.)

Es war offensichtlich unmöglich, daß Jalvo auch nur ein Turnier gewinnen würde, es sei denn, es würde eines im Wettsticken angeboten, und daß globale Erleuchtung eher zu erreichen sein würde als ein Sieg in drei Turnieren. Das hieß, er würde nur in einem antreten, und wir würden so dermaßen bescheißen, daß die vom Mob kontrollierten illegalen Boxkämpfe in New York City dagegen aussehen würden wie das inkarnierte olympische Ideal. Es ist schon faszinierend, wie bereitwillig man seine Moral am Eingang abgibt, wenn man nur weiß, im Auftrag des Herrn (oder der Dame) unterwegs zu sein.

Das Lanzenstechen mit seinen sechzig Teilnehmern war das handlichste der Turniere und obendrein die Königsdisziplin. Malcolms Roter schleppte uns die Turnierlisten an, und Sally und ich machten uns an die Arbeit, nachdem kleinere logistische Probleme wie die Beschaffung von fünf Turnierrüstungen und den zugehörigen kräftigen Pferden gelöst waren: Unsere derzeit dezenten 45. Jahrhundert-Raumrüstungen ließen sich bequatschen, sich in zeitgemäße Vollrüstungen zu verwandeln, mitsamt ihren irren Designs, und sie wogen fast nichts. Ich frage mich, ob sie das immer machen, oder ob sie nur nicht hinter lokalen mäusegezogenen Kürbiskutschen zurückstehen wollen. Der Vorteil unserer "klickbaren" Rüstungen war, daß Jalvo sie nie gesehen hatte, und somit keine Ahnung haben würde, gegen wen er da gewann. Habe ich schon gesagt, daß unser derzeitiges Betragen unter aller Kanone ist?

Der erste Lanzengang begann am frühen Nachmittag. Jedes Match bestand aus drei Runden, und konnte, wenn nötig, verlängert werden. Shawn fiel brav zweimal vom Pferd als Jalvo, im Sattel festgegklebt und mit magnetisierter Lanzenspitze, gegen ihn detschte. Meine normalerweise zuverlässigen Zaubertränke erwiesen sich als wirkungslos, aber zum Glück verstand Phönix ihren Job und ließ mich nicht fallen, obwohl die Lanze meine gesamte Aufmerksamkeit beanspruchte. Cat, der lauthals ob seiner völligen Un-eignung für Turniere geklagt hatte, bekleckerte sich mit Ruhm, als er einen Kerl mit einem Kreuz wie Arnie im dritten Versuch aus dem Sattel hob. "Arnie" war so begeistert, daß er Cat ein sehr hübsches Schwert schenkte. Die anderen gewannen ihre Kämpfe mit nur minimalem Einsatz von Moiras Pferdebremsen.

Es war lange hell, und am Abend fanden die Vorausscheidungen für Bogenschießen, Schwertkampf und Zaubern statt, und stellten für uns kein echtes Problem da. Vor allem Esme räumte sauber ab.

Anschließend waren wir alle ganz schön alle und wünschten uns nur noch ein Bad, ein Abendessen, und vielleicht eine Goth-Disco. Bad und Abendessen waren kein Problem, der Baron war ganz begeistert von Esme. Der Herzog, vermuteten wir, weniger: Besser, nich alleine in die Stadt zu gehen!

Statt dessen marschierten wir gesammelt zur Burg hoch, um sie uns mal anzugucken. Der Tempelbezirk lag auf unserem Weg, und in dem kleinen Tempel des Mondgottes fand eine wüste Fete statt. Nur Malcolm ließ sich zweimal bitten.

***

Der vierte Tag: Zweiter Tag des großen Turniers

Am Morgen war ich verkatert. Das Schwerturnier wurde am Vormittag fortgesetzt, und es war mir gar nicht so unrecht, daß ich rausflog und mir einen Eisbeutel auf den pochenden Schädel legen konnte, ehe ich vom Pferd zu fallen hatte. Ich erklärte Phönix die Lage und machte zwei schnelle und verhältnismäßig schmerzlose Abgänge. Sally schickte versehentlich ihren Gegner in die ewigen Jagdgründe, rief ihn aber zurück, was hier offenbar SOP für Paladine ist. Die Nachmittagsrunde war interessanter: Malcolm hatte gegen Jalvo vom Pferd zu fallen, versuchte spaßeshalber, es nicht zu tun, und stellte fest, daß Jalvo, wenn man ihn nicht mit einem Angriff ablenkte, mit einer magnetisierten Lanze wirklich gut genug treffen konnte, um Malcolm trotzdem vom Pferd zu heben. Das war ja schon mal was. Außerdem traten in der Nachtmittagsrunde Cat und Esme gegeneinander an. Sally und ich rollten die Augen: Wir hatten Cats Tiefstapelei geglaubt, sonst hätten wir ihn ganz anders in den Turnierplan geschrieben! Sally betete um eine wundersame Mutation des Turnierplans, vergeblich, aber wenigstens die Menge hatte ihren Spaß, als die beiden Publikumslieblinge (in einem fairen, insektenfreien) Kampf aufeinandertrafen, und lange unentschieden standen, bis Cat Esme vom Pferd schubste, sie aufsammelte, und mir ihr eine Ehrenrunde ritt. Schön war's.

Dadurch, daß ich den Nachmittag nur faul herumgehangen hatte, war ich beim Zauberturnier am Abend wesentlich besser in Form als beim Schwertkampf am Morgen. Viele der antretenden Zauberer waren spitzohrige Elfen, anscheinend gab es eine Magiergilde, die das Tunier sponsorte und die Schiris stellte. Die Regeln waren ziemlich wie bei "Certámen", den klassischen hermetischen Duellen, eine weitere Sache, wo Junipers Drill in den Grundlagen der Ratstraditionen mir zugute kam.

Am Abend wollten wir alle nur noch ein Bad, ein Sandwich, und ab in die Poofe.

***

Der fünfte Tag: Dritter (und letzter) Tag des großen Turniers

Am Morgen flog Sally beim Schwertkampf raus: sie hatte am Vortag einen üblen Lanzentreffer auf die Hüfte kassiert und war, trotz allem, auf dem Bein nicht ganz sicher. Esme gewann nicht nur alle Vormittagsrunden, sondern kriegte Extrapunkte für Stil. Meine Güte, die Frau kann das. Da fühlt man sich wie der Amateuer, der man ist. George und Malcolm hielten sich tapfer.

Cat schmiß alle Gegner vom Pferd, George begann, etwas zerfranst auszusehen und brauchte insektoide Unterstützung. Sally lieferte einen hinkenden Auftritt gegen Jalvo, blieb aber in der ersten Runde sitzen und in der zweiten fiel dann Jalvo aus reiner Dusseligkeit vom Pferd. Die dritte Runde ergab keinen Treffer, in der vierten machte sie dann einen Abgang. Uff.

Cat stand jetzt gegen den Sohn des Herzogs, der auf den freien Platz (60 -> 30 -> 15+1) eingeschoben worden war und, genau wie wir, auch schummelte: von der Zuschauerbank wurde Cats Pferd mit einem (vermutlich) Blasrohrpfeil gepiekt. Cat blieb oben, wich der Lanze aus, und machte eine große Schau daraus, daß jemand die Ehre des Herzogssohns angriff indem er ihm unterstellte, nicht ehrlich gewinnen zu können! Erst in der fünften Runde zog Cat als Sieger vom Feld und gab sich große Mühe, dabei so herablassend wie möglich zu sein. In der Endrunde würde er gegen Jalvo vom Pferd fallen, und Jalvo sich hoffentlich beim Herzog beliebt machen, wenn Cat nur unbeliebt genug wurde. Jalvo und George fielen eine Runde lang beide vom Pferd, und kamen nach getaner Tat beide laut klagend bei mir an, weil sie keine blauen Flecken gewöhnt waren. Ich verteilte Franzbranntwein.

Als Finalisten standen sich dann Jalvo (Publikum: "Wer ist denn der Kerl... war der vorher schon da?") und Cat (Publikum "Yipiieeee!") gegenüber. Cat machte es so spannend, daß Moira schon grimmigen Gesichts ein paar Hornissen beschwor, er nahm sich dann aber zusammen und machte seine planmäßigen Abgänge, wenn auch wenig begeistert.

In den letzten Runden des Schwertturniers verlor George nicht unerwarteterweise gegen Esme, und Malcolm gegen das Hunde-Equivalent zu unserem gestiefelten Kater. Esme gewann das Finale mit Pauken, Trompeten und Flair. Sally verlor im Viertelfinale beim Bogenschießen, und ich traf im Magie-Finale auf einen Elfen, der ebenso wie ich sehr viel Spaß an der ganzen Sache hatte -- erst, als die Schiedsrichter, hungrig geworden, ha-rumpten, kamen wir zu Potte und ich gewann mit einem hübschen kleinen Feuerball-in-Schmetterlinge, für den mir an jedem anderen Ort ein Paradox-Geist die Leviten gelesen hätte.

Finalisten, deren Begleitung, und Paladine fanden sich zur Hochzeit selber und zur abendlichen Prä-Hochzeitsparty auf der Burg eingeladen. Esme und ich gingen noch Schuhe kaufen, dann mußte Jarvo im Tanzen gedrillt werden -- zumindest fällt er nicht über seine Füße -- und dann ging es auf zur Party, die sterbenslangweilig und voll von Höflingen war. Ein Highlight war die Verleihung der Turnierpreise, und sei es nur, weil sie unglaublich kitschig und nutzlos waren. (Ich habe schon ein Feuerzeug. Und es sieht weniger wie ein Dildo aus. Esme, allerdings, wird vermutlich demnächst jemanden mit eimem Brieföffner köpfen.) Jalvo, immerhin, bekam ein Schwert, wenn es auch so aufgedonnert war, daß er es kaum heben konnte.

Wir verdrückten uns frühzeitig, bis auf Esme, die entschlossen war, sich zu amüsieren, und wohl noch den Mann ihrer Träume traf: einen Krieger-Gott, der ihr einen magischen Kleiderschrank schenkte. Ich vermachte mich in den Tempel des Frühlingsgottes, wo am nächsten Morgen die Hochzeitszeremonie stattfinden würde, sah mir alles an, inklusive des im Karree springenden Hohepriesters, kam ein wenig runter und stellte fest, daß der hier herumlungernde Gott auch mit der Gesamtsituation unzufrieden war.

Ich hatte vorgehabt, in Alex' Zelt außerhalb der Stadt zu schlafen, aber das Zelt war unzugänglich, Alex also anscheinend gerade in seinem Vorgarten unterwegs, so ging ich zum Fluß hinunter, weg von all den Waschweibern und knutschenden Pärchen, und überließ meine Gedanken der Welt als solcher.

***

Sechster Tag: Beinahe eine Hochzeit

Am nächsten Morgen kam ich verzottelt, vergrast und ungefrühstückt fast zu spät zur Hochzeit. Es war, wie die Party am Vortag, sterbenslangweilig, und ich war fast angenehm überrascht als der lange erwartete Ärger über uns hereinbrach: Ein Drache, nicht so lang wie der in Trier, aber fetter (mehr ein UFO als ein Jumbo Jet) plöppte mitten in die Veranstaltung, schnappte sich Braut und Bräutigam (letzteren ließ er wieder fallen), und entplöppte. Ich finde entplöppende Gegner äußerst unfair, und spürte einen schmerzhaften Mangel an Raketenwerfern und Flaks, vor allem, da der Drache magieresistent war.

Nachdem der Drache weg war, flickte ich ein paar Leute zusammen, die in der dracheninduzierten Panik zu Schaden gekommen waren, und George hielt kurz Zwiesprache mit der Göttin, um dann wieder mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen.

to be continued...


***
Leute, Orte, Sachen: :

***

Lab Notes:
  • Kosmologie: Soweit wir es bis jetzt sehen, scheint diese Welt ein Umbral Realm zu sein.
  • Rüstungen: Wir wissen ja schon, daß sich unsere ehemaligen "Outside Warriors" immer in Rüstungen verwandlen, die der Epoche angemessen sind. Hier lassen sie sich aber in ihre ursprüngliche Schutzklasse (Vollrüstung aus High-End Material) umschalten, wenn man einen Punkt Quint reintut. Geht das immer und ist uns jetzt erst aufgefallen? Bei Gelegenheit mal probieren!
  • Magie: Wie es sich für ein Umbral Realm gehört, gibt es hier kein Paradox. Einige Magie (insbesondere nahezu jeder Gestaltwandel) ist aber nahezu unzugänglich. Das lokale Paradigma (das ein Umbral Realm nicht haben sollte) ist ausgesprochen überzeugend => Memo an mich: Stell dir nicht selber ein Bein, indem du dran glaubst!

***

gespielt: 11. bis 13. November 2005
rauf


30. The Mummy From Outer Space

Ägypten, in einem anderen 1876

gespielt: 26. bis 28. August 2005
rauf


rauf
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