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Exalted-Chronik

The Price of a Soul - Teil 1

#1: Ein ungeschickter Erpresser
#2: Die Weiße Hexe vom Tigerberg
#3. Katz und Maus
#4. Die Reise nach Blauwasser


#1. Ein ungeschickter Erpresser

gespielt am 27.Jan 03

Ort:

freie Hafenstadt Whitewall im Norden am Eismeer

Rückblende:

Die Spielercharaktere hatten unterschiedliche Erlebnisse daheim mit dem Ausbruch ihrer besonderen Fähigkeiten, die von einer sie umgebenden leuchtenden Aura begleitet waren. Das führte in allen Fällen zur beschleunigten Abreise.

In Joanas Fall gab es bei ihrem Stamm einen Barbarenüberfall, während dem sie über sich hinaus wuchs und 13 Barbaren alleine niederstreckte, und nach dem Tode des Anführers die Barbaren in die Flucht schlug. Ihre Leute fielen daraufhin vor ihr auf die Knie und wollten sie als eine Inkarnation der Stammesgöttin verehren. Der Schamane des Stammes und ein guter Freund rieten ihr, sich schnell zu verkrümeln, damit sie kein Unglück über ihr Volk brächte, weil sie möglicherweise bald von den Drachenherren des Imperiums gesucht werden würde. Joana folgte diesem Rat und kam nach Whitewall.

Bayantu sollte bei seinem Volk der Nachfolger des alten Schamanen werden und fiel schon frühzeitig durch besondere Lernbegabung in Sachen Magie auf. Leider akzeptierten ihn die Geister nicht bei seiner Initiation, weshalb er die Heimat verliess und ebenfalls mit einer Karawane nach Whitewall kam.

Jalna scheint einen "Arbeitsunfall" gehabt zu haben... möglicherweise arbeitete er bisher mit den Drachenherren beim Aufspüren von Leuten mit besonderen Begabungen zusammen. Auf jeden Fall ist er jetzt ebenfalls "auf der Flucht".

In Whitewall:

Joana lernt über Uvis, den Händler, Bayantu kennen, der fest davon überzeugt ist, dass die Leute aus dem Norden (Joanas Heimat) mit Magie fliegen. Joana versucht vergeblich, ihm ihren Gleiter als nichtmagisch zu erklären. Joana hat auf dem Markt von einer Wahrsagerin eine überraschende Prophezeihung erhalten, nachdem sie als "Tochter der Sonne" angeredet wurde: "Choosing the winning side you fight a losing battle". Sie kann sich keinen Reim darauf machen, aber beherzigt die Worte dennoch. Sie wohnt bei Uvis und spielt die Gouvernante für die Tochter, die gerne die Arenakämpfe sieht und sich einen entsprechenden aufgeblasenen Kämpfer als Anbetungsobjekt angelacht hat. Ansonsten verdient sie sich als Pferdeverkäuferin und mit Gelegenheitsjobs ihren Unterhalt während des Winters. Bayantu arbeitet ebenfalls in Gelegenheitsjobs für die Handelskontore in Whitewall.

Eines Tages (Regenzeit im Frühjahr) erhält Joana einen Erpresserbrief unbekannter Herkunft. Da sie nicht daran denkt, für die Preisgabe ihrer Identität auch noch Geld zu berappen (örtliche Währung sind Jadestückchen), legt sie sich am Übergabeort auf die Lauer, nur um dort Bayantu zu finden, der auffällig "herumfischt". Sie folgt ihm, erbost über die Dreistigkeit der Erpressung, bis vor die Tore der Stadt, wo Bayantu einen Windgeist beschwört und sich mit ihm unterhält. Leider versteht sie nicht, worüber. Joana folgt ihm danach zurück in die Stadt in ein Wirtshaus am Platz, von wo der Übergabeort beobachtet werden kann. Im Wirtshaus setzt sie sich zu ihm und bemerkt, dass es in seiner Umgebung sehr zugig ist - der Windgeist begleitet Bayantu und soll ihm helfen, die Spur des Erpressers aufzunehmen. Joana konfrontiert Bayantu mit dem Erpresserbrief und findet heraus, dass Bayantu selbst nicht lesen kann, aber den gleichen Brief erhalten hat und selbst nachforschen will, wer sich diesen bösen Scherz erlaubt. Also legt man sich gemeinsam auf die Lauer, doch diese Nacht passiert nichts mehr.

Anderntags bereitet man sich auf die Abreise vor, täuscht nochmal eine Geldhinterlegung vor und wartet auf den Abholer. Es erscheint ein 8 Jähriger Bengel (Dziro), holt den Beutel und wird verfolgt, bis zu einer besseren Gegend, wo er den Beutel in einen Springbrunnen wirft, der zur Zeit ohne Wasser ist. Bayantu beobachtet den Brunnen auf dem Platz, Joana sucht einen Wartungszugang, um in den Katakomben einen Zugang für einen möglichen Abholer zu überwachen. Sie wird nach Befragung einiger Kinder fündig und drückt sich durch dunkle Gänge. Dort läuft sie Jalna über den Weg, der schon eine Weile vor Ort auf der Lauer liegt. Er gibt sich aber nicht zu erkennen, sondern führt sie unter den Brunnen, wo bereits 2 Beutel liegen. Jalna weiß ihren Namen und gibt zu, selbst einen Drohbrief erhalten zu haben. Gemeinsam wartet man einen vollen Tag und eine weitere Nacht, doch niemand kommt, um die Beutel zu holen. Bayantu erfährt, dass Karmenas, der Würstchenverkäufer, verschwunden ist und wird als "Bürge" wegen Karmenas Schulden von ein paar freiberuflichen Geldverleihern angemacht, kann sich aber rausreden und macht sich seinen eigenen Reim. Nach dieser Information ist auch Jalna nach zwei Tagen bereit, den Brunnen zu verlassen und die Lauer aufzugeben. Endlich stellt man sich vor und tauscht Informationen aus. Nach einem ausgiebigen Essen stellt sich raus, dass Karmenas ein Nachbar von Jalna war und am besagten Abend Besuch von mehreren lauten Herren hatte, bevor er verschwand. Nun durchsuchen sie unter lautem Geschimpfe der Vermieterin die Wohnung von Karmenas und finden interessante Dinge: Schriftprobenübungen, gefälschte Papiere, gefälschte Siegelversuche, einen Schrieb mit dem Originalsiegel eines imperialen Inspektors, und Kartenmaterial. Die nützlichen Dinge werden mitgenommen. Karmenas ist offensichtlich ein Dieb, Betrüger, Erpresser und Hochstapler wie er im Buche steht. Die drei beschließen, ihm zu folgen, bzw. dem gefundenen Kartenmaterial folgend, nach Westen zum Tigerberg aufzubrechen. Dort soll eine Hexe wohnen, die entweder große Schätze oder altes Wissen hütet und schon viele Helden sind dorthin und kamen nie zurück (jaja, Geschichten...). Sie ist jedenfalls die beste Spur.

Der Weg zum Tigerberg:

Joana besitzt ein gutes, ausdauerndes, aber hässliches Pferd und ein Packpferd, das ebenfalls als Reitpferd benutzt werden kann. Jalna besorgt sich über Joanas Arbeit ein Pferd, Bayantu hat bereits ein störrisches Pony und so brechen sie noch am gleichen Tag auf. Jalna ist Reiten und Überlandreisen scheinbar nicht gewohnt und so helfen ihm die anderen beiden durch die ersten Tage der Reise. Am dritten Tag kommen sie gegen Abend an totes Land. Es riecht nicht gut. Bisher war die Umgebung von Marschland geprägt (Regenzeit auf Grasprärie...), jetzt stinkt es faulig. Sie reiten ein Stück zurück, um für das Nachtlager außerhalb dieses Gebietes zu ruhen. Nachts erschallen krächzende Schreie, die Pferde werden unruhig und man beschließt, der Sache nachzugehen. Bewaffnet dringt man in die Richtung der kreischenden Vögel vor, weil Hilfeschreie zu hören sind. Dann sieht man einen leuchtenden Blitz. Nun wird gerannt. Es folgt die Geschichte einer armen Frau, deren Sohn von Untoten in einen Tümpel gezogen wurde. Doch die arme Frau verwandelt sich in ein Wesen mit langen Krallen und leuchtenden Augen. Bayantu bekämpft sie mit einem Speer, doch sie scheint unbeeindruckt. Jalna wirft mit Messern, doch auch diese machen ihr nichts aus. Erst ein Flammenpfeil Joanas lässt die Bestie durchdringend aufschreien und heulend im See verdunsten.

Danach zieht Nebel auf und man erinnert sich an Geschichten über das Schattenreich und bleibt vor Ort, um am Morgen wieder zurück zu den Pferden zu finden. Dies gelingt ohne weiteres. Bei Tag wird das unangenehme Gebiet eilig weiter Richtung Tigerberg durchquert.


NPCs:

  • Karmenas - ein ehemaliger Würstchenverkäufer aus Whitewall, der wegen Schulden und wütenden Gläubigern nach Erpressungsversuchen an den Spielercharakteren spurlos verschwindet - weiß der mehr über die besondere Begabung der Spielercharaktere? Außerdem Ausweisfälscher (Siegel des imperialen Inspektors, gefunden in seiner verlassenen Wohnung - Jalna) und Hochstapler. Um die 60, nettes Gesicht, unauffällige Erscheinung, exzellente Pfefferwürstchen.
  • "Witwe Bolte" - ehemalige Vermieterin von Jalna, redet viel, klein, dicklich, bekommt noch Miete von Karmenas
  • Dziro - 8 Jähriger Junge, Mitglied einer Bande von Straßenkindern in Whitewall, "Briefträger" und geschickter Taschendieb
  • Uvis - Händler und Handelsagent in Whitewall, Kontakt von Joana und Bayantu, Familienvater, 14 Jährige Tochter Maris
  • Meister Elvas - Pferdehändler in Whitewall, zwischenzeitlicher Arbeitgeber von Joana, von Karmenas übers Ohr gehauen mit gefälschtem Handelskontorausweis (verkaufte sich als reitender Bote, Rechnung fürs Pferd blieb unbezahlt)
  • Ksenia, Gehilfin von Elvas
  • Wahrsagerin auf dem Markt
  • Untote im Tümpel, 2 Tagesreisen nach Westen von Whitewall entfernt

Orte:

  • Whitewall - freie Handelsstadt (=ohne Drachenherr), Karawanentreffpunkt, Eismeerhafen. Ca. 1 Million Einwohner.
  • Tigerberg - hier lebt eine mächtige Hexe, über die man viele Geschichten erzählt, auch um Kinder zu erschrecken

"Fundsachen":

  • Siegel eines imperialen Inspektors (Jalna), vermutlich echt
  • Ausweisformular eines imperialen Inspektors (schlechte Fälschung)
  • Karte von südlicher und westlicher Umgebung Whitewalls (Joana)


Der Brief:

Mein hochgeschätzter Freund!
   Ich weiß, daß auf Dich ein besonderes Licht scheint, wenngleich Du es verborgen hältst. Es wäre mir ein großer Kummer, wenn Deine Feinde davon erfahren sollten. Sie sind Dir auf der Spur und nur ich kann dir helfen! Doch diese Hilfe verursacht mir große Anstrengung und Kosten, so daß ich zu meinem Unglück fürchte, sie nicht leisten zu können, es sei denn, Du wolltest mich gnädig bei meiner stetigen Mühe zu Deinen Gunsten unterstützen. Ein Depot von einer bloßen Handvoll kleinster Jadestücke im Maul des Tigers an der Osttreppe des Turmes der Weisen würde mich bestärken und mir Gewißheit verschaffen, daß meine Arbeit Anerkennung findet. Ohne diese Gabe, so fürchte ich, werde ich Dein Geheimnis nicht viel länger wahren können.
   Ein Freund.


Wichtige Infos:

  • Leute wie wir werden vom Imperium gesucht und umgebracht, sollten uns mit unserer Aura nicht unbedingt blicken lassen
  • Aura ist verschiedenfarbig, die Kasten tragen ein entsprechendes Stirnzeichen, dass mit der Aura sichtbar wird
  • Es gibt verschiedene Kasten für die "vom Sonnengott Auserwählten", die bezeichnend für die besonderen Fähigkeiten der Betroffenen sind
  • wenn wir unsere besonderen Fähigkeiten einsetzten, fangen wir nach kurzer Zeit zu leuchten an
  • Untote zeigen sich von "normalen" Waffen ziemlich unbeeindruckt, Schaden macht nur Magie oder "Essence"
  • Das Schattenland kann man bei Nacht nicht verlassen, jede Bewegung Richtung Grenze führt tiefer hinein, man sollte bis zum Morgen ausharren und dann wieder rausgehen.
  • Es gibt nur noch wenige Drachenherren und die sind gerade anderwertig beschäftigt, weil die Kaiserin verschwunden ist (laut Jalna hat sie sich zur Meditation zurückgezogen) und irgendjemand ja das Reich regieren muss... gut für uns.
  • Karmenas ist möglicherweise wie wir - woher weiß er sonst, was wir sind?

rauf


[Anmerkung: ich habe mich nunmehr entschieden, aus der Sicht meines Charakters Joana weiterzuschreiben, weil es die Erzählung vereinfacht. Diese Darstellung ist selbstverständlich subjektiv :-), aber solange sich niemand anders berufen fühlt.... müsst ihr damit leben! :-) ]

#2: Die Weiße Hexe vom Tigerberg

gespielt am 10. Feb 03

Der "Traum"

Das Nachtlager verläuft ereignislos, bis auf einen Traum, den alle gemeinsam haben. Darin sind wir schon wir selbst, allerdings sehen wir nicht so aus wie momentan in real. Wir sitzen in einer Art Grotte gefangen, vor uns Gitterstäbe. Wir haben eine Schlacht hinter uns, leider verloren und sind sehr erschöpft - können uns aber nicht recht erholen - was vielleicht an den komischen Gitterstäben liegt oder an der Ausstrahlung der Höhle vor uns (keine Essence Regeneration). Durch die Stäbe sieht man in eine Höhle mit 5 kristallinen Säulen in verschiedenen Farben. Lichtschächte erhellen die Szenerie. Wir haben ein ganz ungutes Gefühl, was diese Höhle angeht und unsere Lage... An der Höhle liegen noch einige Grotten mit Gefangenen wie uns, wahrscheinlich unsere Schlachtmitstreiter.

Dann betreten drei Personen die Höhle, einer in Ketten (braune Haare, braune Augen, normal groß, stolze Haltung, südländischer Typ), die anderen beiden rechts und links von ihm in kostbaren Roben, eine grün, eine blau mit Stickereien und Edelsteinen. Weitere Robenträger mit Stäben bewaffnet betreten die Höhle und verteilen sich in einem Kreis um die Säulen. In der Mitte der Säulen ist ein Podest, zu dem der Gefangene gebracht wird. Die Robenträger beginnen ein Ritual, während dessen eine Säule nach der anderen in der jeweiligen Farbe der 5 Elemente aufleuchtet. Als alle strahlen, erscheint eine weiße Feuersäule und hüllt das Podest und den Gefangenen ein. Wie das in Träumen so ist, wissen wir, dass es sich bei den Robenträgern eigentlich um unsere Diener handelt, die revoltiert haben und leider die Schlacht gewannen. Das, was da vorne gerade geschieht, ist ganz üble Magie.

Während wir noch nach Ausbruchsmöglichkeiten suchen, verdunkelt ein Schatten einen der Lichtschächte und im nächsten Moment ist eine große katzenhafte Bestie in die Höhle gesprungen und fällt über die Robenträger her. Während des Kampfes befreit sie uns, zerschlägt mit einem Tatzenschlag unsere Gitterstäbe, die wie Glas zerspringen, bevor sie sich wieder ins Gewühl stürzt. Ihre ganze Sorge scheint dem Gefangenen auf dem Podest zu gelten. Sie fällt die 5 Robenträger und Ritualisten vor den Elementarsäulen an und wirft schließlich eine der Säulen um. Diese reißt in einem Dominoeffekt die anderen mit, das Chaos ist perfekt, die Säulen zersplittern, die Feuersäule erlischt. Wir haben uns mit ins Kampfgetümmel gestürzt, ich befreie noch die anderen Gefangenen mit Hilfe eines Amuletts der Robenträger, das einen magischen Schlüssel darstellt. Die große Tiger-Katze nimmt schließlich den bewußtlosen oder toten Gefangenen vom Podest sanft ins Maul wie ein Junges und schreitet aus der Höhle. Der Kampf ist vorbei, das Blatt hat sich gewendet. Wir verlassen die Höhle mit der Katze.

Im Gehen fällt mir noch ein besonderer Stab der Ritualisten ins Auge, der mit einer goldenen Kette umwickelt ist. Gerade, als ich ihn aufheben und mitnehmen will, wachen wir alle auf.

Nach einem kurzen Gespräch stellen wir fest, dass wir alle den gleichen Traum hatten und stellen Vermutungen an über den Zeitrahmen und die Herkunft. Ist es ein Traum aus unserer Vergangenheit oder unserer Zukunft? Ist es eine Warnung, was geschehen kann, wenn uns die Drachenherren finden? Hat uns die Herrin vom Tigerberg diesen Traum geschickt? Ist er eine kollektive Erinnerung, weil wir am gleichen Ort sind, an dem diese Geschehnisse einst stattfanden oder werden? Fragen über Fragen.

Kundschaften

Aber mit leerem Magen denkt es sich schlecht, also wird erstmal gefrühstückt. Die Vorbereitungen dauern jedoch noch einige Zeit, deshalb enfalte ich meinen Gleiter und gehe auf Erkundungsflug. Der Tigerberg verdankt seinen Namen seinem Aussehen. Wie ein etwa 400 m hoher weißer gekauert liegender Tiger aus Felsgestein liegt er mitten in der sonst flachen Landschaft.

Bei meinem Rundflug suche ich nach Aufstiegsmöglichkeiten und möglichen Höhleneingängen, finde auch zwei, einen hinter der linken Schulter, einen im Maul des Tigers. Der Berg sieht mit seiner recht exakten Form dieses Tieres nicht gerade natürlichen Ursprungs aus, auch wenn er aus völlig normalem Felsgestein zu bestehen scheint. Im Süden entdecke ich einen Krähenschwarm, ca. 5 km von unserem Lager entfernt. Ich finde dort das gestohlene Pferd von Karmenas. Leider kommt jede Hilfe zu spät, es scheint von einer großen Katze gerissen worden zu sein und zwei Vielfraße haben sich auch schon dran gütlich getan. Damit ist zumindest klar, dass Karmenas bereits hier ist, wahrscheinlich das Pferd freiliess (es war abgesattelt, soviel war noch zu erkennen) und auf bzw. in den Berg gegangen ist.

Bayantu hatte nachts Schlingfallen für Kaninchen ausgelegt und so gibt es zum Frühstück schmackhaftes Ragout. Jalna wird in die Kunst des Kochkesselumrührens eingewiesen, da er nicht mal kochen kann, geschweige denn einem Tier das Fell über die Ohren ziehen oder es ausnehmen... Zurückgekehrt berichte ich, was ich gefunden habe und man überlegt Aufstiegsmöglichkeiten. Letztlich stapft Bayantu kurz los und stellt schnell fest, dass die vermeintliche Höhle am linken Schulterblatt des Tigers nur eine Schattierung war und kein Höhleneingang. Bleibt nur die Maulöffnung als Eingang, die leider schwer zu erreichen ist. Daher wird Jalna im Lager zurückgelassen und Bayantu und ich machen uns alleine an den Aufstieg.

Im Tigerberg

Wir wollen uns von der Schnauze des Tigers ins Maul abseilen und finden unterwegs in der Kletterspalte die gerade mal ca. einen Tag alten Spuren eines Vorgängers - wahrscheinlich Karmenas. Schliesslich gelingt uns das Manöver (wir sind beide recht kletterfähig, Bayantu bewegt sich wie eine Bergziege, die nie etwas anderes getan hat... muss ihn mal fragen, ob er das in seiner Heimat gelernt hat) und wir betreten durch einen Torbogen im Innern des Tigermauls einen "Palast", anders kann man das nicht nennen.

Es gibt eine große Halle mit wunderschönen farbigen Fensterbildern. Diese spiegeln unter anderem Szenen aus unserem Traum wieder (die Halle mit den 5 Säulen), aber auch Drachenszenen und anscheinend eine Geschichte der Zeitalter. Wir erforschen die weiteren Räumlichkeiten und Gänge und Treppen, fühlen uns die ganze Zeit beobachtet und verlieren beim ersten Rundgang prompt die Orientierung, bis wir wieder in der Halle landen. Auch wenn alles leer ist, erscheint der Ort nicht unbewohnt, es liegt kein Staub herum.

Wir entscheiden uns, erstmal den Gängen nach oben zu folgen und stoßen auf ein Zimmer mit Vorhang, hinter dem jemand steht. Es erscheint auf Ansprache ein alter Mann, der uns höflich einlädt, einzutreten. Die Herrin würde uns bereits erwarten und wenn wir vollständig eingetroffen seien, würden wir zu ihr geführt. Er kennt unsere Namen und spielt offenbar auf Jalna an, der auch wenig später auftaucht.

Jalna hat sich im Lager wohl gelangweilt und einen ebenerdigen Eingang in den Berg gesucht und gefunden, über den er nach endlosen Treppen zu uns stieß. So vereint, werden wir nun in ein Gemach gebeten, dass so richtig krass bunt ist, wie die Fensterbilder in der großen Eingangshalle. Bunte Kissen liegen um einen Tisch und dienen als Sitzgelegenheiten, es wirkt wie ein Wohnzimmer. Uns begrüßt eine schlanke große silberhaarige Frau zwischen 25-35 Jahren alt mit grauen Augen (diese wirken kühl, forschend, prüfend). Uns wird ein äußerst guter Tee serviert und kleine Erfrischungen. Während Jalna und ich vorsichtig sind, langt Bayantu höflich zu. Erst, als die Dame auch etwas isst und trinkt und Bayantu keine Anzeichen von Vergiftung zeigt, nehmen auch Jalna und ich etwas zu uns.

Die Dame stellt sich als Indis vor und ist die Herrin (Hexe) vom Tigerberg. Wir fragen sie nach Karmenas. Es stellt sich heraus, dass er der Dame Informationen über uns verkaufen wollte, die sie schon besaß und scheinbar "entsorgt" wurde an die große Katze, die der Wächter des Tigerbergs ist. Wir denken an die Katze in unserem Traum... und bedauern kurz, dass Karmenas nicht bei seinen Pfefferwürstchen geblieben ist, die waren wirklich das Beste an diesem Typ.

Der Handel

Im weiteren Gespräch schlägt Indis uns einen Handel vor: Informationen im Austausch für einen Gegenstand, den ein Zauberer besitzt und den wir ihr "besorgen" sollen. Aus irgendwelchen Gründen, die sie nicht preis gibt, kann sie sich nicht persönlich darum kümmern, obwohl klar wird, dass sie eine mächtige Zauberin sein muss, da sie schon mindestens 500 Jahre alt ist. Aber für Drachengeborene, zu denen wir jetzt auch zählen (ups!), ist das eigentlich kein Alter. Ich setze mich vor Schreck mit einem lauten mentalen Plumps, als mir klar wird, was das bedeutet. Soviel Lebenszeit! Was man da alles lernen kann!

Für eine Weile folge ich dem vorsichtig taktierenden Gespräch nur lückenhaft. Jalna führt auf unserer Seite nun die Verhandlungen. Am Ende sieht der Deal etwa folgendermaßen aus: dafür, dass wir den Gegenstand holen, erhalten wir Informationen jeder Art über Geschichte, Drachenherren, unsere Herkunft, die Zusammenhänge, unsere Fähigkeiten usw. Der gewünschte Gegenstand entpuppt sich als der Stab aus unserem Traum und enthält nach Aussage von Indis die gefangene Seele eines guten Freundes.

Nun haben auch wir ein größeres Interesse an der Geschichte und lassen unsere Kenntnisse vom Stab durchblicken, indem wir das Aussehen des Gefangenen (südländischer Typ) aus unserem Traum beschreiben. Es ist der besagte Freund und Indis scheint überrascht, dass wir diese Kenntnisse haben. Wir fragen, ob sie uns den Traum geschickt hat, aber sie verneint - was bei "Hexen" ja auch wieder nichts zu sagen hat. Die Dame gibt sich reichlich geheimnisvoll und will sich nicht allzu weit in die Karten schauen lassen, was wir ja irgendwie eigentlich ebenfalls nicht wollen - aber irgendwo müssen wir auch anfangen, Informationen zu sammeln und Verbündete finden, also können wir auch hier und jetzt damit anfangen, vorsichtig Informationen als gegeben anzunehmen und erstmal auf dieser Basis weitermachen.

Vorbereitungen

Schlussendlich willigen wir in die Mission ein und erhalten Geld zum Anwerben vom Helfern, Ausrüstung nach Wunsch und sonstige Infos über den Zauberer "Ledaal Evin" und seinen Aufenthaltsort. Außerdem erhalten wir einen zweiwöchigen "Einweihungskurs" in den Umgang mit unseren besonderen Fähigkeiten, damit wir auch sicher mit unseren Kräften umgehen können.

Ich möchte gerne die Großkatze kennenlernen. Indis meint, sie sei Fremden gegenüber etwas schlecht umgänglich, entdeckt dann aber, dass meine Fähigkeiten eine Affinität zu Katzen beinhalten. Als ich am anderen Morgen erwache, liegen 30 Kilo Luchs auf mir und schlecken mir schnurrend das Gesicht ab. Indis "schenkt" mir diese Katze als Gefährten, worüber ich ziemlich begeistert bin, soweit man Katzen verschenken kann. Es scheint ja meist eher so, als suchen sie sich ihre "Freunde" selbst aus, das wird bei diesem Luchs nicht anders sein. Es ist ein Männchen mit einer wunderschönen grauschwarzweißen Fellzeichnung, die mich ein bisschen an den Tigerberg erinnert...

Ich hoffe, wir werden gut miteinander auskommen, aber er scheint mich ohnehin bereits ins Herz geschlossen zu haben. Einen Namen muss ich mir allerdings noch für ihn ausdenken - vielleicht geben mir sein Verhalten und seine Eigenschaften eine Idee, wenn ich ihn besser kennenlerne.

Wir erhalten Ausrüstung nach Wunsch in grauen Farbtönen gehalten und bereiten uns auf die Rückreise nach Whitewall vor. Von dort aus werden wir ein Schiff nehmen müssen, um zur Blauwasserfeste zu gelangen, dem Zentrum der Macht dieses Zauberers. Die Feste, die auf einer Insel an einem Wasserfall liegt, nicht weit von der Mündung des großen Salzwasserflusses, wird vermutlich noch genau ausgekundschaftet werden müssen und liegt strategisch betrachtet sicher uneinnehmbar. Es wird eine lange Reise in den Osten, aber jetzt im Frühling sollte es kein Problem werden, ein Schiff zu finden, dass diese Strecke zurücklegt. Auf der Reise sollten wir genug Zeit haben, einen Plan für eine Vorgehensweise zu entwerfen. Vielleicht müssen wir eine Abenteurergruppe als Ablenkungsmanöver oder zum Auskundschaften anheuern, aber das werden wir vor Ort entscheiden müssen.


NPCs:

  • Indis - die "Hexe" vom Tigerberg: mysteriöse alte, aber jung aussehende Magierin mit unbekannten Fähigkeiten, verfügt über unendlich viel Informationen und altes Wissen; neue Auftraggeberin und mögliche zukünftige Verbündete, wenn wir den Auftrag erledigen - Indis ist vermutlich nicht ihr wirklicher Name.
  • Doras - Indis' "Majordomus", alter grauhaariger Mann, Alter unbekannt
  • Tigerkatze - jetzt hoffentlich gesättigter Wächter des Tigerbergs
  • Karmenas - toter Informationshändler des Imperiums (anscheinend Ex-Inspektor, wegen Wettschulden gefeuert oder sowas)
  • Ledaal Evin - Zauberer aus einer der 12 großen Drachenfamilien (Haus Ledal), Interessengebiet liegt im Süden, Element: Luft, sehr eifrige Anathema-Jäger (Anathema - das sind wir), liegt altersmäßig etwa im Mittel für Drachenblütige, interessiert sich hauptsächlich für Amouren, Zauberei und die Seele, Blauwasserfeste ist sein Machtzentrum (Hauptwohnsitz), besitzt den Stab mit der gefangenen Seele von Symos.
  • Symos, Freund von Indis, möglicherweise auch unser Freund oder Ex-Anführer (Gefangener aus dem Traum), braune Haare, braune Augen, südländischer dunkler Hauttyp

Orte:

  • Tigerberg - innen zum Palast ausgebaute prachtvolle Wohnung der Herrin vom Tigerberg


Notizen

Der Traum scheint sich doch auf unsere Vergangenheit zu beziehen, wenn wir Indis Aussagen über die Seele von Symos in dem Stab glauben. Das lässt in Kombination mit den neuen Informationen von Indis mehrere Schlüsse zu, bzw. wirft neue Fragen auf:

  1. Es scheint etwas wie Wiedergeburt oder Seelenwanderung zu existieren, denn die Geschehnisse unseres Traumes liegen in so grauer Vorzeit, dass selbst wir als nun wohl auch Drachenblütige nicht so alt sein könnten, noch immer zu leben. Außerdem sahen wir ja auch anders aus, auch wenn wir noch immer wir waren. Wie kämen wir sonst an diese "Erinnerung"? Andererseits scheint man ohne allzu viele Erinnerungen an frühere Leben zurückzukehren bzw. wiedergeboren zu werden. Gibt es Methoden, sich zu "erinnern"? Wenn ja, dann will ich schon wissen, "wer" ich bin! (Indis fragen)
  2. Es gibt Wege, die Wiedergeburt einer Seele nach dem Tode zu verhindern, in dem man die Seele magisch in einen Gegenstand einsperrt und gefangenhält (siehe Stab und Symos, gesetzt den Fall, auch hier stimmen die Informationen). Oder/und es gibt Wege, die Seele mittels eines Rituals wie aus unserem Traum einem lebenden Körper zu entziehen und gefangen zu halten. Was passiert mit dem Körper? Beunruhigend.
  3. Damals waren wir (als Anathema betrachtet, nicht persönlich) die Herren der Gesellschaft. Es gab eine Revolution, bei der sich die Verhältnisse kurz oder längerfristig verkehrt haben (wer waren diese robentragenden "Diener"?). Es gab scheinbar eine Zwei-Klassengesellschaft innerhalb der führenden Gesellschaftsschichten. Die heute überlieferte Geschichte wurde sicherlich vom Sieger der damaligen Revolution geschrieben. Wer genau war das? (Indis fragen, Jalna fragen)
  4. Wenn wir auch Drachenblütige sind, wieso hat das Imperium heute so ein Interesse daran, uns zu eleminieren bzw. alle, die jetzt noch als Anathema wiederkehren? Sind die herrschenden Drachen in sich gespalten und gehör(t)en wir zu einer Fraktion (Familie), die nicht die derzeit herrschende ist und von der sie sich bedroht fühlen? Wenn ja, warum? (Jalna fragen)
  5. Wer oder was ist Indis wirklich? Sie ist vermutlich älter als Drachenblütige üblicherweise werden. Wieso? Magie? Wo steht sie in der Gesellschaft der Drachenfamilien und was sind ihre politischen und persönlichen Motive?
  6. Welche Drachenhäuser gibt es (Namen)? Wohin gehören wir familiär betrachtet? Wo stehen die jeweils politisch, welche Ziele verfolgen die, was ist ihnen jeweils wichtig, wo liegen ihre Herrschaftsgebiete? (Indis fragen, Jalna fragen)
  7. Was geschieht mit der Seele von Symos, gesetzt dem Fall, wir beschaffen Indis den Stab? Welche Rolle hat er damals wirklich in dem Traumszenario bzw. in unseren früheren Leben gespielt? Was wird seine möglicherweise Wiederbelebung bedeuten? Inwieweit stehen wir persönlich mit ihm in Verbindung durch damalige Ereignisse (mögliche Verpflichtungen, Freundschaften)? (Indis fragen, was sie mit Symos Seele vorhat)
  8. Wer war die große intelligente Katze aus unserem "Traum"? Indis?
  9. "Anathema" - woher kommt der Begriff? Ist diese Bezeichnung gesellschaftlich/politisch motiviert, bzw. hat eine entsprechende Bedeutung?


Abteilung Dumme Sprüche

Frühstücksvorbereitungen:
   Joana zu Jalna, dem Stadtmensch: "Da, zieh dem Kaninchen mal das Fell über die Ohren!"
   Jalna: "Aber es hört mich doch gar nicht mehr, es ist doch schon tot!"
   Joana verdreht verzweifelt die Augen und übergibt das Kaninchen an Bayantu zum Abbalgen.

rauf


#3: Katz und Maus

gespielt am 31. März '03

Zurück nach Whitewall

Unsere Rückreise nach Whitewall verlief ziemlich ereignislos. Wieder in Whitewall teilten wir uns auf, um unsere Abreise diesmal etwas gründlicher vorzubereiten für die Schiffsreise. Ich kümmerte mich um den Proviant für uns, den Luchs und die Pferde für eine Seepartie, nachdem ich mir hatte sagen lassen, dass man den schiffseigenen Proviant einfach nicht geniessen könnte. Bayantu versuchte uns ein geeignetes Schiff zu suchen und eine Passage bis Redcliff zu buchen. Jalna ging nochmal Karmenas Spuren nach.

Ich übernachtete bei Uvis, nachdem ich die Pferde direkt nach unserer abendlichen Ankunft wieder bei Meister Elvas eingestellt hatte. Der war natürlich ziemlich betrübt zu hören, welches Ende sein bestes Pferd genommen hatte, das Karmenas so schändlich "entführt" hatte.

Von Uvis Tochter Maris erfuhr ich, dass ein Verehrer tagelang nach meiner Abreise zum Tigerberg herumgelungert hätte, um mich zu treffen. Leider hatte er keinen Namen genannt. Die Beschreibung, die ich der eifersüchtigen kleinen Göre schliesslich entlockte, traf auf keine Person zu, die mir bekannt war. Es handelte sich um einen aufgeputzten Gecken im knallroten Wams mit Degen, dunkle Haare, blaue Augen, etwa mein Alter. Er wollte einen Brief für mich abgeben, aber Maris wollte ihn nicht zustellen, das Miststück, sonst wüsste ich jetzt mehr.

Nachdem auch beim gemeinsamen Mittagessen am nächsten Tag Bayantu erzählte, nachdem er mich aus den Ställen bei Meister Elvas abgeholt hatte, ein komischer Gelehrter hätte nach ihm gesucht, weil es um eine angebliche Erbschaftsangelegenheit ginge, nahm diese Geschichte von Erkundigungen nach uns langsam andere Dimensionen an. Jalna tauchte schließlich auch auf und wir informierten ihn ebenfalls. Ob sich jemand auch nach ihm umgetan hatte, wurde nicht bekannt, weil Jalna nicht am üblichen Ort Quartier genommen hatte und auch nicht auf vertraute Leute gestoßen war.

Irgendjemand oder eine Gruppe (vielleicht Imperiale) suchten uns vielleicht wegen unserer besonderen "Fähigkeiten", sprich unserer "Erbschaft"... vielleicht waren Geck und Gelehrter eine Person oder standen in Kontakt oder waren unabhängige "Ereignisse".

Um das herauszufinden, beschloß Bayantu, sich mit dem "Gelehrten" zu treffen, der ihm eine Kontaktadresse im Gasthaus "Schwan" hinterlassen hatte (ein ziemlich nobler Schuppen). Bayantu schickte sich selbst als seinen eigenen Boten mit einer Einladung für den Herrn. Man verabredete sich an einem öffentlichen Ort, sprich im Stadtpark am Aussichtsturm. Dieser lag oben auf dem Hügel des Parks und war daher von allen Seiten von offenem übersichtlichem Gelände umgeben. Bayantu wollte sozusagen die Ziege für den Tiger spielen, um zu sehen, was es mit Typ und Erbschaft auf sich hatte, während Jalna und ich die Großwildjäger auf der Tigerpirsch geben wollten.

Reiseplanung

Die ersten Erkundigungen bezüglich Schiffen im Hafen hatten derweil folgende Ergebnisse geliefert: es lagen vor Anker
  • die "Golden Hind", ein Mittelklasse-Schiff, viel Stauraum, ohne Kabinen, Pferdetransport möglich, zu einem erschwinglichen Preis, vielleicht von Redcliff noch ein Stück den Fluß runterfahrend (hing vom Gewinn und Handel in Redcliff ab)
  • die "Königin der Wellen", eine Riesengalleone mit Schlafplätzen im Schichtwechsel, ein Schiff für Sklavenhandel wie geschaffen, viel Platz, null Bequemlichkeit. Dafür hätte sie viel Platz für die Pferde und sogar Ställe an Bord. Aber sie würde nur bis maximal Redcliff fahren, weil sie zu groß für die Weiterreise auf dem Fluß war, den wir noch hinunter bis Riverrun mussten. Naja.
  • die "Seeschwalbe", ein superschnelles yachtartiges Schiffchen, dass uns zwar den Luxus (gegen entsprechend gesalzene Preise) einer eigenen Kabine geboten hätte, aber es sprengte einfach jeden Rahmen dessen, was wir benötigten. Außerdem würde auch die Seeschwalbe nicht weiter flußaufwärts fahren ab Redcliff, sondern den nächsten Hafen über See ansteuern. Klein und wendig nahm sie sich kaum die Zeit, in Redcliff zu halten, um Passagiere abzuladen.

Wir besprachen, die "Golden Hind" zu buchen, da die Seeschwalbe erfordert hätte, einiges von unserem Spesenkonto auszugeben, was uns später für unsere Auftragsausführung fehlen konnte. Außerdem hatten wir es nicht sooo eilig. Auf ein paar Tage mehr oder weniger kam es wohl kaum an für Indis, da der Stab, den wir holen sollten, schon Jahrhunderte verschollen bzw. in Hand des Zauberers war.

Jalna plädierte zwar (typisch) auf die Seeschwalbe, setzte sich aber gegen Bayantu und mich und die vernünftigeren Argumente nicht durch... ein Glück. Auch wenn er jetzt vielleicht beleidigt ist, lieber will ich mehr Geld in der Reserve halten für Eventualitäten, als es so zum Fenster rausschmeissen.

Im Stadtpark

Am frühen Abend im Stadtpark schlenderte Bayantu nun auffällig herum vor einer Glühweinbude. Jalna mischte sich mit einer Aura von "mich gibts hier nicht - und wenn, dann hast du was besseres vor, als dich um mich zu kümmern" unter das Volk und ich bezog einen leicht erhöhten Posten auf dem Hügel, von wo aus ich das gesamte Gelände und Bayantu halbwegs im Blick hatte und mit dem Bogen einigermaßen freies Schussfeld, sollte es Ärger geben. Natürlich gab es den, aber anders als erwartet. Unsere Kontaktperson tauchte nicht auf. Dafür aber geschahen mehrere Dinge so dermaßen inszeniert gleichzeitig, dass wir später einen Plan dahinter vermuteten, unsere Reaktionen zu erforschen, in der Hoffnung, dass wir etwas über unsere wahre Identität preisgeben würden. Aber zurück.

Folgende Szene entfaltete sich wie im besten Theater: der Feuerjongleur auf dem Platz vor dem Aussichtsturm verlor in hohem Bogen plötzlich seine Fackel. Jalna war in der Nähe und versuchte noch, sie durch einen Messerwurf von ihrer Flugbahn abzulenken, die genau auf einen soeben auf den Platz geschobenen Karren zielte, den ein Feuerwerker (!) gerade heranrollte.

Es kam, was kommen musste: die Fackel entzündete den feuerwerkstechnischen Inhalt des Karrens, der benachbarte Tanzbär links davon lief erschreckt Amok und begann auf die drumherum stehenden, eben noch von seinen Kunststückchen begeisterten Zuschauer einzukrallen, ein Dieb schnappte sich die Geldkasse des Glühweinstands im Durcheinander, der Jongleur versuchte, dicht gefolgt von Jalna, das Weite zu suchen, Bayantu spurtete Richtung Bär, um das Tier zu beruhigen oder den Verletzten zu helfen, kurz - es tobte das Chaos. Überall knallte und rauchte es, Schmerzens- und Panikschreie - es wirkte alles ein wenig zu sehr wie ein gut vorbereitetes Setup und ich machte mir einen Moment Sorgen, dass genau jetzt jemand versuchen könnte, Bayantu zu entführen oder ihm einen kleinen "Unfall" zuverschaffen. Deshalb behielt ich ihn gut im Auge und suchte gleichzeitig die Umgebung nach etwagig auftauchenden Feinden ab.

Die Stadtwache war nämlich auch wie auf Kommando direkt vor diesem "Unfall" verschwunden, während sie vorher doch regulär durch den Park patroulliert war, wohl um das Ausmaß der hiesigen Kleinkriminalität in Schach zu halten.

Eine ganze Menge Leute versuchte jetzt, auf den Turm mit der hölzernen Aussichtsplatform zu kommen, um sich vor dem Bären in Sicherheit zu bringen. Ich stellte kurz dem an mir vorbeiflitzenden Dieb der Glühweinkasse ein Bein und gab dem ankeuchenden Besitzer die Geldkasette wieder, um mich dann in ein besseres Schußfeld auf den Bären zu begeben, nur für den Fall der Fälle. Der Aussichtsturm, eine hölzerne Plattform an einem Mittelpfosten mit angelehnter Leiter, begann ob der Menschenmenge auf ihm inzwischen bedrohlich zu schwanken, während Bayantu auf den Bär einredete, der immer noch vor sich hin brummte und aufrecht stand, aber im Moment nicht mehr austeilend herum tobte. Der Bärenführer kam auch schon angelaufen, nachdem er sich offenbar zuerst aus der unmittelbaren Reichweite verdrückt hatte. Gemeinsam gelang es ihm und Bayantu, das Tier wieder zu beruhigen.

Jalna war hinter dem Jongleur her in die Büsche verschwunden, ich erfuhr später, dass er ihn dort gestellt und ein wenig "befragt" hatte... Der Jongleur war von einem Konkurrenten des Feuerwerkers angeheuert worden, um dessen Karren in Brand zu stecken, um seinem Geschäft zu schaden. Jetzt war nur noch die Frage, wer dieser Auftraggeber gewesen war... Jalna liess ihn wieder laufen, ohne dieser Frage konkreter nachzugehen.

Schließlich entschied sich der völlig überladene Aussichtsturm oben auf der Hügelkuppe mit dem Schwanken aufzuhören und endgültig auf eine Seite zu kippen. Da war wohl erstmal nichts zu machen, ich brachte mich aus der Reichweite. Nachdem dann die Wachen wieder auftauchten und den Verletzten beim Turm halfen, der Bär wieder an der Leine war, der Glühweinstandbesitzer den Dieb der Stadtwache übergab und sich das Chaos lichtete, mussten wir diesen Versuch, die Kontaktperson zu treffen, als gescheitert betrachten. Bayantu ging daraufhin nach kurzer Absprache langsam und auf Umwegen zurück zum Schwan. Er wollte eine zweite Verabredung versuchen und außerdem checken, ob man ihn jetzt nach dem Ereignis vom Park aus verfolgen würde.

Schleichjagd durch Whitewall oder "Wer belauert hier wen?"

Jalna und ich folgten Bayantu in einigem Abstand auf seinem Weg zurück zum "Schwan". Jalna gelang es dabei, das Gespräch eines gut getarnten Paares zu belauschen, das so extrem unauffällig hinter Bayantu war, dass sie mir erst gar nicht auffielen. Sie unterhielten sich darüber, dass man immer noch nicht sicher über "ihn" war (womit wohl Bayantu gemeint war). Dies verstärkte unseren Verdacht, dass die ganze Geschichte im Park dazu inszeniert worden war, herauszufinden, ob Bayantu vielleicht durch Gebrauch einer Spezialfähigkeit mit Leuchteffekt verriet, welche "Erbschaft" er hatte... Wir tauschten uns kurz und unauffällig im Vorbeigehen mit Bayantu aus, der ein "ich habe mich hier verlaufen" simulierte und mich laut nach dem Weg fragte. Er wollte einen zweiten Verabredungsversuch starten, heute abend gleich noch und zwar mitten in der Stadt am Fluß, wo so eine üblere Gegend begann.

Wir legten uns also nach Bestellung des Treffens im "Schwan" am Fluß bei der Brücke auf die Lauer. Ich bezog eine Stellung oben auf den Dächern, um den Überblick und eine gute Schußposition zu haben, während Jalna unten am Fluß blieb und Bayantu auf einem anderen Dach hinter einem Kamin in Lauerstellung ging. Der Zeitplan sollte zu kurz gewesen sein für unsere unbekannte Kontaktperson, um einen weiteren Hinterhalt zu legen oder sonstige Vorbereitungen zu treffen. Dennoch hörte ich plötzlich auf einem der Dächer ein kurzes vertrautes Geräusch einer einrastenden gespannten Sehne und wie ich genauer hinsehe, entdecke ich doch dort aus einer Dachluke einen Armbrustschützen, der gerade ebenfalls mit Blick auf die Straße und Brücke unten auf die Lauer geht. Ich verständige Bayantu gegenüber auf dem anderen Dach mit Handzeichen von dem Typen, er entdeckt ihn dann auch und signalisiert, dass er mal wieder den Köder spielen wird und jetzt runter auf die Straße geht. Dort angekommen, merke ich die Reaktion des Schützen - wir schießen im gleichen Moment. Bayantu kann dem Bolzen elegant ausweichen, und während der Schütze durch meinen Treffer in die Schulter die Armbrust fallen lässt (die zielgenau vor Jalnas Nase herunterkommt, der sie beiläufig auffängt) und übers Dach haltsuchend herunterrutscht, habe ich meine Sachen gepackt und springe über die Dächer, um den Attentäter zu erwischen, bevor er zu Tode stürzt. Den müssen wir lebendig zum Befragen kriegen. Das ist wohl auch Bayantu klar, der jetzt wie eine Bergziege die Wände wieder hochspringt auf das Dach, wo der Attentäter ihm entgegenrutscht. Völlig verdattert lässt der sich auch mühelos in Schach halten, bis ich ihn fesseln kann.

Dann bringen wir ihn runter vom Dach und suchen uns eine kleine dunkle Sackgasse, um ihn auszufragen. Erst markiert er den Harten, aber Jalna ist ziemlich überzeugungsfähig, wenn er einen mit dem Messer kitzelt... Ich stehe derweil Schmiere, damit nicht ausgerechnet jetzt die Wachen in diesen Teil der Stadt kommen. Der Schütze plappert schließlich und leider stellt sich heraus, dass er uns für Leute vom gegnerischen Gangsterboss hält, die ein Scheibchen vom Territorium in dieser Gegend abschneiden wollen. Hurra, wir sind mitten in einen Bandenkleinkrieg geraten und vom Typ aus dem "Schwan" immer noch keine Spur... Wir lassen den Handlanger laufen, nachdem wir in überzeugt haben, sich hier nicht wieder so schnell blicken zu lassen. Jalna hat uns als dritte Partei ausgegeben, die sich hier breit machen will. Möge diese Gegend in interessanten Zeiten leben...

Wir geben die Kontaktversuche für heute abend auf und nehmen Quartier in einem alten verlassenen Haus, das Jalna für uns fand. Ich hole vorsichtshalber auch noch die Pferde und das Gepäck hierher, damit wir für alles gerüstet sind. Der Proviant ist glücklicherweise inzwischen schon an Bord der "Golden Hind".


NPCs:

  • Smaidan - Gangsterboß in Whitewall
  • Teiko - angeblicher Name des Typen, der Bayantu wegen der Erbschaft sprechen will
  • Beka - Kapitän der "Golden Hind", unabhängiger Skipper

Orte:

  • Der Glockenspielturm - hölzerner Turm in einem Park in Whitewall, beliebter Ausflugs- und Aussichtspunkt. Das Glockenspiel, nach dem der Turm benannt ist, ist oberhalb der Aussichtsplattform.
  • Zum Schwan - schniekes Gasthaus und Hotel
  • Redcliff - Seehafen an der Mündung des Bärenflusses ins Weiße Meer, ca. 6 Tage per Schiff östlich von Whitewall
  • Riverrun - Flu▀hafen am Bärenfluß, hinter Riverrun ist der Fluß für seegängige Schiffe nicht mehr befahrbar. Riverrun liegt etwa 1 Tag per Schiff flußaufwärts von Redcliff

rauf


#4: Die Reise nach Blauwasser

gespielt am 14. April '03

Aufbruch

Nachdem uns das verlassene Haus die Nacht über und den folgenden Tag so ausgezeichneten Schutz geboten hatte vor etwagigen Häschern, nahmen wir vor Morgengrauen unsere sieben Sachen und zogen ungehindert über die Hauptstraßen im Regen zum Hafen. An Bord wurde noch fleissig geladen, im Morgengrauen wollte der Kapitän Beka auslaufen. Wir stellten unsere Pferde in den Lagerraum ein, ebenso unser Gepäck. Der Proviant hatte bereits auch sein Plätzchen. Es kamen noch einige weitere Passagiere an Bord: eine Frau mit zwei kleinen Kindern im Alter von 2 und 4 Jahren namens Inara, ein Student namens Mirwald mit schwerer Bücherkiste, und ein Mann aus dem Mittelstand mittleren Alters namens Shagan, vermutlich Händler. Es sah nicht so aus, als wäre uns jemand an Bord gefolgt.

Eine Seefahrt, die ist lustig...

Nach dem Auslaufen auf offener See liess der Regen nach und es klarte auf. Jalna und einige andere schienen dem Geschaukel der Wellen nicht viel abgewinnen zu können und waren in allen Schattierungen von bleich bis grün angelaufen. Nachdem der Student sich speiend über die Reling hängte und auch Jalna sich diesem Rückwärtsfrühstück anschloß, erbarmte ich mich und machte einen Kräutertee zur Magenberuhigung. Bayantu sah interessiert zu und meinte schließlich, ich sollte noch etwas von diesem und jenem Kraut dazugeben, dann würde es besser wirken. Ich tat, wie er vorschlug, denn wahrscheinlich versteht ein Schamane mehr von echter Medizin als eine Barbarin von magenbekömmlichem Tee. Wenigstens schien der Tee zu helfen.

Beim ersten Zwischenstopp in einer Bucht an der Küste stieg noch eine Frau mit 2 Hühnern im Käfig zu. Natürlich hörte ich förmlich schon im Geiste Fleckenfells zufriedenes Schmatzen und verbot ihm lieber sofort, die Hühner auch nur scharf anzusehen, weil die Frau auch gleich beim Anblick meines neuen Gefährten hysterisch besorgt um ihr Federvieh wurde. Nachdem ich ihr versichert hatte, das Fleckenfell sich zu benehmen wüsste und gut erzogen sei (schau mich nicht so beleidigt an, du dummer Luchs, ich rette dir gerade dein Fell), war sie zwar immer noch grantig, aber sie behielt in unser beider Interesse ein Auge auf ihre Hühner.

Beim zweiten Zwischenstopp besorgte sich Bayantu im Fischerdorf neue Angelhaken, nachdem er beim ersten Versuch, unterwegs frischen Fisch zu fangen prompt welche verloren hatte und nun sicher gehen wollte, welche man für die offene See brauchte.

Der dritte Halt am 5. Tag seit Beginn der Seereise war Redcliff.

Redcliff

Der Ort trug seinen Namen nicht umsonst: das markanteste an ihm waren die Klippen der Bucht, in der Redcliff lag: gelöchert wie ein Käse, wobei aus den Löchern rotes altes Blut zu laufen schien - die gleiche Farbe hatte auch das Wasser des Bärenflusses, der hier ins Meer mündete. Der Ort selbst drückte sich unten an der Klippe entlang, es gab eine Hafenanlage auf der gegenüberliegenden Flußseite, die mit der Stadt durch eine Brücke verbunden war. Das erste, was uns in Redcliff auffiel, waren die Wasserverkäufer. Wasser war teuer - wohl weil das Wasser des Flusses durch seine komische Farbe nicht besonders gut schmeckte, irgendwie nach Blut...

Im Hafen beim Ausladen erkundigten wir uns so ganz nebenbei nach der Seeschwalbe, die vor unserem Schiff angekommen war und siehe da: ein Geck war hier ausgestiegen, hatte sich ein gutes Pferd gekauft und war flußaufwärts geritten in unsere Richtung... angeblich auf der Suche nach Schätzen, holden Jungfrauen und Abenteuern...das gab zu denken. Obwohl dieser Geck ein Schwert trug und keinen Degen, und wir nicht herausfanden, ob er auch ein rotes Wams getragen hatte, rechneten wir nun damit, flußaufwärts auf unserer Reise einem neuen Hinterhalt begegnen zu können. Vorsichtshalber nahmen wir daher für die Übernachtung in Redcliff verschiedene Quartiere. Jalna wollte natürlich in das beste Gasthaus am Platz, ich nahm das belebteste am Markt und Bayantu nahm eine kleine Unterkunft am Ortsausgang landeinwärts Richtung Riverrun, dem nächsten Ort auf unserer Etappe. Der Kapitän war sich noch nicht sicher, ob er flußaufwärts fahren würde (hing von seiner nächsten Ladung ab), von daher wollten wir hier abwarten.

Sobald es dunkel war, trafen wir uns allerdings, und Bayantu rückte mit einer verrückten Idee heraus, die erforderte, dass wir uns gleich noch nach dem Abendessen bei Nacht und Nebel aus dem Ort auf die Klippe schlichen.

Auf der Klippe von Redcliff

Bayantu stellte uns oben auf der windigen Klippe nahe am Abgrund innerhalb eines magischen Kreises auf, der Wind pfiff bald bedrohlich um uns herum, während Bayantu Beschwörungen murmelte und sang. Schließlich wurde der Wind freundlicher, besänftigt durch Bayantus Singsang, bis er uns nicht mehr kalt bis auf die Knochen durchblies, sondern sanft umschmeichelte. Bayantu gab mir und Jalna je ein kleines Stöckchen mit Runen drauf und einem Loch durch für eine Schnur. Dieses sollten wir nun immer bei uns tragen und wenn wir mit ihm sprechen wollten, auch über grosse Entfernung, sollten wir dreimal an das obere Ende schnippsen, dann würde der soeben in den Dienst genommene Windgeist kommen und Nachrichten zwischen ihm und uns transportieren. Für etwa 30 Tage würde der Windgeist diesen Dienst erfüllen. Interessantes Kunststück, dass sich der Schamane da ausgedacht hatte. Ich war nicht unbeeindruckt. Nach diesem stundenlangen Ritual auf der Klippe waren wir allerdings ziemlich durchgefroren und froh, als wir wieder in der Gaststube am Markt am Feuer zusammen saßen und uns mit einem Glühwein aufwärmen konnten.

Erkundigungen und Pläne

Am anderen Morgen segelte die Golden Hind ab. Sie hatte keine Ladung flußaufwärts aufgenommen und so machten wir unsere eigenen Pläne für eine Fortsetzung der Reise. Da der Flußverlauf weit sichtbar durch übersichtliches flaches Gelände führte (man konnte die Türme von Riverrun 2 Tagesreisen zu Pferd entfernt von Redcliff aus sehen, so flach war alles, nur Marschwiesen), beschlossen wir, nach Riverrun zu reiten, anstatt noch einmal den Wasserweg zu nehmen. Jalna schien davon erst einmal die Nase voll zu haben. Wir durchstreiften getrennt die Stadt den Tag über, um uns mit Land und Leuten vertraut zu machen und einen ersten Schlachtplan zu entwickeln. Wir hörten Gerüchte über den Zauberer der Blauwasserfeste, zum Beispiel, dass er bei Vollmond die Kinder der umliegenden Dörfer holen würde, um sie auf seine Feste zu entführen und sie dort finsteren Mächten zu opfern - wer gegen ihn auszog - und genug hätten es bereits versucht - würde als Kröte im sumpfigen Marschland enden. Und Kröten gab es wahrlich genug hier, man hörte ihr Konzert die ganze Nacht. Jetzt im Frühling war Paarungszeit und jeder Kröterich versuchte lauter zu quaken als sein Rivale. Jalna ging zu einem Kartenzeichner und kaufte eine Landkarte, die wir zum Mittagessen gemeinsam studierten. Daraus liess sich ersehen, dass es hinter Riverrun Stromschnellen gab, an denen eine Umladestation lag, an der der gesamte Schiffverkehr des Flusses umgeladen werden musste. Außerdem stieg hinter Riverrun das Gelände ein wenig an, um rechts (flußaufwärts betrachtet) in die verlassenen Ruinenstädte zu führen, wo es Geister geben mochte und viel Gelichter. Dorthin waren viele Abenteurer auf der Suche nach Schätzen gezogen. Nach links führte hinter Riverrun eine Straße in die Domänen und Lehen der verschiedenen Häuser, wo auch die Blauwasserfeste ihr zugehöriges Lehen hatte. Geradeaus führte der Weg über Riverrun hinaus ins Gebirge und zum Pass, der wiederum in das Land führte, in dem mein Stamm lebte, in die großen Ebenen. Und so entstand unser Plan. Wir beschlossen, dass ich auf der Heimreise zu meinen Leuten war, Bayantu sich als Handelsreisender auf der Suche nach neuen Märkten und Rohstoffquellen ausgeben würde und Jalna den sich angehängten Abenteurer geben würde, dessen Weg in die gleiche Richtung führen könnte. Der Lehnsherr, auf dessen Territorium die Ruinenstädte mit ihren angeblichen Schätzen lagen, verlangte allerdings einen Anteil von allem, was man dort fand. Im Fluß gab es bei Riverrun Perlen, die wiederum einen ganzen Handelszweig begründeten, der von dort zur Küste lief. Allerdings war die Perlenfischerzunft auch eifrig darauf bedacht, dass keine zugelaufenen Abenteurer in ihren Gründen Geschäfte machten und so waren die Perlen nicht nur entsprechend zollbesteuert, sondern auch gut bewacht.

Mit diesen Informationen versehen brachen wir nach Riverrun auf.

Riverrun und Weiterreise nach Traufe

Nach 2 Tagen Reise kamen wir an und Jalna besorgte uns innerhalb eines Tages einen einheimischen Führer, der uns nicht nur interessante Geschichten erzählen konnte von der Umgebung und den jüngsten Ereignissen (auch hier war der Geck durchgekommen, hatte sich eine Leibwache angeheuert und war angeblich ausgezogen, um holden Jungfrauen zu befreien...), sondern auch genug Schleichwege kannte, um zeitsparende Wege zu finden, die die Umladestation an den Stromschnellen umgingen und die von Räubern heimgesuchten Hauptwege vermieden. Rokas ist mit seinen 16 Jahren scheinbar bereits mit allen Wassern gewaschen. Wir vermieden den Stau auf dem direkten Weg zur Umladestation und auch die dortige Zollstation. Rokas kam mit seinem geländegängigen Maulesel alleine vermutlich schneller voran als wir mit unseren Pferden, trotzdem sparten wir so fast einen ganzen Tag auf dem Weg zum See. Die nächste Ortschaft zur Blauwasserfeste war Traufe. Traufe lag vor dem See in dem die Feste mitten über dem Wasserfall hinter dem See trohnte. Rokas erzählte uns von den Giftschlangen, die im See lebten und auch eine neue Geschichte von dem Zauberer der Feste. Angeblich ist Ledaal ein Schlangenmensch, schuppig-grün mit hypnotischem Blick und er klaut hübsche junge Mädchen, nicht Kinder bei Vollmond. Er kann angeblich mit den Schlangen sprechen und verwandelt sich vielleicht selbst in eine riesige Seeschlange, wie sie schon ab und zu im See gesehen wurde. Er lebt dort seit etwa 500 Jahren und die Feste hat weder Tor noch Tür und ist quasi völlig unzugänglich. Er hält kein Gesinde, von dem man je gehört hätte, doch alle, die auszogen, ihn in seiner Feste zu stellen, wurden nie wieder gesehen, vielleicht hält er sie dort gefangen. Am See gibt es außerdem auf der anderen Seite von Traufe einen Tempel mit einem Priester, der regelmäßig vom Zauberer besucht wird. Rokas warnte uns außerdem, den Namen des Zauberers auszusprechen, angeblich könnte Ledaal es wie alle bösen Zauberer hören, wenn man ihn ausspricht...

Hinter der Umladestation stießen wir unterwegs bei einem Ausblick auf die eigentliche Strasse unter uns auf die Spuren eines Hinterhalts. Auf der Strasse lag ein totes Pferd und nachdem Bayantu hinunter gestiegen war, fand er außerdem drei frische Gräber. Den Spuren nach war hier ein Schatzsuchertrupp mit einigen Räubern, sogenannten "Exportkontrolleuren" zusammengestoßen - allerdings war der Hinterhalt wohl schlecht geplant, denn die Bogenschützen, die von unserem Standort aus die Straße unter Feuer genommen hatten, waren in den Wald geflohen, die Spuren fanden wir noch. Wir vermuteten, dass sie Verstärkung holen würden, und beschlossen daher zu sehen, dass wir weiterkamen. Es schien wahrscheinlich, dass es der Geck mit seinem Beschützer war, der hier vor uns durchgekommen war... möglicherweise hatte er oder sein gekauftes Schwert damit eine Menge mehr auf dem Kasten, als es den Anschein machte. Es verging ein weiterer Tag ohne Ereignisse.

Ankunft am See und in Traufe

Am siebten Tag nach Redcliff erreichten wir schließlich nach einem Umweg um den Wasserfall und die Feste, die aus einem einzigen hohen Turm zu bestehen schien, die Seeseite mit dem Tempel. Nun mussten wir noch die Furt durchqueren und kamen so am Abend in Traufe, einem armseligen kleinen Dorfnest, an. Hier gab es wirklich nicht viel: ein Gasthaus oder Dorfkneipe, einen Köhler, eine verrückte Alte namens "Mutter Heedjes", und einen Verwalter, Bürgermeister und Sherriff in einer Person mit seiner Schwester, den man wegen seines engen Kontaktes zum Priester und damit zum Zauberer wohl bei unseren Heimlichkeiten eher meiden sollte. Der Priester vom Tempel hatte noch zwei Novizen und das war die ganze Anwohnerschaft in dieser Gegend. Wir machten es uns im Gasthaus für die Nacht gemütlich.


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