LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: Regierungskonferenz in Nizza - Rückschlag für Europa


BERLIN. Zur Regierungskonferenz in Nizza erklärt das Mitglied im Europaausschuss des Deutschen Bundestages, die F.D.P.-Bundestagsabgeordnete Sabine LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: Auf der Regierungskonferenz in Nizza ist Europa zu einem provinziellen Stammtisch europapolitischen Versagens geworden. Vier-Tage-Verhandlungen in Nizza haben den Bürgerinnen und Bürgern demonstriert, dass es den Regierungschefs in Nizza nicht um die Integration Europas ging, sondern um nationale Interessen.

Die gemeinsame Idee eines politischen Europas, das Frieden, Menschenrechte und Freiheit sichern soll und die einzige Antwort der Nationalstaaten auf die Globalisierung sein kann, war weitestgehend abwesend. Stattdessen machte Bundeskanzler Schröder die Stimmengewichtung zur Prestigefrage mit Frankreich und verschärfte mit der Überbetonung der "verstärkten Zusammenarbeit" die Gefahr, dass sich die Europäische Union auseinander entwickelt.

Ist wirklich in Vergessenheit geraten, dass ein demokratisches, handlungsfähiges Europa das nationale Interesse Deutschlands ist? Noch eine europäische Konferenz der Nationalstaatsverfechter kann sich Europa nicht leisten. Künftig sollte zumindest den Vorsitz nicht ein Mitgliedstaat sondern die Kommission führen. Oder noch besser: Es sollte gleich das "Konventsmodell" als dauerhafte Form eingeführt werden.

Nach dieser Regierungskonferenz sind die europäische Zivilgesellschaft, das Europäische Parlament und die Kommission gefordert, dieser unsäglichen "Räte- und Gipfelherrlichkeit" ein lebendiges Europa entgegenzusetzen. 2004 kann und darf es keine Fortsetzung dieses Nizza geben.


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