Als ich mit meinem Sohn David schwanger war, hatte ich mir ja schon einen Tragesack gekauft, weil ich es praktisch fand,
dann auch ohne sperrigen Kinderwagen mit Baby mobil sein zu können. An ein Tragetuch dachte ich damals noch nicht - das erschien mir
doch allzu kompliziert. Auch sah ich das Tragen nur als Transportmittel an, nicht als Zaubermittel zur Beruhigung meines
schreienden Babies, und schon gar nicht als Betreuungskonzept oder gar als Lebenseinstellung, als das einzig Normale.
Zwar hatte ich mich entschieden, mein Baby nicht "schreien zu lassen", schließlich hatte ich gelesen, daß Babies im ersten Lebenshalbjahr
vor allem zuverlässige Eltern brauchen, um ein Basisvertrauen entwickeln zu können. Ich stellte mir den Baby-Alltag in etwa so vor, daß ich, sollte mein einen
Großteil des Tages selig in seinem niedlichen Stubenwagen schlummerndes Baby plötzlich schreien, sofort zu ihm eilen würde, um herauszufinden, was ihm fehlt,
und es dann stillen, wickeln oder trösten, je nachdem. Danach würde es prompt wieder einschlafen oder zufrieden im Bettchen liegen und mit großen Augen das
Mobile bestaunen, das zu diesem Zwecke überm Stubenwagen hing.
Unrealistisch? Natürlich hatten mein Mann und ich uns auf ein paar schlaflose Nächte eingerichtet, auch seelisch darauf eingestellt, daß von nun an das Baby
Vorrang vor allem anderen haben würde, auch vor schmutzigem Geschirr oder trauter Zweisamkeit...auf alles, nur nicht auf die absolute 24-Stunden-Belagerung!
Nach meiner Kaiserschnittentbindung mußte ich die üblichen 8 Tage im Krankenhaus bleiben, wo ich mich in den ersten 3 Tagen noch recht elend fühlte und meinen Sohn kaum zu Gesicht bekam - obwohl die Klinik sich als "stillfreundlich" bezeichnete, fühlte sich am ersten Tag niemand bemüßigt, mir David zum Stillen zu bringen. Da mir wegen meiner Schmerzen jemand hätte helfen müssen, war es dem Personal wohl zu aufwendig. Natürlich kam der Milcheinschuss viel zu spät und David nahm erst mal tüchtig ab - nicht dramatisch, wie ich heute weiß, aber ich war doch ziemlich verunsichert, zumal eine der Säuglingsschwestern David als "vertrocknet" bezeichnete - nicht gerade förderlich für die Milchbildung! Am 4. Tag erst fühlte ich mich fit genug, David auch nachts bei mir zu haben. Fortsetzung folgt...