Tuch-Alternativen

Auch wer sich trotz allem nicht mit dem Tragetuch anfreunden kann, muß nicht auf das Tragen verzichten - dank folgender Tragehilfen!

Der Ring-Sling  Der Tragesack  Das anna-mobil Tragetuch  Der Tragesitz 

Der Ring-Sling

Fast schon ein Klassiker unter den "Tragetüchern ohne Knoten" ist der sogenannte Sling, der aus Amerika zu uns herübergeschwappt ist. Während das herkömmliche Tragetuch dort kaum jemand kennt, erfreuen sich die Slings allergrößter Beliebtheit, es gibt sie in unzähligen Varianten und Mütter tauschen im Internet Anleitungen zum Selbernähen aus!
Ein Sling ist eine dem Tragetuch nachempfundene Tragehilfe, bei der ein der Länge nach offener Stoffschlauch nicht mit einem Knoten, sondern durch zwei Ringe geschlossen wird. Das ermöglicht ein einfaches An- und Ablegen und ein leichtes Verstellen des Tuchs: soll es enger sein, ziehst Du einfach das Ende noch mehr durch die Ringe - fertig! Allerdings finde ich es etwas knifflig, immer genau die Tuchfalten zu erwischen, die ich gerne nachziehen möchte. Aber das ist beim Tragetuch ja auch nicht so einfach. Bei den meisten Modellen befindet sich an der Schulter des Trägers ein dickes Polster, was gegenüber dem Tragetuch schon angenehmer ist, und auch die Tuchkanten sind abgepolstert. So drückt bei den aufrechten Trageweisen nichts in den Kniekehlen.
Obwohl theoretisch alle Trageweisen (Wiege, Hüftsitz, Face-to-face, Rückentrage) möglich sind, kommt der Sling meiner Meinung nach aber am ehesten für die Wiege (gegnüber dem Tuch ist es hier viel einfacher, das Baby hineinzupacken - sehr praktisch!) und für den Hüftsitz in Frage. Wie beim Tragetuch ist auch beim Sling zu beachten, ihn wirklich sehr fest zu ziehen, damit alles richtig sitzt! Nachteil: mit dem einmal gekauften Tuch ist auch die Körpergröße des Tragenden festgelegt. So konnte mein über 1,80 m großer Mann das für mich kleine Person bemessene Tuch überhaupt nicht tragen.
Herzlichen Dank an Anja für das Foto!!

Der Tragesack

Eine Tragehilfe für die Face-to-face - und (bei älteren Kindern) auch für die Rücken-Trageweise ist der vielfach empfohlene Glückskäfer-Tragesack. Für die korrekte Spreiz-Anhock-Haltung der Beine sorgt hier das System aus Außen-und Innensack: im einen sitzt Dein Baby, der andere verhindert (zumindest theoretisch) das Herabhängen der Beine. Ich persönlich bin nicht so gut damit zurechtgekommen, habe aber von anderen Müttern und Vätern gehört, die sehr gute Erfahrungen mit dem Tragesack gemacht haben. Was mich störte: zu schmale Schultergurte (schneiden ein und verteilen das Gewicht einseitig) und zu geringe Anpassungsmöglichkeit an Größe und Gewicht des Kindes.

Das anna-mobil

Schon wesentlich länger gibt es eine andere, ebenfalls dem Tuch nachempfundene Tragehilfe, das anna-mobil-Tragetuch. Dabei handelt es sich um eine rechteckige Stoffbahn, die jeweils oben und unten in zwei breite Träger ausläuft, welche mit dem ihnen gegenüberliegenden Ende der Stoffbahn verknotet werden. Klingt kompliziert, ist in der Praxis aber höchst einfach auszuführen und gelingt zumeist schon beim ersten Anlegen! Wie beim "richtigen" Tragetuch kannst Du Dein Baby im anna-mobil liegend in der Wiege, aufrecht vor dem Bauch, sitzend auf der Hüfte und sogar auf dem Rücken tragen - es bietet also die ganze Vielfalt an Tragepositionen, gepaart mit einfacher Handhabung.
Vorteile: da nur eine einzige Stoffbahn sowohl um Dein Baby als auch an Deinem Körper liegt, schwitzt Ihr beide im Sommer nicht so sehr, und im Winter stört hinten kein dicker Knoten unter dem Mantel. Die beiden Knoten, mit denen das Tuch gebunden wird, können mit einem Zug gelöst werden, wodurch das eingeschlafene Baby ganz leicht mit dem Tuch hingelegt werden kann. Besonders gut gefällt mir am anna-mobil die Möglichkeit, die Wiege im Sitzen zu binden, während man das Baby auf dem Schoß hat - dadurch entfällt das gerade bei Neugeborenen oft etwas umständliche "Hineinbugsieren" ins Tuch.
Außerdem läßt sich das anna-mobil sehr klein und platzsparend zusammenfalten und paßt wirklich in jede Handtasche, was man von einem 4-m-Tuch nicht unbedingt sagen kann!
Kurz: für Tuch-Phobiker wie auch als Ergänzung zum herkömmlichen Tragetuch finde ich das anna-mobil uneingeschränkt praktisch und empfehle es allen Eltern, die sich nicht an ein Tragetuch trauen, gerade auch jenen, die bisher eine face-to-face-Tragehilfe benutzt haben , ihr älteres, für diese zu schwer gewordenes Baby aber noch tragen möchten, etwa auf der Hüfte.
Nicht zu vergessen: auch der Preis stimmt, im Vergleich zum Tragetuch ist das anna-mobil sehr günstig!


Ganz neu bei anna-mobil gibt es jetzt das eigens für dieses Tuch entwickelte Lagerungskissen, das bei der Wiegeposition das gerade Liegen des Babys ermöglicht, als Stillkissen beim Im-Tuch-Stillen benutzt werden kann und bei aufrechter Trageweise Babys Rücken wärmt (vor allem in der kalten Jahreszeit sehr praktisch). Meiner Meinung nach eine tolle Idee!


Herzlichen Dank an Frau Sollanek für das Foto!!

Der Tragesitz: Papatum Baby Carrier, Mei Tai, Marsupi und Co.

Genähte Tragehilfen erfreuen sich schon seit den 70er Jahren großer Beliebtheit; zumeist waren das allerdings weder für den Träger noch für das Baby sonderlich bequeme oder geeignete Modelle. Der sogenannte "Baby Björn"-Tragesitz etwa hat fast so etwas wie Kultstatus erlangt und ist vielleicht eine der meistverbreiteten Tragehilfen, obwohl sein schmaler, dünner Steg den darin getragenen Babys eine denkbar schlechte Beinhaltung beschert. Ärgerlich ist auch, dass die Hersteller unverdrossen die ungünstige Trageweise mit Blick nach vorn propagieren - mit werbewirksam strahlendem Baby. Dazu lässt sich nur eins sagen: Finger weg! Es gibt aber auch empfehlenswerte Tragesitz-Varianten, heute elegant "Komfortbabytragen"genannt. Sie sind meist einfach anzulegen mit Schnallen oder Klettverschlüssen oder auch einfachen Knoten, bieten dem Baby eine physiologische Körperhaltung und den Eltern angemessenen (wenn auch nicht tuchgleichen) Tragekomfort. Empfehlenswert sind u.a. die hier abgebildeten Modelle Papatum, Marsupi und alle Arten von Mei Tai (die sich übrigens auch gut selbst nähen lassen). Jeder gutsortierte Trage-Onlineshop (siehe Links und Topliste Tragen) hat verschiedene Modelle im Angebot, die z.T. auch gegen eine geringe Gebühr vor dem Kauf zum Testen ausgeliehen werden können.