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Auf ein neues! Ihr habt nun lange warten muessen, doch nun kommt endlich wieder ein Bericht - der erste Junibericht. Ich habe heute ganz gut Zeit zu schreiben, denn wir haben schon wieder einmal Feiertag. Feiertage sind hier ganz und gar nichts seltenes. Ich meine, heute ist Tag der Republik. Fahnen haengen raus und so und im staatlichen Sender machen sie den ganzen Tag schon Symbolkunde. Heute morgen habe ich zum Beispiel etwas ueber die Nationalhymne gelernt. Deswegen bin ich los gegangen und wollte mir die CD kaufen. Ausser voellig entgeisterten Blicken der Verkaeufer und der anwesenden Musikkaeufer habe ich aber leider nichts bekommen. Schade. Das Lied wollte ich lernen. Naja, ich setze meine Suche danach fort. Freut Euch auf meine Ueberraschungswillkommensparty, die Ihr gerade plant ;-)

Also, wie gesagt, dieser Feiertag ist noch "normal". Andere sind mal wieder ein bisschen absonderlich. Wir hatten zum Beispiel vor kurzem "Chemikertag" Dort wurden Chemiker gepriesen. So wie am "Rote Armee - Tag" das Militaer sich die Ehre gibt. Nojo. Mun muessen wir aber die Feiertage unterscheiden, die an einem Datum festgelegt sind, von denen, die in einem bestimmten Turnus sind, also zB. jeweils den 3. Samstag im Januar oder so. So kommt es, dass ab und zu mal zwei Feiertage auf einen fallen. So fielen vor 2 Wochen, an einem Samstag, folgende Feiertage zusammen: 1. Der Tag der Schulabgaenger (grundschule und weiterfuehrende Schule). Das war ganz interessant - ueberall rannten scharz-weiss gekleidete und mit einer roten Schaerpe geschmuckte Kinder in Gruppen durch die Stadt und bekamen von ueberall Geschenke, also was umsonst. Ganz schick war das. So, und der 2. Feiertag war der allseits beliebte BIERTAG. Ja, ihr lest richtig. Der musste natuerlich von den Feiernden extra gefeiert werden. Nun koennt Ihr Euch ausrechenen, wie lange diese Gruppen mit den Schaerpen an jenem Tag noch aufrecht gingen.

Abends fand mitten in der Stadt ein Rockfestival statt. Gesponsert von verschiedenen Bierfirmen. Also mussten die Rockgruppen von Zeit zu Zeit ihr Konzert unterbrechen, um in die Menge zu schreien "Und was trinkt Ihr heute abend?" Menge: "Bier" Rockgruppe: " Yeeeeeaaaah, und was fuer Bier?" Menge: "Baltika!" oder "Woljanin" oder "Sibirskaja Korona!" oder was auch immer. Da wundert sich aber ehrlich keiner drueber. Denn bei "Wer wird Millionaer", dieser populaeren Spielshow, die es selbstverstaendlich auch hier gibt (allerdings kann man da nicht so wirklich Millionaer werden, na, also schon, doch geht es dabei um 1000000 Rubel....) passiert das auch: Ein neuer Kandidat wird ausgewaehlt. Er oder sie hat die richtige Reigenfolge bei der Auswahlfrage am schnellsten gefunden. Der Moderator, ein Schlaubi-Schlumpf mit Streberbrille (die wahrscheinlich nur glas ist, soll klug aussehen und einem zu grossen designeranzug verkneift sich das Lachen, denn es ist ja ne serioese Sendung, geleitet den oder die KandidatIn nach vorne, setzt sich hin, guckt in die Kamera und haelt sein Bierglas hoch (denn auf dem Tisch gibt es fortan kein Wasser, sondern dieses Bier) und erzaehlt, die Sendung sei von der Firma soundso gesponsert, gluecklicherweise, denn das ist ja so ein wahnsinnig schmackhaftes Bier, das auch Sie zu Hause im Kuehlschrank haben sollten - Sie koennen es in jedem Kiosk in Ihrer naehe erwerben etc. etc.. . mir sind beinahme die Augen ausgefallen - ich stelle mir Guenter Jauch in derselben Verpflichtung vor und es kam mir geradezu wie Blasphemie vor.

So etwas verstehe ich jetzt mittlerweile, wenn ich das im Fernsehen sehe. Lasse und ich sehen uns viele Filme an, denn der Vorteil an den Filmen hier ist, dass sie zwar synchronisiert werden, doch nicht etwa anstelle der Originalsprache, sondern einfach drueber. So koennen wir uns das russische anhoeren und ueberpruefen, ob das was wir vestanden haben, stimmt. Das klappt ganz gut bei englischsprachigen und deutschsprachigen Filmen, die wir selbstverstaendlich den japanischen oder arabischen Filmen vorziehen.

Ich erinnere mich jedoch an ein ernsteres Ereignis vor einem Monat, bei dem wir recht ratlos war. Eines schoenen Tages zuer Mittagszeit gingen naemlich in der ganzen Stadt die Sirenen los. Ueberall war alarm. Mensch, denk ich, das muss aber ein grosser Unfall sein. Wir hatten da keine Musik oder Fernsehen an, doch selbst wenn haetten wir nicht gewusst, was es damit auf sich hatte. Spaeter kam ein Freund vorbei und fragte, ob wir das mitgekriegt hatten. Klar, sagten wir - ist ein dicker Baum in die Wolga gefallen, oder warum haben sie die Feuerwehr so aufgescheucht? Er sah uns nur entgeistert an und beschrieb uns die Situation, wie er sie erelbt hat: er sass mit seiner Schwester und hat CDs gehoert. Mit einem Mal stoppte aus heiterem Himmer die CD und an ihrer Stelle hoerte man eine dunkle, warnende Maennerstimme: "Meine Damen und Herren, bitte erschrecken Sie nicht, hier spricht das Wolgograder Militaer. in der naechsten Viertelstunde ueben wir fuer den Kriegsfall. Wir pruefen alle Empfaenger der Stadt und lassen das Nottonband laufen, doch ist es nur eine Uebung, also bleiben Sie ruhig. Dann : Der Luftraum ist gesperrt, Standort 1 - melden, Standort 2, Standort 3 - an die Bevoelkerung: Bleiben Sie ruhig und setzen Sie Ihre Gasmasken auf..." Naja, und so weiter eben. Tja, dachten wir, da haetten wir wohl was verpasst. Also, es ist wohl wirklich nur eine Uebung gewesen, ich gebe es auch nur wieder, wie es mir erzaehlt worden ist. offenbar wollte man nur sehen ob die Systeme noch nicht eingerostet sind. Aber trotzdem, das war schon irgendwie merkwuerdig. Zumal wir dann auch im ernstfall nichts verstanden haetten.

Naja, aber nun sind Lasse und ich schon ein ganzes Stueck weiter mit dem Russisch, wenn wir auch immer mehr das Gefuehl haben, dass wir es nie lernen werden; zurechtfinden tun wir uns zwar und wir koennen kommunizieren, doch jetzt tun sich erhebliche grammatikalische Schwierigkeiten auf, an denen ich euch hier mal ein bisschen teilhaben lassen will:

Zum beispiel gibt es im Russischen keine Artikel, kein Verb SEIN im Praesens, sondern nur in der Vergangenheit und in der Zukunft und es gibt kein HABEN, wie wir es gebrauchen. Um zu sagen: "Ich habe eine Katze" sagt man "Bei mir gibt es Katze". Das HABEN, das die Russen haben, gibt es nur fuer abstrakte Ausdruecke, wie "Ich habe die Moeglickeit...". Tja. Weiterhin wird ganz oft ein Satz verwendet um zu sagen "Was ist das?". Es gibt zwar auch einen russischen Satz "Was ist das?", doch gaengig ist vor allem folgender Ausdruck: "Was ist ein solches?" Ich habe diese Uebersetzung einfach deshalb gewaehlt, weil dasselbe Wort (im entsprechenden Geschlecht und Singular oder Plural) auch fuer den Ausdruck der Gleichheit verwendet wird: "Ich habe das gleiche Buch". Darum bin ich auf diese Uebersetzung gekommen. Es gibt im Russischen gluecklicherweise nur 3 Zeiten, doch leider auf jedes einzelne Verb 2 Infinitive! Das eine drueckt einen Prozess in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft aus, das andere einen einmaligen Fakt. Nun muss ich mich also beim sprechen dafuer entscheiden, ob ich sagen will, dass ich etwas einmal gekauft habe, jetzt gerade kaufe oder einmal kaufen will oder ob ich ausdruecken will, dass etwas kaeuflich ist oder ich oder viele andere Leute etwas regelmaessig kaufen oder im kaufprozess sind. Jedes Adjektiv und jedes Substantiv durchwandert alle Faelle, von denen es 6 gibt, die in ihrer Anwendung nicht mit den deutschen Faellen uebereinstimmen. Wenn ich also von einer Wohnung spreche, so habe ich eine feminine Endung im Singular; wenn ich meine Wohnung beschreiben will, dann bekommt sie noch ein vorangestelltes Adjektiv, das ich angleichen muss, also bekommt dieses auch eine feminine, singulaere Endung. So. Wenn ich mir dann einen Satz baue, aendert sich die Endung beider Woerter mit dem Fall, in den ich diese Woerter setze. Klar, das verstehe ich, wenn ich es lese, wenn ich es schreibe kann ich auch laenger nachdenken, doch wenn ich spreche kann ich noch ganz und gar nicht schnell reagieren, denn ich habe meinen Satz mit einem Subjekt (alles ok), einem Verb (vollendet oder unvollendet?), einer Praeposition (Oh Gott!!!), einem Adjektiv (Geschlecht, Anzahl, Fall) und einem Objekt (Geschlecht, Anzahl, Fall). Tja, und das ist nur die einfache Satzstruktur. Ok, aber ich will euch nicht laenger langweilen - ich will nur ein bisschen Mitleid.

Naja, aber ich habe es mir ja ausgesucht und es ist nach wie vor sehr reizvoll fuer mich, die Sprache zu lernen. Weiterhin gebe ich mittlerweile auch Deutschunterricht. Netter Kurs. und es ist sehr schoen, die Ergebnisse zu sehen. Ich lasse sie ganz viele Texte zu den aktuellen grammatischen Themen schreiben (meistens lassen sie dann die grammatische Neuheit weg, aber egal) und nehme die dann mit nach Hause. Ach wie gut kann ich meine damalige Franzoesischlehrerin Frau Neumann verstehen, wenn diese Leute schon wieder heissen mit einem s schreiben oder nun doch wissen sollten, dass Maedchen nicht feminin sondern neutral ist, da dieses Wort einen Diminutiv hat! Dann unterstreiche ich auch dieses Wort in Wut und zerreisse bald das Papier (na, so schlimm ist es nicht). Diese Hausaufgaben gebe ich aber gern auf, denn es ist nahezu unmoeglich meine Schueler zur Gruppenarbeit zu bewegen, denn sie kennen das aus dem russischen Schulsystem nicht. Fuer Kontrollarbeiten konnte ich sie begeistern, das kennen sie. Doch wenn ich sie bitte, sich gegenseitig ihre Lebensgeschichte zu erzaehlen, die jeweils andere zu wiederholen und dann noch dazu fragen zu stellen, sehen mich alle geschlossen an wie Autos und denken sich "diese Auslaender!". So kommt es also, dass ich 3 mal die Woche 1 1/2 Stunden lang vor meinen 10 Schnarchnasen den Hampelmann mache. "Nein, wir sprechen hier kein russisch. Laufen, guckt mal, Laufen ist ein Verb." und ich laufe durch die Klasse. "So, und nun springen! und das ist buecken!" tja, und am naechsten tag habe ich muskelkater und 10 verwirrte schueler. Nichtsdestotrotz sorgen auch sie von Zeit zu Zeit fuer Ueberraschungen. Ich verabschiedete mich von meinem Kurs nach einer Stunde, da kam einer meiner Schueler an und sagte "Tschuess, heute Abend schiebe ich eine ruhige Kugel!" und ging an mir vorbei. Nach 10 Minuten fand ich meine Fassung dann wieder, packte ein und ging heim.

Tja, also das sind so meine Erlebnisse. ich freue mich nach Wolgograd gekommen zu sein. In Moskau habe ich viele Absonderlichkeiten in meinen Berichten festgehalten, das Gute an der Tatsache, in Wolgograd zu sein ist somit keineswegs, dass die Absonderlichkeiten sich hier einstellen, e sich nur schlicht andere. ich bin mir nicht sicher, ob man sich einen Scherz mit mir erlaubt hat oder nicht; ich muss sagen, nach dem, was ich hier schon erlebt habe, glaube ich, dass durchaus etwas wahres dran sein kann: Zu Weihnachten warten die Kinder hier wie bei uns auf den Weihnachtsmann, der hier "Vaeterchen Frost" heisst. Die Kinder sind ganz ungeduldig und dann endlich kommt der Weihnachtsmann mit den Geschenken und die Kinder schreihen traditionsgemaess nach Schneguritschka, seiner Gehilfin "Schneefloeckchen". Nun habe ich gehoert, das sie nur deswegen nach Schneefloeckchen rufen, weil der Alte vollkommen betrunken ist und weiterhin an seinem Wodka nippt, statt den Kindern endlich ihre Geschenke zu geben. So muss seine Enkelin also kommen, die Geschenke verteilen un den Opa nach Hause tragen. Das ist die Weihnachtsgeschichte. Nun, wie gesagt, ich habe noch meine Zweifel, aber tatsaechlich bin ich nicht die einzige, die diese Geschichte gehoert hat, also muss ich meine Nachforschungen nochmal intensivieren.

Aehnliche Maerchen (die jedoch nicht als solche gemeint sind) bekommen Lasse und ich von Zeit zu Zeit ueber das Essen zu hoeren. "Wodka ist gut, denn es reinigt die Leber", das ist Standard und allgemein vertreten. So, dann gibt es hier das Huehnchen Kiev, das ist ein Panierter Ball mit huehnerfleisch drin und 100 Gramm, gefuellt mit Fett, reinem Fett. Man beisst hinein und kann das Zeug in einen Becher giessen oder - wie ich - auf den Boden. Als ein Freund das sah, sagte er entsetzt "Warum machst du das? Das ist doch nur Butter!". Auch bestelle ich meinen Salat im Allgemeinen ohne Mayonnaise (Salatdressig kennt man hier kaum). Die Reaktion meiner Freunde war auch Verwunderung und als ich die Bewertung "Das macht dick" wagte wurde mich heftig widersprochen "Was? Nein, Mayonnaise macht doch nicht dick!" was uebrigens mit ihrer Auffassung uebereinstimmt. So absurd es auch klingt, irgendwie muessen sie hier aber recht haben, denn sie sind alle so wahnsinnig schlank. Auf der Strasse sieht man ueberall Maedchen, die kaum ein Drittel von mir sind mit einem Bolzen Eis (man kann hier eine 250g oder sogar 500g-Packung Eis kaufen und so auf der Strasse essen) und die werden einfach nicht dicker! Nun, dazu ist aber zu sagen, dass in ammen aeusserst wenig Substanz ist. Beisst man sein Eis, weiss man erst dann, dass ein ein Stueck weg ist, wenn man sich nachdem die oberen mit den unteren Zaehnen wieder aufeinandertreffen das Eis nochmal anguckt und ein Stueck fehlt. Allerdings ist Wasser mit Kohlensaeure aeusserst schaedlich sagt unsere Russischlehrerin. Das solle man meiden, denn es frisst die Magenwaende auf und macht krank.

Aehnlich merkwuerdige Ansichten haben die Leute hier ueber Beziehungen aber das kommt dann ein anderes Mal, ok?

Ja, meine Damen und Herren, ich habe es nun vollbracht: Ich war in der Wolga baden! Das erste mal am ersten Juniwochenende. Mit den Lehrern der Schule und einigen russischen Freunden waren wir ein Wochenende lang in der sogenannten Turbas (Kurz fuer Touristik - Basis oder so). Das ist sowas wie ein Campingplatz nur mit Haeusern, die gemeitet werden koennen. Wir hatten also mit 11 Leuten 2 Haeuser direkt am Fluss und eine kleine Feuerstelle wo wir Schaschlik und Salat gemacht haben, Andrews Geburtstag gefeiert haben, geschwommen sind und viele Leute getroffen haben. Meine lieben Freunde sind eine/r nach dem anderen ins Wasser gesprungen, haben geschriehen und sind sogleich wieder rausgesprungen mit Ausnahme von Andrew und Lasse, die drinnengeblieben sind, denn das sind starke Maenner (soll ich feststellen). Und mir. ich bin naemlich nicht reingesprungen, sondern habe einen Schritt hineingemacht und gewartet bis ich im Schlick versinke. Das war ein jeweils halbstuendiger Gewoehnungsprozess, in dem alle Zeit hatten, mich auszulachen, bis ich losgeschwommen bin und im Gegensatz zu den nun nicht mehr lachenden erst 1 1/2 Stunden spaeter wieder hinausgekrochen bin. Das war eine ganz schoene Stroemung kann ich Euch sagen. ich bin die ganze Zeit geschwommen und nicht vom Fleck gekommen. Haette ich es nicht getan saesse ich jetzt im Kaspischen Meer. Am Sonntag bin ich wieder ins Wasser gegangen, das allerdings nur aus Flucht vor den Moskitos die uns wie braune Wolken umzingelten. Scheiss viecher! Ich hasse sie! Papa - sorg dafuer dass Russlang staerkere Chemikalien gegen diese Biester bekommt! Deutsche und russische Mueckensprays waren hoffnungslos, nur das amerikanische half halbwegs. Es war die Hoelle, wirklich. Darum bin ich eben geschwommen. Und braun bin ich geworden, nicht etwa Rosa, wie sonst, sondern braun. Jawohl. Nicht gleichmaessig zwar, doch stellenweise - da bin ich stolz drauf!

Absolut erwaehnenswert ist an dieser Stelle meine Heldentat, nun bekomme ich ein Monument am Lasse - Monument (Der Mann, der damals an der Datscha die Frau aus dem Graben zog). In aller Bescheidenheit schildere ich mal meine ausserordentliche und absolut lobenswerte, wenn nicht gar glorreiche Aktion! Ich habe Nikita, einen fremden Russen unseren Alters in die Flucht geschlagen. es fing folgendermassen an: So wie die Turbas fuer uns als Auslaender eine grosse Attraktion war, waren wir fuer all unsere nationalen Nachbarn eine grosse Attraktion. "Oh, Auslaendische Jungs", dachten sich 3 50 - 60jaehrige Frauen mit Goldzaehnen und gefaerbten Haaren - "da muessen wir doch gleich fuer sie strippen". Ja, das waren dann diese Frauen. Sie draengten sich dann abends nochmal auf und versuchten von Zeit zu Zeit unsere Jungs abzuschleppen. Dann war ein Junge, der gern trinken wollte. Der kam, schlug in seinem Suff aus Versehen wohl (so meinte er hinterher) einem unserer Russischen Freunde ins Gesicht, wurde dann von seinen Freunden weggezogen und gezwungen, sich hinterher zu entschuldigen und einer weiteren Gruppe, deren groesster und breitester Freund Sergej so gern mit Andrew Armdruecken wollte. Dieser Gruppe gehoerte auch Nikita an, der nachts auch gern mit uns spielen wollte, ihm doch leider ein Schuss aus seiner Waffe in unser Fenster entglitten ist, so dass Sergej, der nun unser starker Obelix-freund wurde, ihn wegtrug und sich entschuldigte. Dann kamen alle wieder um sich zu entschuldigen, aber bei der Gelegenheit bemerkte nikita, dass er Lasses Jacke gut fand und sie dann haben wollte bis Sergej ihn rauswarf. Rausgeworfen begegnete diese Gruppe unseren laeufigen Nachbarinnen, die natuerlich sofort reagierten und so verbrachte die Gruppe die Nacht in deren Haeuschen und weiterhin will ich nicht wissen, was passierte. Nun, am naechsten Tag ist Nikita an unseren Strand gekommen um sich wiederum zu entschuldigen. Er blieb eine Weile bei uns sitzen, als ihm ihrgendwann auffiel, dass er Lasses T-shirt gerne mochte. Er wollte es haben. Unbedingt. um jeden Preis. und nervte. So lange, bis ich aufstand. mich in meiner ganzen furchterregenden Groesse vor ihm aufbaute (er sass) und in meinem gebrochenen russisch anfing zu reden: "Nikita - wie viel wodka gab es denn heute schon?" "ooooh, viel!" sagte er. "Ja, das merk ich." Er sah mich fragend an, also fuhr ich fort " Was willst Du?" fragte ich bedrohlich "Sein T-shirt" sagte er siegessicher. "Warum?" "Ich mag es" "Meinst Du, dass er es auch mag?" "Naja, aber ich mag es eben auch!" "ABER ER AUCH!" sagte ich schaerfer "ER liebt sein T - shirt auch." "Ja, aber..." ich naeherte mein Gesicht dem seinen "ER LIEBT SEIN T - SHIRT AUCH SEHR" Mittlerweile schaute meine ganze Gruppe stumm auf uns "Hoer zu, Nikita, du bist nicht sympathisch. Wenn Du sympathisch bist, kannst du hierbleiben, wenn nicht, gehst du. Ja?" "Ja, aber sein T-shirt..." "Verstehst DU? ODer kannst Du das nicht verstehen?" "ja, aber..." "Nikita, Du liebst nicht uns, du liebst nur unsere Sachen, deshalb stoerst du mich und darum gehe ich jetzt!" (Mir fiel der imperativ nicht ein, ich wollte sagen "also geh jetzt") Eigentlich wollte ich jedoch nicht weg, ich setzte mich also weiter nach hinten un beobachtete ihn, grimmig meine Schuhe anziehend. eine Weile schwiegen alle. Er neigte seinen Kopf in seine gekreuzten Arme und niemand sprach mit ihm. Nach einer Weile fragte er schliesslich schuechtern "Wo ist Caroline?" und jemand deutete ihm, dass ich hinter ihm sass und immernoch grimmig dreinblickte. Dann gin er weg und kam wenig spaeter mit seiner Gruppe und einem Fisch als Entschuldigung wieder. Das war sehr witzig. Staendig kamen Leute in bester Absicht, die jedoch zuviel tranken und sich irgendwann daneben benahmen und spaeter dann wieder entschuldigten, sich waehrend der Entschuldigung aber wieder schlecht benahmen und dann weg mussten und wiederkamen um sich zu entschuldigen. So ging es ewig weiter. Nichtsdestotrotz war es ein witziges Wochenende.

Zur Zeit verbringen wir viele Wochenenden woanders. Vor der Turbas war ich naemlich schonmal auf einer richtigen Datscha, die 10000mal schoener noch war als die Datscha in Moskau. die Fahrt hin (42 km von Wolgograd) verlief schon durch endlose Weiten wie ich sie noch nie bei uns gesehen habe. Riesige territorien wo einfach kein Mensch ist. An der Wolga entlang. ich weiss nicht, ob ich das schon geschrieben habe, aber noerdlich von Wolgograd befindet sich diese grosse Bruecke nach Wolschski, die gleichzeitig Staudamm und Kraftwerk ist. Dahinter ist ein riesiger Wolgastausee und an ihm lag die Datscha von Katjas Mutter. Ein kleines Steinhaus mit Kueche, Esszimmer und Garage im ersten Stock und 2 Schlafzimmern im zweiten Stock. Der Garten war ein einziger Obstgarten mit Aepfeln, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Erbeeren, Himberren, Johannisbeeren, Weintrauben aber auch karotten, Kartoffeln und Zwiebeln. ein Traum, dieser Garten. Zum Wasserholen mussten wir ueber einen Sandweg, der dann hinunter zum Stausee fuehrte durch riesige Duenen, die auf der einen Seite mit Gras bewachsen war, alle einen weiss-sandigen Trampelpfad hatten und an ihrer "offenen Seite" (wie Erdrisse) rote (eisen- bzw. rosthaltig) oder weisse (kalkhaltige) Steinschichten hatten. Es war ein Farbspiel wie ich es noch nie gesehen habe/ Hinten das tiefblaue Wasser, der hellblaue Himmel Oben, die intensiv gruenen Grasduenen, die um die Ecke weiss oder rot wurden, ganz wunderbar. Der Brunnen befand sich in einem kleinen verborgenen Waldstueck am Fuss der Duenen; es war ein kleiner Rinnsal aus den Felsen. unglaublich, wirklich. ich bedaure, keinen Fotoapparat mitgehabt zu haben, denn wenn ich das naechste mal dort bin, wird vieles gelb sein (Vertrocknung aufgrund der Hitze).

Genug der Schwaermerei! ich will Euch jetzt verlassen! Schreibt mir bitte weiterhin so viele liebe Nachrichten auf die Seite - ich freue mich jedes mal irrsinnig darueber, von Euch zu hoeren! Seid ganz lieb gegruesst! Ihr hoert bzw. lest bald wieder von mir, ok?

Eure Caroline