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Julius Kaminski (1859)
Deutsches Gauner-Repertorium Prinz von Armenien (1855)
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Bildergalerie mit Portraitzeichnungen 1855 bis 1860

Beispiele visueller Personenbeschreibungen aus dem 19.Jahrhundert

In sehr seltenen Fällen begannen die Steckbrieffahnder der deutschen Polizei-Blätter bereits in den 50er Jahren des mit dem Druck nicht nur schriftlicher Personenbeschreibungen, sondern auch dem Druck von visuellen Portraits. Sie blieben freilich noch lange Zeit die Ausnahme, ergänzten aber die Beschreibung um ein wichtiges bislang häufig eher wenig beachtetes Medium (das in der Herstellung freilich auch sehr arbeitsintensiv war).

Einige dieser gezeichneten Portraits möchten wir Ihnen - aufgrund ihrer Seltenheit - hier kurz vorstellen. Sie spiegeln zugleich die Bandbreite der Personen wieder, die in den Polizei-Blättern erfaßt wurden: Menschen aus allen sozialen und Bildungsschichten, gelegentliche und berufsmäßige Gauner, sich vornehm gebende Industrieritter, Orientbetrüger und dergleichen mehr. In diesem Zusammenhang sei auch nochmals hingewiesen auf die Vielgestaltigkeit und die unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffes "Gauner", der an anderer Stelle bereits erörtert wurde.

Interessant ist an den aufgenommenen Portraits, daß sie vermutlich recht vorurteilsfrei hergestellt worden sind. In den Texten ist zwar gelegentlich von Vorurteilen über kriminelle Karrieren oder Charaktere die Rede, in den Bildern aber versuchte man ein getreuliches Abbild wirklichkeitsnaher Darstellung zu liefern. Bedenkt man, daß Vorurteile auch in Photographien und Portraitaufnahmen anderer Art einfließen konnten, es sich hier aber ausschließlich um Stiche und nicht um photographische Aufnahmen handelt, kann den Erstellern der Stiche nicht unterstellt werden, daß sie ihre Vorurteile beispielsweise über die angebliche Abhängigkeit eines kriminellen Charakters von einer ebensolchen Physiognomie abhängig machten.

Einige Proben mögen zwar gelegentlich "den Verbrechertypus" darstellen, wie man ihn sich vorgestellt haben mag. Hierzu gehört sicherlich die Bilder von Rudolph von Wernikowski, Julius August Vogel und Julius Kaminski. Deren gemeinsames Kennzeichen ist eine ungerade Haltung sowie ein seltsamer gelegentlich flüchtender oder geheimnisvoller Blick. In zwei dieser genannten Fälle signalisiert zudem der geschlossene aus groben Stoff gefertigte Mantel mit hochgeschlagenem Kragen dem Betrachter eher Verschlossenheit anstatt Offenheit.

Andere wiederum - hier vor allem Richard Tiemann und Non Nominatus Koricocz - blicken dem Betrachter in gerader Haltung und gutbürgerlichem bis gehobenem Habitus in Vatermörder (Stehkragen), samtenem Kragenbesatz, Halsbinde und feineren Stoffen gekleidet entgegen und liefern damit Folien, denen auch eine Selbstdarstellungskonzeption selbst adeliger Kreise dieser Zeit entspricht.

Angesichts der durchaus stark divergierenden Darstellungskompositionen der hier nur in Auswahl gebrachten Abbildungen könnte man vermuten, daß sich die Erkenntnis, Kriminalität sei nicht nur als Phänomen mit eindeutigen sozialen Randgruppen verbunden, bereits im 19.Jahrhundert durchgesetzt hat. Zumindest in der Darstellungsweise von Portraitabbildungen im Central-Polizei-Blatt spiegelt sich diese Erfahrung deutlich und erkennbar wider.
 
Heinrich Völker
Militärpflichtiger aus Todenhausen
1857 per Steckbrief verfolgt wegen Pflichtverletzung
[Quelle: Hannoversches Polizei-Blatt, Jahrgang XI., Hannover 1857, Seite 180-181]
Heinrich Völker (1857)
Richard Tiemann (1859) Dr. jur. Richard Tiemann
Jurist aus Halle an der Saale
1859 verfolgt per Steckbrief wegen Betruges
[Quelle: Königlich Preußisches Central-Polizei-Blatt, Jahrgang XLI., Berlin 1859, Seite 368a]
Leopold Friedrich Eismann
Arbeitsmann aus Landsberg an der Warthe
1858 verfolgt per Steckbrief wegen Diebstahls
[Quelle: Königlich Preußisches Central-Polizei-Blatt, Jahrgang XL., Berlin 1858, Seite 171]
Leopold Eismann (1858)
Julius Kaminski (1859) Julius Kaminski
Berufsloser aus Liwno in Polen
1859 verfolgt per Steckbrief wegen Pferdediebstahls
[Quelle: Königlich Preußisches Central-Polizei-Blatt, Jahrgang XLI., Berlin 1859, Seite 156]
Julius August Vogel
Tischlergeselle aus Hattingen
1860 verfolgt per Steckbrief wegen Paßfälschung
[Quelle: Königlich Preußisches Central-Polizei-Blatt, Jahrgang XLII., Berlin 1860, Seite ]
Julius Vogel (1860)
Gottlieb Wagner (1858) Gottlieb Johann Wagner
Wirtschafter aus Löbau in Westpreußen
1858 reiste er unter einem Falschnamen umher
[Quelle: Königlich Preußisches Central-Polizei-Blatt, Jahrgang XL., Berlin 1858, Seite 46 und 236]
Rudolph von Wernikowski
Berufsloser aus Pleschen
1855 per Steckbrief wegen Diebstahls gesucht
[Quelle: Königlich Preußisches Central-Polizei-Blatt, Jahrgang XXXVII., Berlin 1855, Seite 17275]
Rudolph von Wernikowski (1855)
Prinz von Armenien (1855) Non Nominatus Koricocz
Berufsloser unbekannter Herkunft 
1855 gab er sich als Prinz von Armenien aus
[Quelle: Königlich Preußisches Central-Polizei-Blatt, Jahrgang XXXVII., Berlin 1855, Seite 17313]
Marie Wilhelmine Vahle
Vagabundin aus Wethen im Fürstentum Waldeck
1857 verfolgt per Steckbrief wegen Schwindelei
[Quelle: Hannoversches Polizei-Blatt, Jahrgang XI., Hannover 1857, Seite 449-454]

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