... oft von eher älteren Generationen genannt, aber eine Verkennung der Situation. Natürlich ist das »abrufbare« Wissen grösser geworden und die Medien wie das Internet sind diesbezüglich ein Segen. Aber:
Wir müssen uns nicht mehr mit den Mitteln herumschlagen wie unsere Urgrosseltern. Wenn das auch noch so wäre, müssten wir allesamt wesentlich intelligenter als die vorigen Generationen sein, um noch ein wenig weiterzukommen. Wofür ein mittelmässiger Physikschüler der 11. Klasse heute Minuten benötigt, brauchte Newton Jahre. Welche Mittel hatte Newton aber? Er musste sich für seine Forschungen erst eine »Rechenart« erfinden4, die Du heute ganz selbstverständlich lernst. Es ist klar, dass Du so alles viel leichter bewältigst als Studenten zu Newtons Lebzeiten! Aber das heisst ja nicht, dass jeder Schüler heute das Genie von Newton hat!
Tatsächlich ist das wirkliche Wissen eher geringer geworden, trotz besserer Möglichkeiten. Der beste Gradmesser dafür ist das oft vorhandene Desinteresse der meisten Menschen an ihrer Umwelt (die das Denken mit einschliesst), die sich z.B. in so etwas gering Profitträchtigem wie der falschen Erklärung für Mondphasen zeigt. Das hat früher NIEMAND aus irgendwelchen Büchern lernen müssen. Es war ein Selbstgänger, man lernte es spätestens auf der Grundschule, denn: man braucht nur hinzusehen. Hier wieder ein Beispiel wie wenig rein auswendig Gelerntes nützlich ist, wenn die natürlich vorhandene Neugier durch irgendetwas »Wichtigeres« wie Profit oder Anderem zugedeckt wird.
Eine andere geradezu als logische Folge auftretende Erscheinung ist das immer stärker anwachsende Aufblühen esoterischen Firelefanzes (von bei Vollmond abgefüllten Mondwässerchen , Horoskopen, Kreisen im Kornfeld bis zu »Katastrophengefahren«, weil wieder mal »alle Planeten in einer Reihe stehen«; es ist wirklich erschreckend!). Das Groteske an der Sache: heute muss jeder zur Schule gehen. Aber was viel wichtiger ist, heute kann auch jeder zur Schule gehen und hat die Möglichkeit, zu lernen! Du weisst selbst, dass dies weltweit alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.
In dem Zusammenahang hört man immer wieder: solche Universalgelehrten wie Goethe gibt es heute nicht mehr. Eher nur noch Spezialisten.
Völlig falsch! Man kann zwar ohne Spezialisierung heute nur noch wenige Berufe bestreiten (ausser vielleicht Lehrer zu werden ;-)), aber die Notwendigkeit einer universellen Bildung ist gerade deshalb wichtiger denn je. (Feynman, Watson und Crick (DNS!), oder Bill Gates, das sind alles andere als reine Spezialisten!)
Daher ist es nicht zu verantworten, wenn sich Mathematik nur auf das Fach allein beschränkt und Geschichte, Musik usw. links liegen lässt! Das ist heute, wie gesagt, wichtiger als je zuvor.