Sind Einsetzaufgaben wertvoll? Allenfalls bis Klasse 8. Bis zu dieser Klassenstufe muss auch gerechnet werden, dass die Schwarte kracht. Aber ohne Taschenrechner. Leider erfolgt das oft nicht in dem ausreichenden Masse, und zwar besonders dann nicht, wenn der Taschenrechner intensiv eingesetzt wird. Die beste Medizin gegen Kopfrechenschwäche: Taschenrechner bleibt in der Tasche. Sind die Zahlen »unangenehm«, wird eine Überschlagsrechnung durchgeführt.
Sitzen wir in Physik an einem Experiment, wo es auf genaue Werte ankommt oder gar bei DESY an einem Speicherring, wo die zehnte Stelle nach dem Komma wichtig ist, so ist das etwas Anderes. Wie oft kommt das bei uns vor?
Genau dies ist das was ich vorhin als »positive Faulheit« bezeichnet habe. Genauigkeit ist gut! Aber nur dann, wenn sie sinnvoll ist. In der Mittelstufenmathematik ab Klasse 9 geht es darum, wie ein Rechenweg vorgenommen wird, nicht mehr so sehr darum was herauskommt.
Damit man Überschlagsrechnungen machen kann, muss natürlich bis einschliesslich Klasse 8 die entsprechende Übung im Umgang mit Zahlen erarbeitet werden. In der Grundschule das Türmerechnen als unmodern zu bezeichnen, ist eine Unverantwortlichkeit, die sich in den späteren Jahren negativ auswirken muss. Die beste Medizin dagegen ist wieder: kein Taschenrechner!
Das Auflösen von irgendwelchen Gleichungen nach einer Grösse und das Bestimmen des Ergebnisses mit dem Taschenrechner ist in der zehnten Klasse definitionsgemäss keine ausreichende Leistung. Textaufgaben sind zwingend notwendig.