Leos Janacek entschloss sich erst sehr spät auf seiner letzten Schaffenshöhe zu einem Beitrag zur Sinfonie. Aber, um zu den grössten Sinfonikern gerechnet zu werden, ist natürlich die Anzahl der Werke recht unerheblich. Was brachte Janacek mit seiner ausserodentlichen Sinfonietta hier zustande? Ein Werk höchster Prägnanz, Originalität und vitalen Einfallsfülle.
Das Werk ist fünfsätzig und zyklisch konzipiert. Der erste Satz entwickelt über den pentatonischen Akkorden des tiefen Blechs eine sehr prägnante Fanfare, wie sie auch in der Introduktion der »Galgolithischen Messe« zu finden ist. Auch sie geht auf Smetanas Libuse zurück. Inspieriert wurde diese Fanfare unter anderem durch das Turnerfest Sokol. Der Satz ist quasi eine Introduktion des Werkes.
Der zweite Satz ist somit der »eigentliche« erste. Harmonisch sehr gepfeffert und vielfältig. Der dritte Satz beginnt zunächst »harmlos« und sehr lyrisch, steigert sich dann zu feierlichen Akkorden des tiefen Blechs, die dann im Mittelteil mit voller Lautstärke herausgeschleudert werden. Sehr eigenartiger Satz mit äusserst scharfen Kontrasten.
Der vierte Satz prägt sich unmittelbar ein. Ein Thema wird ostinato wiederholt und klanglich und harmonisch abgewandelt. Sehr kurzer Satz.
Der fünfte Satz hebet wie ein russisches Lied über der weiten Steppe an. Dazu die für Janacek typischen flirrenden Begleitfiguren. Im weiteren Verlauf verschärft sich die Harmonik des Materials und führt hart bis an die Antonalität. Mit pentatonischen Klängen des tiefen Blechs schliesst sich der Kreis und begibt sich wieder zum Anfang des Werkes. Die Fanfaren setzen ein und werden nun vom gesamten Orchester unterstützt. Mit diesen wuchtigen Klängen endet eines der originellsten Werke abendländischer Sinfonik.