Mit der sechsten Sinfonie in D-Dur, op. 60, beginnt Dvoraks eigentliche Laufbahn als Sinfoniker. Sie entstand im Jahr 1880 und ist der Abschluss von Dvoraks »slawischer Periode«.
Der erste Satz hebt wie auch in der Fünften ohne Einleitung mit einem schönen Einfall als Hauptthema an: ein Hornmotiv ruft in den Wald hinein und das Orchester antwortet als Echo. Dieser Satz ist von einem typisch slawischem Feuer durchsetzt. Der zweite Satz ist nun einer der ganz grossen langsamen Sätze Dvoraks. Es fällt schwer, zu beschreiben, in welche Klangwelt der Hörer hier eintaucht. Er gehört zu denjenigen Sätzen Dvoraks, die man unbedingt kennen sollte. Den dritten lernt man allerdings am ehesten als Einzelsatz kennen: ein knackiger Furiant, wenn auch ohne den typischen Taktwechsel, braust hier aus dem Orchester dahin mit einem nicht minder interessanten Kontrast des Trios. Der vierte Satz ist eine Art slawisches Volksfest. Ein Konzertkracher ohnegleichen und ein jubelnder Schluss dieses glücklichen Werkes.
Diese »erste« Sinfonie Dvoraks gefiel dem Dirigenten der Uraufführung im Jahre 1881, Hans Richter, über die Maßen. Und Dvorak machte sich einen Namen als Sinfoniker. Sein Freund Johannes Brahms war mit dem Lob etwas zurückhaltender und - wie es seine Art war - äusserte offen: »Ich denke mir Ihre Sinfonie noch ganz anders.« So beglückend das Werk auch ist - und allein der 2. Satz ist schon Grund genug, diese schöne Sinfonie zu kennen: mir gefällt die Fünfte doch besser, weil sie in ihrer Form ausgewogener erscheint. Wilhelm Zentner hat schon recht, wenn er schreibt: die Ecksätze kranken an einer Überfülle von Einfällen. So ganz mag dies auf den ersten Satz nicht zutreffen, wohl aber auf den vierten. Auch dieses war etwas, das Johannes Brahms an dem Werk störte. Die beiden Mittelsätze dagegen sind dagegen geradezu vollendet, was das ganze Werk aber ungleichwertig erscheinen lässt.
Dennoch: die Sinfonie gehört sicherlich zu den beglückendsten Werken, die auf diesem Gebiet geschaffen wurden.