Diese beiden Sinfonien trennen von den vorangegangenen beiden neun Jahre. Wieder schrieb Dvorak ein Doppelgespann und die Jahre 1873 und 1874 bedeuten ähnlich wie das Jahr 1865 eine Schaffenshöhe.
Die dritte Sinfonie, op. 10, in Es-Dur lag Dvorak besonders am Herzen. Als der Verleger Simrock später sich auch hier weigerte, das Werk zu übernehmen, kam es zwischen beiden zu einem empfindlichen Konflikt. Smetana setzte grosse Stücke auf das Werk und führte es 1873 als »erste tschechische Sinfonie« auf. Gegenüber ihren Vorgängern ist diese Sinfonie ein bedeutender Schritt nach vorn. Die Tonart ist bewusst dieselbe wie in Beethovens Eroica und das Zentrum des Werkes ist der sehr ausladende zweite Satz: ein Trauermarsch mit einem bezwingenden, strahlenden Trio. Hier wird die Bindung an Beethoven besonders deutlich. Die instrumentalen Mittel gemahnen jedoch eindeutig an Wagner. Sehr schöne Abschnitte enthält auch der erste Satz. Allein das Hauptthema ist strahlend, festlich, jubelnd. In der Reprise experimentiert Dvorak jedoch wieder nicht unerheblich und es ist der deutliche Wille zu spüren, fernab von »alten Stiefeln«, wie Smetana sich einst ausdrückte, etwas ganz Neues zu schaffen. Doch entgleitet Dvorak hier die Form ein wenig. Der letzte Satz ist ein strahlender, aber doch im Vergleich zu den gewichtigeren ersten beiden Sätzen, formell wegen seiner auffallenden Kürze etwas wenig überzeugendes Finale. Das Werk hat trotz seiner Dreisätzigkeit eine Spieldauer von immerhin 40 Minuten. Es kann sich noch nicht mit Dvoraks »grossen« Sinfonien messen, verdient aber stärkere Beachtung.
Dies gilt im besonderen Maße für die vierte Sinfonie, op. 13, in d-moll. Trotz der recht dunklen Tonart ist das Werk überwiegend freundlich und zeigt auf die glücklichste Weise Dvoraks Abkehr von seinen wagnerschen Experimenten. Hier festigt sich die Form der späteren grossen Sinfonien deutlich. Das Werk zeigt auffallende Schönheiten besonders in den ersten drei Sätzen. Der letzte Satz ist auch formell sehr überzeugend, präsentiert jedoch ein sehr durchdringendes, aber melodisch wenig prägnantes Hauptthema etwas zu intensiv. die Vierte wurde - ungerechterweise - von allen »Schubladensinfonien« Dvoraks am spätesten uraufgeführt: im Jahre 1892. Auch von dieser Sinfonie wollte Dvoraks Verleger Simrock noch nichts wissen.